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Stalingrad vor 70 Jahren - eine Division aus Münster + Westfalen, Speerspitze im Vernichtungskrieg, vernichtet in Stalingrad - Zusammenstellung von W. Nachtwei

Veröffentlicht von: Nachtwei am 28. Januar 2013 15:00:14 +02:00 (12453 Aufrufe)

Die 16. Panzer-Division aus Münster erreichte am 23. August 1942 als erste die Wolga bei Stalingrad. 128 ihrer Männer kehrten nach Jahren aus der Hölle zurück. Die Erinnerung daran ist zwiespältig, sperrig, aber nötig. Der 70. Jahrestag der Kapitulation der 6. Armee am 31. Januar/2. Februar 1943 schien bisher wenig öffentliche Beachtung zu finden. Meine Zusammenstellung von Auszügen aus der Divisionsgeschichte, aus dem Werk von Antony Beevor und vor allem aus Theodor Pliviers - vergriffenen - Dokumentar-Roman "Stalingrad" von 1945 (!) geben einen Einblick in den damaligen Wahnsinn von Vernichtungskrieg, blindem Gehorsam, Verlorenheit und Selbstvernichtung.

Stalingrad vor 70 Jahren

16. Panzer-Division aus Münster:

Speerspitze im Vernichtungskrieg, vernichtet in Stalingrad

zusammengestellt von Winfried Nachtwei, MdB a.D., Vorstandsmitglied

„Gegen Vergessen - Für Demokratie" (Januar 2013)

In diesen Wochen vor 70 Jahren tobte und brannte die Hölle von Stalingrad, verbluteten, erfroren, verreckten Abertausende deutsche, rumänische und sowjetische Soldaten. Im Norden des Kessel ging eine Division zugrunde, die aus Westfalen stammte: die 16. Panzer-Division, die im August 1940 aus der 16. Infanterie-Division (Münster) und dem Panzerregiment 2 aus Eisenach entstanden war. Das Denkmal der 16. Panzer-Division steht - von den wenigsten wahrgenommen - am Kalkmarkt jenseits des Parkplatzes hinter „Zigarren Lammerding". Über Jahrzehnte trafen sich ehemalige Soldaten der 16. Panzer- und Infanterie-Division immer wieder in Münster, dem ursprünglichen Sitz des Divisionsstabes. In den 90er Jahren versäumte ich, ihre letzten Zeitzeugen zu befragen.

Die 16. Panzer-Division galt als „Speerspitze der 6. Armee". Sie erreichte als erste am 23. August 1942 die Wolga nördlich Stalingrad. Schon Mitte November lagen die Leichen von über 4.000 ihrer Männer auf dem Divisionsfriedhof an der Bahnstrecke Nord-Stalingrad - Frolow. Nur 128 ihrer Soldaten kehrten nach Jahren der Gefangenschaft wieder in die Heimat zurück. Mit dem Tod der letzten Divisionsangehörigen scheint die Erinnerung an diese Division und ihre furchtbare wie mahnende Kriegsgeschichte zu verwehen. Erinnern an Soldaten, die- gezwungen oder überzeugt -  Mitmarschierer und Mittäter waren und Opfer wurden, ist zwiespältig, fällt schwer. Mit den folgenden Materialien will ich einige Anstöße zur Erinnerung geben. In Stalingrad fiel der deutsche Angriffs- und Vernichtungskrieg auf seine militärischen Wegbereiter, Mitmarschierer, Macher, vor allem auf die einfacheren Soldaten zurück. Es war eine in jeder Hinsicht verlorene Armee, sich auflösend im Strudel des Untergangs. In ihrem absoluten, blinden Gehorsam und ihrer Realitätsverleugnung wurden Generale, eine ganze militärische Führung zum Henker der eigenen Soldaten.

Quellen:

- Antony Beevor: Stalingrad, (1998), München (Goldmann) 2001 (auch ausführlich zur Seite der Roten Armee und Zivilbevölkerung)

- Jochen Hellbeck: Die Stalingrad-Protokolle - Sowjetische Augenzeugen berichten aus der Schlacht, Frankfurt/M. (Fischer) 2012

- Theodor Plivier: Stalingrad, Roman, Berlin-Ost 1946, zuletzt Kiepenheuer & Witsch Taschenbuch, Köln 1983, 1996, 2001, 2. Auflage 2011, mit Nachwort von Hans-Harald Müller (Der antimilitaristische Schriftsteller Plivier war als Nicht-KPD-Mitglied seit 1934 in der Sowjetunion im Exil. Er konnte deutsche Feldpostbriefe und Tagebücher, die der Roten Armee in die Hände gefallen waren, auswerten und ausführlich deutsche Kriegsgefangene aller Dienstgrade interviewen. Der dokumentarische Roman gilt als besonders authentisch. „Stalingrad" wurde schon 1943/44 in einer deutschsprachigen Moskauer Exilzeitschrift veröffentlicht. Nach dem Krieg wurde er in über zwanzig Sprachen übersetzt und erreichte eine Weltauflage von mehr als zwei Millionen. Im Berliner Rundfunk wurde der Roman voll vorgelesen und auch als Wandzeitungsroman verbreitet. Ende der 40er Jahre war es das meistrezensierte Buch nach Thomas Manns „Doktor Faustus". Nach Pliviers Flucht aus der sowjetischen Besatzungszone 1947 geriet der Roman dort über Jahrzehnte „in Vergessenheit". In Westdeutschland warnte 1963 der damalige Generalinspekteur Foertsch, ein auf dem Roman basierender Fernsehfilm könne die Soldaten in ihren Aufgaben zur Verteidigung der demokratischen Freiheiten beirren. Plivier diffamierte er als kommunistischen Autor, den Roman als sowjetische Auftragsarbeit.)

- Wolfgang Werthen: Bildband der 16. Panzer-Division, Bad Nauheim 1956

- Ders.: Geschichte der 16. Panzer-Division 1939-1945, hrsg. vom Kameradschaftsbund 16. Panzer- und Infanterie-Division, Kameradenhilfswerk e.V., Bad Nauheim (Podzun) 1958

- Wolfram Wette/Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Stalingrad - Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht, Frankfurt (Fischer) 2012

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Gorch Pieken/Matthias Rogg/Sven Wehner (Hrsg.): Stalingrad - eine Ausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden, Begleitband und Katalog, Sandstein Verlag Dresden 2012, hier: Autor/MHM-Katalog (Die vom 14.12.2012 bis 30.04.2013 laufende Sonderausstellung ist einzigartig: Neben dem militärischen Verlauf veranschaulicht die Ausstellung die individuellen Erlebnisse der Soldaten beider Seiten, die Kriegsverbrechen der deutschen Truppen, die Auswirkungen der Schlacht auf die Zivilbevölkerung und die Rezeptionsgeschichte der Schlacht. Die Hälfte der über 500 Objekte stammen aus russischen Museen und Sammlungen! Dass diese Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr stattfindet, ist - gerade im Rückblick auf den Umgang militärischer Traditionalisten mit Stalingrad in früheren Jahrzehnten - eine hoffnungsvolle und starke Botschaft. Besuch und Katalog sind DRINGEND ZU EMPFEHLEN!)

