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Erinnerungsarbeit
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"Schuhe von Toten" - Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum Dresden - Katalogbeitrag zum Riga-Komitee

Veröffentlicht von: Nachtwei am 10. Februar 2014 11:50:55 +02:00 (7650 Aufrufe)

Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Majdanek/Lublin und im Kontext des Gedenkens an die Bombardierung Dresdens am 13. Februar zeigt das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden die Sonderausstellung "Schuhe von Toten - Dresden und die Shoa". Die erste Deportation Dresdner Juden ging nach Riga. Im Ausstellungskatalog mein Beitrag zum Deutschen Riga-Komitee und zu inzwischen 24 Jahren Erinnerungsarbeit zum Ghetto Riga. 

Eindringliche Sonderausstellung „Schuhe von Toten –

Dresden und die Shoa“ im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr - im Ausstellungskatalog auch mein Beitrag über das Deutsche Riga-Komitee

Anlass der Dresdner Sonderausstellung ist der 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Majdanek in Lublin am 23. Juli 1944 und der International Holocaust-Gedenktag der UN am 27. Januar. (www.mhmbw.de/sonderausstellungen/schuhe-von-toten ) Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) setzt damit zugleich bewusst und wiederholt ein Zeichen im Kontext des Gedenkens an die Bombardierung Dresdens am 13. Februar. Die vorherigen Sonderausstellungen waren 2012 „Krieg – Fotografien von James Nachtwey“ und 2013 „Rechtsextreme Gewalt in Deutschland 1990 bis 2013“. Die Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden, Helma Orosz, hat die Schirmherrschaft über die diesjährige Ausstellung, die bis zum 25. März läuft. Die Regionalpresse berichtete ausführlich, z.B. www.bild.de/regional/dresden/holocaust/holocaust-ausstellung-34406926.bild.html

Hintergrund: In der Dauerausstellung des Dresdner Museums befinden sich 60 Schuhe aus Majdanek – Halbschuhe, Kinderschuhe, Arbeitsschuhe, Pumps. In dem KZ waren nach der Befreiung 820.000 Paar Schuhe aus Majdanek und anderen Vernichtungslagern gefunden worden.

Am 3. November 1943 wurden in Majdanek 18.000 Menschen bei der Aktion „Erntefest“ erschossen. 300 Frauen mussten die Schuhe der Ermordeten sortieren, unter ihnen ein zwölfjähriges Mädchen. Das namenlose Mädchen verfasste ein Gedicht, das Mitgefangene auswendig lernten. Das Mädchen wurde später ermordet, sein Gedicht wurde weitergetragen und erst bei einer Zeugenvernehmung 1972 verschriftlicht. Beim Majdanek-Prozesses in Düsseldorf (1975-1981) wurde es als Beweismittel zu den Akten genommen.

Schuhe von Toten:

„Auf leeren Plätzen,

wie mit Spinnweben gefesselt von Drahtnetzen,

wachsen Schuhhaufen, Schuhe von Toten:

kleine Schuhe, Kinderschuhe, Herrenschuhe, Mädchenschuhe.

Es leuchten mit schwarzen Augen

Schlanke Reitstiefel mit Schäften,

Damenstiefel aus Safian

Haben ihre geheimnisvolle Sprache.

Der Regen fließt lautlos über sie hin, wie Tränen,

die Sonne verbrennt sie.

Nervöse, zitternde Hände sortieren sie,

es wachsen die Haufen, Haufen wie Kolosse,

bis sie zur Pyramide anwachsen,

sich selbst überwachsen,

und als enorme Säule in den Himmel stoßen

mit dem Geschrei: Warum, warum, warum?“

Der französische Künstler Pascal Burq erfuhr zufällig von den Schuhen und dem Gedicht. Es inspirierte ihn zu drei großformatigen Gemälden.

Die Ausstellung: Zusammen mit dem Gedicht bilden sie den Rahmen der Ausstellung „Schuhe von Toten“. Mit 33 Biographien und Familiengeschichten bekommen die zahllosen Verfolgten, Ermordeten, Verschollenen wieder Gesichter: der Maler Bruno Gimpel; die Familie Weiss; die Familie Chotzen mit ihren vier Söhnen (Erich wurde mit seiner Frau Ilse nach Riga deportiert); die Modezeichnerin Ruth Jahrreiß und ihr Mann Otto, einem Anwalt; Arthur Chitz, Musikdirektor am Schauspielhaus, und seine Frau Gertrud (im Januar 1942 nach Riga deportiert und dort ums Leben gekommen); der Mediziner Heinrich Conradi. Am 12. Februar 1944 erhielten die letzten noch in Dresden lebenden jüdischen Menschen einen Deportationsbefehl für den 16. Februar, darunter die vierjährige Myriam Berger und der zehnjährige Heinz-Joachim Aris. Bei den alliierten Luftangriffen vom 13.-15. Februar wurde der Sammelpunkt an der Zeughausstraße zerstört. Etliche, auch Hans-Joachim mit Vater und Bruder und Henny Brenner mit ihren Eltern, konnten untertauchen. (Großmutter Recha Aris war am 21. Januar 1942 nach Riga deportiert worden) Myriam S., geb. Berger, lebt heute in Münster.

