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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Nachtwei zu Posttraumatischen BelastungsstÃ¶rungen von Soldaten und Soldatinnen nach AuslandseinsÃ¤tzen</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + GroÃŸe Anfrage</span>

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        <h1>
            Nachtwei zu Posttraumatischen BelastungsstÃ¶rungen von Soldaten und Soldatinnen nach AuslandseinsÃ¤tzen         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 13. März 2008 14:08:48 +02:00 (108035 Aufrufe)            </div>
            <div>    Folgende Rede hielt Winfried Nachtwei zu Posttraumatischen BelastungsstÃ¶rungen von Soldaten und Soldatinnen nach AuslandseinsÃ¤tzen:
</div>
            <div>    Liebe Kolleginnen und Kollegen, 
<p>
die AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr dienen alle der Kriegs- und GewalteindÃ¤mmung im Auftrag der Vereinten Nationen. Die vÃ¶lkerrechtliche LegalitÃ¤t und sicherheitspolitische Notwendigkeit solcher EinsÃ¤tze gegen den Krieg Ã¤ndert nichts daran, dass sie mit erheblichen physischen und psychischen Belastungen fÃ¼r die Soldatinnen und Soldaten einhergehen.  Im Einsatz mÃ¼ssen sie mit der Gefahr von AnschlÃ¤gen und Minen leben, im schlimmsten Fall gar mit Tod oder Verwundung rechnen, aber auch die stÃ¤ndige soziale Kontrolle oder die fehlende IntimsphÃ¤re im Einsatz sowie die Trennung von der Familie, Probleme mit den Kindern oder dem Partner bzw. der Partnerin werden von den Soldaten und Soldatinnen als erhebliche, manchmal extreme Belastung erlebt. Soldaten und Soldatinnen mÃ¼ssen mit diesen Belastungen umgehen und sie bewÃ¤ltigen kÃ¶nnen. 
</p>
<p>
Die erste UnterstÃ¼tzung dabei muss von der jeweiligen soldatischen Einheit und den unmittelbaren militÃ¤rischen Vorgesetzen kommen: Ein Gruppenklima von SolidaritÃ¤t und Offenheit, das RÃ¼ckhalt gerade in Konfliktsituationen gibt und wo Probleme, Ã„ngste und psychische Belastungen nicht als SchwÃ¤chen abgekanzelt werden. Das Notwendige ist aber lÃ¤ngst nicht hinreichend. Es braucht genauso eine angemessene Ausbildung in StressbewÃ¤ltigungsstrategien und ein Netz zur psychosozialen Betreuung, Begleitung und Beratung. Deshalb ist es richtig, dass in den vergangenen Jahren die Einsatzvorbereitung, -begleitung und -nachbereitung sukzessive ausgebaut und verbessert wurde. Auch die verbesserten Reintegrationsangebote fÃ¼r Soldaten und Soldatinnen sowie ihre AngehÃ¶rigen nach der RÃ¼ckkehr aus dem Einsatzland sind positiv. 
</p>
<p>
Im Bereich PrÃ¤vention ist bereits Vieles geschehen. Das reicht aber lÃ¤ngst nicht aus. Gerade im Zusammenhang mit posttraumatischen BelastungsstÃ¶rungen mÃ¼ssen wird endlich vorankommen. Mit der VerschÃ¤rfung der Einsatzbedingungen kommen zunehmend mehr Soldaten und Soldatinnen mit psychischen Problemen aus AuslandseinsÃ¤tzen zurÃ¼ck. Die Zahl der Soldaten und Soldatinnen mit posttraumatischen BelastungsstÃ¶rungen hat sich in den vergangen Jahren nahezu verdreifacht. Waren 2003 noch 48 Soldaten und Soldatinnen mit PTBS in Behandlung, so waren es 2005 bereits 146 FÃ¤lle. Insgesamt sind laut jÃ¼ngstem Bericht des Wehrbeauftragten bisher rund 700 Soldaten und Soldatinnen mit der Diagnose â€žPTBS&quot; nach einem Auslandseinsatz behandelt worden. Das verbreiteste Symptom sind Flashbacks, plÃ¶tzliche, quÃ¤lend echte Erinnerungen an das traumatisierende Geschehen. Sie kÃ¶nnen sich verschieden Ã¤uÃŸern. Die Betroffenen leiden unter SchlafstÃ¶rungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Sie sind oft reizbar und neigen zu Wut-, manchmal auch zu GewaltausbrÃ¼chen. Depressionen, Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch kÃ¶nnen die Folge sein. Ursache des Traumas sind dramatische Erlebnisse, die Konfrontation mit Tod und Verwundung, das GefÃ¼hl von Angst und Hilflosigkeit. Situationen wie sie in den internationalen EinsÃ¤tzen der Bundeswehr zur Friedenssicherung immer hÃ¤ufiger vorkommen.  
