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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Rede von Winfried Nachtwei zum Haushalt des Bundesministeriums fÃ¼r Verteidigung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr</span>

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        <h1>
            Rede von Winfried Nachtwei zum Haushalt des Bundesministeriums fÃ¼r Verteidigung         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 27. November 2008 00:40:16 +02:00 (129123 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>In seiner Rede zum Einzelplan 14 im Rahmen der Haushaltsdebatte befasste sich Winfried Nachtwei unter anderem mit der Frage, in wieweit Bundesverteidigungsminister Jung einen Ansatz der vernetzten SicherheitÂ  verfolgt. Hier seine Rede:</p></div>
            <div>    <p><strong>VizeprÃ¤sident </strong><strong>Dr. Hermann Otto Solms:</strong></p>
<p>Das Wort hat der Kollege Winfried Nachtwei von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen.</p>
<p><strong>Winfried Nachtwei (BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN):</strong></p>
<p>Herr PrÃ¤sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der ersten Lesung dieses Haushaltsentwurfs hat Kollege Bonde kritisch zu verschiedenen Einzeltiteln Stellung bezogen, vor allem zu einigen sehr fragwÃ¼rdigen und besonders teuren RÃ¼stungsprojekten. Ich mÃ¶chte zu einem anderen Punkt Stellung nehmen.</p>
<p>Herr Minister, Sie stellen seit mehr als zwei Jahren den Begriff der <strong>vernetzten Sicherheit</strong> immer wieder in den Vordergrund. Dieser ist bekanntlich in die entsprechenden Dokumente der NATO eingegangen. Internationale KrisenbewÃ¤ltigung im Auftrag der Vereinten Nationen ist Auftrag und EinsatzrealitÃ¤t der Bundeswehr.</p>
<p>Uns ist bekannt, dass heutige Konflikte militÃ¤risch nicht zu lÃ¶sen sind, erst recht nicht durch militÃ¤rische Siege, sondern nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen diplomatischen, militÃ¤rischen, polizeilichen und zivilen Akteure. Deshalb ist der Ansatz der vernetzten Sicherheit in der Tat eine SchlÃ¼sselvoraussetzung fÃ¼r erfolgreiche KrisenbewÃ¤ltigung und Gewaltminimierung.</p>
<p>Der Anspruch ist richtig. Wie steht es um die Wirklichkeit? Ich nenne als erstes Beispiel eine Mission, die wir vor zwei Jahren durchgefÃ¼hrt haben. In diesen Tagen jÃ¤hrt sich zum zweiten Mal die Wahl von Joseph Kabila zum PrÃ¤sidenten der Demokratischen Republik <strong>Kongo.</strong> Dass die Wahl damals Ã¼berraschend friedlich ablief, war unter anderem der damaligen EU-Mission zu verdanken. Aber was ist aus diesen Hoffnungstagen geworden? Im Ostkongo tobt weiterhin, gerade gegen die ZivilbevÃ¶lkerung und vor allem gegen Frauen, exzessive Gewalt. Dort herrscht seit vielen Monaten eine HÃ¶lle auf Erden. Alle, die dort waren, haben das gesehen. In der letzten Zeit, seit August, ist die Gewalt im Osten wieder eskaliert. Es droht tatsÃ¤chlich der RÃ¼ckfall in den groÃŸen Kongo-Krieg.</p>
<p>Gestern wurde der neueste Bericht von Human Rights Watch zu den Menschenrechtsverletzungen der kongolesischen Regierung verÃ¶ffentlicht. In dem Zusammenhang wird von Staatsterrorismus gesprochen. Von PrÃ¤sident Kabila wurde die Devise ausgegeben: Zerquetscht die Gegner! - Weit mehr als 500 Menschen sind diesem staatlichen Terrorismus zum Opfer gefallen.</p>
<p>Wir mÃ¼ssen feststellen: Der Entwaffnungsprozess, die Reform des Sicherheitssektors, der Aufbau der Polizei und die Reform der Armee - diese wichtigen AnsÃ¤tze der EuropÃ¤ischen Union sind gescheitert. Wir alle erinnern uns noch an die sehr groÃŸen Worte von vor zwei Jahren Ã¼ber die sicherheitspolitischen Interessen Europas und die humanitÃ¤re Verantwortung. Ja, sie waren richtig. Aber offenkundig waren sie von der Staatengemeinschaft, von der EuropÃ¤ischen Union und auch von der Bundesregierung nicht ernst gemeint. Ich muss feststellen, dass die Staatengemeinschaft, die EuropÃ¤ische Union und die Bundesregierung die fantastische Zivilgesellschaft, die im Kongo lebt und arbeitet, politisch im Stich gelassen haben und dass der Kongo zu einem politisch-moralischen Desaster einer Sicherheitspolitik mit umfassendem Anspruch geworden ist.</p>
