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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Nachtwei zur zivilen KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Interview</span>

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        <h1>
            Nachtwei zur zivilen KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 18. Juni 2009 10:09:41 +02:00 (114506 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Folgende Rede hielt Winfried Nachtwei im Deutschen Bundestag zum Antrag von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen &quot;Zivile KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung braucht einen neuen Schub&quot;:</p></div>
            <div>    <p>VizeprÃ¤sident <strong>Dr.Â Hermann Otto Solms</strong>:</p>
<p>Ich erÃ¶ffne die Aussprache und erteile als erstem Redner dem Kollegen Winfried Nachtwei vom BÃ¼ndnisÂ 90/ Die GrÃ¼nen das Wort.</p>
<p><strong>Winfried Nachtwei</strong> (BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN):</p>
<p>Herr PrÃ¤sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bedeutung und der Vorrang ziviler KrisenprÃ¤vention sind eigentlich unstrittig. Gewaltkonflikte zu verhÃ¼ten und zu Ã¼berwinden, gebietet sich aus dem Friedensauftrag des Grundgesetzes und der Charta der Vereinten Nationen.</p>
<p>Die Erfahrungen der 90er-Jahre auf dem Balkan, in Afrika und in anderen Krisenregionen haben uns damals sehr deutlich gezeigt, dass die Mittel der Diplomatie und des traditionellen Peacekeepings nicht ausreichen, um diese Krisen bewÃ¤ltigen zu kÃ¶nnen. 1998/99 wurde mit dem Start der rot-grÃ¼nen Koalition einiges auf den Weg gebracht. Zehn Jahre danach ist es jetzt an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen.</p>
<p>Es wurden in der Tat etliche Einrichtungen und neue Instrumente geschaffen, die zum Teil weltweit ihresgleichen suchen. Ich nenne als Beispiele nur das Zentrum fÃ¼r Internationale FriedenseinsÃ¤tze in Berlin, den Zivilen Friedensdienst, die Deutsche Stiftung Friedensforschung, die krisenprÃ¤ventive Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit, die polizeilichen AusbildungsstÃ¤tten fÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze und die im Jahr 2004 im Aktionsplan â€žZivile KrisenprÃ¤vention, KonfliktlÃ¶sung und Friedenskonsolidierung&quot; der Bundesregierung zusammengefassten MaÃŸnahmen.</p>
<p>Ich mÃ¶chte die Gelegenheit ergreifen, an dieser Stelle all den Friedenspraktikerinnen und Friedenspraktikern zu danken, die seitdem in Krisenregionen VorzÃ¼gliches geleistet haben.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN, bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)</p>
<p>Beispielhaft dafÃ¼r mÃ¶chte ich den Direktor und Spiritus Rector des Zentrums fÃ¼r Internationale FriedenseinsÃ¤tze, Dr.Â Winrich KÃ¼hne, nennen, der jetzt leider in Pension geht. Ich mÃ¶chte diesem deutschen Mister Peacekeeping, wie ich ihn einmal nenne, unseren Antrag widmen.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN)</p>
<p>Es schmÃ¤lert die Leistungen dieser Friedenspraktikerinnen und Friedenspraktiker bis auf die Ebene des AuswÃ¤rtigen Amtes in keiner Weise, wenn ich nach dem halbvollen Glas jetzt auf das halbleere Glas zu sprechen komme. Bei multinationalen Krisenengagements und Friedensmissionen zeigt sich immer deutlicher und dringlicher, wie rÃ¼ckstÃ¤ndig die zivilen und polizeilichen FÃ¤higkeiten sind. Ich erlebe als Mitglied des Verteidigungsausschusses besonders deutlich, dass die Bundeswehr bei der Transformation bzw. der Weiterentwicklung ihrer FÃ¤higkeiten viel schneller ist, als wir es im gesamten zivilen Sektor sind, und das bei sehr unterschiedlichen Ausgangsbasen.</p>
