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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Die AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr - Bilanz, Erfahrungen, Schlussfolgerungen aus der Sicht eines parlamentarischen Mitauftraggebers. Vortrag bei der Clausewitz-Gesellschaft in Mannheim </title>
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            Die AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr - Bilanz, Erfahrungen, Schlussfolgerungen aus der Sicht eines parlamentarischen Mitauftraggebers. Vortrag bei der Clausewitz-Gesellschaft in Mannheim          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 24. Oktober 2020 16:02:41 +02:00 (108917 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Zu Auslandseins&auml;tzen gibt es oft mehr Meinung als Kenntnis, angefangen damit dass ihre diplomatischen, zivilen und polizeilichen Kompenenten meist ausgeblendet werden. Der Vortrag fu&szlig;t auf meinen Erfahrungen mit diesen Eins&auml;tzen seit 1995, angefangen bei den Beratungen zu Dutzenden&nbsp; Mandatsentscheidungen bis 2009, mehr als 40 Besuchen vor Ort, Begegnungen mit Hunderten Einsatzr&uuml;ckkehrern (nicht zuletzt im Kontext der G36-Kommission und der AG &quot;Einsatzr&uuml;kkehrer&quot; im Beirat Innere F&uuml;hrung) bis zu Recherchen und Ver&ouml;ffentlichungen zu Wirkungsanalysen, Sicherheitslage Afghanistan, Krisenpr&auml;vention.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Die Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr:</strong></p>
<p align="center"><strong>Bilanz, Erfahrungen Schlussfolgerungen</strong></p>
<p align="center">aus der Sicht eines parlamentarischen Mitauftraggebers</p>
<p align="center">Vortrag beim Regionalkreis S&uuml;dwest der Clausewitz-Gesellschaft</p>
<p align="center">am 23.01.2019 in Mannheim</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Vorbemerkung</span></em></p>
<p><em>Der Vortrag wurde mit einer PowerPoint-Pr&auml;sentation gehalten. Die Bildmotive der einzelnen Folien bilden hier die Zwischen&uuml;berschriften. Gegen&uuml;ber dem gesprochenen freien Wort des Vortrages im Januar 2019 ist der Vortragstext etwas erweitert und aktualisiert.</em></p>
<p>Ein Gr&uuml;ner und Auslandseins&auml;tze? Seit meinem Wehrdienst Mitte der 1960er Jahre habe ich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Friedens- und Sicherheitspolitik zu tun. Als Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages ab 1994 habe ich den &Uuml;bergang zur Einsatzarmee Bundeswehr hautnah miterlebt und durch die Beteiligung an 70 Mandatsentscheidungen bis 2009 auch mitverantwortet. Diese Verantwortung endete nicht mit meinem freiwilligen Abschied vom Bundestag, sondern h&auml;lt bis heute an.</p>
<p><strong>&Uuml;bergabe des Feldlagers Prizen Oktober 2018</strong></p>
<p>Mit der &Uuml;bergabe des Feldlagers Prizren an die kosovarische Seite endete f&uuml;r die Bundeswehr der KFOR-Gro&szlig;einsatz. Es verblieb ein kleines Kontingent von rund 70 Soldatinnen und Soldaten. Die &Uuml;bergabe wurde in Deutschland praktisch nicht wahrgenommen. Ein Zeichen daf&uuml;r, wie sehr dieser bisher l&auml;ngste Auslandseinsatz der Bundeswehr ein vergessener geworden ist. Angesichts der mehr als 50 Auslandseins&auml;tze insgesamt und 12 mandatierten &nbsp;gegenw&auml;rtig muss ich eine Auswahl treffen. Ich konzentriere mich auf die Gro&szlig;eins&auml;tze auf dem Balkan und in Afghanistan. Auf die Mali-Eins&auml;tze gehe ich nicht detaillierter ein, weil mir dazu bisher die Erkundung vor Ort fehlt.</p>
<p><strong>Internationale Hilfseins&auml;tze und die Sarajevo-Luftbr&uuml;cke</strong></p>
<p>Diese ersten Auslandseins&auml;tze begannen 1960 mit der Erdbebenhilfe in Agadir/Marokko.</p>
<p>Seitdem leistete die Bundeswehr &uuml;ber 130 solcher Eins&auml;tze. Als Anfang der 1990e Jahre auf dem Balkan der Krieg nach Europa zur&uuml;ckkehrte, unterst&uuml;tzte die Bundesluftwaffe von Juli 1992 bis Januar 1996 mit 1.412 Hilfsfl&uuml;ge die Luftbr&uuml;cke in das belagerte Sarajevo. Die Transall gerieten mehrfach unter Beschuss. Ab August 1995 beteiligten sich deutsche ECR- und RECCE-Tornados an der &Uuml;berwachung des Flugverbots &uuml;ber Bosnien-Herzegowina und sicherten ab Dezember den Friedensvertrag von Dayton.</p>
<p><strong>Am Hang von Sarajevo und Begegnung mit deutschen IFOR-Soldaten (1996)</strong></p>
<p>In der Friedensbewegung der 1980er Jahre war das Motto verbreitet: &bdquo;Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.&ldquo; Das stimmte gegen&uuml;ber der Vorstellung, der Krieg gehe von Deutschland aus. Aber was ist, wenn Krieg woanders stattfindet. Wie verh&auml;lt man sich da? Da einfach wegzusehen, entsprach weder friedenspolitischen Vorstellungen noch dem Anspruch kollektiver Sicherheit. Also was tun? Konsens bestand bei uns Alt-Friedensbewegten hinsichtlich der Notwendigkeit humanit&auml;rer Hilfe und von Sanktionen. Ein deutlicher Dissens bestand in der Frage, ob hier zur Nothilfe und Gro&szlig;gefahrenabwehr nicht auch milit&auml;risch eingegriffen werden musste. Ich geh&ouml;rte zu denjenigen, die milit&auml;risches Eingreifen eindeutig ablehnten. Meine Argumente:&nbsp; Die Sanktionen wurden bisher nur halbherzig in die Tat umgesetzt. Bei einem milit&auml;rischen Eingreifen war eine unberechenbare Konflikteskalation zu bef&uuml;rchten. Die Bundesregierung stand unter Verdacht, eine Militarisierung der Au&szlig;enpolitik zu betreiben.</p>
