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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Des Friedens General: Manfred Eisele - Vom KriegsflÃ¼chtling zum obersten Blauhelm&quot; - Neuerscheinung zu seinem 75. Geburtstag - meine Erinnerung an einen Wegweiser in Zeiten des Umbruchs</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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            &quot;Des Friedens General: Manfred Eisele - Vom KriegsflÃ¼chtling zum obersten Blauhelm&quot; - Neuerscheinung zu seinem 75. Geburtstag - meine Erinnerung an einen Wegweiser in Zeiten des Umbruchs         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 21. Juli 2013 11:58:40 +02:00 (60530 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Von 1994-1998 war der Bundeswehrgeneral Manfred Eisele Stellvertreter Kofi Annans im Department of Peacekeeping Operations der Vereinten Nationen und oberster Blauhelm. Hier NÃ¤heres zu dem empfehlenswerten Buch und meine Leseprobe.</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> 800x600 </xml><![endif]--></p>
<p><strong>â€žDes Friedens General: Manfred Eisele - Vom KriegsflÃ¼chtling zum obersten Blauhelm&quot; Neuerscheinung zu seinem 75. Geburtstag </strong></p>
<p>1994 steckte das UN-Peacekeeping nach Somalia, Ruanda und Srebrenica in einer tiefen Krise. Eine ÃœberprÃ¼fung und Reform des UN-Peacekeeping war dringend notwendig. Neu eingerichtet wurde im UN-Sekretariat, Department of Peacekeeping Operations (DPKO), der Posten eines Beigeordneten GeneralsekretÃ¤rs, Stellvertreter des damaligen DPKO-Leiters Kofi Annan. 49 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der deutsche Generalmajor Manfred Eisele auf die Position des hÃ¶chsten UN-Blauhelms berufen, die er bis 1998 innehatte!</p>
<p>2013 ist das Jahr, in dem Manfred Eisele 75 Jahre wurde, in dem sich die Entsendung erster UN-Peacekeeper zum 65. Mal und der deutsche UN-Beitritt zum 40. Mal jÃ¤hrt. Herausgegeben von Ekkehard Griep, stv. Vorsitzenden der DGVN, erschien jetzt im Herder-Verlag das Buch zuÂ  d e mÂ  deutschen UN-Peacekeeping-General und -Pionier mit BeitrÃ¤gen von 19 AutorInnen. Manfred Eisele steht fÃ¼r â€žDen Frieden sichern - Verantwortung Ã¼bernehmen - die Vereinten Nationen stÃ¤rken&quot;.</p>
<p><a href="http://www.dgvn.de/meldung/neuerscheinung-am-20-juni-des-friedens-general">www.dgvn.de/meldung/neuerscheinung-am-20-juni-des-friedens-general</a></p>
<p>Manfred Eisele war wohl der erste aktive General der Bundeswehr, der von den friedensbewegten und antimilitaristischen GrÃ¼nen im Bundestag offiziell eingeladen wurde. Ich habe ihn als Wegweiser in Zeiten des Umbruchs erlebt. Hier mein Buchbeitrag als Leseprobe:</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Der Peacekeeping-General: Wegweiser in Zeiten des Umbruchs</span></strong></p>
<p>von Winfried Nachtwei</p>
