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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Evaluation von AuslandseinsÃ¤tzen - Impulsbeitrag bei der Tagung Evangelischer Akademien in Berlin</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr</span>

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        <h1>
            Evaluation von AuslandseinsÃ¤tzen - Impulsbeitrag bei der Tagung Evangelischer Akademien in Berlin         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 28. September 2012 16:22:42 +02:00 (123869 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>&quot;Wie weit sollen deutsche Soldaten gehen?&quot; war der Titel einer Tagung der Evang. Akademien Berlin, Loccum und Villigst in Berlin, bei der Renke Brahms, Friedensbauftragter der EKD, und Minister Thomas de MaiziÃ¨re die einfÃ¼hrenden BeitrÃ¤ge hielten. Von den folgenden fÃ¼nf ImpulsbeitrÃ¤gen hielt ich einen zur &quot;Evaluation deutscher AuslandseinsÃ¤tze&quot;, der hier in ergÃ¤nzter Form nachzulesen ist. Die Tagung bildete den Auftakt zu &quot;... dem Frieden der Welt zu dienen&quot;, einem Diskursprojekt der Evangelischen Akademien in Deutschland. 300 Interessierte aus einem ungewÃ¶hnlich breiten friedens- und sicherheitspolitischen Spektrum kamen zusammen - ein sehr hoffnungsvoller Start!</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21         false   false   false                             MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--></p>
<p align="center"><strong>Evaluation deutscher AuslandseinsÃ¤tze</strong></p>
<p align="center">Impulsbeitrag von Winfried Nachtwei, MdB a.D., bei der</p>
<p align="center">Tagung â€žWie weit sollen deutsche Soldaten gehen?&quot;der</p>
<p align="center">Evang. Akademie Berlin zusammen mit den Evang. Akademien Loccum und Villigst,</p>
<p align="center">am 24.09.2012 in der FranzÃ¶sischen Friedrichstadtkirche/Berlin</p>
<p align="center"><em>( </em><a href="http://www.evangelische-akademien.de/friedenderwelt"><em>www.evangelische-akademien.de/friedenderwelt</em></a><em> )</em></p>
<p align="center"><em>- gegenÃ¼ber dem gesprochenen Wort ergÃ¤nzte Fassung -</em></p>
<p>Was haben die deutschen AuslandseinsÃ¤tze der letzten 15, 20 Jahre gebracht?</p>
<p>Zweifellos hohe Kosten, inzwischen etliche Opfer - aber Wirkungen, Erfolge? Hierzu gibt es viel an Meinungen, weniger an soliden Kenntnissen, vor allem viel Unsicherheit, wenig Konsens.</p>
<p>Was sind deutsche AuslandseinsÃ¤tze? Bis auf Geiselbefreiungen sind es nie isolierte MilitÃ¤reinsÃ¤tze, sondern immer Teil von umfassenden, internationalen Krisenengagements mit diplomatischen, zivilen, polizeilichen, militÃ¤rischen Akteuren. Teilauftrag des MilitÃ¤rs dabei ist in der Regel Herstellung eines sicheren Umfelds, Friedenssicherung. Die Ã–ffentlichkeit nimmt von solchen Krisenengagements fast nur die militÃ¤rische Seite wahr - und nimmt sie dann auch fÃ¼r das Gesamtergebnis in Haftung.</p>
<p>Meinen Impulsvortrag halte ich vor dem Hintergrund meiner 15-jÃ¤hrigen MitgliedschaftÂ  im Bundestag und Verteidigungsausschuss, wo ich an allen Mandatsentscheidungen sowie an der Begleitung und Kontrolle aller EinsÃ¤tze beteiligt war, auch ihrer nichtmilitÃ¤rischen Dimensionen.</p>
<p><strong>(1) Arten und Bedeutung von Evaluation</strong></p>
<p>GrundsÃ¤tzlich sind zwei Arten von Evaluation zu unterscheiden.</p>