<p>In einer Situation, wo sich meine gr&uuml;ne Bundestagsfraktion und Partei in der Milit&auml;rfrage herzlich uneinig war, besuchten wir im Oktober 1996 mit einer Spitzendelegation von Partei und Fraktion das Nachkriegsgebiet Bosnien &amp; Herzegowina, um uns vor Ort kundiger zu machen. Auff&auml;llig war die Intensit&auml;t der Kriegszerst&ouml;rungen: Nicht durch eine Bombe zertr&uuml;mmerte Geb&auml;ude, sondern durch Handwaffenbeschuss immer und immer wieder zernarbte H&auml;userfronten. Und dann standen wir (u.a. Joschka Fischer, Marieluise Beck, J&uuml;rgen Trittin) am Hang &uuml;ber Sarajevo. Blickten auf die Stadt, von deren mehr als dreij&auml;hriger Belagerung wir seit 1992 immer wieder in den Medien erfahren hatten. Jetzt aber, am Tatort kam die Belagerung erst menschlich bei uns an: Als ein Zeitzeuge uns von den serbischen Scharfsch&uuml;tzen berichtete, die Tag f&uuml;r Tag von der Hangh&ouml;he in die Stadt gefeuert hatten, von der brennenden Nationalbibliothek, von den &uuml;ber 10.000 meist zivilen Todesopfern, da lie&szlig; sich die uns unangenehme Einsicht nicht l&auml;nger verdr&auml;ngen: Es gibt Situationen, wo zum Schutz vor Massengewalt der Einsatz milit&auml;rischer Gewalt notwendig, legitim und verantwortbar sein kann. Das war die erste Schl&uuml;sselerfahrung.</p>
<p>Die zweite Schl&uuml;sselerfahrung ergab sich bei der Begegnung mit Soldaten des deutschen IFOR-Kontingents unter General Riechmann. F&uuml;r gestandene Kriegsdienstverweigerer in unseren Reihen war &uuml;berraschend, wie &uuml;berzeugt und selbstbewusst die Bundeswehrsoldaten f&uuml;r ihren UN-Auftrag der Gewalteind&auml;mmung und Kriegsverhinderung standen, dass sie sich nicht als Krieger, sondern Kriegsverhinderer sahen. Sichtbar wurde hier ein teilweiser Funktionswandel von Milit&auml;r im Rahmen des UN-Systems.</p>
<p>Die dritte Schl&uuml;sselerfahrung war eher eine Best&auml;tigung. Im Verteidigungsausschuss berichtete Minister Volker R&uuml;he von seinem Besuch in Bosnien und seinen Gespr&auml;chen mit den dortigen Politiker-Betonk&ouml;pfen. Unter Verweis auf erste Aufbauhilfen der EU sagte er: &bdquo;Auch Br&uuml;cken aus Beton schaffen keinen Frieden.&ldquo; Diese Erfahrung best&auml;tigte das Dr&auml;ngen aus Friedensforschung und Friedensgruppen, solche Kr&auml;fte und Initiativen ausfindig zu machen und zu unterst&uuml;tzen, die sehr wohl an einem friedlichen Zusammenleben interessiert waren. Um solche Gruppen wirksam unterst&uuml;tzen zu k&ouml;nnen, reichte nicht guter Wille. Frieden brauchte Fachleute. Aus dieser Erkenntnis erwuchs wenige Jahre sp&auml;ter der Zivile Friedensdienst.</p>
<p><strong>Blick auf Sarajevo mit Regenbogen </strong></p>
<p>Als im September 2012 nach 17 Jahren die deutsche Beteiligung am multinationalen Bosnieneinsatz endete, hatte die Bundeswehr erfolgreich und vorbildhaft zum Auftrag Kriegsverh&uuml;tung in Bosnien beigetragen. Wahrlich ein Grund, stolz darauf zu sein! (Vgl. mein Brief an den Generalinspekteur vom 3.10.2012, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1164">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1164</a> &nbsp;) Die erfolgreiche Auftragserf&uuml;llung wurde keineswegs dadurch geschm&auml;lert, dass sie ausgesprochen gewaltarm gelang und keinen nachhaltigen gesellschaftlichen Frieden schaffen konnte. Letzteres kann nur &uuml;ber politische und gesellschaftliche Konfliktl&ouml;sung gelingen. Hierzulande fand dieser Gro&szlig;erfolg eigenartigerweise keine Beachtung und geriet weitgehend in Vergessenheit.</p>
<p><strong>Ort der Entscheidung in Bonn und UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan&nbsp; </strong></p>
<p>Zwei Jahre nach dem Bosnienbesuch von 1996 eskalierten im Kosovo Gewalt, Vertreibungen und Flucht. In den Jahren zuvor hatte man in den europ&auml;ischen Hauptst&auml;dten den breiten gewaltfreien Widerstand der Kosovo-Albaner gegen ihre umfassende Entrechtung ignoriert. Im Herbst 1998 warnte UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan eindringlich davor, dass Zehntausende Binnenfl&uuml;chtlinge f&uuml;r Hilfsorganisationen nicht mehr erreichbar seien und im Winter eine humanit&auml;re Katastrophe drohe. Angesichts des europ&auml;ischen Versagens w&auml;hrend des Bosnienkriegs war im Bundestag und auch in den k&uuml;nftigen Koalitionsfraktionen von SPD und Gr&uuml;nen der Wille einm&uuml;tig, ein &bdquo;zweites Bosnien&ldquo; im Einflussbereich europ&auml;ischer Politik unbedingt zu vermeiden. Am 16. Oktober 1998 stimmte der Bundestag im Bonner Wasserwerk, dem provisorischen Sitz des Bundestages, dem Einsatz der Bundeswehr bei den angedrohten Luftoperationen der NATO zur Verhinderung einer &bdquo;humanit&auml;ren Katastrophe&ldquo; mit 500 von 584 Stimmen zu. Nach dem Scheitern der Verhandlungen in Rambouillet begann am 24. M&auml;rz 1999 der Luft-Boden-Krieg der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Die Bundeswehr beteiligte sich mit 14 Tornado-Kampfflugzeugen an der Luftaufkl&auml;rung und der Bek&auml;mpfung von Flugabwehrstellungen. Das Dilemma dabei: Der erste Krieg der NATO au&szlig;erhalb des B&uuml;ndnisgebietes und die erste Kriegsbeteiligung eines demokratischen Deutschland war begr&uuml;ndet als milit&auml;rische Nothilfe, aber nicht durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrats legalisiert und somit nicht durch die UN-Charta gedeckt.</p>
<p><strong>Zerst&ouml;rte D&ouml;rfer im Kosovo, Cruise Missile-Einschlag in Belgrad</strong></p>
<p>Die NATO-Operation &bdquo;Allied Force&ldquo; endete nicht binnen weniger Tage, worauf die NATO-Mitglieder gesetzt hatten, sondern erst nach 78 Tagen. Die milit&auml;rische Wirkung des Luftkrieges war geringer als erwartet. Mit der Doppelstrategie von milit&auml;rischem Druck und einer diplomatischen Initiative, die von Berlin ausging und Russland wieder einbezog, konnte der jugoslawische Pr&auml;sident Milosevic zum Einlenken gezwungen werden. Die Gesamtwirkung von Allied Force war zwiesp&auml;ltig: Der serbische Vertreibungsterror und die humanit&auml;re Katastrophe, die durch die (Androhung der) NATO-Luftangriffe verhindert werden sollten, beschleunigten sich zun&auml;chst. Letztendlich aber konnte die Massenvertreibung der Kosovo-Albaner gestoppt und r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht, konnte ihre Totalvertreibung verhindert werden. Nicht verhindert werden konnte, dass im Gegenzug ein Gro&szlig;teil der Kosovo-Serben flohen bzw. vertrieben wurden.</p>
