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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: VorschlÃ¤ge zur Aufarbeitung des Kosovo-Krieges und der deutschen Beteiligung daran</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr</span>

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</div>

        <h1>
            VorschlÃ¤ge zur Aufarbeitung des Kosovo-Krieges und der deutschen Beteiligung daran         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 14. Juni 2001 10:05:33 +02:00 (169908 Aufrufe)            </div>
            <div>    Folgende &quot;VorschlÃ¤ge zur Aufarbeitung des Kosovo-Krieges und der deutschen Beteiligung daran&quot; unterbereitete Winfried Nachtwei:</div>
            <div>    <p>
<strong>VorschlÃ¤ge zur Aufarbeitung des Kosovo-Krieges und der deutschen Beteiligung daran</strong> 
</p>
<p>
Die FÃ¶rderung einer friedlichen und demokratischen Entwicklung Politik auf dem Balkan gehÃ¶rt neben der StÃ¤rkung der FÃ¤higkeiten zur Krisen- und Gewaltvorbeugung in der deutschen und internationalen Politik zu unseren vordringlichen Aufgaben. Gemessen an diesen hochkomplexen Aufgaben scheinen manche Auseinandersetzungen um den Kosovo-Krieg eigenartig zurÃ¼ckgeblieben, fixiert auf die Informationspolitik der rot-grÃ¼nen Bundesregierung vor zwei Jahren und auffÃ¤llig desinteressiert an den Anstrengungen und Herausforderungen heutiger Balkanpolitik. 
</p>
<p>
Die BÃ¼ndnisgrÃ¼nen trugen als einzige Partei und geradezu stellvertretend fÃ¼r die Gesellschaft den schmerzhaften Konflikt um die Kriegsbeteiligung offen und ernsthaft aus. Diese demokratische Ehrlichkeit fand damals breite Anerkennung. Wir haben uns als Fraktion - wenn auch nicht mit der gleichen IntensitÃ¤t - so gut wir das angesichts unserer personellen und finanziellen Ressourcen konnten, kritischen Fragen gestellt. Trotzdem: Das reicht nicht. Die erstmalige Kriegsbeteiligung der Bundesrepublik war eine historische ZÃ¤sur und ist bis heute heiÃŸ umstritten. Die einschneidende Bedeutung der deutschen Kriegsbeteiligung und ihre hochmoralische BegrÃ¼ndung machen eine kritische SelbstprÃ¼fung im Nachhinein zwingend erforderlich. Wer angesichts der massiven Menschenrechtsverletzungen im Kosovo vor dem Wegsehen warnte, darf auch bei den HintergrÃ¼nden und Folgen der eigenen mitverantworteten Politik nicht wegsehen. Immer wieder tauchen in der Ã–ffentlichkeit alte und neue Fragen auf, die auch von uns politisch Mitverantwortlichen ernst genommen und beantwortet werden mÃ¼ssen. Gleichzeitig mÃ¼ssen wir als verantwortlich handelnde PolitikerInnen von uns aus ein Interesse an Lehren des Kosovo-Krieges haben. Eine umfassende und (selbst-) kritische Aufarbeitung des Kosovo-Krieges wird deshalb auch fÃ¼r uns immer dringlicher! 
</p>
<p>
Das fordert auch sehr deutlich der neue katholische MilitÃ¤rbischof Walter Mixa in seinem bemerkenswerten Vortrag an der FÃ¼hrungsakademie der Bundeswehr am 7. Mai: â€ž<em>Wenn die Politik moralische AnsprÃ¼che erhebt, muss sie - auch im Nachhinein - bereit sein, die erhobenen AnsprÃ¼che einer ethischen ÃœberprÃ¼fung unterziehen zu lassen. (...) Gerade (...) als hÃ¶chster MilitÃ¤rseelsorger (...) muss ich mich dafÃ¼r einsetzen, nach MÃ¶glichkeit zu gewÃ¤hrleisten, dass die handelnden Politiker und militÃ¤rischen FÃ¼hrer die von uns BischÃ¶fen mit Anspruch auf Verbindlichkeit (zumindest fÃ¼r die Katholiken) genannten Prinzipen und Kriterien zur Bewertung des Geschehenen praktisch anwenden. Eine politisch-moralische Auswertung des Kosovo-Konflikts kann also unmÃ¶glich pensionierten Generalen und der PDS Ã¼berlassen bleiben.&quot; (<a href="http://www.kmba.de/">http://www.kmba.de/</a>)*</em> 
</p>
<p>
(Vor-)Kriegszeiten sind geprÃ¤gt von besonders unÃ¼bersichtlichen Informationslagen und der Propaganda aller Konfliktparteien. Der zeitliche Abstand von zwei Jahren und der Zuwachs an Erkenntnissen, ermÃ¶glichen eine fundiertere und unabhÃ¤ngigere Urteilsfindung. Wichtige BeitrÃ¤ge dazu sind die zusammenfassenden Berichte der OSZE, der Independent International Commission on Kosovo, des UNHCR u.a. 