<p>Am 11. September 1996 begegnete ich Generalleutnant<a name="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> Manfred Eisele, dem obersten MilitÃ¤rberater des VN-GeneralsekretÃ¤rs, zum ersten Mal. Es war inmitten der Haushaltswoche des Bundestages am Tag der Aussprachen zu den EinzelplÃ¤nen von Kanzleramt, AuswÃ¤rtigem Amt, Verteidigung und Entwicklung. Am Abend hatte die Deutsche Gesellschaft fÃ¼r die Vereinten Nationen (DGVN) zum Roundtable mit General Manfred Eisele und Botschafter GÃ¼nter Joetze, PrÃ¤sident der Bundesakademie fÃ¼r Sicherheitspolitik, geladen. Nach dem Umfang der Notizen in meiner Kladde Nr. IV und trotz Bestform von Joschka Fischer vormittags im Bundestagsplenum (ich hatte notiert: â€žes gibt wieder viel zu lachen, fÃ¼r alle&quot;) war der Abend mit Manfred EiseleÂ  d e rÂ  HÃ¶hepunkt des Tages. Er referierte Ã¼ber â€žMÃ¶glichkeiten und Grenzen prÃ¤ventiver Politik im Rahmen der Vereinten Nationen&quot;:</p>
<p>PrÃ¤vention, Kriegs- und KrisenverhÃ¼tung seien das bestimmende Element der VN schon laut deren Charta.</p>
<p>Inzwischen gebe es eine Mehrzahl Â an innerstaatlichen Konflikten, die im Unterschied zu zwischenstaatlichen Kriegen noch viel grausamer gefÃ¼hrt wÃ¼rden. Alle (damals) 185 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen seien sehr unwillig, Mittel zur PrÃ¤vention zur VerfÃ¼gung zu stellen. Ohne den sog. â€žCNN-Faktor&quot; seien keine Betroffenheit und kein Ã¶ffentlicher Konsens zu erreichen, erst Recht nicht die Bereitstellung von Truppen. Beispiel Ruanda: Auf 19 Anfragen der VN an MitgliedslÃ¤nder habe es 19 Ablehnungen gegeben. Wo der Wille zum Eingreifen vorhanden sei, fehlten die Mittel. Wo die Mittel vorhanden seien, fehle der Wille. Positive Beispiele seien dagegen die erfolgreiche Vermittlung zwischen Eritrea und Jemen durch Hans-Dietrich Genscher und die - bislang einzigartige - vorbeugende Stationierung von Blauhelmen in der Republik Mazedonien.</p>
<p>Konkret schilderte Eisele Â dann die aktuellen Planungen fÃ¼r Â einem VN-Einsatz in Burundi. Schon die bloÃŸe Vorbereitung eines solchen Einsatzes kÃ¶nne krisenprÃ¤ventiv wirken. FÃ¼r eine Kapitel VI-Mission habe man seitens des VN-Sekretariates 76 Einladungen an Mitgliedsstaaten herrausgegeben - und 12 Antworten erhalten, davon fÃ¼nf positive. Wo 25.000 Mann notwendig seien,Â  seien lediglich 7.000 Soldaten von Bangladesh und afrikanischen Staaten angeboten worden. Man mÃ¼sse generell wissen, dass das Sekretariat zur FÃ¼hrung eines Kapitel VII-Einsatzes Â nicht in der Lage sei. Die NATO schaffe hingegen mit ihren Combined Joint Task Forces (CJTF) genau das Instrument, das die VN hier benÃ¶tigten. Wenn die NATO Ã¼ber den Schatten des Kalten Krieges springen wÃ¼rde, kÃ¶nnte sie CJTFs zur VerfÃ¼gung stellen. Und warum scheiterten FriedenseinsÃ¤tze? Der Hauptgrund seien unklare Mandate.</p>
<p>Stolz kÃ¶nne man sein, so Eisele weiter, aufÂ  Bundeswehreinrichtungen wie das Zentrum Innere FÃ¼hrung in Koblenz und das Zentrum fÃ¼r Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in Geilenkirchen. Die seien vorbildlich. (Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestÃ¤tigen: Die praxisorientierte Weiterbildung der StaatsbÃ¼rger in Uniform und die Weiterentwicklung der Inneren FÃ¼hrung in Koblenz, das international hoch angesehene militÃ¤rische Kompetenzzentrum fÃ¼r RÃ¼stungskontrolle in Geilenkirchen.)</p>
