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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Was tun, wenn in Afghanistan die Zivilopfer immer mehr zunehmen und Fluchtursachen sprieÃŸen? Bundestag zu Resolute Support zwischen ErnÃ¼chterung, Realismus und VerdrÃ¤ngung   </title>
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    <span class="xar-mod-title">Offener Brief</span>

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        <h1>
            Was tun, wenn in Afghanistan die Zivilopfer immer mehr zunehmen und Fluchtursachen sprieÃŸen? Bundestag zu Resolute Support zwischen ErnÃ¼chterung, Realismus und VerdrÃ¤ngung            </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 18. Dezember 2015 10:55:04 +02:00 (77470 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die versch&auml;rfte Sicherheitslage in Afghanistan brachte viele im Bundestag zum Umdenken bei der Debatte um die Verl&auml;ngerung der Beratungsmission Resolute Support. Manche verdr&auml;ngen die Frage, wie Zivilbev&ouml;lkerung konkret besser gesch&uuml;tzt werden kann - &uuml;ber Appelle und W&uuml;nsche hinaus. Hier mein Brief an die Gr&uuml;ne Fraktion. &nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Debatte und Abstimmung im Bundestag zu</strong></p>
<p align="center"><strong>Resolute Support/Fluchtursachen in Afghanistan</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (18.12.2015)</p>
<p><em>Am 17. Dezember beschloss der Bundestag die Verl&auml;ngerung und Aufstockung der deutschen Beteiligung an der NATO-gef&uuml;hrten und UN-mandatierten Ausbildungs- und Beratungsmission &bdquo;Resolute Support&ldquo;.</em></p>
<p><em>Damit wurde der urspr&uuml;ngliche Plan, Resolute Support in 2016 auf Kabul zur&uuml;ckzufahren und Ende 2016 ganz einzustellen, revidiert. Hintergrund ist die &auml;u&szlig;erst beunruhigende Entwicklung der Sicherheitslage in Afghanistan: Anstieg der Zivilopfer und Opfer bei den afghanischen Sicherheitskr&auml;ften auf Maximalwerte, die zeitweilige Eroberung von Kunduz &hellip; Die in den letzten Jahren verbreitete Erwartung, mit dem Abzug der ISAF-Kampftruppen w&uuml;rden Anschl&auml;ge und K&auml;mpfe zur&uuml;ckgehen, wurde entt&auml;uscht. Es geschah das Gegenteil. Damit erodieren zunehmend die Rahmenbedingungen der Aufbauunterst&uuml;tzung und Entwicklungszusammenarbeit. Wem am Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung liegt, muss sich dieser Realit&auml;t stellen und neu nachdenken.</em></p>
<p><em>In den Aussch&uuml;ssen hatten die Gr&uuml;nen-Abgeordneten die Verl&auml;ngerung von Resolute Support abgelehnt. Der Entschlie&szlig;ungsantrag der Fraktion f&uuml;r die Schlussabstimmung veranlasste mich, wenige Stunden vor der Debatte meiner fr&uuml;heren Fraktion zu schreiben.</em></p>
<p><em>Der <strong>Entschlie&szlig;ungsantrag</strong> <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/070/1807084.pdf">http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/070/1807084.pdf</a> </em></p>
<p><em>Der <strong>Antrag der Bundesregierung</strong> <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/067/1806743.pdf">http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/067/1806743.pdf</a> </em></p>
<p><em>Die <strong>Debatte</strong> <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/vorlaeufig/18146/399764">http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/vorlaeufig/18146/399764</a> </em></p>
<p><em>Ein Kommentar zur Debatte folgt.</em></p>
<p><strong>Liebe Katrin und lieber Toni, liebe Agnieszka, liebe Claudia, liebe Franziska, lieber Frithjof, lieber Omid, lieber Cem, lieber J&uuml;rgen, lieber Tom,</strong></p>
<p><strong>liebe Freundinnen und Freunde,</strong></p>
<p>Ihr hattet in diesem Jahr mit &uuml;berbordenden Krisen zu tun, die alle Jahre fr&uuml;herer gr&uuml;ner Fraktionen in den Schatten stellen. Da empfinde ich h&ouml;chsten Respekt und Dank f&uuml;r Euren Einsatz.</p>
