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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Gedenkveranstaltung fÃ¼r Henning von Tresckow, &quot;Kopf und Herz des militÃ¤rischen Widerstandes gegen Hitler&quot; im EinsatzfÃ¼hrungskommando bei Potsdam - meine Gedenkrede</title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=108&amp;aid=1536</link>
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    <span class="xar-mod-title">Vortrag</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
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</td>
   </tr>
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        <h1>
            Gedenkveranstaltung fÃ¼r Henning von Tresckow, &quot;Kopf und Herz des militÃ¤rischen Widerstandes gegen Hitler&quot; im EinsatzfÃ¼hrungskommando bei Potsdam - meine Gedenkrede         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 21. Juli 2018 16:33:47 +02:00 (34763 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am heutigen 21. Juli vor 74 Jahren ging Generalmajor Henning von Tresckow in den Tod, nachdem am Vortag das Attentat gegen Hitler gescheitert war. Auf Einladung des Befehlshabers des Einsatzf&uuml;hrungskommandos hielt ich die Gedenkrede f&uuml;r einen herausragenden Generalstabsoffizier, der vergleichsweise fr&uuml;h den menschenverachtenden und Kriegskurs Hitlers durchschaute und mit einer Entschlossenheit wie kaum jemand sonst f&uuml;r die Beseitigung des Diktators und den Staatsstreich arbeitete.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Gedenkveranstaltung f&uuml;r Generalmajor Henning von Tresckow im Einsatzf&uuml;hrungskommando der Bundeswehr bei Potsdam am 19. Juli 2018</strong></p>
<p align="center"><strong>Gedenkadresse von Winfried Nachtwei, MdB a.D.</strong></p>
<p align="center"><em><span style="text-decoration: underline;">Fotos unter </span></em><a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei"><em>www.facebook.com/winfried.nachtwei</em></a><em><span style="text-decoration: underline;"> )</span></em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Vorbemerkung:</span></em><em> Das 2001 aufgestellte Einsatzf&uuml;hrungskommando befindet sich in der Kasernenanlage in Geltow bei Potsdam, die 1992 nach Henning von Tresckow benannt wurde. Das Einsatzf&uuml;hrungskommando ist direkt dem Verteidigungsministerium nachgeordnet und ist zust&auml;ndig f&uuml;r die Planung (Personal und Mittel f&uuml;r die Eins&auml;tze deutscher Streitkr&auml;fte im Rahmen des Auftrags) und F&uuml;hrung (Verantwortung f&uuml;r Personal und Material im Einsatz, milit&auml;rische Auftr&auml;ge erteilen multinationale Hauptquartiere) sowie die &Uuml;berwachung der Mandatskonformit&auml;t und Rechtstreue der deutschen Einsatzkontingente.</em></p>
<p><em>Unter den rund 150 TeilnehmerInnen der Gedenkveranstaltung waren u.a. Angeh&ouml;rige der Familie von Tresckow, darunter die Tochter Dr. Uta von Aretin, und anderer Familien von Widerstandsk&auml;mpfern (z.B. von Gersdorf), der Vizepr&auml;sident des brandenburgischen Landtages, Dieter Dombrowski, die Staatssekret&auml;rin im Landesinnenministerium Katrin Lange, der Potsdamer Oberb&uuml;rgermeister Jann Jakobs, ein Bundestagsabgeordneter, der Vertreter des Wehrbeauftragten, viele aktive und ehemalige Generale, Offiziere und Soldaten des Einsatzf&uuml;hrungskommandos und anderer Bundeswehrstellen. Die Veranstaltung fand wie immer im Foyer der Chefetage statt, wo Fotos auf der Stirnseite Henning von Tresckow als Generalstabsoffizier in der F&uuml;hrungsabteilung der Heeresgruppe Mitte und mit seinem Schl&uuml;sselzitat &bdquo;Das Attentat muss erfolgen, co&ucirc;te que co&ucirc;te &hellip;&ldquo;, in einer Marschkolonne des 9. (Preu&szlig;ischen) Infanterie-Regiments in Potsdam und als Vater zeigen. </em></p>