</p>
<p>
(1) Trotz einer Flut von Publikationen wurden viele Fragen bisher nur unzureichend oder gar nicht aufgearbeitet: In Politik und Gesellschaft blieb eine VerdrÃ¤ngungs- oder schlichte Rechtfertigungshaltung vorherrschend. FÃ¼r Bundestag und Bundesregierung war die aktuelle Situation im Kosovo und der partielle RÃ¼ckblick ein Dauerthema. Die Kosovo-Debatten fanden meist nur geringe Resonanz und waren fÃ¼r die Ã–ffentlichkeit kaum bemerkbar. Die Antwort der Bundesregierung auf die GroÃŸe Anfrage der PDS Ende MÃ¤rz leistete zur Bilanzierung des Krieges einen Beitrag. Eine zusammenfassende Analyse und Bilanzierung des Kosovo-Konflikts und insbesondere der NATO-Luftangriffe, ihrer behaupteten Alternativlosigkeit, ihrer Folgen und Wirkungen wurde allerdings bisher nicht erbracht. 
</p>
<p>
Weitgehend freie Bahn hatten deshalb Kritiker des damaligen Regierungskurses, die WidersprÃ¼che der offiziellen Politik aufgriffen, sich auf Einzelereignisse konzentrierten, erhebliche Zweifel an der GlaubwÃ¼rdigkeit rot-grÃ¼ner Spitzenpolitiker schÃ¼rten und inzwischen zu einer deutlichen Delegitimierung des NATO-Einsatzes gerade in rot-grÃ¼nen und friedensbewegten Kreisen beitrugen. Inzwischen besteht ein Gemenge zwischen ernsthafter und differenzierender Kritik einerseits und (alt-)neuen Mythen und VerschwÃ¶rungstheorien andererseits. 
</p>
<p>
Zur ersten EnttÃ¤uschung Ã¼ber die rot-grÃ¼ne Kriegsbeteiligung ist nun eine zweite, noch gefÃ¤hrlichere gekommen: das GefÃ¼hl, von der â€žeigenen&quot; Regierung betrogen worden zu sein. Der Eindruck, eine umfassende Aufarbeitung werde verweigert, vertieft einen Vertrauenseinbruch, der weit in die AnhÃ¤ngerschaft von SPD und GrÃ¼nen und kirchliche Friedenskreise, aber auch von BundeswehrangehÃ¶rigen reicht. Unterschriftensammlungen fÃ¼r eine parlamentarische bzw. unabhÃ¤ngige Untersuchung der deutschen Kriegsbeteiligung, wie sie von der FI Nottuln und dem ForumZFD betrieben werden, finden breiten Zuspruch. Wahrnehmungen, wonach Gegner der Kriegsbeteiligung fÃ¼r uns nicht mehr erreichbar seien und gegen Rot-GrÃ¼n eine Kampagne laufe, greifen wegen ihrer PauschalitÃ¤t zu kurz. 
</p>
<p>
(2) <strong>Anforderungen</strong>: 
</p>
<p>
Die FÃ¼lle an VerÃ¶ffentlichungen und â€žEnthÃ¼llungen&quot; lÃ¤sst fÃ¼r viele den Kosovo-Konflikt immer unÃ¼bersichtlicher erscheinen. Bewertungen stehen sich vielfach diametral und verhÃ¤rtet gegenÃ¼ber. Eine Kommunikation zwischen den Positionen findet kaum statt, die Diskurse sind auseinandergefallen. Veranstaltungen nach den provokativen AnstÃ¶ÃŸen des WDR-Films und des Lutz-Mutz-Briefes zeigen aber auch, dass Foren der Aufarbeitung mÃ¶glich sind und teilweise auf groÃŸes Interesse stoÃŸen. 