<p>Das beschleunigte Krisen-Multitasking bedeutet f&uuml;r die verschiedenen Akteure und teilnehmenden Beobachter eine wachsende &Uuml;berforderung. L&uuml;cken und Fehler sind da nicht zu vermeiden.</p>
<p>Im Hinblick auf Afghanistan sind politische Erm&uuml;dung und Resignation verst&auml;ndlich, friedens- und sicherheitspolitisch aber kurzsichtig und menschlich verantwortungslos.</p>
<p>Im Bewusstsein dieser Einschr&auml;nkungen kann ich aber nicht umhin, mich zum Entschlie&szlig;ungsantrag der Fraktion und dem &uuml;ber die Aussch&uuml;sse angek&uuml;ndigten Abstimmungsverhalten im Plenum zu Wort zu melden. Da ich weiter an Afghanistan aktiv dran und vernetzt bin mit Hunderten Menschen mit AFG-Hintergrund, ist mir Eure Haltung ganz und gar nicht egal.</p>
<p>(1) Es ist ja so richtig, bei Afghanistan nicht immer nur ums Milit&auml;rische zu kreisen und die politischen Notwendigkeiten zu benennen. Angesichts des Antrages zur Verl&auml;ngerung und Aufstockung der deutschen Beteiligung an Resolute Support und der &auml;u&szlig;erst beunruhigenden Sicherheitslage in AFG argumentativ zu RSM nach Zitierung der VN-SR-Resolution keine Position zu beziehen, ist f&uuml;r mich aber ein Offenbarungseid.</p>
<p>(2) Ihr konstatiert eine Verschlechterung der Sicherheitslage. Zugleich wird das neue Maximum an Zivilopfern in einer Weise relativiert, wie ich es bisher nur immer wieder im ISAF-Hauptquartier geh&ouml;rt hatte. Wer darauf verweist, dass die Zahl der Zivilopfer nicht mehr so dramatisch gestiegen sei wie in den Vorjahren, darf nicht davon schweigen, dass gleichzeitig die Opferzahl bei Frauen um 23%, bei Kindern um 13% gestiegen ist.</p>
<p>(3) Nach nicht nur meiner Einsch&auml;tzung ist die Art des lageunabh&auml;ngigen, terminfixierten ISAF-Abzuges <strong>mit</strong>verantwortlich f&uuml;r die extremen Opferzahlen unter der Zivilbev&ouml;lkerung und den afg. Sicherheitskr&auml;ften Es war ein R&uuml;ckzug mit allerh&ouml;chster R&uuml;cksicht auf die eigenen Kr&auml;fte (erfolgreich), aber ohne jede R&uuml;cksicht auf die Afghanen, ihre Bev&ouml;lkerung und Sicherheitskr&auml;fte. Auch so was sind &quot;Begleitsch&auml;den&quot; - nur ohne jede Wahrnehmung hierzulande und ohne erkennbare Gewissensr&uuml;hrung. Ohne Resolute Support w&auml;re es in diesem Jahr h&ouml;chstwahrscheinlich noch blutiger verlaufen.</p>
<p>(4) Euer Antrag erweckt den Eindruck, als k&ouml;nne Aufbau- und Entwicklungsunterst&uuml;tzung unabh&auml;ngig von der Sicherheitslage so weiterlaufen. Euch m&uuml;sste bekannt sein, dass die Zukunft der EZ in AFG auf der Kippe steht. Mit wem soll sie noch umgesetzt werden? (Umso mehr halte ich Kontakt zu den tollen Aufbauinseln, die es noch gibt und deren Pioniere wir in Villigst bei der 29. AFG-Tagung dabei hatten.)</p>
<p>(5) &quot;Die deutsche AFG-Politik muss sich endlich von Wunschdenken frei machen und der Realit&auml;t ins Auge schauen. Aber deutsche Kampftruppen zu schicken w&auml;re falsch. Wir m&uuml;ssen die Beratungsmission wirksamer machen, also wohl ausweiten und qualitativ deutlich verbessern.&quot; So meine seit Monaten im Austausch mit vielen AFG-Erfahrenen gewachsene Position. Dazu erkenne ich im Antrag null Antwort. Aus der angek&uuml;ndigten Ablehnung entnehme ich noch keine nachvollziehbaren Argumente.</p>
<p>(6) R&auml;tselhaft ist mir, warum wieder die - sp&auml;rliche - deutsche Polizeiaufbauhilfe im Norden beschwiegen wird (eigentlich ein Schl&uuml;sselprojekt) und nur die &auml;u&szlig;erst wenig produktive EUPOL Mission unterst&uuml;tzt werden soll.</p>
<p>(7) In AFG ist deutsche Politik so dicht und mit Einfluss dran an Fluchtursachen - ihrer Bek&auml;mpfung, aber auch ihrer F&ouml;rderung - wie in wenigen anderen Konfliktregionen. Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung, die F&ouml;rderung des zivilen Aufbaus, die Unterst&uuml;tzung der Zivilgesellschaft und der Frauenrechtsgruppen fordern, ist so richtig - wird aber bei Ausklammern der Basissicherheit zum blo&szlig;en Lippenbekenntnis. Mit Eurem gleichzeitigen Antrag zur Bek&auml;mpfung von Fluchtursachen bekomme ich das nicht zusammen.</p>