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(1) Erste Jahre:

1939 lagen Verbände der 16. Infanterie-Division in Münster (Stab, Teile Inf.Rgt. 79, Teile Art.Rgt. 52), Rheine, Hamm, Soest, Lüdenscheid, Arnsberg, Dortmund, Minden. Im Mai 1940 nahm die Division teil am Kriegszug durch Luxemburg, Belgien nach Frankreich. Im Juli wurden ihre rückkehrenden Verbände in den Heimatgarnisonen (in Münster auf dem Prinzipalmarkt) bei Paraden bejubelt. Danach erfolgte die Teilung der Division: Aus der Masse der 16. I.D. entstand zusammen mit dem Panzerregiment 2 der 1. Pz.Div. die 16. Pz.Div.; als „Panzer-Lehr-Division" in Rumänien, im März 1941 im Kontext des Balkankriegszuges nach Bulgarien.

(2) Angriff auf die Sowjetunion:

Umfang der deutschen Angriffskräfte 81 Infanterie-Divisionen, 17 Panzer- und 15 mot. Divisionen, 9 Polizei- und Sicherungsdivisionen, insgesamt 3.050.000 deutsche Soldaten, zusammen mit verbündeten Armeen sogar vier Millionen, 3.350 Panzer, über 2.000 Flugzeuge - die größte Angriffsstreitmacht der Geschichte. Die 16. Pz.Div. gehörte zur Heeresgruppe Süd mit der 6. und 7. Armee und der Panzergruppe v. Kleist. (Eine Armee umfasste um 100.000 Mann, eine Division 10.-20.000 Mann)

Am 24. Juni 1941 überschritt die 16. Pz.Div. (III. Pz.Korps) die sowjetische Grenze bei Sokal-Krystinopol am Bug. Stationen:

- Uman-Kessel August 1941: 15 sowjetische Divisionen vernichtet, 100.000 Gefangene.

- Am 16./17. August 1941 eroberte die 16. Pz.Div. Nikolajew am Schwarzen Meer, Allein von den 2.400 Soldaten des Regiments 64 waren inzwischen 269 gefallen und 714 verwundet.

- Kesselschlacht bei Kiew im September 1941: „Das XI. Korps trieb die Russen von Südwesten her der 16. Pz.Div. vor die Rohre. (...) Die Kompanien umgingen keine Ortschaften mehr; sie säuberten Dorf für Dorf." Nach der Schließung des Kessels am 24. 9.: „Insgesamt wurden 51 russische Divisionen vernichtet, 665.000 Gefangene eingebracht." (Werthen 1958, S. 65 ff.)

- Schlacht am Asowschen Meer September/Oktober 1941: 100.000 Gefangene.

- Schlacht um Rostow im November 1941, erstmaliger Rückzug auf breiter Front.

- Mius-Stellung: Kompanien der Division umfassen durchschnittlich noch 40 Mann, 50% der Gefechtsfahrzeuge ausgefallen. Das Regiment 64 hatte seit 22.6. 1.662 Ausfälle, 406 Tote, 1.232 Verwundete, 34 Vermisste.

- Charkow-Kessel im Mai 1942: allein 31.500 Gefangene durch die 16. Pz.Div., eigene Verluste 700 Mann, insgesamt 240.000 Gefangene. Die 16. Pz.Div. gehört jetzt mit dem XIV. Panzerkorps zur 6. Armee.

- Kämpfe am Großen Donbogen im Juli 1942, Panzerschlacht von Kalatsch: 8.300 sowjetische Gefangene, 275 Panzer zerstört. Von 13.000 Soldaten der sowjetischen 181. Schützendivision können nur 105 über den Don entkommen. „1.000 Panzer waren der Division seit dem 22. VI. 41 zum Opfer gefallen." (Werthen 1958, S. 104)

„Bis zum Februar 1942 waren von den etwa 3,3 Millionen sowjetische Soldaten, die bis dahin  in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, rund zwei Millionen gestorben - verhungert, erfroren, von Seuchen hingerafft und erschossen." Reinhard Rürup (Hrsg.): Der Krieg gegen die Sowjetunion 1941-1945, Berlin 1991, S. 108) Von den insgesamt 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg starben bis 1945 über drei Millionen.

(3) Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg:

Beevor (S. 33): Das Hauptquartier der 6. Armee arbeitete „beinahe auf dem gesamten Vormarsch von der Westgrenze der Ukraine bis nach Stalingrad mit dem SS-Sonderkommando 4a zusammen, das im Rücken dieser Verbände sein Unwesen trieb. Und die Stabsoffiziere waren sich der Aktivitäten dieser SS-Einheiten nicht nur sehr wohl bewusst, sondern sie stellten auch Einheiten zur Verfügung, die dabei halfen, Juden in Kiew zusammenzutreiben und sie in die Todesschlucht von Babij Yar zu transportieren." Bei diesem größten Massaker in der besetzten Sowjetunion am 29./30. September 1941 wurden mehr als 33.000 Menschen ermordet. (Verantwortlicher Planer war der Höhere SS- und Polizeiführer Russland Süd Friedrich Jeckeln, vormals HSSPF West in Düsseldorf, ab Oktober 1941 HSSPF Ostland und Russland Nord in Riga. Hier organisierte er die Ermordung von 27.000 Rigaer Juden am 30.11. und 8.12.1941.) Die Propagandakompanie 637 der 6. Armee „druckte die Plakate für einen Sammlungsaufruf an die Juden von Kiew. (..) Das Pionierbataillon 113 sprengte nach dem Massaker die Wände der Schlucht, um die Leichen zu begraben." (Jens Wehner/MHM-Katalog S. 18) Beide Einheiten wurden in Stalingrad vernichtet. Unmittelbar nach den Frontruppen erreichte am 17. August das Sonderkommando 11a von Sicherheitspolizei und SD Nikolajew. Bis zum 31. August wurden ca. 5.000 der ungefähr 20.000 jüdischen Einwohner Nikolajews ermordet.

Am 22. August wurden in Belaja Zerkow 90 jüdische Waisenkinder mit ausdrücklicher Billigung des Befehlshabers der 6. Armee, Generalfeldmarschall von Reichenau, erschossen.

Am 10. Oktober 1941 erließ von Reichenau den Befehl über das „Verhalten der Truppe im Ostraum". Der Soldat habe zweierlei zu erfüllen:

die völlige Vernichtung der bolschewistischen Irrlehre, des Sowjet-Staates und seiner Wehrmacht; die erbarmungslose Ausrottung artfremder Heimtücke und Grausamkeit und damit die Sicherung des Lebens der deutschen Wehrmacht in Russland. Nur so werden wir unserer geschichtlichen Aufgabe gerecht, das deutsche Volk von der asiatisch-jüdischen Gefahr ein für allemal zu befreien." Dadurch „entstehen auch für die Truppe Aufgaben, die über das hergebrachte einseitige Soldatentum hinausgehen. Der Soldat ist im Ostraum nicht nur Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch Träger einer unerbittlichen völkischen Idee und der Rächer für alle Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem Volkstum zugefügt wurden. Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten, aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben." Der Befehlshaber der Heeresgruppe Süd, Feldmarschall von Rundstedt, unterstütze den Befehl voll und ganz.

