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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Truppenabzug aus Afghanistan: Die bedrohten OrtskrÃ¤fte dÃ¼rfen nicht im Stich gelassen werden - die Stunde der FÃ¼rsorgePFLICHT!</title>
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    <span class="xar-mod-title">Afghanistan + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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            Truppenabzug aus Afghanistan: Die bedrohten OrtskrÃ¤fte dÃ¼rfen nicht im Stich gelassen werden - die Stunde der FÃ¼rsorgePFLICHT!         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 13. Mai 2021 09:55:07 +01:00 (65870 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die internationalen Truppen ziehen jetzt schnell ab. Einheimische Ortskr&auml;fte waren f&uuml;r sie essentiel. Sie der Rache der Taliban zu &uuml;berlassen, w&auml;re ein menschliches und politisches Desaster. Im Vorfeld eines auch von mir mitgetragenen Aufrufes, der am 14. Mai &ouml;ffentich wird, hier einige aktuelle und Hintergrundbeitr&auml;ge zum Thema.&nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Truppenabzug aus Afghanistan: Die bedrohten afghanischen Ortskr&auml;fte d&uuml;rfen nicht im Stich gelassen werden &ndash; die Stunde der F&uuml;rsorgePFLICHT!</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D., 13.05.2021</p>
<p>Mit dem Abzug der internationalen Truppen und der Bundeswehr aus Afghanistan sind deren bisherigen afghanischen Ortskr&auml;fte an Leib und Leben bedroht. Ohne sie h&auml;tten die internationalen Kr&auml;fte als v&ouml;llig Fremde im Land nicht wirken k&ouml;nnen. Sie w&auml;ren taub, stumm und oft auch blind gewesen. Viele von ihnen meinten, durch die Arbeit bei den &bdquo;Internationalen&ldquo; der Stabilisierung und dem Aufbau ihres kriegszerr&uuml;tteten Landes am besten dienen zu k&ouml;nnen. In den Augen der Aufst&auml;ndischen hingegen gelten sie als &bdquo;Kollaborateure&ldquo;, wurden und werden immer wieder bedroht und verfolgt.</p>
<p>Mit dem Totalabzug stehen die Entsendestaaten von ISAF und Resolute Support in der F&uuml;rsorgepflicht gegen&uuml;ber ihren bisherigen und fr&uuml;heren Ortskr&auml;ften. W&uuml;rden sie diese ihren Verfolgern ausliefern und sie im Stich lassen, w&auml;re das menschlich und politisch verheerend. Es w&auml;re ein Verrat gegen&uuml;ber Menschen, die individuelle Verb&uuml;ndete &ndash; und nicht selten auch Kameraden waren.</p>
<p>Es geht jetzt um Loyalit&auml;t, Solidarit&auml;t, Verl&auml;sslichkeit, Glaubw&uuml;rdigkeit vor Ort und ganz praktisch. Wie sie praktiziert &ndash; oder gebrochen &ndash; wird, wird sich gravierend auf eine Politik der Krisenvorbeugung und &ndash;bew&auml;ltigung auswirken, wie sie in den Leitlinien der Bundesregierung zu &bdquo;Krisen verhindern, Frieden f&ouml;rdern&ldquo; von 2017 anspruchsvoll formuliert worden ist. Beim Besuch einer Koranschule in Kunduz im Mai 2007 sagten uns Sch&uuml;ler &uuml;ber &nbsp;Bundeswehrsoldaten &bdquo;Die verhalten sich anst&auml;ndig&ldquo;. In einem Land, wo Ehre und Respekt ganz besonders viel gelten, waren solche Worte zu ausl&auml;ndischen Soldaten eine Bestnote. Jetzt muss deutsche Politik Anstand gegen&uuml;ber ihren Verb&uuml;ndeten am Boden beweisen.</p>
<p><strong>Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer</strong> hat die besondere Verpflichtung der Entsendestaaten am 18. April 2021 im dpa-Interview klar benannt:</p>
