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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Mein Leserbrief zu Rupert Neudecks SZ-Artikel &quot;Abgekapselt und nutzlos&quot;  </title>
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    <span class="xar-mod-title">Offener Brief</span>

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        <h1>
            Mein Leserbrief zu Rupert Neudecks SZ-Artikel &quot;Abgekapselt und nutzlos&quot;           </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 17. Januar 2014 13:10:37 +02:00 (69978 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 7. Januar brachte die SZ einen Gastbeitrag von Rupert Neudeck, Ehrenvorsitzender der &quot;Gr&uuml;nhelme&quot;, in dem er - &uuml;ber sehr berechtigte Kritikpunkte hinaus - die in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrsoldaten pauschal runtermachte. Solche Art Rundumschlag gegen Abertausende Soldaten mit ihrem Engagement, Belastungen, existentiellen Risiken geht voll daneben. Dazu mein <strong>Leserbrief</strong>, am 17. Januar in der SZ ver&ouml;ffentlicht, in der ungek&uuml;rzten Fassung.&nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p><em>Die S&Uuml;DDEUTSCHE ZEITUNG ver&ouml;ffentlichte am 7. Januar 2014 den Gastbeitrag &bdquo;Abgekapselt und nutzlos&ldquo; von Rupert Neudeck (<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehr-in-afghanistan-abgekapselt-und-nutzlos-1.1856865">www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehr-in-afghanistan-abgekapselt-und-nutzlos-1.1856865</a> ) &uuml;ber den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr. In einem Leserbrief widerspreche ich ihm da, wo seine Bewertungen pauschalisierend, pers&ouml;nlich abwertend und ungerecht sind. Mein Einspruch &auml;ndert nichts an dem hohen Respekt, den ich seit Anfang der 80er Jahre f&uuml;r den heutigen Ehrenvorsitzenden der &bdquo;Gr&uuml;nhelme&ldquo; Rupert Neudeck (und seine Frau Christel) wegen ihrer enormen und mutigen humanit&auml;ren Tatkraft empfinde. (Damals arbeitete meine Frau in Kambodscha/Thailand, Somalia und Uganda in Projekten des &bdquo;Not&auml;rzte-Komitees &ndash; Cap Anamur&ldquo;, ich in Somalia; <a href="http://www.gruenhelme.de">www.gruenhelme.de</a> )</em></p>
<p><strong>Am 17. Januar 2014 ver&ouml;ffentlichte die SZ meinen Leserbrief (zusammen mit drei weiteren) gek&uuml;rzt. Hier die <span style="text-decoration: underline;">ungek&uuml;rzte Fassung</span> (K&uuml;rzungen in Klammern):</strong></p>
<p>Das humanit&auml;re Engagement von Rupert Neudeck ist herausragend, seine Worte haben besonderes Gewicht. (Eine selbstkritische Bilanzierung des deutschen Afghanistan-Engagements ist &uuml;berf&auml;llig.)</p>
<p>Abkapselung von der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung, Selbstbezogenheit, fehlende Wirkungsanalysen sind generelle Probleme bei internationalen Kriseneins&auml;tzen. Die Kritik daran, auch an deutscher Nabelschau, ist vollauf berechtigt. (Das zentrale Ziel von ISAF und Bundeswehr, ein sicheres Umfeld f&uuml;r die Afghanen zu f&ouml;rdern, wurde nicht erreicht. Ob mit dem Aufbau der afghanischen Sicherheitskr&auml;fte die Voraussetzungen f&uuml;r ein sichereres Umfeld geschaffen wurden, wird sich noch zeigen m&uuml;ssen.)</p>
<p>R. Neudeck kanzelt den Afghanistaneinsatz pauschal als von Anfang an unsinnig und wirkungslos ab. (Ihn treibt angesichts erfahrener Absurdit&auml;ten ein heiliger Zorn. Der sollte aber nicht seinen Blick tr&uuml;ben.) Mir (als einem der &uuml;ber Jahre f&uuml;r den Einsatz mitverantwortlichen Abgeordneten) dr&auml;ngen sich einige Fragen auf:</p>
<p>- Als Ende 2001 der UNO-Sicherheitsrat die Staaten dazu aufrief, nach Jahren von Krieg und Terror die schwache afghanische &Uuml;bergangsregierung zivil und &ndash; sehr begrenzt &ndash; milit&auml;risch zu unterst&uuml;tzen, da h&auml;tte der Bundestag also nein sagen sollen?</p>
<p>- Als im Sommer 2003 (UNO-Generalsekret&auml;r Kofi Annan und) 79 internationale nichtstaatliche Hilfsorganisationen ISAF und NATO dazu aufriefen, wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage in vielen Landesteilen auch in den Provinzen Sicherheitsunterst&uuml;tzung zu leisten, h&auml;tte man da nein sagen sollen?</p>