<p>Im innerdeutschen Streit um den Kosovo-Luftkrieg als bewaffnete Nothilfe gegen&uuml;ber Massengewalt oder als politische &bdquo;Tods&uuml;nde&ldquo; trennten sich gerade im Umfeld von Gr&uuml;nen und SPD viele politische Wege.</p>
<p><strong>KFOR-Einmarsch im Juni 1999</strong></p>
<p>Auf Beschluss des UN-Sicherheitsrates r&uuml;ckte ab 12. Juni 1999 die NATO-gef&uuml;hrte Kosovo Force (KFOR) mit &uuml;ber 50.000 Soldaten aus 40 L&auml;ndern, darunter mehr als 3.000 aus Deutschland, in das Kosovo ein. V&ouml;llig ungewiss war, ob der Waffenstillstand gegen die serbischen Kr&auml;fte erk&auml;mpft werden musste. Als diese sich vertragsgem&auml;&szlig; zur&uuml;ckzogen, gefolgt von einem Exodus serbischen Fachkr&auml;fte aus allen staatlichen Einrichtungen, weitete sich der KFOR-Auftrag sprunghaft aus: Neben der Absicherung der Friedensregelungen musste KFOR nun zus&auml;tzlich die staatliche Grundversorgung organisieren, Kosovo-Serben vor der w&uuml;tenden Rache aus der Mehrheitsbev&ouml;lkerung sch&uuml;tzen und den massenhaften Vertriebenenr&uuml;ckstrom aus den Nachbarl&auml;ndern bew&auml;ltigen. Die Spiegel-Reporterin Susanne Koelbl berichtete, dass die Bundeswehrsoldaten in diesem explosiven Chaos virtuos agiert h&auml;tten, mit Besonnenheit und Entschlossenheitr. Im Laufe der folgenden Monate &uuml;bernahm die United Nations Interim Administration Mission (UNMIK) die staatlichen Funktionen in dem UN-Protektorat Kosovo.</p>
<p><strong>ZIF-Kurse, Berge bei Tetovo: Direkte Lehren aus dem Kosovo-Krieg</strong></p>
<p>Der Kosovo-Einsatz von KFOR und UNMIK wurde von den sieben f&uuml;hrenden westlichen Industrienationen und Russland (G 8) eingebettet in einen &bdquo;Stabilit&auml;tspakt&ldquo; f&uuml;r S&uuml;dosteuropa, um wirtschaftlichen Aufschwung, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Region zu f&ouml;rdern.</p>
<p>Die Herausforderung von Peacebuilding in Nachkriegsgesellschaften wie Bosnien und Kosovo hatten die Grenzen bisheriger Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit verdeutlicht. Notwendig wurden neue Instrumente und Ans&auml;tze der Zivilen Krisenpr&auml;vention, Konfliktbearbeitung und Friedensf&ouml;rderung. In Berlin entstand das Zentrum f&uuml;r Internationale Friedenseins&auml;tze (ZIF) mit der Aufgabe, Fachkr&auml;fte f&uuml;r internationale Friedensmissionen von UN, OSZE und EU zu qualifizieren und zur Verf&uuml;gung zu stellen. Seit Jahren geh&ouml;rt das ZIF zu den weltweit anerkanntesten zivilen Kompetenzzentren. Zur gesellschaftlichen Verst&auml;ndigung und Friedensf&ouml;rderung von unten entstand in Deutschland der Zivile Friedensdienst, dessen Fachkr&auml;fte Vers&ouml;hnungs- und Friedensprojekte in Konfliktgebieten unterst&uuml;tzen. Bis heute wurden &uuml;ber 1300 Friedensfachkr&auml;fte in mehrj&auml;hrige Eins&auml;tze in &uuml;ber 60 L&auml;nder entsandt.</p>
<p>Eine dritte Lehre wurde auf der Ebene des operativen Krisenmanagements gezogen.</p>
<p>In den Jahren 2000 und 2001 kam es in der Nachbarschaft des Kosovo, im Presevotal und in Mazedonien, zu neuen Gewaltausbr&uuml;chen. Beg&uuml;nstigt durch den Wechsel zur Demokratie in Belgrad gab es nun&ndash; erstmalig in den Balkankrisen - ein koh&auml;rentes internationales Krisenengagement, wo konsequent auf die Hauptverantwortung der Konfliktparteien bei der Konfliktbearbeitung und eine politische L&ouml;sung gedr&auml;ngt und wo Eskalationskalk&uuml;le von Gewaltakteuren durchkreuzt wurden. In beiden F&auml;llen gelang es, eine Gewaltexplosion zu verhindern. In Mazedonien w&auml;re es andernfalls mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit zu einem B&uuml;rgerkrieg mit grenz&uuml;berschreitender Wirkung gekommen.</p>
<p><strong>UNMIK-Besuch, Sicherheitsentwicklung: Bilanz des Kosovo-Einsatzes</strong></p>
<p>Stabilisierung und Aufbau im Kosovo dauerten viel l&auml;nger und waren viel schwieriger als von der Staatengemeinschaft erwartet. Schwere, interethnische Gewalt konnte im Laufe der Jahre erheblich reduziert und der R&uuml;ckschlag der M&auml;rzunruhen von 2004 &uuml;berwunden werden. Mitrovica im serbisch besiedelten Norden blieb aber ein Hot Spot, Korruption und Organisierte Kriminalit&auml;t reichen bis in h&ouml;chste Kreise der Politik, in der jungen Bev&ouml;lkerung herrscht viel Perspektivlosigkeit.</p>
<p>Den Ausbruch erneuter Kriegsgewalt zu verhindern und eine Grundstabilisierung zu erreichen, war eine gro&szlig;e Gemeinschaftsleistung des internationalen KFOR-Einsatzes. Dass politische Friedlosigkeit fortbesteht und bisher keine gefestigte Rechtsstaatlichkeit und Wirtschaft entstand, lag nicht im Einflussbereich von KFOR. Exemplarisch zeigten sich hier die Grundprobleme von politischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Peacebuilding, das nicht einfach von au&szlig;en importiert werden kann: Es ist zwingend angewiesen auf gen&uuml;gend aufbauwillige und verst&auml;ndigungsbereite Kr&auml;fte im Einsatzland selbst.</p>
<p>(Nacht&auml;gliche Anmerkung: 2019 w&auml;re die Gelegenheit gewesen, die Gemeinschaftsleistung der 130.000 deutschen KFOR-Soldaten geb&uuml;hrend und &ouml;ffentlichkeitswirksam zu ehren. Aus dem Beirat Innere F&uuml;hrung gab es dazu Empfehlungen. Unverst&auml;ndlicherweise schwieg das politische Berlin zu 20 Jahre KFOR-Einsatz. Es entstand der Eindruck, als sei gelungene Friedenssicherung nicht der Rede wert.)</p>
<p><strong>Solidarit&auml;tskundgebung mit den USA am 13. September 2001 am Brandenburger Tor - </strong></p>
<p><strong>Start des Afghanistaneinsatzes</strong></p>