<p>(a)Â  Die Einsatzauswertung hinsichtlich Taktik, Verfahren, Ausstattung, Ausbildung - Erfahrungslernen, lessons learned.</p>
<p>(b) Wirkungsanalysen: Analyse/Bewertung von Wirkungen und Erfolg bezogen auf das jeweilige Mandat.</p>
<p>Hier geht es in erster Linie um Wirkungsanalysen.</p>
<p>Die Bedeutung von Evaluation liegt eigentlich auf der Hand.</p>
<p>EinsÃ¤tze sollen kein Selbstzweck, sondern Mittel zu einem sicherheits- und friedenspolitische Zweck sein.</p>
<p>MilitÃ¤reinsÃ¤tze sind besonders teuer, riskant, ggfs. mit Opfern verbunden. Deshalb mÃ¼ssten Wirkungsanalysen schon in Verantwortung fÃ¼r die eingesetzten Soldaten wie die Steuerzahler selbstverstÃ¤ndlich sein.</p>
<p>Bundestagsabgeordnete kÃ¶nnen nur nach bestem Wissen und Gewissen konstitutiv Ã¼ber EinsatzverlÃ¤ngerungenÂ  entscheiden, wenn seriÃ¶se WirkungseinschÃ¤tzungen vorliegen.</p>
<p>SchlieÃŸlich: Sinn, LegitimitÃ¤t und Akzeptanz von EinsÃ¤tzen sind entscheidend abhÃ¤ngig von ihrer Wirksamkeit. (Die sicherheitspolitische BegrÃ¼ndung und vÃ¶lkerrechtliche LegitimitÃ¤t ist notwendig, aber keineswegs hinreichend.)</p>
<p><strong>(2) Die RealitÃ¤t der Einsatzevaluation in Deutschland</strong></p>
<p>Das Parlamentsbeteiligungsgesetz von 2004 bestimmt in Â§ 6 eine Unterrichtungspflicht des Bundestages, der regelmÃ¤ÃŸig Ã¼ber den Verlauf der EinsÃ¤tze und die Entwicklung in den Einsatzgebieten zu unterrichten sei.Â  In der BegrÃ¼ndung des Gesetzesantrags heiÃŸt es dazu genauer, dass ein â€žjÃ¤hrlicher bilanzierender Gesamtbericht&quot; vorzulegen sei und nach Einsatzende ein â€žEvaluierungsbericht&quot; zu militÃ¤rischen und politischen Aspekten des Einsatzes. Diese prÃ¤zisierende BegrÃ¼ndung entfÃ¤llt beim verÃ¶ffentlichten Gesetzestext - und ist deshalb vielfach gar nicht mehr bekannt.</p>
<p>Die <strong>Einsatzauswertung</strong> betreibt die Bundeswehr intensiv auf verschiedenen Ebenen: mit Erfahrungs- und Kontingentberichten, mit der Einsatzauswertung bei den FÃ¼hrungskommandos der TeilstreitkrÃ¤fte und dem EinsatzfÃ¼hrungskommando, mit der Datenbank â€ž&quot;Einsatzerfahrung Bundeswehr&quot; und der Reihe â€žAus dem Einsatz lernen&quot; des HeeresfÃ¼hrungskommmandos (beide intern Ã¼bers Intranet zugÃ¤nglich). Die Einsatzauswertung flieÃŸt ein in die Weiterentwicklung von Ausbildung, Taktik, in die Entwicklung und Beschaffung von AusrÃ¼stung. Eine bestmÃ¶gliche Einsatzauswertung ist fÃ¼r das MilitÃ¤r elementar, weil lebensnotwendig. Deutlich schwÃ¤cher soll allerdings die Einsatzauswertung und das institutionalisierte GedÃ¤chtnis in Bezug auf die lokalen Konfliktgeschichte und ihre Akteure im Einsatzland sein.</p>
<p><strong>Wirkungsanalysen und -schÃ¤tzungen</strong></p>
<p>Auf diesem Feld habe ich Ã¼ber viele Jahre auf Seiten der Regierung eine Art Gummiwand erlebt. Sie scheint erst in jÃ¼ngerer Zeit Risse zu bekommen. Einige Beispiele:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Nach dem Kosovo-Luftkrieg gab es VorstÃ¶ÃŸe zur Auswertung des Einsatzes u.a. in unserer Fraktion. Eine systematische und unabhÃ¤ngige Bilanzierung aber wurde von der eigenen rot-grÃ¼nen Regierung verweigert. (2001 standen wir unmittelbar vor einem entsprechenden Fraktionsbeschluss. Der 11. September verÃ¤nderte dann die Tagesordnung fundamental.)