(4) Schlacht um Stalingrad:

Werthen (1958, S. 106): Erste Wehrmachtsdivision an der Wolga: „In der Nacht zum Sonntag, dem 23. VIII., überschritt die 16. Pz.Div. an der Spitze des XIV. Pz.Korps die 140 m lange Pontonbrücke über den Don. Um 4.30 Uhr brachen die Panzer der KG Sieckenius wie auf dem Exerzierfeld in breitem Keil aus dem Brückenkopf heraus, dicht gefolgt von KG Krumpen und v. Arenstorff. Links rollte die 3., rechts die 60. I.D. (mot.) nach Osten. (...) Nach hartem Gefecht überwand die 16. Pz.Div. den Tatarengraben und überquerte südlich Kotluban die Bahnlinie Frolow-Stalingrad. Eisenbahnzüge gingen in Flammen auf. (...) Am frühen Nachmittag erblickten die Kommandanten der Panzer am Horizont rechts drüben die imposante Silhouette der Stadt Stalingrad, die sich 40 km lang an der Wolga hinstreckte. Fördertürme und Schlote, Hochhäuser und Türme sahen aus den Qualmwolken der Brände hervor. (...) Gegen 15.00 Uhr kam feindliches Feuer auf. Von den nördlichen Vorstädten, Spartakowka mit seinem Traktorenwerk, Rynok und Lataschinka stand russische Flak, von Frauen bedient. Sie empfingen die Angreifer mit ihren Granaten. Geschütz für Geschütz mussten 37 Feuerstellungen von Pz.Abt. v. Strachwitz und II/64 niedergekämpft werden."

Beevor (S. 129 ff.): Der 23. August wird für die Musterstadt Stalingrad und ihre Bewohner zum Inferno. Dem Angriff der 6. Armee voraus geht der Angriff der Luftflotte 4 unter General von Richthofen. Seine Flieger „begannen staffelartig mit dem Abwurf von Bombenteppichen nicht nur auf industrielle Ziele, sondern auf alles. (...) Brandbomben gingen auf die Holzbauten im Südwesten der Stadt nieder. Die Häuser dort verbrannten vollständig. (...) Die großen Öltanks an der Wolga wurden ebenfalls getroffen. Ein Flammenball schoss etwa 500 m hoch in den Himmel, und während der folgenden tage konnte man aus einer Entfernung von mehreren hundert Kilometern die schwarze Rauchsäule sehen. Bomben zerstörten das Telefonamt sowie das Wasserwerk, und selbst das Hauptkrankenhaus von Stalingrad wurde von einer reihe von Bomben getroffen. (..) Der Luftüberfall auf Stalingrad war der konzentrierteste an der Ostfront überhaupt. (..) Die Staffeln der Luftflotte 4 flogen an jenem Tag insgesamt 1.600 Einsätze und warfen 1.000 to Bomben ab, wobei sie nur drei Maschinen verloren. Einigen Schätzungen zufolge haben sich in Stalingrad zu diesem Zeitpunkt fast 600.000 Menschen aufgehalten, 40.000 wurden in den ersten Wochen der Bombenangriffe getötet."

(General von Richthofen war Befehlshaber der Legion Condor, die 1937 die spanische Stadt Guernica zerstörte. Sein VIII. Fliegerkorps zerstörte im April 1941 Belgrad und tötete 17.000 Zivilisten. Die MHM-Ausstellung zeigt auch die 1921 geb. Jagdfliegerin Lidja W. Litwjak, die im September 1942 den ersten deutschen Bomber über Stalingrad abschoss. „Als sie Mitte 1943 tödlich abgeschossen wurde, war sie mit mindestens elf Luftsiegen die erfolgreichste Jagdfliegerin der Roten Armee." MHM-Katalog S. 296. Insgesamt gab es in der Roten Armee drei rein weibliche Flugregimenter.)

Nachdem die 16. Pz.Div., der „Rammbock des XIV. Panzerkorps", nahezu ungehindert fast 40 km über die Steppe vorgestoßen war, empfing sie an der Nordwestecke Stalingrads wildes Flakfeuer. „Der Widerstand erfolgte von jenen Batterien, die von jungen weiblichen Freiwilligen bedient wurden, die kaum die höhere Schule verlassen hatten." Nur wenige hatten das vorher geübt, keine war darin ausgebildet. (Ergänzender Hinweis bei der MHM-Ausstellung: Arbeiter des Traktorenwerkes hätten mit 60 neuen T 34 verhindert, dass die 16. Pz.Div. handstreichartig in die Stadt eindringen konnte. MHM-Katalog S. 41))

„Im nördlichen Industrievorort Spartakowka wurden schlecht bewaffnete Bataillone der Arbeitermiliz mit vorhersehbaren Ergebnissen gegen die 16. Pz.Div. in den Kampf geschickt. Studenten der Technischen Universität, die an der nördlichen Flanke der Stadt Gräben aushoben, fuhren auch dann mit ihrer Arbeit fort, als sie bereits von der 16. Pz.Div. unter Feuer genommen wurden."

Die Geschütze der 16. Pz.Div. beschossen Schiffe auf der Wolga, versenkten in wenigen tagen sieben Flussschiffe, darunter einen „Raddampfer, der Frauen und Kinder von der Stadt zum Ostufer brachte."

Septemberkämpfe (170 ff.) um den Mamai-Hügel, das Getreidesilo an der Wolga, den Hauptbahnhof, der in fünf Tagen fünfzehnmal den Besitzer wechselte. „Rattenkrieg": Die Schlacht von Stalingrad brachte „eine vollkommen neue Art der Kriegführung, die sich in den Ruinen des Zivillebens konzentrierte. Der Schutt des Krieges (..) mischte sich mit den Trümmern menschlicher Wohnstätten." Ein Lagerhaus an der Wolga ähnelte einem „Schichtkuchen mit Deutschen im Obergeschoss, Russen darunter, und weiteren Deutschen unter diesen. Der Feind war oft nicht auszumachen, da jede Uniform vom gleichen dunklen Staub bedeckt war."

 

Werthen (1958: Ende Oktober „trat an der Front Ruhe ein. Ein Vierteljahr harter, pausenloser Kämpfe lag hinter der Division. (...) Nun waren die Kompanien ausgeblutet, die Überlebenden abgespannt und übermüdet, Waffen und Material abgenutzt. Auffrischung war das Gebot der Stunde. Im Dontal warteten vorbereitete Quartiere, Verpflegungs- und Materiallager auf die erschöpften Grabenkämpfer. Aber die Lage ließ es nicht zu. Der Der Kampf in Stalingrad war noch nicht siegreich beendet." (116) Zu dem Zeitpunkt war die Division auf 4.000 Mann zusammengeschmolzen.