<p><em>Nach der Begr&uuml;&szlig;ung durch den Befehlshaber des Einsatzf&uuml;hrungskommandos, Generalleutnant Erich Pfeffer, folgte meine Gedenkadresse, Es folgte eine kurze Andacht mit Milit&auml;rpfarrer Michael Schr&ouml;der. Die Veranstaltung schloss mit der Niederlegung von acht Kr&auml;nzen am Gedenkstein vor dem Eingang.</em></p>
<p>Sehr geehrte Angeh&ouml;rige der Familie von Tresckow,</p>
<p>sehr geehrte Frau Dr. von Aretin,</p>
<p>sehr geehrter Herr General Pfeffer,</p>
<p>sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>es ist mir eine ganz besondere Ehre, zu&nbsp; d i e s e m&nbsp; Offizier und an&nbsp; d i e s e m&nbsp; Ort sprechen zu d&uuml;rfen.</p>
<p>Ich tue das nicht als Historiker, sondern als jemand, der seit 1995 bei 70 Mandatsentscheidungen Mitverantwortung getragen hat f&uuml;r Eins&auml;tze der Bundeswehr.</p>
<p><strong>Vor genau 30 Jahren</strong> stie&szlig; ich erstmalig auf reale Spuren des deutschen Vernichtungskrieges im Osten &ndash; erst in Minsk/Wei&szlig;russland, dann in der lettischen Hauptstadt Riga.</p>
<p>- In Wei&szlig;russland die Vernichtung von &uuml;ber 600 D&ouml;rfern mitsamt ihrer Bev&ouml;lkerung.</p>
<p>- Die zahllosen Massaker der mobilen Mordkommandos von Sicherheitspolizei und SD und ihrer vielen Helfershelfer vor allem an der j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerung.</p>
<p>- Die Ghettobildung in Minsk und Riga, die Erschie&szlig;ung Zehntausender ihrer H&auml;ftlinge, um &bdquo;Platz zu schaffen&ldquo; f&uuml;r die angemeldeten 50.000 j&uuml;dischen Frauen, M&auml;nner und Kinder aus dem &bdquo;Gro&szlig;deutschen Reich&ldquo;.</p>
<p>- Ich erfuhr von Tausenden T&auml;tern, von Experten des Massenmords und ganz normalen M&auml;nnern dabei, von den vielen, die wegsahen &ndash; aber auch von einzelnen Wehrmachtsangeh&ouml;rigen, die sich menschlich verhielten, bis zu dem Hauptmann Hans-J&uuml;rgen Vogler, Chef des Heeresfahrzeugparks in Riga, der Hunderten j&uuml;dischen Frauen das Leben retten konnte.</p>
<p>Am 21. Juli 2009 begegnete ich hier dem Generalstabsoffizier Henning von Tresckow erst malig bei einer Gedenkfeier, die ich als besonders eindringlich empfand und seitdem immer wieder so erlebe. <em>(Bericht von der Gedenkveranstaltung 2012 unter </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1149"><em>www.</em><em>nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1149</em></a><em> )</em></p>
<p>Ein Offizier, der angesichts dieses beispiellosen &bdquo;Zusammenbruchs von Mitmenschlichkeit&ldquo;&nbsp; nicht wegsah, sich nicht auf den Nur-Soldaten zur&uuml;ckzog, sondern dagegen aktiv wurde, mit einer Entschlossenheit wie kaum jemand sonst.</p>
<p>Henning von Tresckow war eine Ausnahmepers&ouml;nlichkeit in jeder Hinsicht und in bestem Sinne</p>
<p>- als Generalstabsoffizier</p>
<p>- als Menschenf&uuml;hrer</p>
<p>- als Vater und Christenmensch zu Zeiten gr&ouml;&szlig;ter Staatsverbrechen und versagender milit&auml;rischer F&uuml;hrung.</p>