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Nach EUFOR DR Congo 2006 gab es einen dÃ¼rftigen Abschlussbericht, wo gegenÃ¼ber der Ã–ffentlichkeit vor allem zwei Punkte als Erfolg betont wurden: die gelungene BewÃ¤hrungsprobe fÃ¼r die EuropÃ¤ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die RÃ¼ckkehr der Soldaten vor Weihnachten. Ob es ein Beitrag zu mehr Sicherheit und StabilitÃ¤t im Congo Ã¼ber den Tag hinaus war, wie es im Vorfeld des Einsatzes beschworen wurde, spielte nachher kein Rolle mehr.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Operation Enduring Freedom Afghanistan: Jahrelang war auch uns Obleuten im Verteidigungsausschuss unbekannt, wie wirksam OEF bei seinem Auftrag der EindÃ¤mmung terroristischer Gewalt in Afghanistan war. Bei einem Washingtonbesuch fragte ich im Pentagon den ZustÃ¤ndigen fÃ¼r OEF nach der Wirksamkeit der Operation. Seine Antwort: Das sei eine gute Frage, die stelle man sich auch immer wieder. Das war es, dabei blieb es. Bei OEF erlebte die sonst so viel gelobte Parlamentsbeteiligung ihren Tiefpunkt.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Zum Afghanistaneinsatz gibt es bis heute fÃ¼r das Parlament (und die Ã–ffentlichkeit) keine systematische und fortlaufende Sicherheitslage, sondern bloÃŸ eine Berichterstattung Ã¼ber SicherheitsvorfÃ¤lle, die die QualitÃ¤t des â€žsicheren Umfelds&quot; (Mandatsziel) nur unvollstÃ¤ndig erfasst. In den ministeriellen Unterrichtungen zu Aufbau und Entwicklung und Politik in Afghanistan dominierten lange die Input-Berichte getroffener MaÃŸnahmen. (<em>Ob die vielen gut erscheinenden Projekte, die ich vor Ort besuchen konnte, ein Tropfen auf den heiÃŸen Stein oder ein kÃ¼hlender Wasserstrahl waren, lieÃŸ sich lange Zeit nicht beurteilen</em>.) Der Vorschlag der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Afghanistan (AGA) zur Einsetzung einer unabhÃ¤ngigen SachverstÃ¤ndigenkommission fÃ¼r Afghanistan im Jahr 2008 blieb ohne Resonanz. Am 23.11.2010 fÃ¼hrte der AuswÃ¤rtige Ausschuss des Dt. Bundestages erstmalig eine Ã–ffentliche AnhÃ¶rung â€žKriterien zur Bewertung des Afghanistaneinsatzes&quot; durch. (<a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a03/anhoerungen/prot_17_23.pdf">www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a03/anhoerungen/prot_17_23.pdf</a></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Insgesamt: Nach 15, 20 Jahren deutschen Beteiligungen an internationalen KriseneinsÃ¤tzen gibt es dazu inzwischen wohl eine Reihe VerÃ¶ffentlichungen, aber keine zusammenfassende, systematische und unabhÃ¤ngige Bilanzierung und Evaluierung. Dies ist ein strategisches VersÃ¤umnis, das erheblich zur Wirksamkeits- und Akzeptanzkrise von AuslandseinsÃ¤tzen, zu einer sicherheitspolitischen DesorientierungÂ  beigetragen hat. Mitverantwortlich dafÃ¼r waren Koalitionsfraktionen, denen die Folgsamkeit gegenÃ¼ber der eigenen Regierung wichtiger war als eine verantwortliche Wahrnehmung der Parlamentsbeteiligung bei AuslandseinsÃ¤tzen.</p>
<p><strong>Evaluationen in anderen Ressorts</strong></p>
<p>Das BMZ gehÃ¶rt zu den ersten Ministerien, in dessen ZustÃ¤ndigkeitsbereich systematische und unabhÃ¤ngige Evaluierungen von Projekten, Programmen, Instrumenten und Strategien durchgefÃ¼hrt werden. ÃœberprÃ¼ft werden Relevanz, EffektivitÃ¤t, Effizienz, Wirkungen und Nachhaltigkeit. Sie dienen der Rechenschaftslegung, dem individuellen und institutionellen Lernen.</p>
