Einladung: RIGA-Vortrag am 13.12. im Rathaus Münster

Von: Nachtwei amFr, 09 Dezember 2011 20:10:27 +02:00

Am 13.12.1941, genau vor 70 Jahren, wurden 390 jüdische Frauen, Männer und Kinder nach Riga im besetzten Lettland deportiert. Damit begann der Massenmord an den früheren jüdischen Nachbarn von nebenan. Hierüber berichtet W. Nachtwei in seinem bebilderten Vortrag am 13.12. um 20.00 Uhr im Rathaus Münster. Die Einladung ...



EINLADUNG

Vor 70 Jahren: Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga

Vortrag von Winfried Nachtwei am

Dienstag, 13.12.2011, 20.00 Uhr im Rathaus Münster

(Veranstalter: „Gegen Vergessen - Für Demokratie", Gesellschaft für Christlich-Jüdische

Zusammenarbeit Münster, Geschichtsort Villa ten Hompel)

Andere Themen scheinen aktueller und dringlicher zu sein. Nach fast 50 Jahren Vergessen und Verdrängen ist dieses Thema anders aktuell.

Am 13. Dezember 1941 verließ ein Deportationszug mit 390 Frauen, Männern und Kindern aus Münster und dem Münsterland den Güterbahnhof Münster. Nachdem in Osnabrück 200 und in Bielefeld 420 weitere Menschen in den Zug gezwungen worden waren, fuhr er Richtung Riga. Dort, im „Reichsjudenghetto", im KZ Salaspils und Wald von Bikernieki begann der Massenmord an den jüdischen Menschen aus Münster, aus Westfalen und anderen Teilen Deutschlands.

In den Tagen zuvor waren Züge mit jeweils 1000 Menschen aus Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Hamburg, Köln, Kassel und Düsseldorf nach Riga gefahren, am 15.12. folgte ein Zug aus Hannover, am 27.1.1942 einer aus Dortmund.

Ihr Schicksal war über viele Jahrzehnte weitgehend unbekannt. Die vielen Mörder und Helfershelfer kamen überwiegend ungeschoren davon. Vor 22 Jahren stieß ich im noch sowjetischen Riga auf die Spuren der Deportierten und lernte Überlebende von Ghetto und KZ kennen. Im Dezember 1989 berichtete ich im Regenbogensaal der Grünen in Münster erstmalig in einem Diavortrag von dieser Spurensuche.

1991 fanden in etlichen deutschen Städten erste Erinnerungsveranstaltungen an die verschollenen, früheren Nachbarn statt. Wo in Riga KEIN WORT an die Deportierten erinnerte, wo der deutsche Staat ehemaligen Angehörigen der lettischen Waffen-SS eine Kriegsversehrtenrente zahlte, Überlebende von Ghetto und KZ aber KEINE MARK aus Deutschland bekamen, startete ich zusammen der ZEIT-Journalistin Marianna Butenschön eine Kampagne für eine „würdige Entschädigung der Holocaust-Überlebenden" und zusätzlich eine Spendensammlung für ein Mahnmal in Riga. Die Fraktionen im Rat der Stadt Münster, Osnabrück und Bielefeld und ihre Oberbürgermeister gehörten zu den ersten Unterstützern.

Anfang 1998 konnte endlich eine staatliche „Entschädigungszahlung" für die ehemaligen Ghetto- und KZ-Häftlinge in Osteuropa durchgesetzt werden. Am 30. November 2001 wurde in Riga Bikernieki eine würdige Gedenkstätte eingeweiht, die mit Hilfe des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge und von im Deutschen Riga-Komitee zusammen geschlossenen 13 Herkunftsorten der Deportierten errichtet worden war. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Riga-Komitees (inzwischen fast 40 Orte) besuchten im Juli 2010 Repräsentanten von 24 deutschen Städten Riga. Münster gehört zu den Gründungsmitgliedern des Riga-Komitees. Delegationen aus Münster nahmen an den Gedenkfeiern 2001 und 2010 teil.

Den bebilderten Vortrag hielt ich inzwischen ca. 120 mal in mehr als 50 Städten, in den letzten Wochen in Gütersloh, Duisburg, Hamburg, Hannover, Ulm, Stuttgart, Berlin, Moers und Bielefeld.

Nachdem vor 70 Jahren die meisten Menschen WEGSAHEN, als ihre frühere jüdischen Nachbarn verschwanden, wäre es gut, wenn anlässlich des 70. Jahrestages möglichst viele Münsteranerinnen und Münsteraner ins Rathaus kämen - zum HINSEHEN.

Bei den Vorträgen werbe ich um Unterstützung für das Spendenkonto „Riga" des Ehepaar Hanna und Wolf Middelmann aus Göttingen: Seit 1993 (!) sammeln sie zu Gunsten der immer weniger Überlebenden von Ghetto und KZ in Baltikum und bauten bei inzwischen 36 Besuchen herzliche Beziehungen zu ihnen auf: 100 499 433 bei Sparkasse Göttingen (BLZ 260 500 01)