<p>&quot;Wir reden hier von Menschen, die zum Teil &uuml;ber Jahre hinweg auch unter Gef&auml;hrdung ihrer eigenen Sicherheit an unserer Seite gearbeitet, auch mitgek&auml;mpft haben und ihren pers&ouml;nlichen Beitrag geleistet haben&quot;, sagte <a href="https://www.zeit.de/thema/annegret-kramp-karrenbauer">Kramp-Karrenbauer</a>. &quot;Ich empfinde es als eine tiefe Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland, diese Menschen jetzt, wo wir das Land endg&uuml;ltig verlassen, nicht schutzlos zur&uuml;ckzulassen.&quot;</p>
<p><a href="https://www.zeit.de/news/2021-04/18/akk-will-afghanische-ortskraefte-in-sicherheit-bringen">https://www.zeit.de/news/2021-04/18/akk-will-afghanische-ortskraefte-in-sicherheit-bringen</a> &nbsp;;</p>
<p><a href="https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/kramp-karrenbauer-will-afghanische-ortskraefte-in-sicherheit-bringen">https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/kramp-karrenbauer-will-afghanische-ortskraefte-in-sicherheit-bringen</a> &nbsp;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Aktuelle Medienberichte zur Situation der Ortskr&auml;fte </span></strong></p>
<p>- Hilfe f&uuml;r gef&auml;hrdete Bundeswehr-Mitarbeiter, Tagesschau, von Kai K&uuml;stner, 12.05.2021</p>
<p><a href="https://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan-ortskraeftebueros-101.html">https://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan-ortskraeftebueros-101.html</a></p>
<p>- Wer ist zust&auml;ndig? Abzug aus Afghanistan: Gefahr f&uuml;r Ortskr&auml;fte, FAKT/mdr&nbsp; 06.05.2021, <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/welt/politik/afghanistan-abzug-truppen-krieg-helfer-uebersetzer-visum100.html">https://www.mdr.de/nachrichten/welt/politik/afghanistan-abzug-truppen-krieg-helfer-uebersetzer-visum100.html</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Meine Beitr&auml;ge</span></strong></p>
<p>- <strong>Buchpr&auml;sentation mit/zu afghanischen Ortskr&auml;ften</strong>: &quot;Auch. Wir. Dienten. Deutschland.&quot; - mit meinem Gru&szlig;wort und aktuellen Erg&auml;nzungen, ver&ouml;ffentlicht am 30. M&auml;rz 2020 (23428 Aufrufe bis 13.05.21), <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=36&amp;aid=1627">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=36&amp;aid=1627</a></p>
<p>- <strong>Die Bedeutung der afghanischen Ortskr&auml;fte f&uuml;r das deutsche Afghanistan-Engagement</strong> und ihre Gef&auml;hrdungslage (Stellungnahme). Interviewband mit ehem. afghanischen Ortskr&auml;ften gerade erschienen, ver&ouml;ffentlicht am 4. Februar 2019 (25791 Aufrufe), &nbsp;</p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1571">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1571</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Ausz&uuml;ge aus &bdquo;Auch. Wir. Dienten. Deutschland. &Uuml;ber die Zusammenarbeit mit afghanischen Ortskr&auml;ften w&auml;hrend des ISAF-Einsatzes&ldquo;</span></strong> hrsg. Von Nadine D&uuml;e und Fabian Forster, Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung Bonn 2018,</p>
<p><a href="https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/285067/auch-wir-dienten-deutschland">https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/285067/auch-wir-dienten-deutschland</a></p>
<p>- Gru&szlig;wort des Generalinspekteurs er Bundeswehr Eberhard Zorn, S. 11</p>
<p>- Nadine D&uuml;e/ Fabian Forster: Ohne Ortskr&auml;fte w&auml;re der Einsatz in Afghanistan kaum m&ouml;glich gewesen, S. 12-15</p>
<p>&nbsp;Winfried Nachtwei: Hintergr&uuml;nde zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, S. 16-29</p>
<p>(Leseprobe: file:///C:/Users/Winfried/AppData/Local/Temp/10298_Wir_dienten_Deutschland_Leseprobe.pdf )</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Mein 2. Beitrag in dem Ortskr&auml;fte-Buch </span></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Afghanische Ortskr&auml;fte: Im Einsatz f&uuml;r ihr Land zwischen die Fronten geraten</span></strong></p>