<p>Zwei Tage nach den Terrorangriffen auf die USA am 11. September 2001 versammelten sich am Brandenburger Tor 200.000 Menschen zu einer Kundgebung &bdquo;Solidarit&auml;t mit den USA&ldquo;. Jetzt war auch die deutsche Politik mit der Herausforderung eines transnationalen Terrorismus konfrontiert. Die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung war in der staatlichen Zentralaufgabe gefordert, die eigene Bev&ouml;lkerung und die offene Gesellschaft bestm&ouml;glich gegen&uuml;ber dieser unsichtbaren Bedrohung zu sch&uuml;tzen und zur kollektiven internationalen Sicherheit beizutragen. Um den USA Solidarit&auml;t zu beweisen, der Beistandsverpflichtung gem&auml;&szlig; Art. V des NATO- Gr&uuml;ndungsvertrages nachzukommen, Hinterm&auml;nner des 11. September zu fassen und um gegen die Infrastruktur internationaler Terrornetzwerke in Afghanistan vorzugehen, erkl&auml;rte die Bundesregierung ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die US-gef&uuml;hrte Antiterror-Operation &bdquo;Enduring Freedom&ldquo; (OEF): Bis zu 3.900 Soldaten in den F&auml;higkeiten ABC-Abwehr, Lufttransport, Sanit&auml;t und Seestreitkr&auml;fte sollten in dem riesigen Raum der arabischen Halbinsel, Mittel- und Zentralasiens und Nordostafrikas mit angrenzendem Seegebiet eingesetzt werden k&ouml;nnen. Als besonders kritisch galt der Einsatz von bis zu 100 Soldaten des Kommando Spezialkr&auml;fte (KSK) in Afghanistan. Am 16. November gewann die Bundesregierung f&uuml;r ihren OEF-Antrag nur &auml;u&szlig;erst knapp und unter dem Druck der von Bundeskanzler Schr&ouml;der damit verkn&uuml;pften Vertrauensfrage die Zustimmung der Koalitionsabgeordneten. Nicht wenige der Koalitionsabgeordneten, die vor Jahren aktiv in der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg gewesen waren, sahen jetzt am Horizont ein &acute;rot-gr&uuml;nes Vietnam`.</p>
<p>Schneller als erwartet brach das Taliban-Regime zusammen. Als die Vereinten Nationen dazu aufriefen, das von 23 Kriegs- und Terrorjahren zerr&uuml;ttete Afghanistan beim Aufbau zu unterst&uuml;tzen, fand einen Monat sp&auml;ter im Bundestag die geplante Beteiligung der Bundeswehr an der UN-mandatierten International Security Assistance Force (ISAF) in Kabul breiteste Zustimmung.</p>
<p><strong>Deutsche ISAF-Patrouille und deutsche Polizisten in Kabul 2003</strong></p>
<p>Bewusst war zugleich die verheerende Geschichte der britischen Interventionen im 19. Jahrhundert und der sowjetischen Invasion Afghanistans im Jahre 1979. Zwei Weltm&auml;chte waren hier strategisch gescheitert. Die ISAF-Truppensteller nahmen den subsidi&auml;ren Unterst&uuml;tzungsauftrag von ISAF ernst: &bdquo;Blo&szlig; nicht Besatzer werden!&ldquo; Daraus ergab sich der Ansatz eines auf den Raum Kabul beschr&auml;nkten ISAF-Einsatzes, eines &bdquo;light footprint&ldquo;! UN- und Regionalexperten, die damals zugleich zu Realismus und Konsequenz mahnten, fanden allerdings kaum Geh&ouml;r.</p>
<p>Die USA als m&auml;chtigster Verb&uuml;ndeter verfolgten von vorneherein einen anderen Kurs. Sie konzentrierten sich auf milit&auml;rische Antiterror-Operationen mit wenig R&uuml;cksicht auf die Zivilbev&ouml;lkerung. An der Unterst&uuml;tzung des Staatsaufbaus beteiligten sie sich zun&auml;chst nicht. 2003 hatte f&uuml;r die Bush-Administration der Krieg gegen den Irak Vorrang, so dass erhebliche Kr&auml;fte von Afghanistan nach Irak verlegt wurden.</p>
<p>Im Sommer 2003 besuchte ich neben dem deutschen ISAF-Kontingent auch das Deutsche Polizei-Projekt-B&uuml;ro. Deutschland&nbsp; hatte die Lead-Rolle bei der Koordination der internationalen Polizeiaufbauhilfe &uuml;bernommen, die USA f&uuml;r die Armee, Gro&szlig;britannien f&uuml;r die Drogenbek&auml;mpfung, Italien f&uuml;r die Justiz. Die deutschen Bundes- und L&auml;nderpolizisten arbeiteten sehr professionell und kollegial mit den afghanischen Polizisten zusammen.&nbsp; Der Haken war ein politischer: Mit 17 Beamten war die Polizeikomponente f&uuml;r die gigantische Aufgabe Polizeiaufbau personell und finanziell krass unterausgestattet. Das stand exemplarisch f&uuml;r eine politische Grundhaltung in Berlin und anderen Hauptst&auml;dten, die die Herausforderung von Staatsaufbau in einem so fragmentierten und zerr&uuml;tteten Land enorm untersch&auml;tzten. (Aufbauillusionen)</p>
<p><strong>Karte der ISAF-Ausweitung ab 2003</strong></p>
<p>Zwei Jahre nach ISAF-Start stellte sich heraus, dass die Stabilisierung von Kabul keineswegs auf das ganze Land ausstrahlte. 79 internationale Nichtregierungsorganisationen riefen die NATO dazu auf, den ISAF-Einsatz auf das ganze Land auszudehnen. Das geschah dann auch, allerdings mit in Relation zur Gr&ouml;&szlig;e und Unzug&auml;nglichkeit der Einsatzr&auml;ume sehr kleinen Kontingenten und ausgesprochen schleppend. Als britische Kr&auml;fte im Fr&uuml;hsommer 2006 in der S&uuml;d-Provinz Helmand stationiert wurden, waren sie sehr schnell mit einem Guerilla- und Terrorkrieg konfrontiert, der bis zu ihrem Abzug 2014 andauerte. Die R&uuml;ckkehr der Taliban und des Krieges zuerst im S&uuml;den wurde auch in der deutschgef&uuml;hrten Nordregion gesp&uuml;rt. Dass die Warnung des deutschen Regionalkommandeurs in Berlin auf taube Ohren stie&szlig;, habe ich selbst miterlebt.</p>
<p>&nbsp;<strong>Aufgaben und Struktur des PRT Kunduz</strong></p>
<p>Ab Oktober 2003 wuchs im nordafghanischen Kunduz ein deutsch-gef&uuml;hrtes Provincial Reconstruction Team (PRT) auf. Auftrag und Aufgaben waren plausibel und zustimmungsf&auml;hig. Aber was sollte &bdquo;Schaffung eines sicheren Umfeldes, von demokratischen Strukturen&ldquo; konkret bedeutet? Mit anderen Worten: Auf operativer Ebene fehlte es an einer Art von Zielklarheit, die Erfolgskontrolle erm&ouml;glicht h&auml;tte.</p>