</p>
<p>
Soll die Aufarbeitung nicht in Rechthaberei und der Neuinszenierung alter Konflikte enden, mÃ¼ssen Gegner wie BefÃ¼rworter der NATO-Luftangriffe zum Dialog, zu selbstkritischer Reflexion und zum Verzicht auf Vor-Verurteilungen bereit sein. Untauglich zur Wahrheitsfindung sind Tribunale. Notwendig ist ein gesamtgesellschaftlicher Aufarbeitungsprozess, zu dem Bundestag, Bundesregierung und alle relevanten gesellschaftlichen KrÃ¤fte beitragen sollten. 
</p>
<p>
Gefunden werden muss eine Form der Aufarbeitung, die eine rationale und (selbst-)kritische ÃœberprÃ¼fung der NATO-Intervention, die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen BefÃ¼rwortern und Gegnern und dadurch RÃ¼ckgewinnung von GlaubwÃ¼rdigkeit ermÃ¶glicht. Eine Fortsetzung von Glaubenskriegen und Verratsdebatten ist vÃ¶llig kontraproduktiv und zu vermeiden. 
</p>
<p>
(3) <strong>Wesentliche Fragestellungen </strong>
</p>
<p>
Es gibt eine Vielzahl von Fragestellungen, die im Zusammenhang mit der Diskussion Ã¼ber das militÃ¤rische Eingreifen im Kosovo-Konflikt erÃ¶rtert werden mÃ¼ssten. Nicht alle (z. B. FlÃ¼chtlingspolitik) sind hier aufgefÃ¼hrt. Andere wurden partiell schon beantwortet. Aus meiner Sicht besonders anzufÃ¼hren sind: 
</p>
<ul>
	<li>Ursachen der Konflikteskalation und die Rolle und internationale EinschÃ¤tzung der UCK dabei</li>
	<li>BemÃ¼hungen bzw. VersÃ¤umnisse der internationalen und speziell deutschen Kosovo-Politik, verpasste Friedenschancen? Wurden MÃ¶glichkeiten der diplomatischen und nichtmilitÃ¤rischen KonfliktlÃ¶sung ausgeschÃ¶pft - bei der OSZE-Mission, in Rambouillet? </li>
	<li>HintergrÃ¼nde der NATO-Intervention und der deutschen Beteiligung: Interpretationsmuster der Kosovo-Krise vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit den frÃ¼heren Balkankriegen, dem Kriegsjahr 1998; drohte wirklich eine â€žhumanitÃ¤re Katastrophe&quot;? Stellenwert anderweitiger Interessen</li>
	<li>VÃ¶lker- und verfassungsrechtliche Problematik der NATO-Intervention, Konsequenzen fÃ¼r die Weiterentwicklung von Rechtsnormen,</li>
	<li>Informationspolitik der Bundesregierung gegenÃ¼ber Parlament und Ã–ffentlichkeit, Rolle der Medien, Informationspolitik/Propaganda der Kriegsparteien und der Kriegsgegner; </li>
	<li>Strategie der NATO-Intervention und Methoden der KriegfÃ¼hrung, Scheitern der militÃ¤rischen Drohpolitik und der Strategie der Luftangriffe; Wirkung und Konsequenzen des Distanz-Luftkrieges und des Vertreibungskrieges; Informationspolitik und Entscheidungsfindung in der NATO; </li>
	<li>Politische Bilanz: unmittelbare und Langzeitwirkungen</li>
	<li>Wie wurde und wird die Diskussion um das militÃ¤rische Eingreifen der NATO im Kosovo-Konflikt im Ausland gefÃ¼hrt?</li>
	<li>Lektionen fÃ¼r eine friedliche Entwicklung der Balkanregion</li>
	<li>wesentliche sicherheits- und friedenspolitische Lehren fÃ¼r Europa.</li>
</ul>
<p>
(4) <strong>Geeignete Wege der Aufarbeitung</strong> 
</p>
<p>
Ã–ffentlich gefordert und vorgeschlagen wurden bisher ein Untersuchungsausschuss des Bundestages (Unterschriftensammlung aus der Friedensbewegung), eine unabhÃ¤ngige Untersuchungskommission (IPPNW), eine vom Rechtsausschuss des Bundestages eingesetzte Kommission zur Rechtsproblematik und andere Ã¶ffentliche Veranstaltungen (Lutz/Mutz), eine unabhÃ¤ngige hochrangige Kommission (W.N.), eine Arbeitsgruppe aus Friedensforschung und Politik (Erler/Lutz). 
