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Dülmener Zeitung: Mit Ostermarsch für Zukunft ohne Raketen - 2000 Teilnehmer bei Auftaktkundgebung in Dülmen

Autor: Webmaster

Datum: 5. April 1983 12:10:24 +02:00 oder Di, 05 April 1983 12:10:24 +02:00

Zusammenfassung: 

IP. Dülmen. An die zweitausend Teilnehmer am Ostermarsch Münsterland, ungefähr doppelt soviel wie im letzten Jahr, setzten sich diesmal mit verschiedenen Aktionen in Dülmen für den Frieden ein. Vier Tage lang engagierten sich vorwiegend junge Menschen für ihre Zukunftsvorstellungen: „Keine neuen Atomraketen in unserem Land, Kampf dem Atomtod."

Hauptteil: 

Mit Dia-Vortrag und Diskussionen wurde z. B. versucht, friedensstörende Feindbilder abzubauen, Informationen zu militärischen Anlagen in Dülmen und Umgebung zu geben - in Visbeck werden z. B. Atom-Sprengköpfe mit Reichweiten zwischen 20 und 30 km vermutet. In einem Dia-Vortrag fragten sich die Teilnehmer, ob der Zivilschutz nützt und wo die Fürsorgepflicht der Politiker einsetzen sollte. Zunächst innerhalb der verschiedenen Friedensinitiativen umstritten und schließlich erfolgreich durchgeführt, wie ein Teilnehmer bei der Kundgebung am Samstag auf dem Marktplatz mitteilte, wurde ab Donnerstagmittag die gewaltfreie Blockade des „Atomwaffenlagers" Visbeck. Hier machten die Blockierer den Soldaten deutlich, daß sich ihr Widerstand nicht gegen sie, sondern „gegen Rüstungswahn und Massenvernichtung überhaupt" richte: „Die in Visbeck gelagerten Atomgranaten ... für die Panzerhaubitzen der Barbara-Kaserne ... würden das vernichten, was erhalten werden soll."

Bis zum Samstagnachmittag, 48 Stunden lang, belagerten verschiedene Gruppen, darunter auch die Friedensgruppe Dülmen und die Grünen die Zufahrt zum Waffendepot. Während die Polizei sich als freundlich erwies und am Samstagmorgen bemalten Ostereier an die Blockierer verschenkte, hatte es nachts einige Störungen durch junge Dülmener mit anderen Friedensvorstellungen gegeben. Wie Blockadeteilnehmer berichteten, wurden sie von den nächtlichen Ralleyfahrern aus den Autos heraus beschimpft.

Insgesamt sah Hans Decruppe vom Ostermarschkomitee bei der Eröffnung der Kundgebung auf dem Marktplatz die Friedensveranstaltung als Erfolg an. So hätten über 130 Organisationen und Initiativen aus 29 Städten des Münsterlandes den Ostermarsch- Aufruf unterzeichnet. Es zeige sich wachsende Unterstützung und Beteiligung durch kirchliche Gruppen und Gewerkschaften. Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit von Friedens- und Arbeiterbewegung.

Decruppe bedauerte, daß die Stadt Dülmen versucht habe, die Kundgebung auf dem Marktplatz durch die Polizei verbieten zu lassen. Enttäuschung wurde auch von einigen Teilnehmern laut, daß Bürgermeister Schlieker sich nicht zu einer Begrüßung der Ostermarschteilnehmer habe bewegen lassen, weil er nicht wisse, mit wem er es da zu tun habe.

Eindringlich vor der Stationierung neuer Atomraketen warnten auch Kernphysiker Dr. Hans-G. Franke vom Forum „Naturwissenschaftler für Frieden und Abrüstung", CBG-Lehrer Winfried Nachtwei (Die Grünen), Kalle Schlieker und Uschi Jostmeier als Vertreter der Friedensinitiative Dülmen, Klaus-Otto Nagorsnik von der Initiative „Soldaten gegen Atomraketen" und Pfarrer Dr. Werner Koch, Präsident des Internationalen Sachsenhausenkomitees und Mitglied des Bundesausschusses der AG Verfolgter Sozialdemokraten.

Wie Winfried Nachtwei berichtete, habe er erfahren, daß viele Soldaten wüßten, daß weder Ostermarsch noch Friedensbewegung gegen sie gerichtet seien. Die Belagerung habe zu weiterem Verständnis beigetragen.

Eine Leistung am Rande: Dülmener Langstreckenläufer als Angehörige der Gruppe „Sportler für den Frieden" liefen allein an einem Tag 70 Kilometer, um auf das Anliegen des Ostermarsches hinzuweisen.


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Anmerkungen: 

Publikationsliste
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Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

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Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

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    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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