<p>Auf der Hand lag, dass Stabilisierung und Aufbauunterst&uuml;tzung nur ressort&uuml;bergreifend und gemeinsam zu schaffen waren (vernetzte Sicherheit bzw. Ansatz): Die Umsetzung dieser Erkenntnis fiel aber ausgesprochen schwer: Die personelle und finanzielle Ausstattung der milit&auml;rischen, diplomatischen, polizeilichen und Entwicklungskomponente war h&ouml;chst unterschiedlich: Das Milit&auml;r im aufwachsenden dreistelligen Bereich, Entwicklungshilfe (mit Ortskr&auml;ften) aufwachsend zwei- bis dreistellig, Polizei und Diplomaten niedrig einstellig. Eine ressortgemeinsame Einsatzvorbereitung gab es nicht. Also mussten sich Entsandte aus verschiedenen Organisationskulturen vor Ort zusammenfinden, auch &ndash;raufen. Es hing von den Personen ab, ob das pragmatisch gelang.</p>
<p><strong>Teacher Training College in Mazar-e Sharif, Koranschule Kunduz</strong></p>
<p>Deutschland finanzierte die Errichtung von sechs Teacher Training Colleges in Nord-Afghanistan. Die Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterst&uuml;tzt bis heute die Weiterentwicklung der Lehrerausbildung. Seit 2008 besuchte ich mehrfach das TTC in Mazar: Dabei begegnete ich angehenden Lehrerinnen und Lehrern, die wirklich was f&uuml;r die Schulkinder, f&uuml;r ihr Land schaffen wollten.</p>
<p>Fast jedes Jahr seit Anfang 2004 besuchte ich auch Kunduz, sah die deutlichen Aufbaufortschritte. Im Mai 2007 ging es in eine nicht-fundamentalistische Koranschule. Im Gespr&auml;ch mit einigen Sch&uuml;lern fragte ich sie, wie sie die deutschen Soldaten f&auml;nden. Ihre Antwort: &bdquo;Die verhalten sich anst&auml;ndig&ldquo;. In einem Land, wo Ehre und Respekt ganz besonders viel gelten, sind solche Worte zu ausl&auml;ndischen Soldaten eine Bestnote. Zwei Wochen sp&auml;ter der Schock: Einem Selbstmordattent&auml;ter auf dem Markt fielen drei Bundeswehrsoldaten und sieben afghanische Zivilisten zum Opfer. In einer Protest- und Solidarit&auml;tsresolution erkl&auml;rten die Rechtsgelehrten, &Auml;ltesten, Lehrerschaft, Sch&uuml;ler, Jugendorganisationen und Handwerksgenossenschaft der Provinz Kunduz, die Anwesenheit des deutschen PRT in der Provinz sei so &bdquo;notwendig wie das Wasser zum Leben.&ldquo;</p>
<p><strong>Blick von der &bdquo;Platte&ldquo; in Kunduz 2008 und Patrouille am 29. April 2009</strong></p>
<p>Nach den ersten, auf vielen Feldern erfolgreichen Aufbaujahren kippte der Sicherheitstrend ab 2007 und der Krieg kehrte schrittweise auch in die bisherige Hoffnungsprovinz Kunduz zur&uuml;ck.</p>
<p>Bei einem Kunduz-Besuch der Obleute des Verteidigungsausschusses im Oktober 2008 erkl&auml;re uns der PRT-Kommandeur: &bdquo;Wir haben die Initiative verloren!&ldquo; Als wir dies in der n&auml;chsten Ausschusssitzung berichteten, hie&szlig; es von der BMVg-Spitze nur, das sei die &bdquo;Sicht von unten.&ldquo; Diese &Auml;u&szlig;erung war exemplarisch f&uuml;r die damals in Berlin dominierende&nbsp; Realit&auml;tsverleugnung. Die schrittweise Verschlechterung der Sicherheitslage wurde in Berlin sch&ouml;ngeredet und verdr&auml;ngt.</p>
<p>Am fr&uuml;hen Abend des 29.04.2009 bewegten sich die zehn Fahrzeuge einer Patrouille des PRT Kunduz im Distrikt Chahar Darreh auf der LOC Banana Richtung PRT. Kurz nach der Ortschaft Laquai geriet die Patrouille in einen komplexen, &uuml;ber ca. zwei km gestaffelten Hinterhalt: Bis 50 Angreifer bewegen sich parallel zur Patrouille &uuml;ber vorbereitete Stellungen fort. Weniger gesch&uuml;tzte Fahrzeuge der Patrouille wurden mit unterschiedlicher Signalmunition markiert und mit Panzerabwehr- und Handfeuerwaffen unter Feuer genommen. Gesichtet wurden zwei Personen mit Sprengladungen am K&ouml;rper. Die Kolonne bewegt sich in kurzen Spr&uuml;ngen vorw&auml;rts. Der Transportpanzer Fuchs am Ende der Kolonne wurde von einer RPG-7 getroffen. Das Hohlladungsgeschoss drang durch die Panzerung in den Kampfraum ein und t&ouml;tet den Hauptgefreiten Sergej Motz. Drei Kameraden werden verletzt. Der 21-j&auml;hrige Sergej Motz vom J&auml;gerbataillon 292 in Donaueschingen war der erste Bundeswehrsoldat, der in einem Feuergefecht gefallen ist. Im Verteidigungsausschuss hie&szlig; es danach, erstmalig sei hier Bundeswehr mit einem milit&auml;risch operierenden Gegner konfrontiert gewesen. Die Aufst&auml;ndischen zielten auf die Vernichtung einer ganzen Teileinheit.</p>
<p>In den Folgemonaten h&auml;uften sich die Gefechte. Die deutschen ISAF-Soldaten waren immer intensiver mit einem Terror- und Guerillakrieg konfrontiert. Sie standen im Krieg.</p>
<p><strong>Karten und Schaubilder zur Lage 2010/11</strong></p>
<p>Mit dem Strategiewechsel und Surge unter US-Pr&auml;sident Obama ab 2009 operierte auch die Bundeswehr offensiver. Gemeinsam mit afghanischen und anderen ISAF-Kr&auml;ften konnten die zwei deutschen Ausbildungs- und Schutzbataillone (Task Forces) Kunduz und Mazar die Aufst&auml;ndischen in den Provinzen Baghlan und Kunduz zur&uuml;ckdr&auml;ngen und Bewegungsfreiheit zur&uuml;ckgewinnen. Der jahrelange Trend zunehmender Sicherheitsvorf&auml;lle kehrte sich 2011 erstmalig um. Erste Hoffnungszeichen.</p>
<p>Parallel zur Counterinsurgency-Phase wurde auch die Aufbauunterst&uuml;tzung deutlich verst&auml;rkt.&nbsp; Zum Beispiel im Polizeisektor, wo seit 2008 mit deutscher Hilfe in Mazar.e Sharif ein gro&szlig;es Regionales Polizei-Trainingszentrum entstand und zeitweilig bis zu 200 Polizisten beim German Police Project Team eingesetzt waren. Seit 2009 entwickelte die GIZ das Programm &bdquo;Alphabetisierung und nachholende Grundbildung&ldquo; f&uuml;r Polizisten, das inzwischen auf alle 34 Provinzen des Landes ausgeweitet wurde. Im letzten Herbst unterrichteten hierbei rund 1.500 Lehrpersonen, oft ehemalige Polizeioffiziere, ungef&auml;hr 35.000 Polizisten.</p>
<p><strong>Spuren der Zerst&ouml;rung in Kunduz</strong></p>