<p>In einem mehrseitigen Bericht unterrichtete ich anschlieÃŸend meine Fraktion Ã¼ber den Vortrag, der hundertprozentig den aktuellen friedens- und sicherheitspolitischen Bedarf traf - und den diesbezÃ¼glich hin- und hergerissenen, suchenden BÃ¼ndnisgrÃ¼nen eine Perspektive bot.</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Vom Krieg zum Frieden</strong></p>
<p>Herbst 1996, das erste Jahr des multinationalen IFOR/SFOR-Einsatzes in Bosnien-Herzegowina und der Beteiligung der Bundeswehr daran. Das Jahr nach dem Massaker von Srebrenica, nach der Beendigung der Belagerung Sarajevos durch NATO-Luftangriffe, nach dem Friedensvertrag von Dayton. HeiÃŸ stritten wir GrÃ¼ne, damals in der Opposition, um FÃ¼r und Wider eines Bundeswehreinsatzes. Zum IFOR-Mandat hatte die Fraktion Â im Dezember 1995 zu keinem Mehrheitsvotum mehr gefunden. Dann aber nahm innerhalb von fÃ¼nf Monaten in der Fraktion die BefÃ¼rwortung eines Bundeswehreinsatzes in Ex-Jugoslawien erdrutschartig zu. Ohne den erhobenen Zeigefinger der Partei hÃ¤tte vermutlich sogar eine deutliche Fraktionsmehrheit fÃ¼r die Regierungsvorlage gestimmt. Zusammen mit den Abgeordnetenkollegen Gert Weisskirchen (SPD) und Reiner Eppelmann (CDU) initiierte ich einen Gruppenantrag zur UnterstÃ¼tzung eines Zivilen Friedensdienstes, der auch von Heiner GeiÃŸler, Armin Laschet (beide CDU), Eckart Kuhlwein, Markus Meckel, Uta Zapf (alle SPD) und Christa Nickels (GrÃ¼ne) unterstÃ¼tzt wurde. 1996 galt uns GrÃ¼nen als â€žJahr der BewÃ¤hrung fÃ¼r gewaltfreie Politik&quot;. <em>(Absatz wie im Skript)</em></p>
<p>Am 15. April 1996, meinem 50. Geburtstag, hatte ich zusammen mit dem Unterausschuss â€žVereinte Nationen&quot; die Infanterieschule des Heeres und insbesondere das VN-Ausbildungszentrums der Bundeswehr in Hammelburg besucht. Als junger Soldat war fÃ¼r mich in den 1960er Jahren Hammelburg etwas ganz Besonderes: Hier fanden die fÃ¼r mich unerreichbaren, dafÃ¼r umso mehr bewunderten EinzelkÃ¤mpferlehrgÃ¤nge statt. Jetzt war es mein erster Besuch in dem seit Januar 1994 bestehenden VN-Ausbildungszentrum. Hier fanden mehrwÃ¶chige MilitÃ¤rbeobachterlehrgÃ¤nge, VN-GrundlehrgÃ¤nge fÃ¼r Stabsoffiziere, FÃ¼hrerlehrgÃ¤nge der KrisenreaktionskrÃ¤fte und die sechstÃ¤gige Kontingentausbildung fÃ¼r IFOR statt. Bei der VN-Ausbildung kam Â es darauf an, anstelle der herkÃ¶mmlichen Infanteristenparole â€ždran, drauf, drÃ¼ber&quot; einem gÃ¤nzlich anderen Ansatz zu folgen, nÃ¤mlich â€žblau zu denken&quot;,<a name="_ftnref2" href="#_ftn2">[2]</a> mit Gelassenheit und Freundlichkeit aufzutreten - eben â€žfirm, fair, friendly&quot;, so wie man das Verhalten der Blauhelme der Vereinten Nationen idealtypisch beschrieb. Auch wenn EskalationsmÃ¶glichkeiten immer vorhanden sein mÃ¼ssten, so wurde uns erlÃ¤utert, stÃ¤nde die Deeskalation doch im Mittelpunkt. Mental auf die unparteiische, auf Gewaltanwendung mÃ¶glichst verzichtende Rolle vorzubereiten, sei nicht einfach. Kooperation, so erfuhren wir, gab Â es bereits mit entsprechenden Ausbildungszentren in Schweden, Finnland, Ã–sterreich. Bemerkenswert erschien mir, welchen hohen Stellenwert in der VN-Ausbildung Schutz und Sicherheit der eigenen Soldaten und eher polizeitypische Einsatz- und VerhaltensgrundsÃ¤tze hatten (Deeskalation, VerhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸigkeit der Mittel). Nichts von Risikofreude, gar DraufgÃ¤ngertum. Was heute selbstverstÃ¤ndlich ist, wurde damals von AuswÃ¤rtigen Amt und vom Bundesinnenministerium noch abgelehnt:Â  Kurse fÃ¼r Zivilpersonal.</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Konfrontation mit der Kriegswirklichkeit</strong></p>