Am 17. November griff die 16. Pz.Div. Rynok an, den letzten sowjetischen Stützpunkt auf dem Westufer im Norden. Zwei Tage später: „Das Unternehmen der Division gegen Rynok war gescheitert. Die schweren Verluste hatten erneut ihre Kampfkraft geschwächt. Schon lagen 4000 ihrer tapfersten Männer auf dem Divisionsfriedhof an der Bahnstrecke Frolow - Stalingrad. Ein weites Feld von weißen Kreuzen stand in der weißen Steppe." (119)

Am 19. November begann der sowjetische Zangenangriff im Süden und Westen. „Die ausgebluteten Kompanien (der 16. Pz.Div.) wurden zu einer Kampfgruppe zusammengefasst; sie marschierte am 20. XI. im Morgengrauen nach Westen" - 60 km zum Don. Im Raum Kalatsch wurden die Kräfte der Division gespalten, Kampftruppe von Unterstützungseinheiten abgeschnitten. Binnen drei Tagen gelang der Roten Armee die Umfassung der Wehrmachtsverbände. „Am 23. XI., am Vorabend zum Totensonntag, waren nahezu 300.000 Mann im Kessel. Ein Vorstoß von 120 Panzern in den Kessel hinein wurde schnell zum Stehen gebracht." („Die Grabenstärke der Division betrug etwa 1.000, die Gesamtstärke 7.000 Mann." (122)

Plivier (S. 78) aus Feldpostbriefen deutscher Soldaten Dezember 1942: ´Was in den Briefen geschrieben stand, war ein einziger Schrei: „Liebe Mutter und Vater! Es gehen sehr harte Kämpfe, wir haben sehr schwere Verluste, die Friedhöfe werden von Tag zu tag größer. Hunderte werden hier begraben. Sie werden in Häufchen zusammengelegt. Hände ab, Beine ab, Körper abgerissen, so geht es hier zu ..."; „Liebe Elter und Geschwister! Stalingrad bringt Kranke und Tote von sich. Meine Kompanie kann keinen Angriff mehr machen, wir sind noch 20 Mann ..."; Liebe Schwester! Seit dem 10. Mai dauernd im Einsatz, da sind von uns nicht mehr viel da. Was ich für eine Sehnsucht nach meinen Kleinen habe, kann sich keiner vorstellen ..."; „Meine liebe Ilse! Alle vier Stunden auf Wache ziehen. Der Schlaf dazwischen ist nicht viel. Was uns keine Ruhe lässt, sind die Läuse. Wird ein bisschen geheizt, sofort macht es sich mit den Viechern bemerkbar. Da wird sich auf der Pritsche hin- und hergeworfen. Der Körper ist so gereizt, dass man hineingreifen mag. Zu allem die Verpflegung mit Pferdefleisch, die nicht ein Gramm Fett enthält...."; „Meine Lieben! Wir führen hier einen Bunkerkampf, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Dieses Ringen um den Tod, wenn Ihr das hier sehen würdet, Ihr würdet schreien, was aus Eurem Halse herausgeht ..."

 

Matthias Rogg/MHM-Katalog S. 158 ff.: zur „Madonna von Stalingrad", einer historischen Ikone, gemalt mit Zeichenkohle an Heiligabend 1942 von Dr. Kurt Reuber, evangelischer Pfarrer, Maler und Truppenarzt beim Mun.Bataillon des Versorgungsregiments der 16. Pz.Div.. Im Brief an seine Frau beschreibt er das auf der Rückseite einer russischen Landkarte gemalte Bild: „ Kind und Mutterkopf zueinander geneigt und von einem großen Tuch umschlossen. Geborgenheit und Umschließung von Mutter und Kind. Mir kamen die johanneischen Worte: Licht, Leben, Liebe. Was soll ich dazu noch sagen? Wenn man unsere Lage bedenkt, in der Dunkelheit, von Tod und Hass umgeben - und unsere Sehnsucht nach Licht, Leben, Liebe, die so unendlich groß ist in jedem von uns! (..) Als sich nach altem Brauch die Weihnachtstür, die Lattentür unseres Bunkers, öffnete und die Kameraden eintraten, standen sie wie gebannt, andächtig und ergriffen schweigend vor dem Bild an der Lehmwand.(..)" (Reuber überlebte den Kessel und kam in sowjetische Gefangenschaft. Im Dezember 1943 landete er im Offiziersgefangenenlager Jelabuga, wo er sich dem Nationalkomitee Freies Deutschland anschloss. Hier entstand als letztes von ihm überliefertes Bild die „Lagermadonna". Am 20. Januar 1944 starb er an Entkräftung und fehlender medizinischer Versorgung. (vgl. auch Werthen 1956. S. 132)

Werthen (1958, S. 131): „Am Jahresanfang konnte die Brotration von täglich 200 g Brot nur noch für die Männer im Graben ausgegeben werden; rückwärtige Dienste erhielten 100 g. Die Leute gruben vor Hunger die gefallenen Pferde aus dem Schnee, aber es gab kein Mehl mehr, um die Pferdefleischbrühe einzudicken; sie sammelten die Körner nicht abgeernteter Weizen- und Hirseähren. Doch der Kräfteverfall war nicht aufzuhalten. Viele Männer starben an Schwäche."

Am 8. Januar 1943 überbringen sowjetische Parlamentäre ein Kapitulationsangebot, terminiert auf den 9. Januar 10.00 Uhr. (abgedruckt bei Plivier S. 82)

Plivier (S. 93): Verlustbilanz: „330.000 Mann hatte der stellvertretende Quartiermeister bei der 6. deutschen Armee am 19. November 1942 auf seinen Bestandslisten. Bis zum 9. Januar 1943 - in einundfünfzig Tagen - hatte er 140.000 Mann abzustreichen, soviel waren unter den russischen Waffen, an Hunger, Kälte, an Krankheit zugrunde gegangen. Es blieben 190.000 Mann."

(5) Das Ende

Plivier (S. 114):„Das russische Kapitulationsangebot war abgelehnt worden. Die Folge war die Liquidierung des Kessels." (114) „Divisionskommandeure saßen in ihren Bunkern, hockten an ihren Kartentischen über Funksprüchen, Fernsprüchen, Fernschreiben, die ihre Ias (Erster Generalstabsoffizier, Führungsgehilfe des Kommandeurs) ihnen vorlegten. ... alle fluchten, alle funktionierten, saßen mit ihren Ias zusammen, gaben Befehle aus, ließen ihre Befehle funken, tasten, (...) nach vorn bringen." (100) „Es gab Generale, die vor Wut im Gesicht blau anliefen. Es gab Generalstabsoffiziere, Befehle entgegennehmend und weitergebend, deren Gesichter starre Masken wurden. Es gab Tobsuchtsausbrüche, gab heiser geschriene Stimmen, gab Morphiumspritzen und Veronal, gab Absinken in todähnliche Erschlaffung, und es gab Gehorsam ..., verfluchten, verbrecherischen, tötenden Gehorsam." (105) „Fünf deutsche Divisionen flohen - marschierten, in Ordnung, in Unordnung, verpflegt oder von der Verpflegung abgerissen, in Auflösung, auseinanderfallend, sich wieder sammelnd, nach Osten. (...) Schneesturm. 28 Grad unter Null."