</p>
<blockquote>
	<p>
	(a) Am besten wÃ¤re, wenn der <strong>Bundestag</strong> als &quot;Auftraggeber&quot; des MilitÃ¤reinsatzes - z. B. in Form einer Enquete-Kommission - die Aufarbeitung leisten kÃ¶nnte bzw. frÃ¼hzeitig geleistet hÃ¤tte. Das gilt umso mehr, als der Funktionsverlust des Parlaments angesichts SchrÃ¶ders â€žRÃ¤terepublik&quot; unÃ¼bersehbar ist. Nach der Erfahrungen der letzten zwei Jahre und mit UntersuchungsausschÃ¼ssen generell, der nÃ¤her rÃ¼ckenden Wahlkampfzeit und der Sperrigkeit der SPD erscheint dieser beste Weg versperrt. Anzustreben sind nichtsdestoweniger Beratungen bzw. AnhÃ¶rungen einzelner AusschÃ¼sse. FÃ¼r den Verteidigungsausschuss wurde inzwischen eine Bilanzierung vereinbart. Die Bundesregierung sollte interne Berichte (Parlamentsinformation, Berichte der Belgrader Botschaft etc.) der Ã–ffentlichkeit bzw. einer Kommission oder Forschern zugÃ¤nglich machen. 
	</p>
</blockquote>
<blockquote>
	<p>
	(b) Eine <strong>unabhÃ¤ngige und hochrangig besetzte Kommission</strong> - vergleichbar der International Independent Commission on Kosovo - kÃ¶nnte mit entsprechender Zusammensetzung, einem transparenten Beratungsprozess und fundierter Bewertung GlaubwÃ¼rdigkeit und AutoritÃ¤t entwickeln, die zur Auflockerung von Fronten notwendig ist. Berufen, beauftragt und finanziert werden mÃ¼sste sie von einem TrÃ¤gerkreis geeigneter Organisationen und Institutionen bzw. Personen (z.B. Stiftungen, Justitia et Pax, Dt. Stiftung Friedensforschung, Gemeinschaft katholischer Soldaten). Die BÃ¼ndnisgrÃ¼nen kÃ¶nnten/sollten hierzu die Initiative ergreifen. Die Kommission mÃ¼sste die MÃ¶glichkeit zur Einsichtnahme in amtliche und vertrauliche Dokumente haben. Zur FÃ¶rderung des gesellschaftlichen Aufarbeitungsprozesses sollte sie zu ausgewÃ¤hlten Themen Ã¶ffentliche AnhÃ¶rungen durchfÃ¼hren. Umsetzungsprobleme sind zu erwarten in der Auftragsdefinition durch den TrÃ¤gerkreis, beim Zeitbedarf (Beginn des Vorwahlkampfs im FrÃ¼hjahr 2002), der Finanzierung der Kommissionsarbeit (Sekretariat usw.) und dem Zugang zu vertraulichen Dokumenten von AA, BMVg, NATO, OSZE. 
	</p>
</blockquote>
<blockquote>
	<p>
	(c) Eine <strong>Serie von mehreren inhaltlich eng abgegrenzten und abgestimmten Foren</strong>: gut vorbereitet (z. B. durch zugespitzte Thesenpapiere), kontrovers und dialogorientiert mit BeitrÃ¤gen von politisch Verantwortlichen, Vor-Ort-Beteiligten (MissionsteilnehmerInnen kamen bisher kaum zu Wort!), profilierten BefÃ¼rwortern und Kritikern und insbesondere von Personen mit abwÃ¤gender Distanz. Um einer deutschen Nabelschau vorzubeugen, ist eine Beteiligung aus der Region, aus anderen NATO-Staaten und Russland anzustreben. Die Ausstrahlung und Wirksamkeit der Foren ist abhÃ¤ngig von der Zusammensetzung der Veranstalter, den Beitragenden auf den Foren und der Moderation sowie der Art der zusammenfassenden Auswertung. Die Foren kÃ¶nnten Phoenix zur Ãœbertragung angeboten werden. Auf jeden Fall sollten die Veranstaltungen auch schriftlich dokumentiert werden. Initiator kÃ¶nnte die BÃ¶ll-Stiftung, die Partei und Fraktion (evtl. partiell in Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen, Stiftungen, Organisationen etc.) oder die GrÃ¼nen im Europaparlament sein. Wo direkte Kooperation nicht mÃ¶glich ist, ist eine sich ergÃ¤nzende Arbeitsteilung anzustreben. <strong>Veranstaltungen anderer Institutionen und Organisationen</strong> (Medien, Kirchen) sind ebenfalls sinnvoll und Ã¼berfÃ¤llig, mÃ¼ssten aber von diesen selbst betrieben werden. 