<p>- Nutzlos im Raum Kunduz? Nach Meinung der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung trug die Bundeswehr dort zumindest bis 2007 wesentlich zur relativen Ruhe und zum Aufschwung bei. Das belegen Untersuchungen, das zeigten die Reaktionen der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung auf einen Selbstmordanschlag Ende Mai 2007, dem drei deutsche Soldaten und sieben afghanische Zivilpersonen zum Opfer fielen. (Warum die &bdquo;Hoffnungsprovinz&ldquo; danach in den Krieg abrutschte und wie man das h&auml;tte verhindern k&ouml;nnen, ist eine lange verdr&auml;ngte Schl&uuml;sselfrage.)</p>
<p>(- Nutzlos f&uuml;r den Polizei- und Armeeaufbau? Viel zu sp&auml;t, erst ab 2008, machte man sich breit und ernsthaft an diese Aufgabe. W&auml;re z.B. die Polizeiaufbauhilfe ohne den R&uuml;ckhalt der Bundeswehr gegangen? Ist die F&ouml;rderung verl&auml;sslicher Sicherheitsorgane egal?</p>
<p>- &bdquo;Pr&auml;senz ohne Kontakt zur Bev&ouml;lkerung&ldquo;, &bdquo;85% nie in Ber&uuml;hrung mit normalen Afghanen auf der Stra&szlig;e&ldquo;? Die Einsatzwirklichkeit der Bundeswehrsoldaten war immer sehr unterschiedlich, je nach Standort, Kontingent, Zeitpunkt, Aufgabe. Es gab Phasen der ausdr&uuml;cklichen Bev&ouml;lkerungsorientierung (erste Jahre), des Einigelns, des Partnering. Erste empirisch belegte Zahlen gibt es f&uuml;r das 22. Kontingent 2010: 45% der deutschen Soldaten hatten regelm&auml;&szlig;ig Kontakt zur Zivilbev&ouml;lkerung au&szlig;erhalb des Feldlagers (t&auml;glich, mindestens w&ouml;chentlich), 24% hatten keinen solchen Umgang, 33% waren mehrere Wochen oder Tage hintereinander drau&szlig;en, 23% t&auml;glich oder mehrmals die Woche.)</p>
<p>- Verzicht der Deutschen auf eine Ver&auml;nderung der &bdquo;bestehenden Machtverh&auml;ltnisse in ihrer Region&ldquo;? Wie und mit welcher Legitimation h&auml;tte Deutschland denn die Machtverh&auml;ltnisse &auml;ndern k&ouml;nnen? Wie halten Hilfsorganisationen es mit &ouml;rtlichen Machthabern?</p>
<p>- (&bdquo;Langeweile&ldquo;, &bdquo;Unt&auml;tigkeit&ldquo;?) Soldaten berichten von (&bdquo;jeder Tag ist Mittwoch&ldquo;, von) vielf&auml;ltigen Belastungen, Herausforderungen, Extremrisiken, auch bereichernden und st&auml;rkenden Erlebnissen &ndash; aber nicht von Langeweile, Inaktivit&auml;t.</p>
<p>Es gibt triftige Gr&uuml;nde, die politischen Auftraggeber des Afghanistaneinsatzes scharf zu kritisieren (ungekl&auml;rte Strategiedissense, Naivit&auml;t, Halbherzigkeit). Voll daneben (und ungerecht) ist, (die Kritik so zu personalisieren und) Abertausende Soldatinnen und Soldaten (mit ihrem Engagement) als (nutzlose) Faulenzer ver&auml;chtlich zu machen.</p>
<p>(Ein solcher Rundumschlag ist dar&uuml;ber hinaus kontraproduktiv, weil er &ndash; wider die Absicht des Autor - der allgemeinen Stimmung &bdquo;blo&szlig; weg aus Afghanistan&ldquo; Auftrieb gibt.)</p>
<p>Winfried Nachtwei, M&uuml;nster, MdB B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen 1994-2009)</p>
<p><em>P.S.: R. Neudeck zitiert zu Beginn seines Beitrages einen ehemaligen Abgeordneten, der sich einmal &bdquo;r&uuml;hmte, dass er 40 Mal in Afghanistan gewesen sei. Er meinte nat&uuml;rlich: Er sei 40 Mal bei der Bundeswehr gewesen&ldquo;</em></p>
<p><em>Abgesehen davon, dass es keinen deutschen Abgeordneten gibt, der 40 Mal in Afghanistan war &ndash; offenbar bin ich damit gemeint.</em></p>
<p><em>Im Laufe meiner Abgeordnetent&auml;tigkeit reiste ich ca. 40 Mal in Krisengebiete, davon 17 Mal nach Afghanistan. Meine ausf&uuml;hrlichen, unter www.nachtwei.de ver&ouml;ffentlichten Reiseberichte zeigen, dass ich mich bei diesen Besuchen keineswegs auf die Bundeswehr und ihre Feldlager beschr&auml;nkt habe. Bewusst blieb mir immer, dass relativ kurze Politikervisiten nur sehr begrenzte Einblicke vermitteln k&ouml;nnen. Deshalb habe ich zugleich den Kontakt mit solchen Frauen und M&auml;nnern gepflegt, die f&uuml;r l&auml;ngere Zeit in Afghanistan und anderswo arbeiteten.</em></p></div>


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