Kommandeure: Oberst Manfred Vilshofen, fast 50 Jahre, Kommandeur eines Panzerregiments zunächst im Norden Stalingrads (Parallelen zur 16. Pz.Div., Anm. W.N.) verwandelte sich auf den Trümmern seines Regiments in einen Kampftruppführer. „Der Kommandeur der Nachbartruppe ist irrsinnig geworden, ein anderer hat sich erschossen; jeden Tag erschießt sich irgendwo einer; jeden Tag verliert irgendwo einer den Verstand!" (165)

Panikflucht am Flugplatz Pitomnik: Zwei Jus sind gemeldet. „Die Sanitäter haben (..) an vierzig Schwerverwundete auf das Rollfeld getragen, und das war das Zeichen (..) für die anderen. Und Hunderte humpelten und stolperten, so schnell sie konnten, von den Verwundetenzelten zum Flugplatz. Die eine Ju war ausgerollt, die Propeller drehten sich weiter (..) Die Kabinentür öffnete sich, und mit dem Ausladen wurde begonnen. (..) Die Flakartillerie hatte seit Tagen den Befehl, gegebenenfalls auf die Masse zu schießen. Die Flakgeschütze wurden jetzt auf Erdkampf heruntergekurbelt, aber geschossen wurde nicht. Auf dem Schnee Hunderte von Füßen, von Fetzen, Decken, Zeltleinwand umwickelt, schlurfende Füße. Und da waren andere, welche schneller waren, welche die Haufen der Fuß- und Halblädierten durchbrachen und mit geweiteten und flackernden Augen, mit aufgerissenen Mündern, mit geblähten Nasen, keuchend näher kamen. (..) Säcke mit Bohnen, mit Schokolade, mit Brot, Schnapsballons zu Scherben zertreten, dazwischen, auch kaum anderes als Säcke, Leiber und Gesichter von Gestürzten. Sie kamen nicht mehr hoch, von filzumwickelten, klumpigen Füßen zurückgestoßen, wurden sie zur Masse und wurden sie die Brücke zur Kabinentür. (..) Auch die von der Wache waren betäubt von den gellenden Schreien und der von Sterben geschwängerten Luft. Sie benutzten die Kolben ihrer Gewehre, oben angelangt, warfen sie die Gewehre weg und schlüpften selbst in den Vogel hinein. () Propellergeheul. Aufschreien der zurückfallenden Menge. Die Kabinentür stand offen. Arme, Beine, Körper hingen heraus. (..)" (177)

Wehrmachtspfarrer Kalser aus Höxter: „Protestanten, Katholiken, Russen drückte er die Augen zu. In dieser Nacht waren es keine von Granat- und Raketensplittern Zerrissene, waren es Geprellte, Gequetschte, Abgestürzte, von Deichseln Gespießte, von Pferden Zertretene, Überfahrene, von schweren 8-Tonner Zermanschte, waren es Erfrierende, waren es aus den Verwundetenzelten Geflüchtete und im Schnee Steckengebliebene." (181)

Realitätsverlust: Truppenführer - Männer von nüchterner Überlegung und mit Urteilsfähigkeit und Entschlusskraft - „waren ahnungslos. Nervosität, Kopflosigkeit, Verzweiflung anzutreffen, nun, das wäre allerdings noch verständlich und bei der Lage der Dinge auch nur natürlich; das Ausschwingen des Pendels aber nach der anderen Seite hin und bei Kommandeuren von Regimentern, von Divisionen, von ganzen Armeekorps, bei Vierzig- und Fünfzigjährigen, also mit zwanzig- und dreißigjährigem Dienstalter, einen reinen Kinderglauben und geradezu mystisches Vertrauen auf das „Versprechen des Führers" anzutreffen, das allerdings war erschütternd. Schließlich handelte es sich doch um Generale, um Obersten, von denen jeder seine Hand auf Tausenden und Zehntausenden von Männern ruhen hatte. Von Ausbruchsunternehmungen reden sie und gehen soweit, Befehle zu erteilen und Munition und Ausrüstungsgegenstände und Dinge, die nicht auf die „Reise" mitgenommen werden können, in die Luft zu sprengen, nur um am nächsten Tag alles wieder rückgängig zu machen und sich dann noch ärmer und noch mehr des Notwendigen beraubt zu sehen. (..)" (194)

 

Beevor (S. 391 f.)

„Als General Hube (bis 15.9.1942 Kommandeur der 16. Pz.Div., danach des XIV. Pz.Korps) am Tag des 9. Januar, dem Tag der sowjetischen Offensive, in denm Kessel zurückkehrte, berichtete er Paulus (..), dass Hitler sich einfach weigere, die Möglichkeit einer Niederlage in Stalingrad zur Kenntnis zu nehmen. Der ´Führer` hatte gar nicht zugehört, als er ihm die Verhältnisse im Kessel schilderte, und stattdessen einen baldigen zweiten Entsatzversuch angekündigt. Einige von Hubes Offizieren waren erschüttert, dass ausgerechnet er sich von Hitles Vorführungen eines betäubenden Optimismus, der sogenannten ´Höhensonnenkur`, beeindrucken lassen hatte." „General Hube erhielt den ´Führerbefehl`, früh am nächsten Morgen in einer Focke-Wulf-Condor aus Gumrak auszufliegen, um sich dem Sonderstab von Milch (kurzfristig von Hitler zur Leitung der Luftversorgung eingerichtet) anzuschließen. Nach seiner Ankunft am 20. Januar schickte er seinerseits eine Liste von ´vertrauten, energischen Offizieren`, die man herausbeordern solle, damit sie sich ihm anschließen konnten. Wie nicht anders zu erwarten, handelte es sich bei der Mehrzahl dieser Leute nicht um Spezialisten für die Versorgung aus der Luft, sondern um Offiziere seines eigenen Panzerkorps, insbesondere seiner eigenen Division (der 16. Pz.Div.). (419)

Plivier:

Behelfs-Sanitätszug voll mit Erfrorenen. (249)

Verwundetenhöhlen: „Keller voller Verwundeter, die niemals ärztliche Hilfe erhalten hatten, zogen sich in straßenlangen Zeilen unter den Häuserruinen Stalingrads hin, und nicht nur die Außenbezirke, auch der Stadtkern war von dieser Invasion blutenden Elends überschwemmt. Über tausend Schwerverwundete lagen in den Kellereien des Hauses der Roten Armee, an achthundert lagen im Theaterkeller; in den Gewölben am „Platz der Gefallenen" lagen in dem einen dreihundert, in dem anderen an zweihundert, in dem nächsten wieder an zweihundert. Die Schwerverwundeten kamen an dem einen Tag an, und am nächsten und am übernächsten wurden sie als Leichen wieder hinausgetragen, doch es blieb immer die gleiche Menge, und das Röcheln der sterbenden hörte nicht auf. Und zwischen den Verröchelnden und Sterbenden lagen die Soldaten der kämpfenden Truppe. (..) Im Timoschenko-, im Theaterkeller und anderen Kellereien, die ohne Wirte waren, krochen Massen Versprengter und Marodierender unter; und täglich und stündlich waren Erfassungskommandos unterwegs, welche die Leute aufscheuchten und diejenigen, die noch auf den Füßen stehen konnten, mit sich nahmen und wieder nach vorn in die Kampflinie warfen. Das war die Agonie einer Armee." (256) „Schwerverwundete lagen auf dem blanken Boden. Zugedeckt waren sie mit ihren Mänteln. Gesichter wie aus Lehm. Sie lagen eng beieinander. Wenn einer sich rührte, ging die Bewegung und das Stöhnen durch die ganze Reihe. Die Kragen der Feldblusen waren wie von Rauhreif überzogen, das waren Läuse, die sich an den Nähten auf und ab bewegten." (254)

„Henker der eigenen Männer": Der inzwischen zum General beförderte Vilshofen zum Divisionskommandeur Gönner nach seinem Befehl, der zum Ende der Kampfgruppe Döllwang führt: „Gönner, Sie haben in dieser Stunde keinen Kampfauftrag durchgeführt. Sie haben ein Todesurteil vollstreckt! Döllwang, Hans Döllwang, mein Junge ... und das ist einer, aber es sind viele, es ist eine ganze Armee. Und Gönnern, Sie sind nicht der einzige, wenn das Ihr Gewissen zu beruhigen vermag. Sie sind nicht der einzige! Mein Gott, eine Armee ... und Generale, Henker der eigenen Armee, Henker der eigenen Männer!" (268)