<p>Die Fortschritte am Boden wurde aber auf der politisch-strategischen Ebene konterkariert durch die Entscheidung von Pr&auml;sident Obama, der anderen ISAF-Truppensteller und der afghanischen F&uuml;hrung, die ISAF-Kampftruppen bis Ende 2014 abzuziehen und durch die viel kleinere Beratungsmission Resolute Support zu ersetzen. Gerade Milit&auml;rs warnten, die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte seien insgesamt noch nicht in der Lage, die Sicherheitsverant-wortung zu &uuml;bernehmen. Der komplizierte ISAF-Abzug verlief erfolgreich und ohne eigene Verluste &ndash; aber mit erheblichen &bdquo;Nebenwirkungen&ldquo; f&uuml;r die afghanische Bev&ouml;lkerung und Sicherheitskr&auml;fte (Abzugsillusion). Krass deutlich wurde das im Herbst 2015, als die Taliban mit Kunduz erstmalig eine Provinzstadt f&uuml;r 14 Tage besetzen konnten. 280 Menschen starben bei der Besetzung, als die Taliban vor allem Reformkr&auml;fte verfolgten. Der Fall von Kunduz wirkte weit &uuml;ber die Provinz hinaus als Schock &ndash; bis in deutsche Bundeswehrkrankenh&auml;user, wo Einsatzgesch&auml;digte ganz pers&ouml;nlich mitlitten: Gek&auml;mpft, geblutet, Kameraden verloren &ndash; alles umsonst?</p>
<p><strong>Massakeranschl&auml;ge in Kabul</strong></p>
<p>Ein zentraler Indikator f&uuml;r die Sicherheitslage, f&uuml;r das Ma&szlig; an &bdquo;sicherem Umfeld&ldquo; ist die Zahl der Zivilopfer im Kontext des bewaffneten Konflikts. Quartalsweise ver&ouml;ffentlicht die politische UN-Mission UNAMA dazu Berichte. Seit 2009 stieg die Zahl von Zivilopfern Jahr f&uuml;r Jahr. Im ISAF-Abzugsjahr machte sie einen Sprung um 22% und blieb dann allj&auml;hrlich bei &uuml;ber 10.000 Zivilopfern, davon &uuml;ber 3.500 Tote. 2017 sollen allein um 10.000 afghanische Soldaten und Polizisten gefallen sein.</p>
<p>Beispielhaft f&uuml;r den entgrenzten Terror zahlloser Anschl&auml;ge stehen die folgenden zwei:</p>
<p>- Am 27. Juli 2016 Angriff auf eine friedliche Demonstration von 10.000 &uuml;berwiegend Hazara w&auml;hrend einer Gebetspause: 85 Tote, 413 Verletzte. Erstmalig bekannte sich ein afghanischer IS-Ableger zu einem Anschlag. (Anschlie&szlig;end zielten IS-Terroranschl&auml;ge besonders gegen Heiligt&uuml;mer und Gl&auml;ubige der schiitischen Hazara.)</p>
<p>- Am 31. Mai 2017 Explosion eines mit 1.500 kg Sprengstoff geladenen Lkw`s im morgendlichen Berufsverkehr in N&auml;he der deutschen Botschaft: &uuml;ber 100 Tote, 600 Verletzte. W&auml;re das dabei zerst&ouml;rte Kanzleigeb&auml;ude der Botschaft nicht Wochen zuvor ger&auml;umt worden, w&auml;ren auch viele Botschaftsangeh&ouml;rige umgekommen. Nachdem sechs Monate zuvor das Deutsche Generalkonsulat in Mazar-e Sharif durch einen Anschlag zerst&ouml;rt worden war, verf&uuml;gte die Bundesrepublik in Afghanistan &uuml;ber keinen diplomatischen St&uuml;tzpunkt mehr.</p>
<p>Das sichere Umfeld, das ISAF zusammen mit den afghanischen Sicherheitskr&auml;ften schaffen sollte, war weiter denn je entfernt.</p>
<p><strong>T-Walls in Camp Pamir/Kunduz </strong></p>
<p>Nach der urspr&uuml;nglichen Planung sollte die Beratungsmission Resolute Support bis Ende 2016 abziehen k&ouml;nnen. Da die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte trotz einzelner Fortschritte (Spezialkr&auml;fte, Luftwaffe) allein nicht &uuml;berlebens- und durchsetzungsf&auml;hig waren, wurde Resolute Support nicht nur unbefristet verl&auml;ngert, sondern auch wieder leicht ausgeweitet.</p>
<p>Kleine Kontingente von Bundeswehr-Beratern und Force Protection sind nun wieder in Kunduz und Maimaneh im Nordwesten.</p>
<p>(Anmerkung: Bei meinem letzten Besuch in Mazar und Kunduz im Oktober 2019 hie&szlig; es einm&uuml;tig, die Sicherheitslage verschlechtere sind zunehmend.)</p>
<p><strong>Berufsbildungszentrum Takhta Pul bei Mazar </strong></p>
<p>Umso erstaunlicher bei dieser d&uuml;steren Gro&szlig;wetterlage ist, dass einzelne, auch gr&ouml;&szlig;ere Aufbauprojekte trotz aller Bedrohung noch durchhalten und arbeiten k&ouml;nnen. Zum Beispiel der mit deutscher Hilfe errichtete Berufsbildungs-Campus Takhta Pul bei Mazar-e Sharif. In der Landwirtschaftsschule, Ingenieurschule und Berufsschullehrerakademie k&ouml;nnen insgesamt 1.700 junge Leute lernen. Obwohl die Umgebung von Taliban infiltriert ist, konnte hier weiter ungest&ouml;rt gearbeitet werden. Takhta Pul soll die gr&ouml;&szlig;te Berufsbildungseinrichtung des Landes sein. Sie bietet Tausenden Menschen eine konkrete Perspektive und ist viel mehr als ein Tropfen auf dem hei&szlig;en Stein. Insgesamt arbeiten f&uuml;r die deutsche GIZ im Norden noch 15-20 internationale Entsandte und 1.200 Ortskr&auml;fte.</p>
<p><strong>Unterzeichnung des US-Taliban-Abkommens</strong></p>
<p>Am 29. Februar 2020 wurde in Doha ein Abkommen zwischen den USA und Taliban unterzeichnet, nach einer Woche weitgehend eingehaltener Waffenruhe, nach 18 Monaten Verhandlungen, 18 Jahren internationaler Intervention, 42 Jahren Terror und Kriegsgewalt.</p>
<p>Neben der Hoffnung, dass das Abkommen ein T&uuml;r&ouml;ffner zu tats&auml;chlichen Friedensgespr&auml;chen werde, ist die Angst verbreitet, dass es nur ein Deal sei, um Pr&auml;sident&nbsp; Trump rechtzeitig zur US-Pr&auml;sidentschaftswahl einen gesichtswahrenden Abzug zu erm&ouml;glichen. Etliche Beobachter sehen die akute Gefahr, dass Afghanistan in einen offenen B&uuml;rgerkrieg st&uuml;rzt.</p>
<p>(Anfang M&auml;rz 2020 erkl&auml;rten sich die beiden Hauptkonkurrenten der afghanischen Pr&auml;sidentschaftswahl vom letzten September jeweils zu Pr&auml;sidenten. Der&nbsp; Gefangenen-austausch zwischen Taliban und Regierung kam erst mit Verz&ouml;gerung in Gang. Die innerafghanischen Friedensgespr&auml;che haben auch zwei Monate nach dem geplanten Start noch nicht begonnen.)</p>
<p><strong>Warum wurden zentrale Ziele nicht erreicht?</strong></p>
<p>Die Ziele Terror&uuml;berwindung, Friedenssicherung, verl&auml;ssliche Staatlichkeit, St&auml;rkung der Wirtschaft, &Uuml;berwindung von Armut wurden in 18 Jahren internationalem Afghanistan-Engagement insgesamt nicht erreicht, auch wenn es vor Ort wichtige Teilfortschritte gab?</p>