<p>(Stand Oktober 2017)</p>
<p>Das in Deutschland vorherrschende Bild des internationalen Afghanistaneinsatzes ist l&uuml;ckenhaft: Im Mittelpunkt standen &uuml;ber die Jahre die Einsatzgebiete der Bundeswehr, pr&auml;gend waren die offen kriegerischen Jahre des Einsatzes ab 2008/2009. Noch am ehesten &ndash; aber immer noch zu wenig - wahrgenommen wurden die eigenen Gefallenen und Verwundeten, Berichte von Einsatzr&uuml;ckkehrern der Bundeswehr und ihre Schicksale. Fast keine Aufmerksamkeit fanden die Erfahrungen deutscher Polizisten und Entwicklungshelfer, die ganze Breite des zivil-milit&auml;rischen Einsatzes, praktische Aufbaufortschritte, die Lage in Regionen au&szlig;erhalb des deutschen Einsatzgebietes, z.B. bei den Niederl&auml;ndern in Uruzgan im S&uuml;den.</p>
<p>Wie die afghanischen Menschen, denen der internationale Stabilisierungseinsatz doch vor allem zugute kommen sollte, diesen Einsatz erlebten und beurteilten, kam im deutschen Afghanistandiskurs kaum zur Sprache. Sie blieben weitgehend ohne Stimme und Gesicht. (Eine Ausnahme waren die f&uuml;nf Afghanistan-Umfragen von ARD, ABC und BBC zwischen 2004 und 2010,&nbsp; <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/afghanistanumfrage190.html">https://www.tagesschau.de/ausland/afghanistanumfrage190.html</a> , <em>der Lnk k&ouml;nnte auch entfallen)</em>.</p>
<p>Die Portraits der afghanischen Ortskr&auml;fte und die deutschen &bdquo;Zwischenrufe&ldquo; zu ihnen sind vor diesem Hintergrund eine Premiere und einzigartig.</p>
<p>Mit den afghanischen Ortskr&auml;fte, vor allem ehemaligen Sprachmittlern und Wachleuten, kommen nun erstmalig solche afghanischen Menschen zu Wort, die mit Soldaten der Bundeswehr wohl am intensivsten zu tun hatten und diese so nahe erlebten wie niemand sonst &ndash; im Feldlager und im Einsatz drau&szlig;en, im Umgang mit ihren Landsleuten, bei Patrouillen, bei der Gespr&auml;chsaufkl&auml;rung und CIMIC-Projekten, in Hinterhalten und Gefechten, in Extremsituationen. Die &bdquo;Zwischenrufe&ldquo; von vier Bundeswehroffizieren, je eines&nbsp;&nbsp; Entwicklungshelfers, eines Islamwissenschaftlers und NDR-Korrespondenten mit langj&auml;hrigen Afghanistanerfahrungen sowie einer Mitarbeiterin des Roten Kreuzes spiegeln ihre Erfahrungen mit afghanischen Ortskr&auml;ften. Sie vermitteln zugleich einen Eindruck von die Breite und Vielfalt des Bundeswehreinsatzes und des ressort&uuml;bergreifenden Engagements insgesamt.</p>
<p>Anfang Juni 2016, im zweiten Jahr nach ISAF-Abzug, waren laut Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage insgesamt noch erstaunlich viele, n&auml;mlich rund 3.500 lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Afghanistan direkt oder indirekt f&uuml;r deutsche Bundesministerien und politische Stiftungen t&auml;tig: 534 Ortskr&auml;fte , davon 471 f&uuml;r das Verteidigungsministerium, 56 f&uuml;r das Ausw&auml;rtige Amt, 7 f&uuml;r das Innenministerium. Im Auftrag des Entwicklungsministeriums arbeiteten ca. 1.560 lokale Mitarbeiter bei Durchf&uuml;hrungsorganisationen und politischen Stiftungen sowie weitere ca. 1.400 afghanische Staatsb&uuml;rger unter Werkvertrag bzw. als Mitarbeiter von Consulting-Firmen. Im Juni 2017 arbeiteten f&uuml;r die Bundeswehr noch rund hundert Sprachmittler vor Ort.</p>
<p><strong>Br&uuml;cken zwischen fremden Welten</strong></p>