<p>(8) Zusammengefasst: Die Glaubw&uuml;rdigkeit der Fraktion bekommt f&uuml;r mich mit Eurer bisher von au&szlig;en erkennbaren Position einen Knacks. Gerade weil ich so viel in au&szlig;er-gr&uuml;nen Kreisen friedens- und sicherheitspolitisch unterwegs bin, referiere, diskutiere und unver&auml;ndert eine ungebrochene Loyalit&auml;t zur Fraktion empfinde, wollte ich jetzt meinen Widerspruch nicht runterschlucken. Ich w&auml;re heilfroh, wenn mein Widerspruch mit Argumenten entkr&auml;ftet werden k&ouml;nnte.</p>
<p>Anbei zwei letzte Beitr&auml;ge zur Sicherheitslage in AFG: <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1373" target="_blank">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1373</a> (nach der Eroberung von Kunduz) und <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1366" target="_blank">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1366</a> (&quot;6 Monate nach ISAF-Abzug - H&ouml;chststand an Zivilopfern vor allem bei Frauen und Kindern. Anstieg komplexer und Suizid-Attacken um 78%&quot;, <em>Ausz&uuml;ge anschlie&szlig;end</em>) Einigen hatte ich sie bei fr&uuml;herer Gelegenheit zugesandt.</p>
<p>Ansonsten w&uuml;nsche ich Euch nach dieser Sitzungswoche ein gutes Verschnaufen, sch&ouml;ne Feiertage nach den jeweiligen Bed&uuml;rfnissen und einen gest&auml;rkten Start in ein neues Jahr.</p>
<p>Mit herzlichen Gr&uuml;&szlig;en</p>
<p>Winni</p>
<p>P.S.: Wenn Ihr die Mail den anderen Fraktionsmitgliedern zur Kenntnis geben w&uuml;rdet, h&auml;tte ich nichts dagegen.</p>
<p>Winfried Nachtwei, <em>Beirat Zivile Krisenpr&auml;vention/Ko-Vors., Beirat Innere F&uuml;hrung/Leiter AG Einsatzr&uuml;ckehrer und -folgen, Vorstand Dt. Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen, Gegen Vergessen - F&uuml;r Demokratie, AG Gerechter Friede von Justitia et Pax</em></p>
<p align="center"><strong>Die Eroberung von Kunduz &ndash; ein Weckruf!? </strong></p>
<p align="center"><strong>Interview zu Afghanistan aktuell</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (18.10.2015)</p>
<p><em>&nbsp;</em></p>
<p><em>Am 28. September eroberten die Taliban Kunduz aus drei Richtungen innerhalb weniger Stunden. Erst nach 15 Tagen konnten die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte mit US-Unterst&uuml;tzung die Stadt zur&uuml;ckgewinnen. In den umgebenden Distrikten dauern die K&auml;mpfe an. Mehrere hundert Menschen sollen bei den K&auml;mpfen um`s Leben gekommen sein.</em></p>
<p><em>Hierzu konnte ich bisher nicht berichten, weil zur selben Zeit die von mir geleitete unabh&auml;ngige Kommission &bdquo;Einsatz des G36-Sturmgewehrs in Gefechtssituationen&ldquo; ihren Abschlussbericht fertigstellte. &Auml;u&szlig;erst bedr&uuml;ckend empfanden wir dabei, in den zur&uuml;ckliegenden Wochen &uuml;ber 150 Bundeswehrsoldaten &uuml;ber ihre Einsatz- und Gefechtserfahrungen, ihre enormen Belastungen vor allem im Raum Kunduz geh&ouml;rt zu haben, und jetzt aus der Ferner zu erleben, wie dort alles wegrutscht. Da gibt&rsquo;s kein Ausweichen vor der schmerzhaften, verst&ouml;renden Frage, ob alles umsonst war.</em></p>
<p><em>Hier zu &bdquo;<strong>The fall and recapture of Kunduz</strong>&ldquo; von Obaid Ali/Afghanistan Analysts Network:</em></p>
<p><a href="https://www.afghanistan-analysts.org/the-2015-insurgency-in-the-north-3-the-fall-and-recapture-of-kunduz/"><em>https://www.afghanistan-analysts.org/the-2015-insurgency-in-the-north-3-the-fall-and-recapture-of-kunduz/</em></a><em> (16.10.2015). Thomas Ruttig am 4. Oktober ausf&uuml;hrlich zum Bombenangriff auf die Klinik von &Auml;rzte ohne Grenzen (MSF) und zur allgemeinen Lage in Kunduz: </em><a href="https://thruttig.wordpress.com/2015/10/04/kunduz-bombenangriff-auf-msf-klinik-und-allgemeine-lage-taz-5-10-15/"><em>https://thruttig.wordpress.com/2015/10/04/kunduz-bombenangriff-auf-msf-klinik-und-allgemeine-lage-taz-5-10-15/</em></a><em> .</em></p>
<p><strong><em>Zur den vorhergehenden Taliban-Offensiven auf Kunduz</em></strong><em>: </em></p>
