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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Afghanistaneinsatz der Bundeswehr: Schlussfolgerungen fÃ¼r deutsche AuÃŸen- und Sicherheitspolitik</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Interview</span>

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        <h1>
            Afghanistaneinsatz der Bundeswehr: Schlussfolgerungen fÃ¼r deutsche AuÃŸen- und Sicherheitspolitik         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 30. Januar 2012 12:19:28 +02:00 (64915 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>&quot;MilitÃ¤rische Abzugsperspektive&quot; und &quot;Schlussfolgerungen fÃ¼r deutsche AuÃŸen- und Sicherheitspolitik&quot;, Leseprobe aus W. Nachtwei`s Beitrag &quot;Von der Friedenssicherung zur AufstandsbekÃ¤mpfung&quot;, erschienen in der empfehlenswerten SOWI-Jahresschrift 2011 &quot;Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan&quot;, hrsg. von A. Seiffert/Phil C. Langer/Carsten Pietsch, VS-Verlag 2011</p></div>
            <div>    <p>Perspektiven des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr<br />Winfried Nachtwei (Juni 2011)<br />MilitÃ¤rische Abzugsperspektive<br />Nach den vertanen Chancen und strategischen Fehlern der Vergangenheit besteht die Gefahr eines Scheiterns des internationalen Afghanistaneinsatzes. Das hÃ¤tte desastrÃ¶se Konsequenzen fÃ¼r die Menschen in Afghanistan, insbesondere fÃ¼r die ReformkrÃ¤fte, fÃ¼r die regionale Sicherheit und die wankende Atommacht Pakistan, fÃ¼r eine Politik kollektiver Sicherheit und multilateraler KonfliktlÃ¶sung im Rahmen des UN-Systems. Es wÃ¤re ein weltpolitischer Totalschaden. Wie aber kÃ¶nnen nach so vielen Jahren der EnttÃ¤uschung und des Vertrauensverlustes KÃ¶pfe und Herzen gewonnen und die wuchernde Aufstandsbewegung wirksam eingedÃ¤mmt werden,<br />-Â Â  Â wenn die afghanische Regierende durch Korruption und schlechte RegierungsfÃ¼hrung KÃ¶pfe und Herzen abstÃ¶ÃŸt, wenn ISAF ihr Schutzversprechen fÃ¼r die BevÃ¶lkerung trotz grÃ¶ÃŸerer RÃ¼cksichtnahme immer weniger erfÃ¼llen kann;<br />-Â Â  Â wenn Infiltration und EinschÃ¼chterungsterror durch AufstÃ¤ndische so weit fortgeschritten sind und wenn getÃ¶tete oder gefangene einheimische FÃ¼hrer der AufstÃ¤ndischen durch jÃ¼ngere, radikalere aus Pakistan ersetzt werden;<br />-Â Â  Â wenn internationale Akteure ihren baldigen Abzug ankÃ¼ndigen, wÃ¤hrend KrÃ¤fte aus dem BÃ¼rgerkrieg um gÃ¼nstige Positionen fÃ¼r die Zeit danach rivalisieren und AufstÃ¤ndische inmitten der BevÃ¶lkerung agieren und nur warten brauchen?<br />Mit dem Strategiewandel und der Kraftanstrengung auf Seiten der USA sind andererseits die Voraussetzungen fÃ¼r ein kohÃ¤rentes internationales Engagement besser denn je. Deshalb kommt es jetzt darauf an, noch vorhandene Chancen zu identifizieren und bestmÃ¶glich zu nutzen. <br />UnumgÃ¤nglich war, eine Frist fÃ¼r die Ãœbergabe der Sicherheitsverantwortung in 2014 zu setzen. Damit dieser verantwortbar ist und nicht mit einem Exodus der Ã¼ber 2014 hinaus notwendigen internationaler AufbauunterstÃ¼tzung einhergeht, bedarf es einer groÃŸen konzertierten Kraftanstrengung - vor allem beim Aufbau der afghanischen SicherheitskrÃ¤fte, bei der FÃ¶rderung besserer RegierungsfÃ¼hrung vor allem in den Distrikten und Provinzen, bei der UnterstÃ¼tzung zivilgesellschaftlicher ReformkrÃ¤fte sowie bei Aufbau und Entwicklung, insbesondere der Landwirtschaft. Die richtige Fokussierung auf die zÃ¼gige StÃ¤rkung afghanischer Sicherheitsstrukturen wird aber ein Kampf gegen WindmÃ¼hlenflÃ¼gel und gigantischer Rohrkrepierer, wenn er nicht mit intensiven BemÃ¼hungen um politische KonfliktlÃ¶sung einhergeht: auf lokaler, nationaler und vor allem regionaler Ebene, insbesondere unter Einbeziehung Pakistans. Ohne politische LÃ¶sungen und Machtbeteiligungen ist die Hydra von Aufstand und Terror nicht zu bezwingen. Dabei nicht die Menschen- und Frauenrechte zu opfern, ist eine besondere Herausforderung.