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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Verweigerte Verantwortung&quot; - die Bilanzierung von KriseneinsÃ¤tzen ist dringlicher denn je! (erschienen in LOYAL 12/2016)</title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=11&amp;aid=1440</link>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr</span>

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            &quot;Verweigerte Verantwortung&quot; - die Bilanzierung von KriseneinsÃ¤tzen ist dringlicher denn je! (erschienen in LOYAL 12/2016)         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 10. Dezember 2016 14:20:16 +02:00 (173222 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Seit mehr als 20 Jahren beteiligt sich Deutschland an internationalen Krisenengagements. Hierzu gibt es zahlreiche Einzeluntersuchungen, viele Fern-Meinungen und Zerrbilder, aber keine zusammenfassende und ressort&uuml;bergreifende Bilanzierungen und Wirksamkeitsanalysen. Wer keine sicherheitspolitischen Blindfl&uuml;ge will, braucht sie notwendiger denn je.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Verweigerte Verantwortung &ndash; </strong></p>
<p align="center"><strong>die Bilanzierung von Kriseneins&auml;tzen ist dringlicher denn je</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D.</p>
<p align="center">(erschienen in &bdquo;.loyal &ndash; Das Magazin f&uuml;r Sicherheitspolitik&ldquo; 12/2016)</p>
<p>Deutschland soll und will mehr Verantwortung &uuml;bernehmen bei der Bew&auml;ltigung der sich h&auml;ufenden Krisen, gerade auch in der europ&auml;ischen Nachbarschaft. Die Zukunftscharta des Entwicklungsministeriums, der Review-2014-Prozess des Ausw&auml;rtigen Amtes, das j&uuml;ngste Wei&szlig;buch zur Sicherheitspolitik und Zukunft der Bundeswehr sowie die gerade entstehenden Leitlinien &bdquo;Krisenengagement und Friedensf&ouml;rderung&ldquo; der Bundesregierung sollen daf&uuml;r bessere Orientierung und F&auml;higkeiten bringen. Bei der Erarbeitung dieser Grundlagendokumente gab es so viel an &ouml;ffentlicher Beteiligung wie nie zuvor.</p>
<p>Dass dabei auch die Bilanzierung der mehr als zwanzig Jahre deutscher Beteiligungen an internationalen Kriseneins&auml;tzen, die Analyse ihrer Wirkungen und Erfahrungen eine zentrale Rolle spielte, sollte man meinen. Dem war aber nicht so.</p>
<p>Wohl gibt es viel Erfahrungslernen und Lessons-Learned-Prozesse auf der taktischen und operativen Ebene, eine F&uuml;lle von Ver&ouml;ffentlichungen (prim&auml;r zu ihrer milit&auml;rischen Dimension, wenig zu den zivilen und polizeilichen Komponenten). Eine ressort&uuml;bergreifende, systematische und breit kommunizierte Bilanzierung und Evaluierung eines einzelnen Einsatzes oder der Eins&auml;tze insgesamt gibt es aber nicht!</p>
<p>Beim Review-2014-Prozess des Ausw&auml;rtigen Amtes wurden die Auslandseins&auml;tze, f&uuml;r die das AA immerhin die Federf&uuml;hrung hat, weitgehend ausgeklammert.</p>
<p>In das gerade erschienene Wei&szlig;buch flossen viele Erfahrungen der bisherigen Eins&auml;tze ein. Eine konzentrierte Gesamtbilanzierung ihrer Wirksamkeit ist aber nicht zu finden. Im NATO-Kapitel begn&uuml;gt sich das Wei&szlig;buch mit den Feststellungen:</p>
<p>&bdquo;<em>Die Stabilisierungseins&auml;tze der Allianz zum Beispiel in Afghanistan und auf dem Balkan zeigen, dass Eind&auml;mmung und Bew&auml;ltigung von Konflikten in einem komplexen Sicherheitsumfeld ein langfristiges und verl&auml;ssliches Engagement erfordern, um Stabilisierungsfortschritte zu erhalten und zu verstetigen</em>.&ldquo; (S. 65) Und im Fazit:</p>
<p>&bdquo;<em>Die Eins&auml;tze, insbesondere in Afghanistan, wurden zunehmend robuster und verlangten eine Priorisierung der Aufwendungen f&uuml;r eine angemessene Ausstattung der eingesetzten Truppe. Die Bundeswehr wurde zur Armee im Einsatz</em>.&ldquo; (S. 137)</p>
<p>Das ist tats&auml;chlich alles!</p>
<p>Mit der Verweigerung von strategischen Wirksamkeitsanalysen und Lernen wurden seit den 90er Jahren politische Fehlsteuerungen von Eins&auml;tzen, vermeidbare Kosten und m&ouml;glicherweise Opfer in Kauf genommen.</p>
<p>F&uuml;r diese Verantwortungsl&uuml;cke tragen die Auftraggeber der Eins&auml;tze, also verschiedene Bundesregierungen und die sie st&uuml;tzenden Parlamentsmehrheiten die Verantwortung. Der Bundestag h&auml;tte angesichts seiner Schl&uuml;sselrolle bei Auslandseins&auml;tzen gegensteuern k&ouml;nnen. &Uuml;berzogene Koalitionsloyalit&auml;ten standen dem immer wieder entgegen.</p>