<p><em>Ende April 2015: </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1353"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1353</em></a></p>
<p><em>August 2014: </em><strong><em>&bdquo;Umzingelung von Kunduz</em></strong><strong><em>: </em></strong><strong><em>Warum die Taliban wieder so erfolgreich sind&ldquo;</em></strong><strong><em>, </em></strong><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1311"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1311</em></a></p>
<p><strong><em>Zum</em></strong><strong><em>Abzug aus Kunduz: Meine Kunduz-Berichte ab 2004 bis 2013 (Teil I 2004-2006),</em></strong></p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1239"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1239</em></a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Interview in der M&auml;rkischen Oderzeitung vom 12. Oktober 2015:</span></strong></p>
<p align="center"><strong>&bdquo;Die Taliban sind st&auml;rker als jemals zuvor&ldquo;</strong></p>
<p><em>&bdquo;Andre Bochow: In diesen Tagen erreichen uns aus Afghanistan immer neue,&nbsp; besorgniserregende Nachrichten. Die Stadt Kundus wurde zeitweise&nbsp; von den Taliban eingenommen. Hat sie das &uuml;berrascht?</em></p>
<p>Nachtwei: Leider nicht. Schon im August vergangenen Jahres hat es heftige Angriffe auf Kundus gegeben. Und auch w&auml;hrend der Fr&uuml;hjahrsoffensive der Taliban war das Gebiet ein Schwerpunkt der Angriffe. Hierzulande ist das kaum wahrgenommen worden.</p>
<p><em>H&auml;tte es denn etwas ge&auml;ndert, wenn das politische Interesse an diesen Ereignissen gr&ouml;&szlig;er gewesen w&auml;re?</em></p>
<p>Es w&auml;re m&ouml;glich und richtig gewesen, sich noch einmal genau zu &uuml;berlegen, welche Beratungs-und Aufbauhilfe f&uuml;r die afghanischen Streitkr&auml;fte wirklich n&ouml;tig ist. Bislang konnte mir noch keiner der hierzulande Verantwortlichen sagen, ob die Beratungsmission in Afghanistan &uuml;berhaupt Wirkung zeigt. Das wird besonders deutlich bei der Ausbildung von Polizisten. Dar&uuml;ber wird selten geredet. Aber die Wahrheit ist: Deutschland hatte bei der Polizeihilfe in den ersten Jahren die F&uuml;hrungsrolle &uuml;bernommen und dabei&nbsp; gr&uuml;ndlich versagt. Es gab schlicht zu wenig deutsche Ausbilder. Als ich im Februar im Norden Afghanistans war, gab es dort 12 deutsche Berater. Das ist dann eher eine symbolische Hilfe.</p>
<p><em>Die Bundesregierung ging bislang davon aus, dass die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte die Lage grunds&auml;tzlich im Griff haben.</em></p>
<p>Das ist absurd. Hier wird die&nbsp; schlechte Tradition der Selbstzufriedenheit und des Sch&ouml;nredens fortgesetzt. Alarmzeichen sind notorisch &uuml;bersehen worden. Zum Beispiel der Bericht der UN-Mission in Afghanistan &uuml;ber zivile Opfer. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Das bedeutet: Nach dem Abzug der ISAF-Soldaten ist Afghanistan noch unsicherer geworden als es schon war.</p>
<p><em>Ist der ISAF Abzug grunds&auml;tzlich richtig, aber so wie er gestaltet wird, falsch?</em></p>
<p>Genauso ist es. Der auf Ende 2014 terminierte Abzug&nbsp; erfolgte vor allem aus innenpolitischen Erw&auml;gungen. Die Realit&auml;ten in Afghanistan wurden dabei ausgeblendet.</p>
<p><em>Wie stark sind die Taliban? Und muss man mit ihnen verhandeln?</em></p>
<p>Es sah am Anfang der Amtszeit des neuen Pr&auml;sidenten Aschraf Ghani recht hoffnungsvoll aus, was Verhandlungen mit den Taliban betrifft. Aber nach ihren milit&auml;rischen Erfolgen sind die Taliban st&auml;rker als je zuvor. Deren Interesse an Verhandlungen ist entsprechend geschrumpft.</p>
<p><em>Droht die Macht&uuml;bernahme durch die Taliban?</em></p>
<p>Das glaube ich nicht. So stark sind sie dann doch nicht. Das zeigt ja auch die R&uuml;ckeroberung von Kundus durch die afghanische Armee. Die allerdings nicht ohne ausl&auml;ndische Unterst&uuml;tzung auskam. Und vor allem viele&nbsp; junge Afghanen wollen mit den Taliban nichts zu tun haben. Aber es ist nicht auszuschlie&szlig;en, dass sich ein neuer B&uuml;rgerkrieg entwickelt, in dem dann wieder die ber&uuml;chtigten Warlords mitmischen.</p>