<p>Ich mÃ¶chte ein Beispiel nennen: Es macht Ã¤uÃŸerste MÃ¼he, fÃ¼r den viel gerÃ¼hmten Provincial Development Fund in Nordostafghanistan die gewÃ¼nschten 1 bis 2Â Millionen Euro zu erhalten. Gleichzeitig wurden gestern im Rahmen der groÃŸen Abstimmungen in den entsprechenden AusschÃ¼ssen RÃ¼stungsprojekte fÃ¼r mehr als 6Â Milliarden Euro beschlossen. Das zeigt, dass die Relationen offensichtlich nicht stimmen.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN)</p>
<p>Wenn man sich die AktivitÃ¤ten anderer LÃ¤nder auf diesem Gebiet ansieht, muss man leider feststellen, dass die Bundesrepublik ihre Vorreiterrolle verloren hat. Das Politikfeld der zivilen KrisenprÃ¤vention und der FriedensfÃ¶rderung braucht also einen neuen Schub. Von unseren zahlreichen VorschlÃ¤gen mÃ¶chte ich daher einige wichtige benennen.</p>
<p>Der erste Punkt betrifft die konzeptionelle Ebene. In der Sicherheitspolitik ist es Ã¼blich, Risiko- und Bedrohungsanalysen anzufertigen. Wo aber sind die Chancenanalysen? Wenn wir den Frieden fÃ¶rdern wollen, brauchen wir Kenntnis von den entsprechenden Chancen und der Friedenspotenziale, die gefÃ¶rdert werden sollen, brauchen wir deren Identifizierung.</p>
<p>Eine weitere Ebene ist die KohÃ¤renz; das wissen alle, die mit Krisenengagements zu tun haben. Es geht also um das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure. Unseres Erachtens ist es an dieser Stelle dringend notwendig, gemeinsame ressortÃ¼bergreifende Strukturen bei der FrÃ¼hwarnung, der Planung und der FÃ¼hrung solcher EinsÃ¤tze einzurichten. Hilfreich sind auch gemeinsame Finanzierungsinstrumente.</p>
<p>Der Ressortkreis â€žZivile KrisenprÃ¤vention&quot; muss mehr Steuerungskompetenz bekommen. SchlieÃŸlich geht es darum, die verschiedenen FÃ¤higkeiten im Bereich der zivilen KrisenprÃ¤vention endlich systematisch zu stÃ¤rken. Was ist dabei hilfreich? Hilfreich wÃ¤re ein Mittel, das auch die EuropÃ¤ische Union eingesetzt hat, nÃ¤mlich schlichtweg die Definition von zivilen Planzielen. Wie viele Polizeiberater brauchen wir? Wie viele Rechtsstaatsexperten brauchen wir? Diese kann man schlieÃŸlich nicht von jetzt auf gleich irgendwoher zaubern.</p>
<p>Ich komme zu meinem letzten Punkt. Die zivile KrisenprÃ¤vention ist in der Ã–ffentlichkeit sehr schwer verkÃ¤uflich. Sie ist kompliziert, sie ist langwierig, und sie ist prozessorientiert. Wenn sie erfolgreich ist und das Haus nicht brennt, ist sie nicht beweisbar und nicht sichtbar. Das ist ein Handicap sondergleichen. Man darf sich damit aber nicht abfinden. Im Gegenteil: Man muss sich Gedanken Ã¼ber eine entsprechende Kommunikationsstrategie machen. Es gibt gute Beispiele wie â€žPeace Counts&quot; oder andere Dinge, die von der Bundesregierung in der Vergangenheit unterstÃ¼tzt wurden. Wichtig ist eine Kommunikationsstrategie mit entsprechender UnterfÃ¼tterung.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN)</p>
<p>Seit 1994 versuche ich, vor allem zusammen mit Uta Zapf aus der SPD, mich fÃ¼r dieses Politikfeld stark zu machen und fÃ¼r die Umsetzung zu arbeiten. Ich vermute fast, dass unser Antrag heute nicht bei allen Zustimmung findet, auch wenn es inhaltlich bilateral so manchen Konsens gibt. Umso mehr mÃ¶chte ich Ihnen den Antrag fÃ¼r die nÃ¤chste Legislaturperiode ans Herz legen. Er soll als Material fÃ¼r die nÃ¤chsten Koalitionsverhandlungen - zwischen wem auch immer - dienen und berÃ¼cksichtigt werden.</p>
<p>Danke schÃ¶n.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN sowie des Abg. Niels Annen [SPD] - Niels Annen [SPD]: Ich kÃ¼mmere mich dann darum!)</p></div>


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