<p>Ohne Anspruch auf Vollst&auml;ndigkeit scheinen mir die folgenden Gr&uuml;nde besonders wichtig:</p>
<p>- Die &Uuml;berkomplexit&auml;t des internationalen Engagements mit bis zu 85 beteiligten Staaten, 15 gro&szlig;en internationalen Organisationen, anfangs &uuml;ber 1.700 Nichtregierungsorganisationen, drei Milit&auml;reins&auml;tzen (ISAF/RSM. OEF/Operation Freedom`s Sentinel, CIA);</p>
<p>- das geografisch zerkl&uuml;ftete Einsatzland mit einer fragmentierten, zerr&uuml;tteten Gesellschaft und zugleich h&auml;rtester Widerstandstradition;</p>
<p>- Mangel an Landeskenntnis und Konfliktverst&auml;ndnis bei vielen Verb&uuml;ndeten;</p>
<p>- Strategiemangel, ja strategische Dissense auf Seiten der Interventen im Hinblick auf den Fokus des Einsatzes, die strategische Rolle milit&auml;rischen Zwangs, die Beziehungen zu Warlords und Reformkr&auml;ften</p>
<p>- Aufbau- und Machbarkeitsillusionen: &Uuml;bersch&auml;tzung internationaler Wirkungsm&ouml;glich-keiten, Untersch&auml;tzung des Hilfs- und Zeitbedarfs beim Statebuilding und der Korruptions-f&ouml;rderung als breiter Nebenwirkung</p>
<p>- mangelnde Auftragsklarheit, Missverh&auml;ltnis zwischen milit&auml;rischen und zivilen Kapazit&auml;ten, unzureichende Umsetzung des Comprehensive Approach;</p>
<p>- allgemeine Suche nach einer politischen Verhandlungsl&ouml;sung mit den Taliban erst, als die Taliban strategisch auf dem Vormarsch und der Westen auf dem R&uuml;ckzug waren;</p>
<p>- &nbsp;mangelnde Wirksamkeitskontrolle, verbreitete Realit&auml;tsverleugnung und Sch&ouml;nrednerei;</p>
<p>- unterschiedliche nationale Ans&auml;tze, wo Niederlande, Norwegen, Deutschland u.a. als landes- und bev&ouml;lkerungsn&auml;her galten und aussichtsreichere Ans&auml;tze (z.B. des Tribal Liason Office, der Niederl&auml;nder in Uruzgan) nicht zum Durchbruch kamen.</p>
<p>Zusammengefasst: Die entsandten Soldaten, Diplomaten, Entwicklungsexperten und Polizisten konnten sich noch so sehr engagieren und hohe Belastungen und Risiken auf sich nehmen. Der Knackpunkt des Einsatzes war ein kollektives politisches F&uuml;hrungsversagen in den Hauptst&auml;dten, in Washington &uuml;ber Br&uuml;ssel bis Kabul, also auch in Berlin. Als Mitauftrag-geber der Eins&auml;tze tragen der Bundestag und besonders wir Au&szlig;en- und Verteidigungs-politiker im Parlament eine erhebliche Mitverantwortung.</p>
<p><strong>Gesamtbilanz der Eins&auml;tze: Auftr&auml;ge erf&uuml;llt? Was waren die Wirkungen, Erfahrungen, Lehren?</strong></p>
<p>Einzelstudien zu deutschen Auslandseins&auml;tzen und Krisenengagements gibt es viele. Bisher &nbsp;fehlen aber systematische, ressort&uuml;bergreifende und unabh&auml;ngige Wirkungsanalysen. Methodisch sind solche Evaluationen bei multinationalen und multidimensionalen Eins&auml;tzen schwierig, aber keineswegs unm&ouml;glich. Das haben Norwegen, die Niederlande und USA f&uuml;r ihre Afghanistaneins&auml;tze gezeigt.</p>
<p><strong>Karte der aktuellen Eins&auml;tze und einsatzgleichen Verpflichtungen der Bundeswehr</strong></p>
<p>Die meisten der &uuml;ber 50 Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr seit 1991 geh&ouml;ren zur Kategorie Stabilisierung nach Kriegen, Friedenssicherung und &ndash;konsolidierung, drei waren explizite Kampfeins&auml;tze, weniger als zehn Kleinsteins&auml;tze mit Milit&auml;rbeobachtern bei UN-Missionen.</p>
<p>Die nicht nur bei der Partei &bdquo;Die Linke&ldquo; verbreitete Bezeichnung aller Auslandseins&auml;tze als &bdquo;Kriegseins&auml;tze&ldquo; ist ein Zerrbild, ja eine gezielte politische L&uuml;ge, um die Eins&auml;tze, die immerhin im Auftrag der UN geschehen, generell zu delegitimieren. &Uuml;ber weite Strecken zielte nicht nur der strategische Auftrag, sondern auch die operative und taktische Einsatzrealit&auml;t auf Schutz, Gewalteind&auml;mmung und Kriegsverh&uuml;tung.</p>
<p>Erheblich schwerer fiel es bei den Eins&auml;tzen, Fortschritte zu nachhaltiger Sicherheit und Friedenskonsolidierung zu erzielen. Oft bleibt es bei der Leistung, den R&uuml;ckfall in kriegerisches Chaos, das Allerschlimmste zu verhindern. Blo&szlig;e Waffenruhe ist ein bedeutender Fortschritt, auf Dauer aber nicht ausreichend.</p>
<p>Die deutschen Auslandseins&auml;tze verliefen insgesamt viel gewalt&auml;rmer, als ein von den kriegerischen Jahren in Afghanistan gepr&auml;gtes Einsatzbild nahelegt. Im deutschen Bosnieneinsatz wurden keine Feuerwechsel gemeldet, beim KFOR-Einsatz kam es zu einzelnen Feuerwechseln, beim ISAF-Einsatz in den ersten vier Jahren bis 2005 zu einem (bei sieben Angriffen mit Sprengfallen gab es aber acht Gefallene und &uuml;ber 40 Verwundete). Feuerwechsel und Gefechte erreichten 2010/11 ihren H&ouml;hepunkt. Die Untersuchungen der von mir 2015 geleiteten Unabh&auml;ngigen Kommission &nbsp;zum Einsatz des G36-Sturmgewehrs in Gefechtssituationen &nbsp;ergab, dass die Einsatzsoldaten milit&auml;rische Gewalt insgesamt kontrolliert eingesetzt hatten, durchsetzungsstark waren und durchweg R&uuml;cksicht auf die Zivilbev&ouml;lkerung nahmen.</p>
<p><strong>Langzeitstudie zum 22. ISAF-Kontingent </strong></p>
<p>Sozialwissenschaftler des Zentrums f&uuml;r Milit&auml;rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr befragten die Kontingentangeh&ouml;rigen vor dem Einsatz, im Einsatz sowie drei Wochen und drei Jahre nachher. Wesentliche Ergebnisse waren:</p>
<p>- Die Einsatzr&uuml;ckkehrer bewerteten die Wirkungen des Einsatzes auch nach drei Jahre differenziert, zu 57% mit positiven Aspekten, 27% sahen keine grundlegende Besserung.</p>
<p>-&nbsp; zwei Drittel erfuhren ein &bdquo;pers&ouml;nliches Wachstum&ldquo;, mehr als 10% erlebten anhaltende gesundheitliche Einschr&auml;nkungen;</p>
<p>- nur 10% sahen den Einsatz durch die Politik anerkannt, 8% durch die Bev&ouml;lkerung;</p>
<p>- trotzdem: Rund 70% w&auml;ren zu einem weiteren Einsatz bereit gewesen.</p>