<p><em>Muss die aktuelle deutsche Afghanistanpolitik grundlegend &uuml;ber dacht werden? M&uuml;ssen wir wieder Soldaten an den Hindukusch schicken?</em></p>
<p>Ja, die deutsche Afghanistanpolitik muss sich endlich vom Wunschdenken frei machen und der Realit&auml;t ins Auge schauen. Aber deutsche Kampftruppen zu schicken w&auml;re falsch. Wir m&uuml;ssen die Beratungsmission wirksamer machen, also wohl ausweiten und qualitativ deutlich verbessern.</p>
<p><em>Die Bundesregierung spricht in ihrem Afghanistanbericht von Licht und Schatten nach all den Jahren des internationalen Einsatzes. Sehen Sie mehr Licht oder mehr Schatten?</em></p>
<p>Die D&uuml;sternis nimmt eindeutig zu. Aber in der allgemeinen Wahrnehmung werden die Erfolge, die es auch gibt, fast vollst&auml;ndig ausgeblendet. Ich habe in Nordafghanistan Entwicklungsprojekte gesehen, die jedes f&uuml;r sich deutlich mehr sind als der&nbsp; ber&uuml;hmte Tropfen auf den hei&szlig;en Stein. Zum Beispiel gibt es bei Masar-e Sharif ein gro&szlig;es Berufsbildungszentrum, das von der Bundesrepublik aufgebaut wurde. In Masar ist auch die Sicherheitslage verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gut. Die Alphabetisierung der Polizei macht landesweit gro&szlig;e Fortschritte. Mit deutscher Hilfe wurden daf&uuml;r 2000 afghanische Trainer ausgebildet.</p>
<p><em>Trotzdem&nbsp; scheint sich unter gr&ouml;&szlig;eren Teilen der Bev&ouml;lkerung Hoffnungslosigkeit breitzumachen.</em></p>
<p>Das stimmt. Und deswegen erleben wir jetzt auch eine wirkliche Fl&uuml;chtlingswelle aus Afghanistan, die nicht zuletzt Deutschland erreichen wird. Wir werden so oder so weiterhin mit Afghanistan zu tun haben.</p>
<p><em>Hat die Bundesregierung auch versagt, als sich viele derjenigen, die den Deutschen in Afghanistan geholfen haben, mit der Bitte um Asyl an sie wandten&hellip;.</em></p>
<p>&hellip;.und die ja wirklich um ihr Leben f&uuml;rchten m&uuml;ssen. Ja, da wurde zun&auml;chst b&uuml;rokratisch und engherzig vorgegangen. Das war sehr besch&auml;mend. Mittlerweile gibt es da Besserung. Und von Seiten der Bundeswehr wurde eine Initiative gestartet, die die fr&uuml;heren Ortskr&auml;fte hier in der Bundesrepublik unterst&uuml;tzt.</p>
<p><em>Alles in allem: War der Afghanistaneinsatz, zumindest der milit&auml;rische, ein Fehler?</em></p>
<p>Nein. Der ISAF-Einsatz, der ja ein von der UNO legitimierter Einsatz war, einem kriegszerr&uuml;tteten Land auf die Beine helfen und dies milit&auml;risch absichern sollte, war richtig. Aber die Ziele der einzelnen Beteiligten passten nicht zusammen. Es herrschte &uuml;ber viele Jahre strategischer Dissens. Krieg gegen den Terror, ohne R&uuml;cksicht auf&nbsp; die Zivilbev&ouml;lkerung einerseits und andererseits Unterst&uuml;tzung des Aufbaus. Die zweite Urs&uuml;nde war die Blau&auml;ugigkeit, mit der man sich um Afghanistan gek&uuml;mmert hat. Es h&auml;tte sich sehr gelohnt, rechtzeitig auf Experten zu h&ouml;ren, die wissen, wie kompliziert dieses Land Afghanistan ist. Stattdessen hat man sich von den wundersch&ouml;nen Einsatzmandaten&nbsp; &nbsp;besoffen machen lassen.&ldquo;</p>
<p align="center">Erstes Halbjahr nach ISAF-Abzug aus Afghanistan</p>
<p align="center"><strong>H&ouml;chststand an Zivilopfern, v.a. unter Frauen und Kindern; Anstieg komplexer und Suizid-Attacken um 78%! </strong></p>
<p align="center">(UNAMA-Bericht 1. Halbjahr 2015)</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (7. August 2015)</p>
<p align="center"><strong><em>Fotos</em></strong><em> unter </em><a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei"><em>www.facebook.com/winfried.nachtwei</em></a></p>