<p><em>Die Kurzfassungen der Berichte (seit 2001) sind erhÃ¤ltlich Ã¼ber </em><a href="http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/wege/erfolg/index.html"><em>www.bmz.de/de/was_wir_machen/wege/erfolg/index.html</em></a><em>. GrundsÃ¤tzlich zum Thema Caspari, A. u. Barbu, R. (2008): Wirkungsevaluierungen: Zum Stand der Diskussion und und dessen Relevanz fÃ¼r Evaluierungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Evaluation Working Papers, Bonn BMZ. Im FrÃ¼hjahr 2012 wurde vom BMZ das â€žInstitut fÃ¼r deutsche Entwicklungsevaluierung&quot; gegrÃ¼ndet. (</em><a href="http://www.evaluierungsinstitut.de/"><em>www.evaluierungsinstitut.de</em></a><em> ) Seine Abteilung II ist zustÃ¤ndig fÃ¼r Governance, fragile Staaten, Menschenrechte, Bildung.</em></p>
<p>Im ZustÃ¤ndigkeitsbereich des AA und BMI spielen Einsatzauswertungen und Wirkungsevaluierung eine viel geringere Rolle. Mein Eindruck ist, dass es hier noch erheblichen Nachholbedarf gibt.</p>
<p>Von einer systematischen ressortÃ¼bergreifenden, ja -gemeinsamen Einsatzauswertung ist mir nichts bekannt.</p>
<p><strong>Einzelne Teilfortschritte:</strong></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Als Ort der besten, weil ungeschminkt-offenen und ressortÃ¼bergreifenden, Einsatzauswertung habe ich immer wieder die Runden beim Zentrum Internationale FriedenseinsÃ¤tze (ZIF) erlebt.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Im Auftrag des BMZ wurden im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 700 der FU Berlin in den afghanischen Nordostprovinzen Takhar und Kunduz seit 2007 die Wirkungen der auslÃ¤ndischen Entwicklungshilfe und MilitÃ¤rs in den Augen der Ã¶rtlichen BevÃ¶lkerung untersucht. (Teilprojekt C9 - Impact of Interventions in Afghanistan)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Der â€žFortschrittsbericht Afghanistan&quot;, den die Bundesregierung seit Dezember 2010 halbjÃ¤hrlich verÃ¶ffentlicht, ist ein wichtiger, aber noch lÃ¼ckenhafter Schritt zu einer systematischen Wirkungsanalyse.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Das Einsatzcontrolling im EinsatzfÃ¼hrungskommando der Bundeswehr. Seit Anfang 2010 wird der Status der MandatserfÃ¼llung auf Basis eines Kennzahlensystems erfasst und bewertet, zunÃ¤chst als Pilotprojekt beschrÃ¤nkt auf die Marineoperation ATALANTA vor Somalia.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Das AuswÃ¤rtige Amt kÃ¼ndigte eine Erfahrungsauswertung des Afghanistanengagements an.</p>
<p><strong>(3) Hemmnisse und Hindernisse</strong></p>
<p>(a) Methodische HÃ¼rden</p>
<p>- Die KomplexitÃ¤t internationaler und multidimensionaler EinsÃ¤tze mit ihren vielen Akteuren, unterschiedlichen Zielen, Reichweiten etc. machen es sehr schwer, die Wirkungen einzelner Akteure zu identifizieren und zu bewerten. Erfolg fÃ¼r wen?</p>
<p>- Wo Mandate unklar und abstrakt sind (im zivilen Bereich oft fehlen), wo Ziele nicht operationalisiert sind, Daten zur Ausgangslage (baseline) fehlen, ist eine wissenschaftlich fundierte Wirkungsbewertung praktisch unmÃ¶glich.</p>
<p>- Gerade in Nachkriegs- und Konfliktgebieten fehlt es an zuverlÃ¤ssigen Daten, Sensoren, seriÃ¶sen Ermittlungsmethoden und ZugÃ¤ngen.</p>
<p>- Nicht empirisch erfassbar sind â€žunsichtbare Wirkungen&quot; wie Nicht-Ereignisse von verhÃ¼teter Gewalt. Sie sind bestenfalls begrÃ¼ndet zu vermuten.</p>