Operationsraum: Unter der Ruine des Stadttheaters. „Drei Ärzte, die an achthundert Verwundete zu betreuen hatten, lösten hier einander ab. Das Band blutender Leiber, das über die Operationstische lief, riss Tag und Nacht nicht ab. Für einen der Ärzte, den Oberarzt Huth, hatte es (..) schon siebzig Tage lang nicht mehr angehalten. Der Unterschied gegen früher war nur, dass es kein Verbandszeug, kein Sanitätsmittel, keine Tetanusspritze, kein Chloräthyl, kein Morphium mehr gab. Die einzig verbliebenen Mittel waren die Werkzeuge, war das Skalpell, die Säge, die Schere, war der Kessel mit kochendem Wasser zum Sterilisieren der Instrumente, war die über dem Kopf baumelnde helle Operationslampe; und Schmerzen, nicht mehr erträgliche Schmerzen, waren das verbliebene Betäubungsmittel, und der Arzt musste jeden glücklich preisen, der unter dem Skalpell, unter der Säge in seiner Hand das Bewusstsein verlor. Der Unterschied gegen früher war auch der, dass die Sanitätsgehilfen abgemagert und grau waren und dass sie immer häufiger unter der Last der Arbeit und von den Dämpfen (..) zusammenklappten. (..) Der Arzt stand mit den Füßen im Blutschlamm. Aus dem Kessel wallte Dampf. Die große Lampe warf Hitze. Kein Fenster, kein Abzugsloch. Als Tomas seinen Kopf auf die Tischplatte legte, fiel sein Blick auf einen Kübel. Fleischfetzen und obenauf ein abgeschnittener Arm. (..) Aus dem Kübel wallte Eiterdunst auf in dicker Spirale." (296)

Feldgendarmen: Von den Transportflugzeugen fielen Ladungen, „Brote und Hartwürste auch in das Kampfgebiet, auch in die russischen Stellungen, auch auf Plätze zwischen den Stellungen, auch in Ruinenhaufen, auf Höfe und Hinterhöfe, auf Labyrinthwege und Trampelpfade. Und hier waren es (..) Feldgendarmen mit umgehängten Blechschildern vor der Brust, welche auf der Lauer lagen. (..) Wo das Brot oder die Würste oder Konservenbüchsen (..) niedergingen und nächtliche Schatten auftaumelten und im nächsten Augenblick in einem der vielen Löcher verschwanden, war das Jagdgebiet der Feldpolizisten. Sie durchkämmten zu jeder Stunde die Kellerwelt. (..) Der Beruf, den sie ausübten, ernährte seinen Mann noch und, verglichen mit den lädierten Stalingradkämpfern und den Pulvergesichtern aus hundert Gefechten, hatten sie ein strotzendes Aussehen; ihr Auftreten war kein schlappes, und ihre Blicke waren nicht trübe (..) Plünderer sind binnen 24 Stunden zu erschießen! Lautete der Armeebefehl, hier waren keine 24 Minuten vergangen. Ein Feuerstoß aus MPs, ein paar nachhallende Schüsse aus Pistolen, acht Mann waren hingestreckt." (301 f.)

Generalsrunde (350-377), die - fiktive - Anklagerede des General Vilshofen: „General Jänicke hatte zwar nicht den berühmten Heimatschuss erhalten, aber ein Brett hatte seine Stirn gestreift, und er war in letzter Stunde ausgeflogen. Jänicke ausgeflogen, verwundet selbstverständlich, aber ausgeflogen! Pickert ausgeflogen, auf Befehl selbstverständlich, aber ausgeflogen! Hube ausgeflogen, auf Befehl selbstverständlich, aber ausgeflogen! Der Quartiermeister vom VIII. Korps ausgeflogen, ohne Befehl und dafür auf dem Flugplatz Varnopol ohne Verfahren erschossen! Die sind aus dem Dilemma heraus!  ´Der Oberbefehlshaber hat sich mündlich gegen den Selbstmord entschieden und hat den Selbstmord verboten!` sagte der General aus Gumrak. (..) Der Kommandierende General aus dem Süden (..): ´Ich Selbstmord begehen, für diesen hergelaufenen Lumpenkerl? Nein!` (..) Da war Staunen, war Fassungslosigkeit und Bestürzung, war Angst, sogar panische Angst. Ist es denn möglich - ein Götzenbild wird umgeworfen, und kein Donner und Feuerstrahl fährt vom Himmel und vernichtet den Frevler? Solches Wort war auf Stalingrader Boden noch nicht ausgesprochen worden, vielleicht in den Höhlen des Sterbens, doch da war es schwach und ohne Kraft. (..) Hier war es herausgeschleudert worden, um gehört zu werden. (..) Das schwarze Werk zu krönen, werden, nach den Soldatenopfern ohne Ende, ohne Sinn, ohne Gnade die Generalsleichen verlangt (..), und Gegenstoß oder Bahndamm oder einfacher Selbstmord gilt dabei gleichviel, nur die Leiche muss her. Der tote Mann spricht nicht mehr. Mit dem toten Mann macht man, was man will. Der Tote Mann ist dann schließlich für die Sache gestorben, für die verruchte, bis ins Herz stinkige Sache, und mit seinen Knochen wird getrommelt, auf dass der Zug des Todes weitergehe. (..) Vilshofen: ´Es handelt sich da natürlich um keine brandneue Erkenntnis, Herr General! (..) In unserem Bewusstsein sind doch noch Tatsachen lebendig. Fritsch, Beck, Brauchitsch, Halder, Höppner vor Moskau, Sponneck auf Kertsch. Die lange Liste abgesetzter, degradierter, verurteilter Generale. Aber da ist noch die andere grundlegende Tatsache! Wir, unsere Berufskaste, haben dem ´Hergelaufenen` goldene Brücken gebaut und auf seinem Weg Teppiche ausgebreitet (..) Das Volk, das er uns bringen wollte, unser eigenes Volk, dem wir uns entfremdet hatten, er hat es auf den Block geschnallt; und wir haben dabei geholfen, nicht eben mit aufgekrempelten Ärmeln, aber eben wie das vollstreckende Instrument, das sich zu dem feierlichen Akt Handschuhe überstreift (..)` Das war der Blitz, der Vilshofen durchfuhr. ´Meine Herren, es ist natürlich klar, der ist nichts ohne die ihm geliehene Generalsarmee. Und was Not tut ist die volle Kehrtwendung, (..) kehrt marsch! (..) Wir ließen ihn seine ungeschlachte Karriere reiten, über Stock und Stein, über Völkerrecht und Menschenrecht und Ehre und Soldatenehre, und die Fetzen flogen, und Mord- und Brandbefehle, auch Durchhaltebefehle bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone, und Zwiespalt hin und Zwiespalt her, Befehle werden ausgeführt, der Herr reitet, und wir halten mit, dass uns wahrhaftig Hören und Sehen und menschliche Betrachtung vergeht, und so finden wir uns wieder, nicht mehr hoch zu Ross, sondern selbst die Rösser, die blinden, zuschanden gerittenen, so finden wir uns am Ufer der Wolga.` Vilshofen weiter: ´Welches Denkmal wollen Sie ihm (den Soldaten von Stalingrad) setzen, meine Herren? Er starb den Soldatentod. Das können Sie seinem Sockel kaum einmeißeln. Da war der Mann aus den Schneelöchern der Stalingrader Westfront. Nach Kämpfen mit dem Gewehr, nach noch zäherem Kampf mit der Schippe schleppte er sich todmatt mit traurigen Augen, an den Beinen herab laufend Blut- und Kotsoße, ins Lazarett. Der Arzt untersuchte ihn kaum, denn er roch die Todkrankheit (..) Er ließ den siechen Kämpfer auf die Seite legen, und er starb an der Ruhr. (..) Wir sind die ausführenden Organe von Tollhäuslerbefehlen geblieben, bis zum heutigen Tag. (..) „Sie starben, damit Deutschland lebe!" Und das ist Lüge, meine Herren! (..) Der Lüge mit unserem Tod das schwarze Siegel der Scheinwahrheit aufzudrücken, würde sie beflügeln und würde sie zu einer auf Millionen niedergehenden Todessaat machen. Sie wären gestorben, damit das Verbrechen lebe, damit es weitergehe, damit auch Berliner, Hamburger, Bremer, Münchener, Nürnberger, Wuppertaler Keller den Stalingrader Kellern gleichen, damit auch in Deutschland Leichen wie Holzscheite auf der Strasse liegen, damit auch über Deutschland das Verbrechen und der Lohn des Verbrechens sich riesengroß aufrecken. (..) Das ist die Lage, unsere besondere Lage, meine Herren: (..) Das Leben empfangen Sie wieder als Lebensurteil! Nur gegen den: Nur gegen ihn und gegen das an Deutschland und den anderen Völkern begangene Verbrechen!`"