<p><em>(&hellip;) Zwei Tage zuvor, am 5. August, ver&ouml;ffentlichte <strong>UNAMA ihren Halbjahresbericht&nbsp; &bdquo;Schutz von Zivilpersonen</strong> im bewaffneten Konflikt&ldquo;. Seit 2009 dokumentiert UNAMA systematisch die Zivilopfer im bewaffneten Konflikt in Afghanistan. Der Halbjahresbericht unter</em><a href="http://unama.unmissions.org/Portals/UNAMA/human%20rights/2015/PoC%20Report%202015/UNAMA%20Protection%20of%20Civilians%20in%20Armed%20Conflict%20Midyear%20Report%202015_FINAL_%205%20August-new.pdf"><em>http://unama.unmissions.org/Portals/UNAMA/human%20rights/2015/PoC%20Report%202015/UNAMA%20Protection%20of%20Civilians%20in%20Armed%20Conflict%20Midyear%20Report%202015_FINAL_%205%20August-new.pdf</em></a><a title="" href="#_ftn1"><em><strong>[1]</strong></em></a></p>
<p><em>Da ISAF und die US-Administration in 2013 ihre laufende, detaillierte Berichterstattung zur Sicherheitslage einstellten und die regelm&auml;&szlig;igen Berichte des Afghanistan NGO Safety Office (ANSO, jetzt unter INSO) nicht mehr zug&auml;nglich sind, ist der UNAMA-Bericht die einzige &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche, langj&auml;hrige &nbsp;Quelle zur Sicherheitsentwicklung in Afghanistan.</em></p>
<p><em>Seit Ende 2014 ver&ouml;ffentlicht die afghanische Nachrichtenagentur <strong>TOLOnews monatlich einen Security Report</strong>. </em><em>(</em><a href="http://www.tolonews.com/en/afghanistan/18170-nearly-700-attacks-occurred-in-january-tolonews-security-report"><em>http://www.tolonews.com/en/afghanistan/18170-nearly-700-attacks-occurred-in-january-tolonews-security-report</em></a><em> )</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1) Zusammenfassung </span></strong></p>
<p>Das Titelfoto des UNAMA-Reports zeigt einen b&auml;rtigen Mann, der ein verletztes Kind fortf&uuml;hrt, dahinter Verwundete, Tote, Gliedma&szlig;en, Schlachtfeld eines Selbstmordattent&auml;ters, der am 18. April die Kundenschlange vor der New Kabul Bank in Jalalabad/Nangarhar angriff und 32 Tote und 126 Verletzte hinterlie&szlig;.</p>
<p>Im ersten Halbjahr 2015 erreichte die <strong>Gesamtzahl der Zivilopfer</strong> im Kontext des bewaffneten Konflikts mit 4.921, davon 1.592 Toten und 3.329 Verletzten, ein neuer H&ouml;chstwert &ndash; ggb. dem 1. Halbjahr 2014 eine Zunahme um 1%.</p>
<p>Besonders nahm die Zahl der Opfer unter Frauen (+23%) und Kindern (+13%) zu.</p>
<p><strong>Verantwortliche</strong>: 70% der Zivilopfer gehen auf das Konto der Aufst&auml;ndischen (-3%), 15% auf das der Afghanischen Sicherheitskr&auml;fte/ANDSF (+60%!), 1% auf das internationaler Streitkr&auml;fte. Der enorme Anstieg der Zivilopfer durch ANDSF lag prim&auml;r am vermehrten Einsatz von M&ouml;rsern, Raketen und Granaten bei Gefechten. (In 2015 sind die ANDSF erstmalig bei ihren Operationen gegen die Aufst&auml;ndischen fast vollst&auml;ndig auf sich allein gestellt.)</p>
<p>2% der Zivilopfer werden Pro-Regierungs-Milizen (insbesondere im Nordosten) zugeschrieben. Sie nahmen um 118% auf 87, davon 31 Tote, zu.</p>
<p><strong>Kontexte und Taktiken</strong>: 32% der Zivilopfer (379 Tote, 1.198 Verletzte) entstanden bei Bodenk&auml;mpfen, 22% (385/723) durch IED`s, 21% (183/839) durch komplexe und Suizid-Attacken (+78%!), 14% (440/259) durch Targeted Killings (+57%), die opferreichste Taktik.</p>
<p>Entf&uuml;hrungen nahmen um 37% auf 196 zu, mit 62 Todesopfern und 14 Verletzten. (H&ouml;chste Zahl an Entf&uuml;hrungen und Entf&uuml;hrungsopfern seit Beginn der UNAMA-Z&auml;hlung)</p>
<p>Zivilopfer durch Luftoperationen nahmen um 88% auf 77 zu, davon 32 Tote. Damit verkehrte sich der Trend abnehmender Opferzahlen der letzten Jahre. F&uuml;r 27 bei Luftangriffen get&ouml;teten und 22 verletzten Zivilisten waren die Internationalen Streitkr&auml;fte verantwortlich; der Gro&szlig;teil dieser Opfer wurde durch Drohnen verursacht.</p>
<p><strong>Binnenfl&uuml;chtlinge</strong>: Ihre Zahl wuchs im 1. Hj. 2015 um 103.000 (+44%) auf insgesamt 945.600.</p>
<p><strong>Regionen</strong>:</p>
<p>- Nordosten (fr&uuml;her besonderer deutscher Verantwortungsbereich) von 35 Zivilopfern 1. Hj. 2009 &uuml;ber 311 1. Hj. 2014 auf 545 1. Hj. 2015.</p>
<p>- Norden: 61, 563, 368;</p>
<p>- Osten: 329, 856, 951;</p>