<br />Schlussfolgerungen fÃ¼r deutsche AuÃŸen- und Sicherheitspolitik<br />UnÃ¼bersehbar sind in der Ã¶ffentlichen Debatte Tendenzen, den Afghanistaneinsatz als Blaupause zu nehmen: einerseits als Muster kÃ¼nftiger AuslandseinsÃ¤tze mit intensiver AufstandsbekÃ¤mpfung; andererseits als angeblicher Beleg fÃ¼r die Pauschalbehauptung, AuslandseinsÃ¤tze seien Krieg. Beide Schlussfolgerungen sind verfehlt. <br />(a)Â Â  Â Frieden bleibt fÃ¼r die AuÃŸen- und Sicherheitspolitik generell der Ernstfall - als KrisenprÃ¤vention, Friedenssicherung, aber auch Friedenswiederherstellung und BÃ¼ndnisverteidigung durch den Einsatz militÃ¤rischer Gewalt.<br />(b)Â Â  Â Deutschland bleibt als UN-, EU- und NATO-Mitglied in Mitverantwortung fÃ¼r die EindÃ¤mmung und LÃ¶sung internationaler Krisen und Gewaltkonflikte. Das ist auch im weitsichtigen deutschen Sicherheitsinteresse.<br />(c)Â Â  Â Aus der Not, in Afghanistan von der Friedenssicherung in die AufstandsbekÃ¤mpfung gerutscht zu sein, darf keine politische Tugend gemacht werden. Der Einsatzverlauf in Afghanistan ist ein lehrreiches, aber abschreckendes Beispiel. Die Hauptperspektive deutscher Beteiligung an internationalen KriseneinsÃ¤tzen ist weiterhin Friedenssicherung, Stabilisierung, Schutz - und nicht vermehrt AufstandsbekÃ¤mpfung. Gefordert ist nichts desto weniger das gesamte FÃ¤higkeitsspektrum mit der KampffÃ¤higkeit als Grundlage.<br />(d)Â Â  Â Deutsche Sicherheitspolitik muss sich ehrlicher machen und die Mechanismen und MentalitÃ¤ten von SelbsttÃ¤uschung und RealitÃ¤tsverleugnung Ã¼berwinden. Sie braucht ungeschÃ¶nte Lageanalysen und eine Wirksamkeitsorientierung, fÃ¼r die die FÃ¤higkeit zur Selbstkritik und unabhÃ¤ngige Wirksamkeitsevaluierungen unabdingbar sind.<br />(e)Â Â  Â Wo Soldatinnen und Soldaten in der Pflicht zum treuen Dienen stehen, ist die Grundpflicht der TrÃ¤ger des Primats der Politik, im Rahmen des VÃ¶lkerrechts klare Mandate zu formulieren und alles dafÃ¼r zu tun, dass die AuftrÃ¤ge auch erfÃ¼llbar und verantwortbar sind.<br />(f)Â Â  Â Bei groÃŸen EinsÃ¤tzen sind ressortgemeinsame Strukturen und umfassende Mandate Ã¼berfÃ¤llig, in denen neben der militÃ¤rischen Dimension auch die wesentlichen zivilen Aufgaben, FÃ¤higkeiten und Ressourcen festgelegt werden. Das Beharren auf einem starren Ressortprinzip mindert die Wirkungschancen eines Kriseneinsatzes.<br />(g)Â Â  Â Kernaufgaben von EinsÃ¤tzen im Rahmen internationaler KrisenbewÃ¤ltigung sind Sicherheitssektorreform sowie die FÃ¶rderung von Staatlichkeit. Angesichts der Erfahrungen mit der â€žIllusion Statebuilding&quot; (Bliesemann de Guevara/KÃ¼hn) sind konzeptionelle KlÃ¤rung, FÃ¶rderung entsprechender Expertise und FÃ¤higkeiten dringend erforderlich. Dabei kommt der lokalen Dimension und der Chancenorientierung eine besondere Bedeutung zu.<br />(h)Â Â  Â Beteiligung an internationaler KrisenbewÃ¤ltigung braucht vor allem beim Einsatz bewaffneter StreitkrÃ¤fte gesellschaftliche Akzeptanz. Dies kann nur durch glaubwÃ¼rdige Ã¶ffentliche Kommunikation erworben werden. Ohne Ã¼berzeugende FÃ¼hrung gibt es keine DurchhaltefÃ¤higkeit und VerlÃ¤sslichkeit. Wo inzwischen die Zweifel an Sinn, Wirksamkeit und Verantwortbarkeit von AuslandseinsÃ¤tzen verbreitet sind, ist die (selbst)kritische und Ã¶ffentliche Auswertung der AuslandseinsÃ¤tze Ã¼berfÃ¤llig.<br />(i)Â Â  Â In Deutschland gibt es inzwischen Abertausende RÃ¼ckkehrer aus KriseneinsÃ¤tzen - Soldaten, Entwicklungshelfer, Polizisten, Diplomaten. Statt des verbreiteten Desinteresses verdienen sie seitens der Politik, der Arbeitgeber und der Gesellschaft Aufmerksamkeit und verlÃ¤ssliche UnterstÃ¼tzung. Ihre Erfahrungen und ihre Kompetenz sind ein Potenzial, das ganz anders zur FÃ¶rderung der friedens- und sicherheitspolitischen Bildung und Debatte genutzt werden sollte.<br />(Schlusskapitel des Beitrags â€žDer Afghanistaneinsatz der Bundeswehr - Von der Friedenssicherung zur AufstandsbekÃ¤mpfung&quot;, Stand Juni 2011, leicht gekÃ¼rzt verÃ¶ffentlicht in dem sehr empfehlenswerten Band von Anja Seiffert/Phil C. Langer/Carsten Pietsch (Hrsg.): Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan - Sozial- und politikwissenschaftliche Perspektiven, Dezember 2011)</p></div>


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