<p>Er war mit Leib und Seele Soldat, zugleich weltoffen, stets &uuml;ber den Tellerrand schauend und planend, verehrt vom einfachen Gefreiten wie vom hohen Offizier, keine Spur eines &bdquo;Militaristen&ldquo;.</p>
<p>Anf&auml;nglich setzte er, wie viele Zeitgenossen, Hoffnungen auf Hitler und die nationalsozialistische Bewegung.</p>
<p>Das &auml;nderte sich, als er die Wahrheit &uuml;ber den sog. &bdquo;R&ouml;hm-Putsch&ldquo; (Juni/Juli 1934) erfuhr und die 200 dabei von Hitler befohlenen Morde. Mit Einblick in die Angriffskriegsvorbereitungen 1936, mit der Blomberg-Fritsch-Krise im Februar 1938 <em>(erzwungener R&uuml;cktritt des Reichskriegsministers und des Oberbefehlshabers des Heeres als sch&auml;rfste Kritiker von Hitlers aggressiven au&szlig;enpolitischen Zielen)</em>&nbsp; und der Reichspogromnacht im November 1938 durchschaute er immer deutlicher den wahren Charakter des NS-Regimes, versch&auml;rfte sich seine Regime-Gegnerschaft zum aktiven Widerstand, ab Mitte 1939 auf die Beseitigung Hitlers zielend.</p>
<p>Als Erster Generalstabsoffizier im Oberkommando der Heeresgruppe Mitte ab Sommer 1941 war er mit den verbrecherischen Befehlen zum Vernichtungskrieg konfrontiert, deren Umsetzung er verweigerte. &nbsp;In der F&uuml;hrungsabteilung der Heeresgruppe Mitte sammelte er einen Verschw&ouml;rerkreis aus j&uuml;ngeren Offizieren um sich, der einmalig an der Ostfront war und mehrfach den Tyrannenmord versuchte.</p>
<p>Ab Herbst 1943 arbeitete er mit Oberst Graf von Stauffenberg am Plan f&uuml;r einen Staatsstreich unter dem Deckmantel der &bdquo;Operation Walk&uuml;re&ldquo; <em>(Operationsplan zur Niederschlagung innerer Unruhen durch Zwangsarbeiter)</em>. Die Verschw&ouml;rer brachen mit einem Primat der Politik, der l&auml;ngst extrem verbrecherisch geworden war.</p>
<p>Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli ging Generalmajor Henning von Tresckow am 21. Juli 1944, vor genau 74 Jahren in den Tod.</p>
<p>Er durchschaute den Hitlerkurs und seine Konsequenzen f&uuml;r Europa und Deutschland vergleichsweise fr&uuml;h.</p>
<p>Als &bdquo;Kopf und Herz des milit&auml;rischen Widerstandes&ldquo; bewies er h&ouml;chste Entschlossenheit und Konsequenz zur befreienden Tat!</p>
<p>Auch wenn der 20. Juli und andere Versuche vorher scheiterten, so war dies Attentat, dieser Widerstand deshalb keineswegs sinnlos. Als Zeichen eines anderen, des besseren Deutschland war dieser Widerstand bedeutsam f&uuml;r die R&uuml;ckkehr Deutschlands in die Welt.</p>
<p>Henning von Tresckow war eine Ausnahmepers&ouml;nlichkeit in einer Zeit des extremen Ausnahmezustandes. Ist er damit nicht weit weg vom heutigen rechtsstaatlichen und friedensgewohnten Deutschland, von Normalb&uuml;rgern heutzutage?</p>
<p>Die historischen Kontexte sind in der Tat krass verschieden. Wenn wir aber auf sine F&auml;higkeiten, Einstellungen, Haltung sehen, wird er schnell aktuell und gegenw&auml;rtig &ndash; f&uuml;r Bundeswehrangeh&ouml;rige, f&uuml;r Staatsb&uuml;rger in Zivil wie f&uuml;r Staatsb&uuml;rger in politischer Verantwortung. Ich m&ouml;chte einen Br&uuml;ckenschlag zur Gegenwart auf vier Feldern versuchen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>(1) N&uuml;chterne Realit&auml;tswahrnehmung, das Hinsehen, der Blick auf`s Ganze, die Weitsicht, die Klarheit und Geradlinigkeit des Denkens: </strong></p>
