Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren - Gedenkfeier der Stadt Marl mit Riga-Vortrag - Ehrung für Josef Niebur in Bocholt

Von: Nachtwei amSa, 31 Januar 2015 14:33:14 +01:00

Zwei sehr gut besuchte, bewegende Veranstaltungen in den Rathäusern von Marl (mit einem Überlebenden der Riga-Deportation) und Bocholt (für einen "stellvertretenden Zeitzeugen").



Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren –

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus –

Gedenkfeier der Stadt Marl – Ehrung für Josef Niebur in Bocholt

Vor genau 70 Jahren, am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Sie retteten 8.000 Häftlingen, deren Erschießung befohlen war, das Leben. Vor genau 73 Jahren verließ ein Zug mit 938 jüdischen Menschen aus dem nördlichen Ruhrgebiet, davon sieben aus Marl, den Hauptbahnhof Dortmund Richtung „Reichsjudenghetto“ Riga im deutsch besetzten Lettland.

Die Gedenkfeier der Stadt Marl im Großen Sitzungssaal des Rathauses stand unter dem Thema „Nachbarn von nebenan – Spuren in Riga“. In dem Ökumenischen Gottesdienst vor der Gedenkfeier schlugen die Pfarrer Herbert Roth und Ulrich Walter den Bogen zur Gegenwart, insbesondere zur aktuellen Flüchtlingspolitik und dem Massensterben im Mittelmeer.

An der Gedenkfeier nahm auch der 90-jährige Rolf Abrahamsohn teil, der zusammen mit seiner Mutter Else von Recklinghausen über Dortmund nach Riga deportiert worden war und als einziger der Marler Juden Riga überlebte. Eingerahmt von Gesangstücken der „FrauenInTakt“ unter Leitung von Brigitte Braunstein begrüßten die Integrationsbeauftragte Jennifer Radscheid und Bürgermeister Werner Arndt die zahlreich erschienenen Gäste, unter ihnen etliche SchülerInnen und Ratsmitglieder. Jugendliche berichteten von ihrer Gedenkstättenfahrt nach Riga im letzten Herbst gemeinsam mit Bürgermeister Arndt. Nach meinem Vortrag „Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga“ präsentierten zwei Schülerinnen ihre Recherchen zu Neonazi-Propaganda im Marler Alltag.

Ankündigung der Gedenkfeier (mit Videoclips W. Nachtwei zur Entstehung des Riga-Komitees, Pfarrer i.R. Dr. Ferdinand Kerstiens über Versöhnungsfahrt nach Riga)

http://www.lokalkompass.de/marl/politik/spurensuche-im-kz-riga-gedenkfeier-fuer-opfer-des-des-nationalsozialismus-im-marler-rathaus-d509476.html

Videoclips (14) von der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus  in Marl von Siegfried Schönfelder, darunter meine Rede „Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga“:

https://www.youtube.com/watch?v=srMLRjLm_jQ

Verleihung der Vestischen Ehrenbürgerwürde im Kreis Recklinghausen an Rolf Abrahamsohn  https://siggimarl.wordpress.com/tag/rolf-abrahamsohn/

Am Vorabend im Alten Rathaus von Bocholt Verleihung der

Silbernen Ehrennadel der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Westmünsterland an Josef Niebur

Das Münchner Olympia-Attentat von 1972 war für Josef Niebur der Anstoß, sich an die Aufarbeitung der Geschichte der Juden in Bocholt, dem Westlichen Münsterland und deutsch-niederländischen Grenzland zu machen. Seit 1991 bin ich Josef Niebur vor allem im Rahmen der Riga-Nachforschungen immer wieder begegnet. Dabei lernte ich seine Ausdauer, Akribie, sein enormes Engagement und seine herzliche Art kennen und hoch schätzen.

Nach der Begrüßung durch Wolfgang Buschfort, Vorsitzenden der DIG Westmünsterland, und Bürgermeister Peter Nebelo hielt Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, die Laudatio auf Josef Niebur – und nach der Verleihung der Ehrennadel noch eine Ansprache zum 27. Januar. Als die vielen erschienenen Gäste Schlange standen, um Josef Niebur zu gratulieren, war zu sehen, welch herzliches Ansehen Josef in Bocholt und Umgebung genießt. Wie er seit Jahren von etlichen Bürgerinnen und Bürgern freundschaftlich unterstützt wird, angefangen bei Hermann Oechtering, empfinde ich als menschliches Glanzstück. Bericht und Bilder von der Veranstaltung

http://www.bocholt.de/rathaus/nachrichten/artikel/ehrung-silberne-ehernnadel-fuer-josef-niebur/?type=98&cHash=6f21e2421b6815343289f5bcae5968bb&print=1&no_cache=1

W. Nachtwei, 31. Januar 2015