<p>- SchlieÃŸlich ist die Evaluierbarkeit/&quot;MeÃŸbarkeit&quot; verschiedener MaÃŸnahmen hÃ¶chst unterschiedlich: Sie ist am leichtesten, wo es um materielle Infrastruktur oder groÃŸe militÃ¤rische Gewalt geht. Sie ist viel schwieriger bei der AbschÃ¤tzung von Konfliktpotenzialen, bei MaÃŸnahmen des Keyleader-Engagements, der Streitschlichtung, der FÃ¶rderung von Rule of Law und Good Governance, bei einem GroÃŸteil diplomatischer AktivitÃ¤ten.</p>
<p>(b) Interessen und Grundorientierungen</p>
<p>- Wirkungsanalysen kÃ¶nnen politische StÃ¶rfaktoren sein: Wo die Beteiligung an einem Einsatz z.B. aus bÃ¼ndnispolitischen ErwÃ¤gungen feststeht und eine groÃŸe Parlamentszustimmung gewÃ¼nscht ist, da kÃ¶nnen ehrliche Wirkungsanalysen Zustimmung gefÃ¤hrden (ggfs. aber auch stÃ¼tzen). Politische FÃ¼hrungsebenen in Deutschland neigen nicht dazu, sich Fehler bescheinigen zu lassen. (<em>Ich selbst habe meine â€žMaterialien zur Sicherheitslage Afghanistans&quot; mit ihren schlimmen Nachrichten zunÃ¤chst auch nicht Ã¶ffentlich gemacht, um den Einsatzgegnern keine zusÃ¤tzliche Munition zu liefern.</em>) Auf der anderen Seite scheint auch bei denjenigen, die prinzipiell AuslandseinsÃ¤tze ablehnen, kein sonderliches Interesse an Wirkungsanalysen zu bestehen. In der politischen Praxis dominierten politische EinschÃ¤tzungen zur Einsatzwirkung â€žÃ¼ber den Daumen&quot;, geprÃ¤gt oft von Legitimationsinteressen und selektiver Wahrnehmung.</p>
<p>- Gerade beim Afghanistaneinsatz traten in verschiedenen Organisationen und Institutionen MentalitÃ¤ten und Strukturen der BeschÃ¶nigung zutage. Notorisch bekam ich bei GesprÃ¤chen in ISAF-Hauptquartieren Ã¼ber Jahre die Redewendung zu hÃ¶ren: â€žEs gibt Probleme. Aber wir sind auf einem guten Weg&quot; - auch zu Zeiten, als der Weg unÃ¼bersehbar abwÃ¤rts ging.</p>
<p>- In der parlamentarischen und Ã¶ffentlichen Diskussion zu AuslandseinsÃ¤tzen dominierte von Anfang an der Rechtfertigungsdiskurs. Hierzu schlugen im Bundestag die rhetorischen Wellen immer wieder besonders hoch. DemgegenÃ¼ber kam der Wirksamkeitsdiskurs in der Regel viel zu kurz.</p>
<p>- AuffÃ¤llig ist schlieÃŸlich die vorherrschende Interesselosigkeit gegenÃ¼ber den reichhaltigen Erfahrungen von UNO-Friedensmissionen in groÃŸen Teilen derÂ  sicherheits- und friedenspolitischen Ã–ffentlichkeit.</p>
<p><strong>(4) Positive Beispiele</strong></p>
<p>Aber es geht auch anders, besser.</p>
<p><strong>Kanada</strong>: Ausgehend von den Empfehlungen des unabhÃ¤ngigen â€žManley-Report&quot; vom MÃ¤rz 2008 definierte Kanada fÃ¼r sein Engagement in der sÃ¼dafghanischen Provinz Kandahar sechs politische PrioritÃ¤ten. In 14 Quartalsberichten ab Juni 2008 bis MÃ¤rz 2012 berichtete die Regierung dem Parlament strukturiert nach Benchmarks, Progress Indicators, Baselines, 44 Targets Ã¼ber die Quarterly Results. (<a href="http://www.afghanistan.gc.ca/">www.afghanistan.gc.ca</a> )</p>
<p><strong>Niederlande</strong>: â€žThe Dutch Engagement in Uruzgan - 2006 to 2010 - A TLO socio-political assessment&quot;, Kabul August 2010. Das 2003 von Swisspeace gegrÃ¼ndete und u.a. von der Heinrich-BÃ¶ll-Stiftung und dem AA unterstÃ¼tzte â€žThe (Tribal) Liaison Office&quot; in Kabul ist d a sÂ  unabhÃ¤ngige afghanische Kompetenzzentrum zur StÃ¤rkung lokaler Governance, Sicherheit und StabilitÃ¤t. Ausgehend von einer Baselinie-Studie von 2006 untersuchte das TLO das Erreichte auf den Feldern sozioÃ¶konomische Entwicklung und Aufbau, Governance und Rule of Law, (Un)Sicherheit und Insurgency, internationale militÃ¤rische Akteure und niederlÃ¤ndischer Abzug. Im April 2012 erschien die Folgestudie Ã¼ber 18 Monate australisches Engagement in Uruzgan. (<a href="http://www.tloafghanistan.com/index.php/provincial-district-area-assessments">www.tloafghanistan.com/index.php/provincial-district-area-assessments</a> )</p>