<p>In der Vergangenheit machte ich immer wieder die Erfahrung, wie schwer bei Kriseneins&auml;tzen realistische Lagebilder fielen, am wenigsten vor Ort, am meisten auf der politischen Ebene, wo oftmals ungeschminkte Lagen nicht gew&uuml;nscht waren und Sch&ouml;nf&auml;rberei dominierte.</p>
<p>Ein Dauerproblem ist, dass es bei aller laufenden Einsatzauswertung keine systematische, unabh&auml;ngige und ressort&uuml;bergreifende Wirkungsanalyse zu Eins&auml;tzen gibt.</p>
<p>Den politischen Einsatzmandaten von Bundesregierung und Bundestag fehlt es immer wieder an Klarheit, Ziele bleiben zu abstrakt, Operationalisierung fehlt.</p>
<p><strong>(2) Wertekompass, das zweite Feld</strong></p>
<p>Henning von Tresckow hat die universelle Moral von Freiheit, Recht und Menschenw&uuml;rde nicht nur vertreten, sondern gelebt, im Kleinen wie im Gro&szlig;en, f&uuml;r sie gek&auml;mpft, damit auch gegen Angriffskrieg, erst recht gegen Vernichtungskrieg.</p>
<p>In den 80er und 90er Jahren war unsereiner, mein politisches Spektrum gegen&uuml;ber der Bundeswehr ziemlich misstrauisch, insbesondere gegen&uuml;ber den aufkommenden Out-of-area-Eins&auml;tzen. Im Oktober 1996 besuchten wir mit einer Spitzendelegation meiner Fraktion und Partei das kriegszerst&ouml;rte Bosnien. Am Hang von Sarajevo standen wir an dem Ort, von wo die serbischen Belagerer mehr als drei Jahre in die Stadt geschossen hatten. &Uuml;ber die Medien hatten wir immer wieder davon erfahren und dann verdr&auml;ngt. Aber jetzt vor Ort wurde die uns unangenehme Einsicht unumg&auml;nglich: Es gibt Situationen, wo zum Schutz vor Massengewalt der Einsatz milit&auml;rischer Gewalt notwendig, legitim und verantwortbar sein kann. Das war die eine Schl&uuml;sselerfahrung. Die zweite ergab sich bei der Begegnung mit deutschen IFOR-Soldaten unter General Riechmann, dem sp&auml;teren ersten Befehlshaber des Einsatzf&uuml;hrungskommandos. Vor allem die KDV`er (Kriegsdienstverweigerer) unter uns waren &uuml;berrascht: Die Bundeswehrsoldaten nahmen ihren Auftrag Gewalt und Krieg zu verhindern, Bev&ouml;lkerung zu sch&uuml;tzen, selbstverst&auml;ndlich ernst.</p>
<p>Im Laufe der Jahre begegnete ich vielen, vielen Soldaten vor allem in Einsatzgebieten. In der Untersuchungskommission zum Sturmgewehr G36 sprachen wir mit &uuml;ber 150 gefechtserfahrenen Soldaten. Dabei fiel mir auf: Die insgesamt hohe Professionalit&auml;t der Soldaten, ihre Kampff&auml;higkeit in der kriegerischen Phase des Afghanistaneinsatzes, ihre Ernsthaftigkeit und Besonnenheit. R&uuml;cksicht auf die Zivilbev&ouml;lkerung war offensichtlich selbstverst&auml;ndlich. Mein Gesamtbild: In Deutschland gab es noch nie so rechtstreue Streitkr&auml;fte und so viele friedensorientierte Soldatinnen und Soldaten wie heutzutage.</p>
<p><strong>(3) Das dritte Feld: Wille zur Verantwortung, zur Tat und zur Wirksamkeit</strong></p>
<p>Milit&auml;risch F&uuml;hrer stehen selbstverst&auml;ndlich und sichtbar in besonderer Verantwortung, f&uuml;r die Auftragserf&uuml;llung wie f&uuml;r ihre Soldaten.</p>
<p>Im politischen Diskurs in Deutschland, im friedenspolitischen mehr als im sicherheitspolitischen, sehe ich eine verbreitete Neigung, schnell zu &bdquo;wissen&ldquo;, was nicht sein darf. Was notwendig w&auml;re zur Probleml&ouml;sung, kommt erstaunlich wenig zur Sprache. Anders ausgedr&uuml;ckt: Es gibt viel Rechtfertigungs- und Regeldiskurs, wenig Wirksamkeitsdiskurs.</p>