<p>Sechs Wochen nach der ersten Begegnung mit General Eisele erlebte ich erstmalig die RealitÃ¤t eines VN-Szenarios und eine VN-Mission, also Teile â€žseines Alltags&quot;: Mit einer Delegation der VorstÃ¤nde von grÃ¼ner Partei und Bundestagsfraktion besuchten wir im Oktober 1996 Bosnien-Herzegowina, Trogir, Mostar, Sarajevo, Tuzla, Banja Luka. Mit dabei waren die Fraktionsvorsitzenden Kerstin MÃ¼ller und Joschka Fischer, die Parteivorsitzenden Krista Sager und JÃ¼rgen Trittin, die Mitabgeordneten Marieluise Beck, Werner Schulz, Gerd Poppe, die Mitarbeiter Achim Schmillen, Uli Fischer, Erich Rathfelder von der taz, Christiane SchlÃ¶tzer-Scotland von der SZ. Als erste deutsche Delegation dieser Art wollten und wagten wir die Reise, gerade weil wir uns nicht einig waren. Schockierend waren AusmaÃŸ und IntensitÃ¤t der ZerstÃ¶rungen: die toten Obstplantagen von Mostar, die zerhackten und enthaupteten HÃ¤user. Am Hang von Sarajevo realisierten wir, was wir eigentlich schon seit Jahren Ã¼ber die Medien wussten - die gnadenlose Belagerung der multiethnischen GroÃŸstadt Sarajevo Ã¼ber drei lange Jahre, die BeschieÃŸung ihrer Bewohner. Hier gab es kein Ausweichen mehr vor der Einsicht, dass in bestimmten Situationen MilitÃ¤r zum Schutz wehrloser Menschen vor massiver Gewalt notwendig sein kann. Zugleich begegnete uns mit IFOR, mit General Friedrich Riechmann (dem Kommandeur des deutschen Kontingents), eine andere Art von MilitÃ¤r: VN-mandatiert mit dem Auftrag, Gewalt zu verhÃ¼ten und einzudÃ¤mmen; das war ein quasi polizeilicher Auftrag mit militÃ¤rischen Mitteln. Eine positive Irritation fÃ¼r alle diejenigen unter uns, fÃ¼r die Soldaten schlichtweg Krieger waren und im KontinuitÃ¤tsverdacht zur Wehrmacht standen. AuffÃ¤llig war auch der nÃ¼chterne Realismus dieser Art von MilitÃ¤rs: Nichts an Allmachtsphantasie, mit militÃ¤rischen Mitteln einen politischen Konfliktknoten durchschlagen und stabilen Frieden schaffen zu kÃ¶nnen; dafÃ¼r viel Bewusstsein von der Notwendigkeit und den StÃ¤rken der anderen, von diplomatischen, zivilen und polizeilichen Akteuren.</p>
<p>Die Bosnienreise wurde fÃ¼r alle Mitreisenden zu einer SchlÃ¼sselerfahrung. Sie verschob unsere friedens- und sicherheitspolitischen Koordinaten. Aus der eindringlichen Begegnung mit dem katholischen Bischof von Banja Luka erwuchs fÃ¼r uns eine Haltung, die ich das â€žGelÃ¶bnis von Banja Luka&quot; nannte: â€žIm Einflussbereich europÃ¤ischer Politik dÃ¼rfen wir kein zweites Bosnien mehr zulassen!&quot;</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Premiere bei den GrÃ¼nen</strong></p>
<p>Wenige Monate spÃ¤ter lud die Bundestagsfraktion von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen fÃ¼r den 31. Januar 1997 zu dem Hearing â€žInternationale Strukturpolitik, GewaltprÃ¤vention und konstruktive Konfliktbearbeitung&quot; ins Bonner â€žWasserwerk&quot; ein, mit Lothar Brock, Tobias Debiel, Manfred Eisele, Thomas Fues, Knut Ipsen, moderiert von Ludger Vollmer.</p>