<p><strong>Zur Evaluation von militÃ¤rischen KriseneinsÃ¤tzen:</strong></p>
<p>- Paul Diehl/Daniel Druckmann: Evaluation Peace Operations, London 2010</p>
<p>- JÃ¼rgen Schnell: Zur Kostenplanung und Messung der Effizienz von militÃ¤rischen EinsÃ¤tzen im Ausland zur KonfliktverhÃ¼tung und KrisenbewÃ¤ltigung unter besonderer BerÃ¼cksichtigung des Einsatzes in Afghanistan, MÃ¼nchen 2008 (Prof. Dr. JÃ¼rgen Schnell ist Generalleutnant a.D. und lehrt an der UniversitÃ¤t der Bundeswehr MÃ¼nchen, Fach StreitkrÃ¤ftemanagement (<a href="http://www.unibw.de.miloek/forschung/publikationen">www.unibw.de.miloek/forschung/publikationen</a> )</p>
<p><strong>(5) Politische Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Auftraggeber der AuslandseinsÃ¤tze sind Bundesregierung und Bundestag. Sie sind in der Pflicht, klare und erfÃ¼llbare Mandate zu formulieren. (vgl. Brahimi-Report von 2000!) ÃœberfÃ¤llig sind umfassende Mandate, die auch zivile und polizeiliche Aufgaben benennen und dafÃ¼r entsprechende FÃ¤higkeiten bereitstellen. Notwendig sind kohÃ¤rente und operationalisierte Ziele im Kontext einer ressortgemeinsamen Strategie fÃ¼r das jeweilige Krisenengagement.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  In Verantwortung fÃ¼r die in riskante EinsÃ¤tze entsandten Soldaten, Polizisten und Zivilexperten sollte die nÃ¤chste Bundesregierung in der Koalitionsvereinbarung zurÂ  regelmÃ¤ÃŸigen, systematischen und unabhÃ¤ngigen Wirkungsanalyse von EinsÃ¤tzen sowie einer bilanzierenden Evaluation aller EinsÃ¤tze verpflichtet werden. DafÃ¼r braucht es viel mehr regionalwissenschaftlicher Kompetenz, als sie heute zur VerfÃ¼gung steht.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Im Parlament und in der interessierten Ã–ffentlichkeit braucht es mehr Wirksamkeitorientierung statt der bisher vorherrschenden deutschen Nabelschauen. Wirksamkeitsevaluierungen kÃ¶nnen die viel beschworene friedens- und sicherheitspolitische Debatte und VerstÃ¤ndigung entscheidend voranbringen, wenn sie dementsprechend durchgefÃ¼hrt und prÃ¤sentiert werden.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  AuslandseinsÃ¤tze sind im erheblichen MaÃŸe und unvermeidbar Handeln ins Ungewisse, im Nebel. Da muss es selbstverstÃ¤ndlich sein, wenigstens die Nebelscheinwerfer anzustellen. Alles andere ist unverantwortlich. Soldaten stehen in der Pflicht zum treuen Dienen. Der Dienstherr und politische Auftraggeber steht ihnen gegenÃ¼ber in der Grundpflicht zur Ehrlichkeit. FÃ¼r diese sind Wirkungsanalysen unverzichtbar.</p>
<p><a name="_GoBack"></a><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>PersÃ¶nliche Anmerkung </em></strong></p>