<p>Widerlegt wurde ein durch viele Tatort-Folgen gepr&auml;gtes Bild von Einsatzr&uuml;ckkehrern , die durchweg schwer gesch&auml;digt und oft wandelnde Bomben sind.</p>
<p><strong>Bundeskanzleramt und Sitzungssaal des Verteidigungsausschusses: Die Auftraggeber </strong></p>
<p>Nach 25 Jahren Begleitung deutscher Auslandseins&auml;tze sehe ich folgende politische Erfahrungen und Lehren als zentral an:</p>
<p>- Inzwischen gibt es etliche Ans&auml;tze und Instrumente der Krisenfr&uuml;herkennung und strategischen Vorausschau. Ihre Ergebnisse finden aber noch zu wenig Beachtung in der operativen Politik.</p>
<p>- Die politische Strategieschw&auml;che&nbsp; bei deutschen Auslandseins&auml;tzen wurde immer wieder kritisiert und ist bis heute nicht &uuml;berwunden. Strategief&auml;higkeiten m&uuml;ssen gest&auml;rkt werden, Einsatzauftr&auml;ge m&uuml;ssen klar, ressort&uuml;bergreifend koh&auml;rent, erf&uuml;llbar und glaubw&uuml;rdig sein &ndash; so forderte es schon der Brahimi-Report von 2000.</p>
<p>- Der vernetzte Ansatz darf nicht nur beschworen, sondern muss best&auml;ndig praktiziert werden: angefangen bei der Lageanalyse, Zielabstimmung, Einsatzvorbereitung.</p>
<p>- Multilaterale Eins&auml;tze beinhalten das Risiko, dass teilnehmende Nationen ihre Beitr&auml;ge leisten, um aus b&uuml;ndnispolitischen Erw&auml;gungen &bdquo;Flagge zu zeigen&ldquo;, sich ansonsten aber eher im Multilateralismus verstecken. Vor allem bei deutschen Schwerpunkteins&auml;tzen sollte aber Wirkungsorientierung selbstverst&auml;ndlich sein, schon in Verantwortung f&uuml;r die Entsandten, das Einsatzland und seine Bev&ouml;lkerung, die Steuerzahler. Das schlie&szlig;t Wirkungskontrollen und Einsatzevaluierungen zwingend ein.</p>
<p>- Der Bundestag sollte mit seinen Fachaussch&uuml;ssen selbstbewusst eine strategische Kontrolle der Eins&auml;tze praktizieren, statt sich &ndash; wie der Verteidigungsausschuss &ndash; zu oft in Mikrokontrolle zu verlieren, Der Bundestag sollte vor allem bei den Mandatsdebatten den ressort&uuml;bergreifend-vernetzten Charakter von Eins&auml;tzen herausarbeiten und die&nbsp; &uuml;bliche verk&uuml;rzte Wahrnehmung der Kriseneins&auml;tze als nur milit&auml;rische &uuml;berwinden.</p>
<p>- Kriseneins&auml;tze und Soldaten, die keine S&ouml;ldner, sondern Staatsb&uuml;rger in Uniform sein sollen und wollen, brauchen gesellschaftliche Akzeptanz. Die Parlamentsbeteiligung bei Auslandseins&auml;tzen bietet die Chance, Eins&auml;tze in der Gesellschaft zu kommunizieren und verst&auml;ndlich zu machen. Diese Chance wird nur punktuell von einzelnen, vor allem Fach abgeordneten wahrgenommen.</p>
<p><strong>Teilnehmer der ersten Common-Effort-&Uuml;bung des Deutsch-Niederl&auml;ndischen Corps/M&uuml;nster</strong></p>
<p>Das ist die Grunderfahrung in allen Eins&auml;tzen: Keiner schafft es allein! Keine Nation, kein Ressort, kein Akteur. Seit 2011 ist das Deutsch-Niederl&auml;ndische Corps in M&uuml;nster mit der &Uuml;bung Common Effort ein Pionier des Comprehensive Approach. Diejenigen, die in den Eins&auml;tzen zusammen wirken m&uuml;ssen, sollten das rechtzeitig vorher &uuml;ben. Denn sehr verschiedenen sind oft die Organisationskulturen und &bdquo;Sprachen&ldquo;, Wirkungsm&ouml;glichkeiten und Erfahrungen der verschiedenen Akteure.</p>
<p><strong>Feierstunde f&uuml;r Einsatzr&uuml;ckkehrer am Tag des Peacekeepers</strong></p>
<p>Bei &uuml;ber 40 Besuchen in Einsatzgebieten machte ich fast immer eine doppelte Erfahrung: Begegnungen in den Hauptst&auml;dten waren meist ern&uuml;chtern, nicht selten deprimierend. Sehr anders hingegen die Erfahrungen bei Begegnungen mit Soldaten, Diplomaten, Polizisten, Entwicklungshelfern und Friedensfachkr&auml;ften am Boden: Es waren immer wieder voll engagierte Frauen und M&auml;nner mit hoher fachlicher, sozialer und interkultureller Kompetenz, mit Zuversicht und Durchhalteverm&ouml;gen unter belastenden und z.T. riskanten Einsatzbedingungen. Diese Friedenspraktiker in Uniform und Zivil werden seit 2013 bei einer Feierstunde zum Tag des Peacekeepers in Berlin durch die Minister des &Auml;u&szlig;eren, der Verteidigung und des Innern allj&auml;hrlich geehrt. Von solchen realistischen Mutmachern&nbsp; gibt es inzwischen in Deutschland Abertausende. Dass sie bisher von Gesellschaft und Medien kaum wahrgenommen werden, ist ignorant. Sie verdienen Interesse, Dank, Anerkennung. Und die im Einsatz Gesch&auml;digten m&uuml;ssen sich auf die Unterst&uuml;tzung und F&uuml;rsorge ihres (fr&uuml;heren) Dienstherrn verlassen k&ouml;nnen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Vertiefend zum Thema vom Autor</span></p>
<p><strong>Lehren aus deutschen Krisenengagements gibt es reichlich &ndash; aber auch Lernfortschritte? </strong>In SIRIUS &ndash; Zeitschrift f&uuml;r Strategische Analysen, Heft 4, Dez. 2019, S. 362-377 (auf Wunsch &uuml;ber winfried@nachtwei.de&nbsp; erh&auml;ltlich)</p>
<p><strong>Das 54. Deutsche KFOR-Kontingent im Kosovo: </strong>So klein wie nie, aber notwendig und wichtig, Bericht von meinem 13. Kosovo-/KFOR-Besuch, 12/2019, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1617">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1617</a></p>
<p><strong>Schlechtere Sicherheitslage, lebensnotwendige Unterst&uuml;tzung, durchhaltende Aufbauprojekte: </strong>Bericht von meinem 20. Afghanistanbesuch(Mazar-e Sharif und Kunduz), November 2019, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1613">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1613</a></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Winfried Nachtwei,</span> MdB a.D., Mitglied im Beirat Innere F&uuml;hrung/BMVg, Leiter der AG &bdquo;Einsatzr&uuml;ckkehrer&ldquo;, Beirat zivile Krisenpr&auml;vention der Bundesregierung; Berichte von Besuchen in Einsatzgebieten http://www.nachtwei.de&nbsp;</p></div>


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