<p>Manfred Eisele war damit als erster aktiver Bundeswehrgeneral Gast der grÃ¼nen Fraktion. Er sprach zu â€žMÃ¶glichkeiten der Einmischung in gewaltsam eskalierte Konflikte&quot;:</p>
<p>Nur in Deutschland gebe es ein VerstÃ¤ndnis von Zivilgesellschaft als Zivilistengesellschaft. Kaum fÃ¼r mÃ¶glich werde gehalten, dass sich Soldaten dazu Ã¤uÃŸern. Dabei umfasse Zivilgesellschaft doch BÃ¼rgergesellschaft, Zivilcourage, BÃ¼rgermut.</p>
<p>Die VN-Charta stehe fÃ¼r die kollektive PrÃ¤vention von Bedrohungen des Friedens. Allerdings habe das Nichteinmischungsgebot verhindert, dass jemals Ã¼ber die Kurdenfrage in der TÃ¼rkei, Ã¼ber Algerien und Nordirland debattiert worden sei. Hinzu kommen mÃ¼sse eine Bedrohung des zwischenstaatlichen Friedens.</p>
<p>Das frÃ¼here Argument, man habe â€žnichts gewusst&quot;, sei heute fÃ¼r Staaten hinfÃ¤llig. Rechtzeitige politische Willensbildung zu betreiben, sei heute das Kernproblem.</p>
<p>Einzigartig sei der Einsatz in Makedonien. Erstmalig werde eine multinationale Truppe zur PrÃ¤vention eingesetzt, wo es bisher noch gar keine Gewaltauseinandersetzung gegeben habe. In demokratischen Staaten sei es schwer, dafÃ¼r Parlamentarier und Finanzminister zu gewinnen. Es fehle ja der politische Druck.</p>
<p>Auf dem Balkan, so schilderte Eisele, gebe es die ganze Spannweite von Missionen: In Bosnien neben SFOR mit der International Police Task Force (IPTF) der Vereinten Nationen einen zivilen Peacekeeping-Einsatz, 1.700 Personen aus 70 LÃ¤ndern, eine gigantische Aufgabe. Deutsche Polizisten spielten dabei eine dramatisch gute Rolle. In Ostslawonien, unmittelbar an Bosnien angrenzend, sei die VN-Mission schwerstbewaffnet mit Panzern, Artillerie und Kampfhubschraubern. Auch hier zeige sich, dass nach aller ErfahrungÂ  Peacekeeping und Peace-enforcement nicht scharf voneinander zu trennen seien. Nicht hinnehmbar sei, leicht bewaffnete Infanteristen irgendwo hin zu schicken und dann - nachtrÃ¤glich - ggfs. nachzubessern. Vielmehr gelte es, von vorneherein ausreichend bewaffnete Truppen zu entsenden. Um abzuschrecken, brauchten sie nur ihr Potenzial zu zeigen. In Ostslawonien sei bisher kein Schuss Â gefallen, und habe es keinen einzigen Toten gegeben. Aber das fordere von Soldaten Ã¤uÃŸerste Selbstdisziplin, wenn sie einerseits Ã¼ber entsprechende Waffen verfÃ¼gen, sich andererseits aber bis zur Grenze provozieren lassen mÃ¼ssen, ohne den Finger zu krÃ¼mmen.</p>
<p>PlÃ¶tzlich wurde die sachliche Debatte unterbrochen, als aus dem Publikum ein Teilnehmer den vortragenden General mit dem Vorwurf attackierte, Soldaten seien MÃ¶rder. Es war der mir aus der MÃ¼nsteraner Friedensbewegung bekannte (und bis heute bei der DKP aktive) Ansgar. Eisele forderte ihn ruhig und sehr bestimmt auf, diese Beleidigung zurÃ¼ckzunehmen. Andernfalls wÃ¼rde er ihn zur Anzeige bringen. Nach kurzer Bedenkzeit nahm der junge Mann die Beleidigung zurÃ¼ck. Eiseles Reaktion: ganz ruhig im Ton, klar in der Ansage, entschiedene Botschaft, verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸige Eskalation mit Angebot zum Einlenken - beeindruckend.</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Nach dem Kosovokrieg</strong></p>