<p>Bei manchen deutschen Einsatzbeteiligungen stellt sich die Frage, ob sie &uuml;berhaupt etwas bewirken oder nur b&uuml;ndnispolitische Zeichen setzen sollen. Ausbildungs- und Beratungsmissionen, die ausschlie&szlig;lich im Feldlager bleiben und nicht die Umsetzung im Einsatz mitbekommen, mindern ihre Wirksamkeit erheblich.</p>
<p><strong>(4) R&uuml;ckgrat, Gewissensst&auml;rke &hellip;</strong></p>
<p>gegen die Zeitstr&ouml;mung, gegen verbrecherische Befehle,</p>
<p>trotz Isolation, tiefer Dilemmata, R&uuml;ckschl&auml;ge, h&ouml;chster Risiken.</p>
<p>Heute geht es in Deutschland bei n&uuml;chterner Betrachtung wahrlich nicht um politischen Widerstand, aber sehr wohl um offenes Wort und Widerspruch, gerade auch in Institutionen und Organisationen.</p>
<p>Zu Recht beklagt wird die schwache sicherheitspolitisch Debatte in Deutschland. Im &ouml;ffentlichen Diskurs fehlen seit langem die Stimmen von h&ouml;heren Offizieren. Allerdings:</p>
<p>Der politische Dienstherr und Auftraggeber muss solche &ouml;ffentlichen Wortmeldungen auch</p>
<p>- zulassen,</p>
<p>- darf sie nicht bestrafen und</p>
<p>- muss es ein St&uuml;ck weit auch vorleben.</p>
<p>Mit anderen Worten: Innere F&uuml;hrung f&auml;ngt ganz oben in der Politik an. Leider ist &bdquo;uns&ldquo; (in der Politik) insgesamt das noch nicht zureichend bewusst.</p>
<p><strong>Andere Lage, viel mehr Chancen</strong></p>
<p>Die sicherheitspolitischen Gro&szlig;lagen sind h&ouml;chst besorgniserregend, schwer zu fassen, k&ouml;nnen einen deprimieren.</p>
<p>Aber: Verglichen mit der Zeit von Tresckows sind unsere Wirkungsfreiheiten, unsere Wirkungsm&ouml;glichkeiten und Chancen doch ganz andere!</p>
<p>Ein Beispiel: Der Tag des Peacekepers am 26. Juni in Berlin. Die Staatsekret&auml;re vom Verteidigungsministerium., Ausw&auml;rtigen Amt und Bundesinnenministerium ehrten je drei SoldatInnen, PolizistInnen und Zivilexperten stellvertretend f&uuml;r all die vielen Frauen und M&auml;nner, die im Auftrag von Bundesregierung und Bundestag in internationalen Friedenseins&auml;tzen dienen.</p>
<p>Bei solchen Feierstunden kommen so viele Friedenspraktiker zusammen wie sonst wohl bei keiner anderen Gelegenheit:</p>
<p>Profis auf ihren Feldern, prinzipienorientierte Realisten mit langem Atem und Respekt vor den Einheimischen, freie, couragierte Staatsb&uuml;rger in verschiedenen Uniformen und Zivil, Hoffnungstr&auml;ger und Mutmacher. Und von solchen Menschen haben wir nicht einige Dutzend, sondern Zehntausende!</p>
<p>Wir, die deutsche Gesellschaft, sollten sie viel mehr wahrnehmen, sp&uuml;rbar anerkennen und auch zu Rate ziehen.</p>
<p>Generalmajor Henning von Tresckow kann gerade f&uuml;r diese Menschen wichtiges Vorbild sein. Dass das Einsatzf&uuml;hrungskommando der Bundeswehr unter seinen Befehlshabern das Erbe von Henning von Tresckow weiter tr&auml;gt, ist ein hervorragendes und ermutigendes Zeichen. Daf&uuml;r danke ich Ihnen, General Pfeffer, und Ihren, General Glatz als fr&uuml;herem Befehlshaber sehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em><span style="text-decoration: underline;">Anmerkungen</span></em></strong></p>