<p><em>Auf eine Bilanzierung von AuslandseinsÃ¤tzen habe ich seit 1999 gedrÃ¤ngt, zu Afghanistan verstÃ¤rkt seit der erkennbaren Eskalation im Sommer 2006. Da seitens der Bundesregierung Reaktionen lange ausblieben, publiziere ich seit Sommer 2007 â€žMaterialien zur Sicherheitslage Afghanistans&quot; und â€žBetter News statt Bad News aus Afghanistan&quot;. Zusammen mit meinen vielen Reiseberichten und Bilanzpapieren bieten sie Mosaiksteine fÃ¼r eine differenziertere Wirksamkeitsbewertung - vgl. auch â€žDie AuslandseinsÃ¤tze im RÃ¼ckblick - Was wir fÃ¼r die Zukunft lernen sollen&quot;, Publikationsliste zu Krisenregionen, AuslandseinsÃ¤tzen und Ziviler KrisenprÃ¤vention </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/1160"><em>www.nachtwei.de</em>/index.php/articles/1160</a> <em>). Der Antrag der Fraktion von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen â€žPrÃ¼fkriterien fÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr entwickeln - Unterrichtung und Evaluation verbessern&quot; vom 23.10.2007 (Drs. 16/6770) wurde von den Fraktionen der GroÃŸen Koalition abgelehnt. Drei Jahre spÃ¤ter brachten SPD und GrÃ¼ne gemeinsam den Antrag â€žEvaluierung der deutschen Beteiligung an ISAF und des deutschen internationalen Engagements fÃ¼r den Wiederaufbau Afghanistans seit 2001&quot; in den Bundestag ein. (9.6.2010, Drs. 17/1964) Auch dieser Antrag wurde abgelehnt.</em></p>
<p><em>Die AG â€žGerechter Friede&quot; von Justitia et Pax arbeitet zzt. unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hoppe mit UnterstÃ¼tzung externer ExpertInnen an dem Projekt â€žErfahrungen aus militÃ¤rischen Interventionen nach 1989 in friedensethischer Perspektive&quot;.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong><em>Drei Tage nach der Veranstaltung</em></strong><em>, am 27. September 2012, endete der bisher lÃ¤ngste Auslandseinsatz der Bundeswehr: Die letzten zwei Bundeswehrsoldaten schieden aus dem Hauptquartier der EU-Operation â€žALTHEA&quot; in Bosnien-Herzegowina aus. Vor 17 Jahren startete der UN-mandatierte NATO-Einsatz IFOR, dann SFOR zur Absicherung des Friedensvertrages von Dayton. Er war damals insbesondere bei den GRÃœNEN heiÃŸ umstritten. Der Besuch einer Delegation von grÃ¼ner Fraktions- und Parteispitze in Mostar, Sarajewo, Banja Luka im Herbst 1996 lieÃŸ uns zweierlei erkennen:</em></p>
<p><em>Es gibt Situationen, wo MilitÃ¤r zum Schutz wehrloser Menschen vor massiver Gewalt notwendig ist; das UN-mandatierte MilitÃ¤r hatte den Auftrag, Gewalt zu verhÃ¼ten und einzudÃ¤mmen, nicht Krieg zu fÃ¼hren - ein quasi polizeilicher Auftrag mit militÃ¤rischen Mitteln. Diesen Auftrag erfÃ¼llte SFOR, dann ab 2004 ALTHEA, erfolgreich.</em></p>
<p><em>Zugleich bekrÃ¤ftigte der Bosnieneinsatzes die Erfahrung, dass MilitÃ¤r entgegen der verbreiteten Erwartung, es kÃ¶nne einen Konfliktknoten durchhauen, politische Konflikte nicht lÃ¶sen und Frieden nicht schaffen kann. HierfÃ¼r sind andere, diplomatische, zivile, polizeiliche Akteure und MaÃŸnahmen gefragt.</em></p>
<p><em>Die Erfahrungen von Bosnien und 1998/1999 Kosovo waren der konkrete Hintergrund dafÃ¼r, dass RotgrÃ¼n das Zentrum Internationale FriedenseinsÃ¤tze/ZIF und den Zivilen Friedensdienst auf den Weg brachte.</em></p>
<p><em>Die Ã¤uÃŸerst ernÃ¼chternde Erfahrung mit dem â€žeingefrorenen&quot; Bosnienkonflikt und dem Wahnwitz eines im EntitÃ¤tenproporz strukturierten â€žStaats&quot;gebildes zeigen eindringlich, wie schwer innerstaatliche Konflikte zu lÃ¶sen sind, wenn sie erst einmal einen Krieg durchlaufen haben. Mit anderen Worten: Wie enorm wichtig rechtzeitige PrÃ¤vention ist. <strong>Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen eines bewaffneten Konflikts gefallen ist, dann ist die Bergung ein mÃ¼hsames Langzeitunternehmen ohne Erfolgsgarantie.</strong></em></p>
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