<p>Knapp vier Jahre spÃ¤ter hatten wir GrÃ¼ne zwei Jahre Regierungserfahrung hinter uns, mit dem Kosovokrieg als schlimmstmÃ¶glichem Einstieg. Im November 2000 begegnete ich Manfred Eisele an der Evangelischen Akademie Meissen bei der Tagung â€žFriedensethik nach den Erfahrungen von Bosnien und Kosovo&quot;. In meiner Kladde XII finde ich ausfÃ¼hrliche Aufzeichnungen zum Vortrag â€žFriedenserhalt durch militÃ¤rische Gewalt? Erfahrungen nach dem Kosovokrieg&quot; von Manfred Eisele.</p>
<p>Er habe seine Aufgabe immer als Friedenssicherung verstanden, nicht als Kriegsvorbereitung, sich selbst nicht als â€žwarrior&quot;.</p>
<p>Einzig und allein der VN-Sicherheitsrat habe das Recht, bei â€žBedrohungen des Friedens&quot; internationale Interventionen zu autorisieren. Aber was tun, wenn aus nationalen Motiven im Sicherheitsrat ein Veto eingelegt wird? â€žTut uns leid&quot; sagen - und Opferhilfe beim VÃ¶lkermord anbieten? Ein PrÃ¤zedenzfall Â sei es gewesen, als die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) 1990 in den liberianischen BÃ¼rgerkrieg intervenierte und der VN-Sicherheitsrat wegsah. Letztendlich wurde die Intervention dann durch eine kleine, zusÃ¤tzlich entsandte VN-Mission doch noch legalisiert. Gemeinsam waren eine groÃŸe westafrikanische und eine kleine VN-Truppe in gewissem AusmaÃŸ erfolgreich.</p>
<p>Der Kosovo habe gezeigt, so Eisele, dass LuftstreitkrÃ¤fte das ungeeignete Mittel zur Wiederherstellung von Frieden seien. Man mÃ¼sse beiden Konfliktparteien in die Augen sehen kÃ¶nnen - das sei aber nur auf dem Boden mÃ¶glich. Regierungen dÃ¤chten Â bei KrisenbewÃ¤ltigung offenbar immer nur an Soldaten. WÃ¤hrend des Luftkrieges habe er im Bundesinnenministerium wenig Wachsamkeit erlebt. Auf die Anfrage im Hause von Â Innenminister Schily, ob Polizisten schon auf gepackten Koffern sÃ¤ÃŸen, kam die Antwort, daran habe man noch nicht gedacht. Deutsche Polizisten waren dann relativ schnell da. Aber sie kÃ¶nnen nicht befohlen werden.</p>
<p>Eisele war eindeutig: Keiner kÃ¶nne von auÃŸen Frieden schaffen - gegen den Willen der Konfliktparteien. Erfreulich sei es, dass die NATO erste Ãœberlegungen zu einer zivil-militÃ¤rischen Doktrin (CIMIC) anstelle. Mit der WeizsÃ¤cker-Kommission habe man gefordert, PolizeikrÃ¤fte fÃ¼r internationale EinsÃ¤tze zur VerfÃ¼gung zu stellen. Aber bisher gebe es keine Polizeireserve. Die fehle jetzt. Deutschland solle sich um den Aufbau eines Zivilen Friedenskorps bemÃ¼hen. Das tue das AuswÃ¤rtige Amt jetzt auch.</p>
<p>Eisele in einer Mischung aus Vision und Realismus: Die Welt sei auf dem Weg, den Frieden vorzubereiten. Der Soldat solle und wolle dem Frieden dienen.</p>
<p>Wie wenig Konsens in der deutschen Politik Ã¼ber den Wert der VN-Friedenssicherung bestand, habe das Beispiel zweier fÃ¼hrender Politiker gezeigt: Helmut Schmidt und andere hÃ¤tten den Kosovoeinsatz abgelehnt mit der â€žAlternative&quot;: Deckel drauf halten und ausbluten lassen. Verteidigungsminister RÃ¼he habe auf VN-Anfragen regelmÃ¤ÃŸig deutsche UnterstÃ¼tzung verweigert.</p>