<p>Zweites Beispiel: <strong>Afghanistan.</strong> Manche mÃ¶gen erleichtert sein, dass das Afghanistan-Mandat jetzt verlÃ¤ngert wurde. Aber das ist kein Grund zum Ausruhen. Auf der einen Seite wissen wir, also diejenigen, die mehr mit Afghanistan zu tun haben, welche Fortschritte es in der Tat gibt. Sie sind unverkennbar und eindeutig; das sollte man nicht unter den Scheffel stellen.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</p>
<p>Auf der anderen Seite werden die Warnzeichen schlimmer und beunruhigender. Ich nenne als Beispiel nur die SicherheitsvorfÃ¤lle, also AnschlÃ¤ge, Gefechte und RaketenÃ¼berfÃ¤lle. Die Zahl der SicherheitsvorfÃ¤lle hat sich gegenÃ¼ber dem Vergleichszeitraum des vorigen Jahres verdoppelt. Fast noch wichtiger ist die Frage, wie die Stimmung im Lande ist, wie es um Angst und EinschÃ¼chterung steht. Hier bekommen wir verschiedene Meldungen, die zeigen, dass Angst und die Distanz zu den Internationalen eindeutig zunehmen.</p>
<p>SchlieÃŸlich lautet der Auftrag von ISAF, ein sichereres Umfeld zu schaffen. Inzwischen ist die Tendenz in weiten Landesteilen leider gegenlÃ¤ufig. Im nÃ¤chsten Jahr mÃ¼ssen wir wegen der Wahlen mit einer VerschÃ¤rfung der Situation rechnen. Die Frage an die Bundesregierung lautet: Was tut sie zusammen mit ihren Partnern, um diese negative Dynamik aufzuhalten und mÃ¶glichst umzukehren? Ich appelliere ausdrÃ¼cklich an Sie: Nutzen Sie die relative Winterruhe, um neue ressortÃ¼bergreifende Initiativen und Anstrengungen zu entwickeln, und warten Sie nicht darauf, bis Obama bzw. die neue US-Administration kommt, die zwar neue Chancen bietet, aber auch AnsprÃ¼che stellen wird.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)</p>
<p>Der Ansatz der <strong>vernetzten Sicherheit</strong> muss sich in Strukturen und FÃ¤higkeiten abbilden. Aber wie sieht das konkret aus? Ein gemeinsames integriertes Lagebild bei Krisenengagements - Fehlanzeige. Gemeinsame Planung im Vorfeld - Fehlanzeige. Gemeinsame Wirkungsanalysen als Antwort auf die Frage, was dabei herauskommt - Fehlanzeige. Hie und da gibt es zwar eine Evaluation, aber keine gemeinsame Wirkungsanalyse.</p>
<p>Mit der <strong>Bundeswehrtransformation</strong> wird das ehrgeizige Ziel verfolgt, dass in einigen Jahren bis zu 14 000 Soldaten gleichzeitig bei bis zu fÃ¼nf <strong>StabilisierungseinsÃ¤tzen</strong> Ã¼ber lÃ¤ngere Zeit eingesetzt werden kÃ¶nnen. Wenn von StabilisierungseinsÃ¤tzen die Rede ist, dann stellt die <strong>StaatsaufbauunterstÃ¼tzung</strong> einen zentralen Bereich dar. Das bekommt man nicht einfach mit gutem Willen hin oder indem man bei einer Telefonkonferenz verschiedene Polizeidienststellen fragt, wer denn mal Zeit hat bzw. wer entbehrlich ist. Nein, so geht es nicht. Vielmehr muss man sukzessive entsprechende FÃ¤higkeiten aufbauen und besonders qualifiziertes Personal zur VerfÃ¼gung stellen, das schnell einsatzbereit ist.</p>
<p>Die EU hat in diesem Zusammenhang bemerkenswerterweise sogenannte <strong>zivile Planziele</strong> 2008 und 2010 fÃ¼r zentrale Bereiche der UnterstÃ¼tzung des Staatsaufbaus aufgestellt. Wir haben in diesem Zusammenhang bei der Bundesregierung nachgefragt, wie das auf bundesdeutscher Ebene aussieht. Denn wenn die EU so etwas macht, dann mÃ¼ssen doch auch wir solche Planziele entwickeln. Aber Fehlanzeige! Das hÃ¤lt man nicht fÃ¼r notwendig.</p>
<p>Der umfassende Ansatz von vernetzter Sicherheit wird von Ihnen, Herr Minister Jung, im Mund gefÃ¼hrt. Mir ist aufgefallen, dass die Bundeskanzlerin in der ersten Beratung des Haushaltes und auch heute diesen Begriff ebenfalls aufgenommen hat. Von anderen Ressortministern - ich habe das genau beobachtet - werden Sie mit diesem Anspruch beschwiegen. Das muss man so feststellen.</p>
<p>Was folgt daraus? Der Ansatz umfassender vernetzter Sicherheit ist offenbar in der Bundesregierung nicht angekommen. Das ist nicht nur ein fundamentaler Mangel, sondern das verdunkelt zugleich die Chancen der Tausenden von Diplomaten, Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern, die sehr verdienstvolle und gute Arbeit in den Krisenregionen leisten, erfolgreich tÃ¤tig zu sein. Dazu sind wir verdammt noch mal verpflichtet.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN sowie bei Abgeordneten der FDP - Hans Raidel [CDU/CSU]: Sind Sie jetzt fÃ¼r den Haushalt oder dagegen?)</p></div>


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