<p>- Central: 314, 697, 684;</p>
<p>- Zentrales Hochland: 17, 38, 42;</p>
<p>- S&uuml;dosten: 445, 615, 763;</p>
<p>- S&uuml;den: 1.122, 1.392, 1.272;</p>
<p>- Westen: 158, 422, 296.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) Weitere Angaben zur Sicherheitsentwicklung</span></strong></p>
<p><strong>Ca. 16.000 ausl&auml;ndische Soldaten</strong> (davon 9.000 aus den USA) stehen im Rahmen von RS und der US-Operation Freedom`s Sentinel noch in Afghanistan.</p>
<p>(Gliederung der <em>Coalition Combat &amp; Advisory Forces in Afghanistan</em> unter <a href="http://understandingwar.org/sites/default/files/AfghanistanOrbat_July2015.pdf">http://understandingwar.org/sites/default/files/AfghanistanOrbat_July2015.pdf</a> )</p>
<p>Lt. <strong>TOLOnews Security Report</strong> sei im Juli 2015 die Zahl der Zivilopfer um 26% gegen&uuml;ber dem Vormonat angestiegen, seien die Counterinsurgeny-Operationen der ANDSF um 13% zur&uuml;ckgegangen.. (<a href="http://www.tolonews.com/en/afghanistan/20743-civilian-casualties-up-as-security-operations-drop-report">http://www.tolonews.com/en/afghanistan/20743-civilian-casualties-up-as-security-operations-drop-report</a> )</p>
<p>Landesweit habe es im Juli 961 Sicherheitsvorf&auml;lle gegeben, ein R&uuml;ckgang um 10% ggb. Juni. Der Fokus der Aufst&auml;ndischen richte sich auf den Norden. Spitzenreiter sei die Nordwest-Provinz Faryab mit 91 Vorf&auml;llen, gefolgt von Uruzgan, Nangarhar, Herat, Helmand, Kandahar.</p>
<p>Ziviltote gab es 201 im Juli, Zivilverletzte 322.</p>
<p>Unter afghanischen Soldaten gab es 307 Gefallene. (Aus gut unterrichteter Quelle erfahre ich die Gr&ouml;&szlig;enordnung von ca. 100 Gefallenen der ANDSF pro Monat!)</p>
<p>Von den Aufst&auml;ndischen sollen im Monat Juli 2.924 (darunter angeblich 204 &bdquo;Daesh members&ldquo;) gefallen und 1.472 verletzt worden sein. <em>(Anm.: Diese Verlustzahlen gebe ich wieder, bezweifle aber ausdr&uuml;cklich ihre Glaubw&uuml;rdigkeit.)</em></p>
<p><strong>Attrition Rate der ANDSF: </strong>Am 5. August kritisierte US-General John Campbell, RS-Kommandeur, jeden Monat w&uuml;rden 4.000 ANDSF-Mitglieder von ihren Posten desertieren <em>(&bdquo;are deserting their posts every month&ldquo;, TOLOnews 5.8.2015</em>). Dem widersprachen afghanischer Verteidigungs- und Innenminister vehement. (Dabei ist zu beachten, dass die &bdquo;Schwund-Rate&ldquo; auch eine Entfernung von der Truppe, wenn es keinen Urlaub gibt, sowie normale Fluktuation nach der Beendigung von Zeitvertr&auml;gen umfasst sowie Verlustzahlen etc.)</p>
<p><strong>Daesh (IS)</strong>: Inzwischen soll es im Osten und S&uuml;den Elemente von Daesh geben. Am 16. Juni ver&ouml;ffentlichte die Taliban auf ihrer Website einen Brief an den &bdquo;Kalifen&ldquo; des IS mit der Warnung: &bdquo;Es gibt keinen Platz f&uuml;r eine weitere islamische Armee in Afghanistan.&ldquo; Abtr&uuml;nnige Taliban-Kommandeure sollen sich zum IS bekannt haben. Inzwischen wurden ausmehreren Provinzen Zusammenst&ouml;&szlig;e zwischen Taliban und IS-Anh&auml;ngern gemeldet.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a></p>
<p><strong>Bewegungsfreiheit von zivilen Helfern</strong>: Eine wichtige, meist nicht beachtete Dimension von Sicherheit sind Bewegungsfreiheit und Arbeitsm&ouml;glichkeiten von internationalen Helfern, z.B. von MitarbeiterInnen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.</p>
<p>Anfang August 2015 arbeiten in Afghanistan &uuml;ber 2.000 Frauen und M&auml;nner im Auftrag der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, 230 deutsche + internationale Entsandte, &uuml;ber 1.800 Ortskr&auml;fte. Sie arbeiten vor allem in Kabul und in f&uuml;nf Provinzen im Norden und Nordosten.</p>
<p>Das Risk Management Office der GIZ hat sich bisher ausgesprochen bew&auml;hrt!</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3) Kommentar</span></strong></p>