<p>Heute, mehr als zehn Jahre nach der Tagung in Meissen, gehÃ¶rt zur Grundausstattung sicherheitspolitischer Diskussionen die Klage Ã¼ber das Fehlen einer breiten Debatte Ã¼ber die Ã¼blichen Fachzirkel hinaus. Das Jahr 2000 war eines Â jener Jahre, in denen besondere Chancen fÃ¼r eine breitere friedens- und sicherheitspolitische Debatte bestanden, aber verspielt wurden. Manfred Eisele gehÃ¶rte zu den Mitgliedern der sogenannten WeizsÃ¤cker-.Kommission zur â€žGemeinsamen Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr&quot;. Ihr am 23. Mai vorgelegter Bericht wurde Ã¼bereinstimmend als Ã¤uÃŸerst fundiert und anregend gewertet - und schon nach drei Wochen faktisch aus der Debatte genommen, als der damalige Verteidigungsminister Scharping seine Eckpfeiler zur Bundeswehrreform vorlegte. In einem Warn-Brief an meine Fraktionsvorsitzenden schrieb ich damals: â€žDie grÃ¶ÃŸte Bundeswehrreform seit ihrer GrÃ¼ndung wird de facto von einem Minister erlassen. Die Koalitionsfraktionen und das Parlament haben dabei nichts zu melden. Ein solcher Regierungsstil von Befehl und Gehorsamserwartung ist vordemokratisch.&quot; Im Jahr 2000 hatten sich gerade im rot-grÃ¼nen und friedensbewegten Spektrum die Wellen der EmpÃ¶rung Ã¼ber die deutsche Beteilung am Kosovo-Krieg keineswegs gelegt. Wir Fachpolitiker der GrÃ¼nen drÃ¤ngten auf eine nÃ¼chterne und selbstkritische Bilanzierung des Einsatzes. Manfred Eisele leistete dazu BeitrÃ¤ge. Aber die â€žeigene&quot; Regierung wollte das nicht. Wieder eine vertane Chance.</p>
<p>Â </p>
<p><strong>BÃ¼rgerkriegsgefahr in Mazedonien - internationaler Terrorismus</strong></p>
<p>Die Erinnerung an das Jahr 2001 wird heute dominiert von den TerroranschlÃ¤gen des 11. September und dem Beginn des Afghanistaneinsatzes. Weitgehend vergessen ist, dass das sicherheitspolitische Berlin in den Monaten zuvor absorbiert war von einer erneuten Kriegsgefahr vor der HaustÃ¼r, beim Kosovo-Nachbar Mazedonien. Vor allem wÃ¤hrend des Kosovokrieges hatte ich erfahren, dass offizielle Unterrichtungen durch die Bundesregierung notwendig und nÃ¼tzlich, aber keineswegs ausreichend waren fÃ¼r ein solides und differenziertes Lagebild. Notwendig wurde ein eigenes schnelles, vertrauliches Beratungsnetz, das sich schrittweise aus meinen Kontakten mit Regionalexperten, Polizisten, Offizieren und Journalisten entwickelte und das ich wÃ¤hrend der Mazedonienkrise im FrÃ¼hjahr und Sommer 2001 erstmalig in Anspruch nahm. Nach den Terrorangriffen des 11. September und der Ausrufung der â€žuneingeschrÃ¤nkten SolidaritÃ¤t&quot; gegenÃ¼ber den USA durch Bundeskanzler SchrÃ¶der vervielfachte sich der Beratungsbedarf. General Eisele gehÃ¶rte dann zu denjenigen, denen ich ein Beratungspapier Ã¼bersenden konnte und die dann sehr offen, konkret, ohne falsche RÃ¼cksichten Stellung bezogen.</p>
<p>Er reprÃ¤sentiert die reichen Erfahrungen der VN-Friedenssicherung, wie sie im politischen Berlin trotz ZIF und DGVN und Global Public Policy Institute viel zu wenig Beachtung finden.</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Wegweiser und Mutmacher</strong></p>