Katalog zur Ausstellung, herausgeben von Gorch Pieken und Matthias Rogg, Sandstein-Verlag, 334 S., 20 Euro, mit

Beiträgen von

Helma Orosz (OB): Grußwort; Matthias Rogg (Oberst, Direktor MHM): Vorwort; Gorch Pieken Wissenschaftlicher Direktor MHM): Einleitung

Ralph Giordano: Von der Unteilbarkeit der Humanitas

Jens Wehner (MHM): Die Operation „Bagration“ – Der Beginn des Kriegsendes (sowjetische Großoffensive ab 22. Juni 1944 in Weißrussland, in deren Folge die Wehrmacht ihre schwerste Niederlage in 1944 erlitt und Majdanek als erstes KZ befreit wurde)

Tomasz Kranz (Direktor der Gedenkstätte Majdanek): Majdanek – Das deutsche Konzentrationslager in Lublin

Winfried Nachtwei: Das Deutsche Riga-Komitee – Die Bedeutung Rigas im kollektiven Gedächtnis der Deutschen

Alfred Gottwald (Dt. Technikmuseum Berlin): Dresden, eine Drehscheibe der „Judendeportationen“ im Zweiten Weltkrieg?

Mike Schmeitzner: Den Tätern auf der Spur – Dresden und der Nationalsozialismus

Hannes Heer: Die Zerstörung der Dresdner Theater von 1933-1945

Linda von Keyserlingk: Victor und Eva Klemperer in Dresden 1933-1945

Heidrun Hannusch (Journalistin): Begegnungen

Regina Scheer: „Stille Helden“ in Dresden

Interviews, Dokumente und Projekte

Heidrun Hannusch: „So fing es an und so ging es weiter“

Manfred Ogrodek: Einer von vielen

Pascal Burq im Gespräch mit Gorch Pieken

Iris Berben im Gespräch mit Christoph Amend (Chefredakteur ZEIT-Magazin)

Hildegard Hamm-Brücher im Gespräch mit Heidrun Hannusch

Jan Kindler: Begleitprogramm

 

Dresden und Riga

Die Deportation Dresdner Juden in die Lager des Ostens begann am 21. Januar 1942 mit einem Sonderzug nach Riga. Gestartet war der Zug in Brauschweig mit ca. 150 Juden in drei Waggons. In Leipzig kamen 563 Juden in 12 Waggons dazu. Am Neustädter Güterbahnhof kamen schließlich 224 Menschen (vielleicht 250) aus dem Regierungsbezirk Dresden hinzu.

Zu ihnen gehörten  auch der elfjährige Manfred Ogrodek mit seinem Vater und seinem sechsjährigen Bruder: Ghetto, Riga-Mühlgraben, KZ Stutthof. Als er von russischen Soldaten befreit wird, wiegt er noch 20 Kilo. Als Sechszehnjähriger schreibt er alles auf, 28 Schreibmaschinenseiten mit dem Titel „EINER VON VIELEN 96334“: „So war es, Tod vorne, Tod hinten, keine Ruhe, ein Gefangener.“

Der Bericht von Manfred Ogrodek wird erstmalig im Ausstellungskatalog veröffentlicht.

Dem Deutschen Riga-Komitee trat die Stadt Dresden am 15. Mai 2003 bei.

Mein Katalogbeitrag „Das Deutsche Riga-Komitee – Die Bedeutung Rigas im kollektiven Gedächtnis der Deutschen“ schildert erstmalig zusammenfassend, wie nach fast fünf Jahrzehnten des Vergessens und Verdrängens ab Anfang der 90er Jahre Erinnerung an das Ghetto Riga und an die dorthin deportierten Menschen aufbrach. Das im Mai 2000 von 13 deutschen Großstädten und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gegründete Riga-Komitee wurde zu einem in der deutschen Erinnerungs- und Gedenkkultur einzigartigen Zusammenschluss mit jetzt 50 Mitgliedsstädten. Vor dem Hintergrund der Spurensuche und Erinnerungsarbeit engagierter BürgerInnen und Organisationen entstanden Brücken der Erinnerung über politische und Landesgrenzen hinweg und zwischen Generationen. 

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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