 

Werthen (1958, S. 134 ff):

„Am 23.1. traf der Rückzugsbefehl vom XI. Korps ein. Die unbeweglichen Fahrzeuge und schweren Waffen wurden zerstört. (...) Noch vor Tagesanbruch nahmen die Nachhuten Abschied von den Schwerverwundeten. Seit es keinen Flughafen mehr gab, konnte ihnen nicht mehr geholfen werden. Sie blieben zurück. Im Stadtgebiet selbst lagen 20 000 unversorgte Verwundete irgendwo zwischen den Ruinen ohne Obdach. An die 20 000 Frostkranke, Ausgehungerte und Versprengte irrten zwischen Trümmern umher und suchten Nahrung.

Am Morgen kam die 16. Pz.Div. durch Goroditsche. Mit ihr fluteten führerlose Einheiten nach Osten, Fahrzeuge stauten sich, Verwundete schrien und flehten, mitgenommen zu werden. Da erschienen russische Schlachtflieger. Da sie keine Abwehr zu befürchten hatten, flogen sie wohl 30 Minuten im Tiefflug die verstopften Rollbahnen auf und ab und schossen mit Bordwaffen und warfen Bomben in den grauen Haufen."

„Schwer war das Schicksal der Versprengten. Luftwaffentrupps meldeten sich bei der 16. Pz.Div. zum Einsatz. Aber sie wollten dafür etwas zum Essen haben. Es war nichts mehr da. So zogen sie verzweifelt weiter. Alle Löcher lagen voller Verwundeter, Erschöpfter und Zusammengebrochener; keiner konnte mehr helfen. Der Divisionsbunker war voll belegt mit Verwundeten, der Stab in ein kleines Nebengelass gedrängt. Der Feind ging 1 km von der Hauptkampflinie offen spazieren und baute in Ruhe seine Waffen hinter Schneewällen auf. Die Männer sahen es und konnten sich nicht wehren.

Am 30.1. setzte schwerstes Artilleriefeuer ein. Die letzten Überlebenden trugen es unbewegt, zu einem Gefühl fehlte die Kraft. Mit gelben, ausgemergelten Gesichtern, hohlen Wangen und aufgerissenen Lippen hockten sie in den Löchern, abgerissene Decken um den Bauch und um die Stiefel gewickelt, verschmutzt und verlaust, die erfrorenen Hände am Gewehr. Was noch zusammenhielt und dem Leben einen Sinn gab, war die Kameradschaft. Wer sie verlor, war dem Nichts ausgeliefert.

Am 31.1. unterzeichnete Paulus (..) die Kapitulation der 6. Armee und ging in die Gefangenschaft. Der Nordkessel aber hielt noch. (..) Auch die 16. Pz.Div. kämpfte noch immer. Am 1.2. lebte die Feuer- und Kampftätigkeit rundum noch einmal auf. Noch einmal wies die Division alle Angriffe ab. Im Laufe des Tages wurde die 60. I.D. (mot) links überrannt. Ein Spähtrupp meldete, dass der Russe die letzten Reste der Division sammele, fast nur Verwundete. Auch rechts bei der 24. Pz.Div. war der Russe eingebrochen. Die Division war ohne Anschluss. Die kleinen Kampfgruppen mitten im Feind hatten schwere Verluste. Munitionsbestandsmeldung der Division: zwei Kisten Infanteriemunition (gefunden), zwei 10,5 cm Granaten. Es war zu Ende. (..) Die Division war auf Kompaniestärke zusammengeschmolzen, der Nordkessel nicht mehr als 400 bis 500 m breit. In der Nacht zum 2.2. drang der Russe links weit ins Hintergelände ein. (..) Kurz vor Tagesanbruch warf sich Major Dormann mit einigen Verwundeten noch einmal der Umklammerung von links rückwärts entgegen. Es war zwecklos, er begegnete einer Gruppe von Verwundeten und Gefangenen, die zwischen russischen Kampfgruppen herumstanden. Er kam allein in die Stellung zurück. Mit Tagesanbruch rollte der Russe auch die letzten Teile der Division von hinten und von der Südflanke her auf. Nach kurzem Feuerwechsel war der letzte Widerstand gebrochen. Der Kampf um Stalingrad war zu Ende. (2. Februar:) Um 9.20 Uhr ging der letzte Funkspruch an die Teile der 16. Pz.Div. außerhalb des Kessels. (..) 146 300 Gefallene wurden von den Russen in Stalingrad aufgesammelt und verbrannt. (..) 91 000 Mann gingen in Gefangenschaft. Die Verwundeten und Kranken blieben so gut wie unversorgt dem Sterben überlassen. Die Gefangenen schleppten sich in langen Zügen vom Schlachtfeld. In qualvollen Märschen zog ein Teil bei schneidender Kälte bald nach Osten, bald nach Westen durch die Steppe. Wer zurückblieb, wurde erschossen."