<p>Am 8. Juli 2004 nahm Manfred Eisele in der MÃ¼nchener Residenz an der Verleihung der Dag-HammarskjÃ¶ld-Medaille der DGVN an den VN-Spitzendiplomaten Lakhdar Brahimi und die SchÃ¼lergruppe â€žAktion VÃ¶lkerrecht&quot; aus Heidelberg teil. 1998 war ihm selbst diese Medaille fÃ¼r â€žVerdienste um Frieden und VerstÃ¤ndigung&quot; zusammen mit Prof. Dr. Klaus HÃ¼fner verliehen worden. Meinem DokumentationsbedÃ¼rfnis folgend fotografierte ich ihn - gemeinsam mit der DGNV-GeneralsekretÃ¤rin Dr. Beate Wagner und Generalinspekteur a.D. Klaus Naumann. Seitdem ist das Eisele-Foto ein fester Bestandteil meines Vortrages â€žFriedensarbeiter - Ein Gang durch die WerkstÃ¤tten der zivilen FriedensfÃ¶rderung, KonfliktlÃ¶sung und Friedenskonsolidierung&quot;.</p>
<p>KrisenprÃ¤vention und KriegsverhÃ¼tung finden selbstverstÃ¤ndlich und zu Recht viel Zustimmung. Doch ihr Handicap ist ihre unspektakulÃ¤re Art, die relative Unsichtbarkeit ihrer Methoden und die Vielzahl der Beteiligten, die Unsichtbarkeit ihrer Erfolge, ihr Mini-Nachrichtenwert angesichts des dominierenden Bad-News-Mechanismus.</p>
<p>Umso wichtiger sind PersÃ¶nlichkeiten und Gesichter wie Manfred Eisele. Er steht fÃ¼r eine Friedens- und Sicherheitspolitik mit klarer VN-Orientierung, nÃ¼chternem RealitÃ¤tssinn, einem enormen Erfahrungsschatz. Ein Soldat, General, BÃ¼rger fÃ¼r den Frieden, fÃ¼r gemeinsame und menschliche Sicherheit. Wie ich ihn immer wieder erlebt habe, so auch auf dem Foto: Manfred Eisele strahlt, ohne zu blenden.</p>
<p>Anfang September 2010 kehrte ich vom meinem 15. Besuch in Afghanistan zurÃ¼ck. An der FÃ¼hrungsakademie der Bundeswehr in Hamburg hatte ich einen Vortrag zu halten: â€žWie vernetzt und ressortÃ¼bergreifend mÃ¼ssen VN-Friedensmissionen sein?&quot; Nach RÃ¼ckkehr von einer solchen Reise fÃ¼hle ich mich in der Regel noch etwas robuster. Aber ein Generalstabslehrgang ist schon ein besonderes Forum. Und wenn unter den ZuhÃ¶rern ein Kompetenzzentrum wie General a.D. Eisele sitzt, nimmt die Herausforderung noch zu. Von daher war es mir eine besondere Peinlichkeit, dass so etwas Simples wie die Projektion meiner Folien nur teilweise funktionierte. Die hochmoderne Konferenztechnik des Gneisenau-Saals war mit meinen herkÃ¶mmlichen Folien schlichtweg Ã¼berfordert. Sie nahm ihnen Licht- und AusdrucksstÃ¤rke.</p>
<p>Doch Manfred Eisele gab mir zu verstehen, dass der Zenit der Power-Point-PrÃ¤sentationen sowieso Ã¼berschritten sei und die Ãœberzeugungskraft der PersÃ¶nlichkeit wieder Oberhand gewinne. Und da sei der Auftritt ein voller Erfolg gewesen.</p>
<p>Als Politiker begegnen einem zahllos viele Menschen, unter ihnen viele ausgesprochen interessante Frauen und MÃ¤nner.</p>
<p>Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir bewusst, dass ich Manfred Eisele ganz besonders viel verdanke: an friedenspolitischer Orientierung in unÃ¼bersichtlichen Zeiten, an VN-Orientierung mit Realismus, Herz und Verstand.</p>
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<hr size="1" />
<p><a name="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> FÃ¼r die Dauer seiner TÃ¤tigkeit bei den Vereinten Nationen wurde Generalmajor Manfred Eisele der hÃ¶here Dienstgrad Generalleutnant verliehen.</p>
<p><a name="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> â€žblau&quot; im Sinne von Blau als Farbe der Vereinten Nationen.</p>
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