<p>In der breiten deutschen &Ouml;ffentlichkeit gibt es wenig differenzierte Kenntnis zu den deutschen Kriseneins&auml;tzen. &Uuml;berwiegend werden sie nur als Milit&auml;reins&auml;tze wahrgenommen, werden ihre diplomatischen, entwicklungspolitischen und polizeilichen Komponenten ignoriert. Verbreitet &ndash; und von Milit&auml;rgegnern mit Absicht gesch&uuml;rt &ndash; ist die Gleichsetzung von Bundeswehreins&auml;tzen und &bdquo;Kriegseins&auml;tzen&ldquo;, als gebe es keine fundamentalen Unterschiede bez&uuml;glich Auftrag, Einsatzregeln, Einsatzformen und -wirkungen.</p>
<p>Vor dem Hintergrund der vielf&auml;ltigen&nbsp; Einsatzerfahrungen w&auml;re es n&ouml;tig und m&ouml;glich gewesen, konkreter darzulegen, was mit dem Einsatz von Streitkr&auml;ften, was mit dem Einsatz milit&auml;rischer Gewalt im UN-Auftrag (nicht) geleistet werden kann, was ihre M&ouml;glichkeiten, Kosten, Risiken, ggfs. T&uuml;cken sind. Diese Chance verpasste das Wei&szlig;buch.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p>Weitgehend vergessen ist: In Bosnien beendete die Bundeswehr nach 17 Jahren einen Stabilisierungseinsatz, der ausgesprochen gewaltarm verlief und milit&auml;risch erfolgreich war (Verh&uuml;tung neuer Kriegsgewalt). Pr&auml;sent ist die kriegerische Phase des Afghanistaneinsatzes, wo der ISAF-Stabilisierungseinsatz nach f&uuml;nf Jahren zunehmend zu Aufstandsbek&auml;mpfung eskalierte. Hier waren Bundeswehrsoldaten erstmalig mit einem opferreichen Terror- und Guerillakrieg konfrontiert. Die gerade in den letzten Jahren st&auml;ndig steigende Zahl von Zivilopfern &nbsp;in Afghanistan f&uuml;hren vor Augen, dass ISAF kein sicheres Umfeld hinterlie&szlig;. Die 15 Jahre des Afghanistaneinsatzes&nbsp; waren voller Erfahrungen und schmerzhafter Lehren, sie brachten &ndash; oft &uuml;bersehene - Teilfortschritte wie auch herbe Ern&uuml;chterungen: So viele Staaten und Organisationen wie nie in der Geschichte beteiligten sich an dem Gro&szlig;experiment &nbsp;von Terrorbek&auml;mpfung und Aufbauunterst&uuml;tzung in einem kriegszerr&uuml;tteten Land &ndash; oft mit wenig Kenntnis von Land und Leuten, mit unterschiedlichen, ja kontr&auml;ren Zielen und Ans&auml;tzen, mit viel Naivit&auml;t, Machbarkeitsillusionen und Realit&auml;tsverlust, mit einem jahrelangen Missverh&auml;ltnis zwischen milit&auml;rischem und zivilem Ressourceneinsatz. Die entscheidenden Fehler geschahen auf den strategischen politischen Ebenen, international und national.</p>
<p>Insbesondere seit der Taliban-Besetzung von Kunduz vor einem Jahr stehen die Abertausenden, in hoch riskante Eins&auml;tze entsandten Soldaten &ndash; und ihre Angeh&ouml;rigen - vor der extrem schmerzhaften Frage, ob die eigenen Strapazen, die Opfer an Leib, Seele und Leben umsonst und sinnlos waren. Gerade Soldaten, die Staatsb&uuml;rger in Uniform sein sollen und wollen, brauchen hierauf nicht einfache, sondern ehrliche Antworten. Diese stehen bisher aus.</p>
<p>Kriseneins&auml;tze sind im erheblichen Ma&szlig;e und unvermeidbar Handeln ins Ungewisse, im Nebel. Da muss es selbstverst&auml;ndlich sein, wenigstens die Nebelscheinwerfer anzustellen und laufend die Fahrtstrecke zu &uuml;berpr&uuml;fen. Alles andere ist unverantwortlich. Soldaten stehen in der Pflicht zum treuen Dienen. Der Dienstherr und politische Auftraggeber steht ihnen gegen&uuml;ber in der Grundpflicht zur Ehrlichkeit. Um sich ehrlich zu machen, sind Bilanzierungen, Wirkungsevaluation sowie die Ermutigung einer Fehlerkultur unverzichtbar.</p>
<p>Ein Lichtblick ist die Ank&uuml;ndigung der Bundesregierung im Wei&szlig;buch, die Kompetenzen zur Evaluierung ausbauen und verkn&uuml;pfen zu wollen und strategische Dokumente wo m&ouml;glich mit messbaren Kriterien als Voraussetzung von Evaluierung zu versehen. Der Lichtblick w&uuml;rde verst&auml;rkt, wenn die Empfehlung der &bdquo;R&uuml;he-Kommission&ldquo; zur Parlamentsbeteiligung in die Tat umgesetzt w&uuml;rden: bei Mandatsverl&auml;ngerungen Vorlage von bilanzierenden Bewertungen &uuml;ber die jeweiligen Eins&auml;tze; bei Einsatzende Vorlage eines ressort&uuml;bergreifenden Evaluierungsberichts mit Wirksamkeitsbewertung der milit&auml;rischen und zivilen Komponenten des Einsatzes. &bdquo;Was bringt es?&ldquo; Diese Schl&uuml;sselfrage braucht endlich seri&ouml;se und ehrliche Antworten. Verb&uuml;ndete wie Norwegen, Niederlande, Gro&szlig;britannien haben bewiesen, wie das geht.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Winfried Nachtwei, Lehren aus 20 Jahren deutscher Beteiligung an internationalen Interventionen, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1312">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1312</a></p>
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