	</p>
	<hr />
</blockquote>
<p>
* Bischof Mixa: 
</p>
<ul>
	<li>â€žDer einzelne - weder der verantwortliche Politiker noch der handelnde Soldat - darf fÃ¼r die MoralitÃ¤t militÃ¤rischer Gewaltanwendung isoliert und quasi &quot;privat&quot; in Haft genommen werden. Vorrangig ist der Ã¶ffentliche, politische Prozess. Und hier, so meine ich, stellen sich aus ethischer Perspektive eine Reihe von Fragen als Lehren aus der Kosovo-Krise. Ich mÃ¶chte nur einige nennen: In welcher Weise haben die politischen Parteien, sowohl die Regierungsparteien wie die in der Opposition, den entscheidenden Beschluss des Deutschen Bundestages vorbereitet und auch Ã¶ffentlich begrÃ¼ndet?</li>
	<li>In welcher Weise sind die Medien, vor allem das Fernsehen, ihrer Aufgabe der Ã¶ffentlichen Information und kritischen Begleitung des Regierungshandelns nachgekommen? Es scheint mir doch recht billig, zwei Jahre nach den kriegerischen Ereignissen durch den Vorwurf &quot;Es begann mit einer LÃ¼ge&quot; einem maÃŸgeblich handelnden Akteur eine Gesamtverantwortung fÃ¼r die &quot;Wahrheit&quot; zuzuweisen, bei deren Suche man in der kritischen Situation selbst jÃ¤mmerlich versagt hat.</li>
	<li>In welcher Form und mit welchen Argumenten haben die maÃŸgeblichen Vertreter der VÃ¶lkerrechtswissenschaft, national und international, die Frage einer zureichenden Mandatierung eines StreitkrÃ¤fteeinsatzes zu der durchgefÃ¼hrten, als humanitÃ¤re Intervention gekennzeichnete MaÃŸnahme im Kontext des politischen Entscheidungsprozesses Ã¶ffentlich thematisiert?</li>
	<li>Welche BeitrÃ¤ge haben die groÃŸen gesellschaftlichen Organisationen zur notwendigen Politikbegleitung in den Monaten der Krise geliefert? Gab es nicht ein mehr oder weniger geheimes EinverstÃ¤ndnis, dass - wie Jamie Shea es nannte - &quot;die politischen FÃ¼hrer nun die entscheidende Rolle fÃ¼r die Ã¶ffentliche Meinung spielten&quot; - und nur sie?</li>
</ul>
<p>
Die zuletzt ausgesprochene Frage muss ich, der Ehrlichkeit halber, natÃ¼rlich auch an die Institution richten, in der ich selbst Verantwortung trage, nÃ¤mlich die katholische Kirche in Deutschland. Haben wir BischÃ¶fe, haben die Institutionen unserer Kirche, die sich mit Fragen der Sicherheitspolitik und der Verteidigung befassen, in dem Zeitraum, in dem die Weichen fÃ¼r die kÃ¼nftigen Entscheidungen gestellt wurden, die ihnen zukommenden Aufgaben zur Ã¶ffentlichen StÃ¤rkung des &quot;moral point of view&quot; wahrgenommen? Ich muss als hÃ¶chster katholischer MilitÃ¤rseelsorger diese Frage stellen, um die Last der Kritik, auch mancher Unterstellungen, nicht einseitig verantwortlich handelnden Politikern oder den Soldaten und Soldatinnen unserer Bundeswehr aufbÃ¼rden zu lassen.&quot; 
</p>
</div>


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