Mit seinen Schlussabsatz versucht Werthen der wahnsinnigen Sinnlosigkeit, dem Staatsverbrechen von Stalingrad noch einen „Sinn" zu geben: „Mit ihrem Opfergang hatte die 6. Armee etwa 90 große russische Verbände für zwei Monate auf sich gezogen und einen Wiederaufbau der zerrissenen Ostfront westlich des Don erleichtert. Wie im Februar 1943 noch an ein gutes Ende glaubte, mochte damals im Sterben der Armee einen Sinn finden. Die Bedeutung der Niederlage von Stalingrad als Wende des Krieges blieb noch verborgen." (137)

Beevor, S. 435:

Bis zuletzt: „Von Anfang Januar an begann eine wachsende Zahl deutscher Soldaten sich ohne Widerstand zu ergeben oder sogar zum Feind überzulaufen. (..) Es gab allerdings auch Fälle von Offizieren und Soldaten, welche die Evakuierung aus Tapferkeit oder einem fast verrückten Pflichtbewusstsein verweigerten. Leutnant Löbbecke, der Chef einer Panzerkompanie der 16. Pz.Div. hatte in den Kämpfen einen Arm verloren, tat aber weiter seinen Dienst, ohne dass die Wunde angemessen behandelt worden war. Sein Divisionskommandeur konnte ihn nicht dazu kurieren, sich kurieren zu lassen. Schließlich nahm General Strecker ihn sich vor. „Ich bitte Sie, mir zu gestatten, bei meinen Männern zu bleiben" erwiderte Löbbecke sogleich. „Ich kann sie jetzt nicht allein lassen, bei diesen verzweifelten Kämpfen." Stecker erkannte vermutlich aufgrund des Geruchs, dass der Stumpf von Löbbeckes Arm bereits brandig war. Er musste ihm befehlen, sich in ein Flugzeug zu begeben, das ihn aus dem Kessel zu einem Lazarett brachte."

„Nachdem General von Seydlitz am 25. Januar (..) seinen Divisionskommandeuren freigestellt hatte, auf eigene Faust zu entscheiden, ob sie kapitulierten oder nicht, entließ ihn Paulus aus seiner Kommandostellung. Er unterstellte nun alle Divisionen Seydlitz` General Walter Heitz, dem Kommandeur des VIII. Korps. Heitz erteilte prompt den Befehl, dem zufolge jeder, der zu kapitulieren versuche, erschossen werden solle. Als Seydlitz und mehr als ein Dutzend anderer Offiziere dennoch die Waffen streckten - darunter die Generäle Pfeffer, Korfes und Sanne -, wurde von den deutschen Linien aus mit Maschinengewehren auf sie geschossen, während die Sowjets sie wegführten.(435)

„Am 29. Januar, also am Vorabend des 10. Jahrestages von Hitlers Machtübernahme, schicke das Hauptquartier der 6. Armee einen Gratulationsfunkspruch aus seinem zerstörten Keller hinaus: ´An den Führer! Zum Jahrestag Ihrer Machtübernahme grüßt die sechste Armee ihren Führer. Noch weht die Hakenkreuzfahne über Stalingrad. Unser Kampf möge den lebenden und kommenden Generationen ein Beispiel dafür sein, auch in der hoffnungslosesten Lage nie zu kapitulieren. Dann wird Deutschland siegen. Heil mein Führer! Paulus, Generaloberst." (433)

Laut Manfred Kehrig (Stalingrad: Analyse und Dokumentation einer schlacht, 1974) sollen in Stalingrad eingekesselt gewesen sein 232.000 Deutsche, 52.000 „Hiwi`s" („Hilfswillige", Sowjetbürger in deutschen Uniformen, teils gezwungen, teils freiwillig), 10.000 Rumänen, insgesamt etwa 294.000. (498)

„Während der gesamten Operationen um und für Stalingrad hatte die Rote Armee Verluste von 1,1 Millionen Mann erlitten, wobei die Zahl der Gefallenen allein 485.751 betrug." (449) „Die sowjetischen Behörden ließen etwa 13.500 ihrer eigenen an den Kämpfen um Stalingrad beteiligten Soldaten hinrichten - dies entspricht mehr als einer ganzen Division." (12)

Die deutschen Verluste: Bei der Luftbrücke in den Kessel gingen 488 Transportflugzeuge und 1.000 Besatzungsmitglieder verloren. Die 9. Flakdivision war vernichtet. (..) „Die 6. Armee und die 4. Panzerarmee waren buchstäblich aufgerieben. Im Kessel allein waren seit Beginn der „Operation Uran" etwa 60.000 Soldaten umgekommen und ungefähr 130.000 in Gefangenschaft geraten. (..) Insgesamt müssen die Achsenmächte mehr als eine halbe Millionen Soldaten verloren haben." (453)

 

Stalingrad-Protokolle:

Protokoll des politischen Verhörs des Kriegsgefangenen Hermann S., Leutnant, Adjutant des 1. Btl des Pz.Rgt. 79 der 16. Pz.Div. 8.2.1943 (Katholik, geb. 13.5.1918 in Münster, Bankangestellter, ledig. Heimatadresse: Münster, Westfalen, Hermannstr. 50

1938 zur Armee einberufen. 1941 zum Offizier ernannt. Vom 5. September bis Oktober 1942 befehligte er die 3. Kompanie des 79. Rgt., seit September Adjutant des 1. Btl., das Major Wota befehligte.

„Während der Kämpfe nördlich von Stalingrad (südlich von Jersowka) vom September bis November verlor das Rgt. 80-90 Prozent seiner stärke. Es wurde ununterbrochen aus dem Tross aufgefüllt, was seine Qualität erheblich verschlechterte. (Den größten Schaden fügten uns Ihre Granatwerfer zu, die wir „böse Waffe" nannten. (..)

Die Stalingrader Operation war ziemlich riskant. Freilich nahmen wir usprünglich an, dass es uns gelingen würde, Stalingrad in 2-3 Wochen einzunehmen. Das klappte nicht, zurückgehen konnten wir nicht, da dies eine Bedrohung der kaukasischen Heeresgruppe bewirkt hätte. Überhaupt besteht der Fehler unseres Kommandos darin, dass wir vor dem Spätherbst angreifen mussten und uns infolgedessen nicht an der erreichten Frontlinie in der gebührenden weise verschanzen und auf den Winter vorbereiten konnten. Das haben Sie sich zunutze gemacht, sowohl im vorigen wie in diesem Jahr. Wenn wir am Don geblieben wären, hätten wir die Möglichkeit gehabt, uns richtig zu verschanzen, und es wäre nicht zur Katastrophe gekommen. Der Hauptgrund für unsere Kapitulation ist: fehlende Nahrung, fehlende Kräfte, fehlende Munition, aber auch die Unmöglichkeit, , die Physische Unmöglichkeit, den Kampf weiterzuführen. Die Qualität der Soldaten war miserabel (..). Wir hungerten, die meisten waren frostgeschädigt. Sogar die Offiziere konnten sich vor Müdigkeit und Hunger kaum auf den Beinen halten. Der Mensch kommt an die Grenze seiner Möglichkeiten, und diese Grenze war am 2. Februar erreicht. Wir ergaben uns. Die Kapitulation erfolgte spontan. Um 6 Uhr morgens wurde mir gesagt, dass russische Panzer zu unserem Unterstand gekommen seien, ich begann zu weinen, ging aus dem Unterstand heraus und legte die Waffe nieder. (..)" (S. 499)

„Traditionsträger"

Bis in die 80er Jahre waren Bataillone der Bundeswehr Traditionsträger von Regimentern der 16. Pz.Div., z. B. PrGrenBtl 193 und PzArtBtl 195 (Münster-Handorf) - PtGrenRgt 79 und PzArtRgt 16. Diese Bundeswehrbataillone sind im Rahme des Truppenabbaus inzwischen alle aufgelöst.

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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