<p><em>(a) Nach der Blomberg-Fritsch-Krise: Von Tresckow war &uuml;ber das Verhalten der Generalit&auml;t in der Krisen schwer entt&auml;uscht und entmutigt. Zusammen mit seinem Regimentskameraden Graf Baudissin suchte er General von Witzleben, hochangesehener Befehlshaber im Wehrkreis III Berlin, zu einem Gespr&auml;ch auf. &bdquo;Offen trug Tresckow seine Bedenken und Sogen vor. Witzleben fragte ihn, ob er meine, dass die Heeresf&uuml;hrung w&auml;hrend der Fritsch-Aff&auml;re h&auml;tte aufbegehren sollen. Tresckow und Baudissin bejahten &bdquo;Schritte gegen das Regime&ldquo;. In diesem Falle . so Witzlebens Antwort &ndash; w&auml;re es besser, wen sie er Armee nicht den R&uuml;cken kehrten. (&hellip;) Er k&ouml;nne nur in Andeutungen sprechen, aber mit der Gestapo und der SS, den ruchlosen Drahtziehern der Krise, w&uuml;rde abgerechnet. Es best&uuml;nden Pl&auml;ne f&uuml;r eine Aktion, und wer bei ihr seinen Part spielen wolle, d&uuml;rfe nicht vorzeitig ausgeschieden sen.&ldquo; (Scheurig S. 68) Tresckow und Baudissin zogen sich also nicht zur&uuml;ck, sondern blieben, um &uuml;berhaupt wirken zu k&ouml;nnen.</em></p>
<p><em>(b) In den fast f&uuml;nf Jahren zwischen Kriegsbeginn und 20. Juli 1944 kamen etwa 2,8 Millionen Deutsche im Krieg um`s Leben. In den kaum zehn Monaten bis Kriegsende waren es 4,8 Millionen. Der Durschnitt der t&auml;glichen Opfer lag in der Zeit vor dem Attentatsversuch bei 1.588, nachher bei 16.641. Joachim Fest, Das tragische Verm&auml;chtnis, in: Grabner, R&ouml;der, S. 153</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Weitere Informationen</span></em></p>
<p><em>- Pressemitteilung des <strong>Innenministeriums des Landes Brandenburg</strong> vom 19.07.2018: <a href="https://mik.brandenburg.de/media_fast/4055/PM_073_Tresckow_Gedenktag.pdf">https://mik.brandenburg.de/media_fast/4055/PM_073_Tresckow_Gedenktag.pdf</a></em></p>
<p><em>- W.N., Rede &bdquo;Anst&ouml;&szlig;e zum Erinnern und Nachdenken; <strong>M&uuml;nster, Riga, Stalingrad, M&uuml;nchen</strong>&ldquo; beim 3. Forum Sanit&auml;tsakademie (der Bundeswehr) unter dem Oberthema &bdquo;Freiheit, Gewissen, Zivilcourage&ldquo; am 5. Juli 2018 in M&uuml;nchen <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1535">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1535</a></em></p>
<p><em>- W.N. Bericht von der Er&ouml;ffnung der <strong>Gedenkst&auml;tte Malyj Trostenez bei Minsk</strong>/Wei&szlig;russland am 29. Juni 2018, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1534">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1534</a></em><em>&nbsp; </em></p>
<p><em>- W.N., <strong>Gedenken an Henning von Tresckow</strong>, &bdquo;Kopf und Herz des milit&auml;rischen Widerstandes gegen Hitler: Vorbild f&uuml;r Staatsb&uuml;rger in Uniform wie in Zivil, Bericht von der Gedenkveranstaltung 2012, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1149">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1149</a></em><em>&nbsp;</em></p>
<p><em>- W.N., Fast gelungene Kriegspr&auml;vention: &bdquo;<strong>ELSER &ndash; Er h&auml;tte die Welt ver&auml;ndert&ldquo;</strong>, zum Film &uuml;ber Georg Elser, der am 8. November 1938 Hitler beinahe im M&uuml;nchner B&uuml;rgerbr&auml;ukeller get&ouml;tet h&auml;tte</em></p>
<p><em>- <strong>Henning von Tresckow &ndash; Ich bin, der ich war</strong>, hrsg. von Sigrid Grabner und Hendrik R&ouml;der, Texte und Dokumente, Berlin 2001 </em></p>
<p><em>- Bodo Scheurig, Henning <strong>von Tresckow &ndash; ein Preu&szlig;e gegen Hitler</strong>, Biographe, Berlin 2004 (unver&auml;ndert gegen&uuml;ber der Erstauflage 1973) </em></p></div>


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