</p>
<p>
Trotz des Anstieges an posttraumatischen BelastungsstÃ¶rungen hat das Verteidigungsministerium den Ernst der Lage noch nicht hinreichend erkannt. Man beruhigt sich damit, dass die bisherigen 700 Betroffenen nicht einmal ein Prozent der zurÃ¼ckgekehrten Soldaten und Soldatinnen darstellt. Im Vergleich zu den US-amerikanischen oder britischen StreitkrÃ¤ften ist diese Zahl tatsÃ¤chlich vergleichsweise gering. Die Dunkelziffer fÃ¼r die Bundeswehr liegt laut Expertenmeinung jedoch um ein Mehrfaches hÃ¶her. Auch der Wehrbeauftragte geht davon aus, dass die Anzahl der Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen mit posttraumatischen BelastungsstÃ¶rungen vier Mal so hoch ist. Das liegt zum einen daran, dass die Statistik weder die Reservisten noch die freiwillig LÃ¤ngerwehrdienstleistenden erfasst, die nach Ende des Auslandseinsatzes aus der Bundeswehr ausgeschieden sind. Das liegt zum anderen auch daran, dass die Symptome oft erst mit deutlicher ZeitverzÃ¶gerung nach Monaten oder manchmal gar nach Jahren auftreten oder aber sich die Betroffenen aus Angst vor Stigmatisierung und Karrierenachteilen wenn Ã¼berhaupt, dann erst sehr spÃ¤t melden.  
</p>
<p>
Der Zunahme an PTBS-FÃ¤llen nach AuslandseinsÃ¤tzen stehen die zu geringe Anzahl hauptamtlicher Truppenpsychologen sowie Ã¤rztlicher Psychotherapeuten gegenÃ¼ber. Das ist nicht hinnehmbar. Der Wehrbeauftragte fordert zu Recht, dass zur Erkennung und Behandlung von PTBS qualifiziertes Personal bereits vor Ort im Einsatz notwendig ist. Eine schnelle Reaktion auf extreme Grenz- und Gewalterfahrungen kann dazu beitragen, psychische Belastungen abzumildern. So genannte Peers sind als Ansprech- und GesprÃ¤chspartner deshalb hilfreich und notwendig. Sie sind aber ebenso wenig wie die Truppenpsychologen fÃ¼r die Behandlung ausgebildet. Das kÃ¶nnen nur Mediziner und Medizinerinnen mit entsprechender Ausbildung in der Psycho-Traumatologie. Hier muss viel mehr getan werden. Mit der bisherigen geringen Anzahl an Dienstposten fÃ¼r Ã¤rztliche Psychotherapeuten an den BundeswehrkrankenhÃ¤usern ist das nicht zu machen. Sie fehlen dort bereits jetzt. Deshalb halte ich viele Forderungen in den AntrÃ¤gen der FDP und der Linken, wie den Ausbau der Betreuungs- und BehandlungskapazitÃ¤ten fÃ¼r PTBS-Betroffene oder auch die Einrichtung eines Kompetenz- und Forschungszentrums zur Behandlung von PTBS, fÃ¼r richtig und notwendig. Ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen hÃ¤tte diesen Forderungen mehr Gewicht verleihen kÃ¶nnen. Im Laufe der weiteren parlamentarischen Beratungen besteht aber immer noch die MÃ¶glichkeit, zu einem fraktionsÃ¼bergreifenden Beschluss zu kommen. Im Sinne der betroffenen Menschen wÃ¤re das wÃ¼nschenswert. 