<p>Auch wenn die Informationen &uuml;ber die reale Lage in Afghanistan immer sp&auml;rlicher werden und das Land zunehmend im Aufmerksamkeits- und Interessenschatten der anderen, n&auml;heren Krisen + Kriege verschwindet &ndash; sieben Monate nach Ende des ISAF-Gro&szlig;einsatzes und Beendigung des internationalen Kampfeinsatzes ist ein Abflauen der K&auml;mpfe nicht in Sicht, im Gegenteil.</p>
<ul>
<li>Die Erwartung von Gegnern des Afghanistaneinsatzes, mit dem Abzug der internationalen Truppen w&uuml;rde auch der Hauptkriegsrund schwinden und der Krieg schrumpfen, best&auml;tigte sich ganz und gar nicht.</li>
<li>Die (selbst)zufriedenen Stellungnahmen etlicher Regierungen zum &Uuml;bergang von ISAF zu Resolute Support Mission wurden eines Schlechteren belehrt: Extremwerte an Zivilopfern und Verlusten der ANDSF zeigen, dass der termingerechte Abzug kein sichereres Umfeld (so war der Kernauftrag) hinterlie&szlig;. Der weitest gehende Wegfall der alliierten Schl&uuml;sself&auml;higkeiten von Aufkl&auml;rung, Luftnahunterst&uuml;tzung erlaubt den Aufst&auml;ndischen zunehmend auch Angriffe in Gro&szlig;formationen. Der politisch einm&uuml;tig gewollte und verantwortete, terminfixierte Abzug gelang mit &auml;u&szlig;erster R&uuml;cksicht auf die eigenen Kr&auml;fte. Er stellt sich zunehmend als ein Abzug ohne R&uuml;cksicht auf Verluste der Afghanen, ihrer Bev&ouml;lkerung und Sicherheitskr&auml;fte, heraus. Ohne Resolute Support &ndash; so meine Annahme &ndash; w&auml;re es wahrscheinlich aber noch blutiger geworden.</li>
<li>F&uuml;r diese Art von opferreichen, bisher weitestgehend ignorierten &bdquo;Begleitsch&auml;den&ldquo; tragen die politischen Auftraggeber die Verantwortung.</li>
<li>Vor einem halben Jahr schrieb ich in meinem Kommentar zum UNAMA-Jahresbericht 2014: &bdquo;<em>Ob mit der Aufbauhilfe f&uuml;r die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte die Voraussetzungen f&uuml;r verbesserte und nachhaltige Sicherheit geschaffen wurden, wird sich erst in Jahren zeigen</em>.&ldquo; Jetzt sehe ich vermehrt die Gefahr, w&auml;chst meine Angst, dass Afghanistan wegrutscht.</li>
</ul>
<p><strong>Bundesregierung und Bundestag werden sich in den n&auml;chsten Monaten dieser Realit&auml;t stellen m&uuml;ssen &ndash; auch wenn die Kriegsbr&auml;nde in der europ&auml;ischen Nachbarschaft deutsche und europ&auml;ische Sicherheit direkter und massiver betreffen als das Land am Hindukusch, auch wenn das alles die eigenen Kr&auml;fte &uuml;bersteigt. Aber was vor fast 14 Jahren mit hohem politisch-moralischen Aufwand (und Illusionen) begonnen, dann mit einem nie dagewesenen milit&auml;risch-zivilen Einsatz (und strategischen Fehlern) verfolgt wurde, was neben gigantischen finanziellen Kosten enorme menschliche Opfer forderte, das darf und kann nicht einfach abgehakt, abgeschoben und vergessen werden.</strong></p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> <em>vgl. </em>Kate Clark (AAN), Highest Civilian Casualty Figures Ever: UNAMA details deaths by mortar, IED, suicide attack and targeted killing. 5.August 2015, <a href="https://www.afghanistan-analysts.org/highest-civilian-casualty-figures-ever-unama-details-deaths-by-mortar-ied-suicide-attack-and-targeted-killing/">https://www.afghanistan-analysts.org/highest-civilian-casualty-figures-ever-unama-details-deaths-by-mortar-ied-suicide-attack-and-targeted-killing/</a> ; Winfried Nachtwei, Zusammenfassung und Kommentar UNAMA-Jahresbericht 2014: <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1343">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1343</a></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> FAZ 18.6.2015; Thomas Ruttig: <a href="https://thruttig.wordpress.com/2015/06/16/weitere-taleban-kontakte-verhaltnis-taleban-is/">https://thruttig.wordpress.com/2015/06/16/weitere-taleban-kontakte-verhaltnis-taleban-is/</a> ; <a href="https://thruttig.wordpress.com/2015/07/13/isdaesh-fuhrer-fur-afpak-region-getotet/">https://thruttig.wordpress.com/2015/07/13/isdaesh-fuhrer-fur-afpak-region-getotet/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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