</p>
<p>
UnabhÃ¤ngig davon wÃ¤re aber auf jeden Fall die Bildung einer Berichterstattergruppe des Verteidigungsausschusses zur PTBS-Problematik angebracht. 
</p>
<p>
AbschlieÃŸend mÃ¶chte ich einen weiteren wichtigen Aspekt im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen ansprechen: Als erstes stehen Politiker und Parlament in der Verantwortung jeden Einsatz von StreitkrÃ¤ften sorgsam abzuwÃ¤gen. Die Soldaten und Soldaten mÃ¼ssen dem Auftraggeber Politik begrÃ¼ndet vertrauen kÃ¶nnen. Das ist eine entscheidende Voraussetzung dafÃ¼r, Einsatzbelastungen bewÃ¤ltigen zu kÃ¶nnen. 
</p>
<p>
Wenn die Politik Soldaten und Soldatinnen in gefÃ¤hrliche EinsÃ¤tze schickt, dann mÃ¼ssen wir uns auch Ã¼ber die Konsequenzen im Klaren sein. Nicht zu letzt geht es dabei immer auch um so zentrale Fragen, wie die nach den Auswirkungen von Einsatzerfahrungen auf die Soldaten und Soldatinnen und wie sie sich mit diesen nach der RÃ¼ckkehr aus dem Einsatz in unserer Gesellschaft wieder integrieren kÃ¶nnen. Diejenigen, die im Auftrag des Friedensauftrages des Grundgesetzes einen wichtigen Beitrag zur kollektiven Friedenssicherung leisten, haben daher jedes Recht auf entsprechende PrÃ¤ventions- und UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen. Das ist politische MaÃŸgabe.  
</p>
<p>
Ebenso wenig dÃ¼rfen wir jedoch die Menschen in den LÃ¤ndern und Regionen, in denen die Bundeswehr eingesetzt ist, aus dem Blick verlieren. Sie sind durch Krieg, Vertreibung und massive Menschenrechtsverletzungen meist selbst schwer belastet und traumatisiert. Wer vor Ort in Krisenregionen war, weiÃŸ nur allzu gut, dass es ohne eine StÃ¤rkung der Zivilgesellschaft, ohne Wahrheitsfindung, VersÃ¶hnung und soziale Neuordnung keinen nachhaltigen Frieden geben kann. Entscheidend ist dafÃ¼r auch die Integration ehemaliger Soldaten und Kriegsveteranen. Auch sie mÃ¼ssen mit ihren Erfahrungen und Erlebnissen einen entsprechenden Ort in den Gesellschaften finden kÃ¶nnen. Sonst bleibt das Gewaltpotenzial enorm. Im Bereich der VersÃ¶hnungsarbeit leisten gerade kleine, aber wichtige Projekte des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) mit wenig Personal und Mitteln Enormes. Deshalb ist es ausgesprochen kurzsichtig und unklug, wenn solche AnsÃ¤tze und Projekte nur in der Dimension â€žTropfen auf dem heiÃŸen Stein&quot; gefÃ¶rdert werden. Und ausgesprochen destruktiv ist, dass bewÃ¤hrte ZFD-Projekte zur Integration ehemaliger KÃ¤mpfer in Serbien und Bosnien Herzegowina seitens der Bundesregierung keine UnterstÃ¼tzung mehr bekommen sollen. In Zeiten der viel beschworenen â€žvernetzten Sicherheit&quot; ist das in keiner Weise nachvollziehbar. 
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