<p>Die 5000 km zwischen Deutschland und Afghanistan sind heutzutage schnell zu &uuml;berbr&uuml;cken. Unvergleichlich gr&ouml;&szlig;er ist die gesellschaftliche und kulturelle Distanz zwischen den beiden L&auml;ndern &ndash; ihren Sprachen, Gesellschaftsstrukturen, Werten und Normen, kollektiven Erfahrungen, der Rolle von Familie, Mann und Frau, Staat, Religion, Gewalt im Alltag, pers&ouml;nlichen Beziehungen, ihrer Wirtschaft, Lebenswirklichkeit und Risiken. Die Zersplitterung der afghanischen Gesellschaft erschwert es Ausl&auml;ndern zus&auml;tzlich, das Land und seine Menschen zu verstehen, sich in dem Land zu bewegen und zu handeln.</p>
<p>Die wenigsten Ausl&auml;nder kommen mit ausreichender Kenntnis der Landesprachen nach Afghanistan. Au&szlig;erhalb der internationalen Inseln der Englisch Sprechenden w&auml;ren Ausl&auml;nder taub, stumm und blind, wenn ihnen nicht Ortskr&auml;fte und Sprachmittler zur Seite stehen w&uuml;rden. Sie sind unverzichtbare Kontaktpersonen und Orientierungshilfen, sprachliche und kulturelle Br&uuml;ckenbauer zwischen Welten, die sich sonst fremd blieben, die sich nicht und missverstehen w&uuml;rden &ndash; und schnell in Konflikt geraten k&ouml;nnten. Zusammen mit den Feldnachrichten- und CIMIC-Kr&auml;ften sowie Interkulturellen Einsatzberatern der Bundeswehr sind die Ortskr&auml;fte, insbesondere die Sprachmittler menschliche Bodenstationen, die durch nichts zu ersetzen sind.</p>
<p>Das gilt besonders im Kontext eines Einsatzes, der eben nicht als Besatzungsmacht ausl&auml;ndische Interessen gewaltsam durchsetzen sollte, sondern laut UNO-Auftrag einheimische Kr&auml;fte bei Stabilisierung, Aufbau, Friedenskonsolidierung ihres kriegszerr&uuml;tteten Landes unterst&uuml;tzen und K&ouml;pfe und Herzen der Bev&ouml;lkerung gewinnen sollte. Deshalb wurde die internationale Truppe ja auch &bdquo;International Security Assistance Force&ldquo; genannt.</p>
<p><strong>Wege zur Ortskraft</strong></p>
<p>Die Talibanzeit ist den meisten Ortskr&auml;ften noch deutlich in Erinnerung, einzelne haben die Wechselb&auml;der der Regimewechsel seit den Kommunisten erlebt. Im Unterschied zu einer meist auf aktuelle Ereignisse fixierten internationalen Afghanistanberichterstattung haben sie den Langzeitvergleich. Nach dem Sturz des Taliban-Regimes sahen sie ISAF als Hoffnungstr&auml;ger f&uuml;r eine bessere Zukunft ihres Landes. Die sp&auml;teren Sprachmittler haben durchweg eine h&ouml;here Schulbildung und Englisch gelernt, einer von ihnen auch Deutsch auf der bekannten Amani-Schule in Kabul.</p>
<p>Vor allem &uuml;ber &bdquo;Mundpropaganda&ldquo; von Bekannten erfuhren sie von Arbeitsm&ouml;glichkeiten bei ISAF. Als treibende Motive nennen sie: die Aussicht auf gute Verdienstm&ouml;glichkeiten, vor allem wenn sie Verantwortung f&uuml;r ihre Familie trugen. Immer wieder betonen sie ihren Wunsch, mit ISAF etwas f&uuml;r das eigene Land, f&uuml;r Sicherheit und Frieden tun zu k&ouml;nnen. Im Vergleich zum staatlichen Dienst und den Sicherheitskr&auml;ften mit ihrer verbreiteten Vetternwirtschaft, Korruption und Unorganisiertheit hofften etliche, Afghanistan bei ISAF besser dienen zu k&ouml;nnen. &bdquo;F&uuml;r mich war es die einzige M&ouml;glichkeit, etwas f&uuml;r mein Land zu tun, ohne etwas mit Korruption zu tun zu haben.&ldquo; (Abdullah Arian) Einige Ortskr&auml;fte nennen ausdr&uuml;cklich Neugier auf fremde Kulturen und Selbstentfaltung als wichtige Motive.</p>
<p>In der afghanischen Gesellschaft dominieren die Gruppeninteressen von Familie, Clans, Ethnien, Loyalit&auml;tsbeziehungen. Gesamtstaatlich orientierter Gemeinsinn, unverzichtbar f&uuml;r bessere Regierungsf&uuml;hrung, ist relativ schwach entwickelt. Unter den &uuml;berwiegend j&uuml;ngeren und besser gebildeten lokalen Sprachmittlern gibt es &ndash; bei allen fortbestehenden Familienbindungen &ndash; offenbar deutlich mehr von diesem seltenen Gemeinsinn.</p>
<p><strong>Vief&auml;ltige Aufgaben, enorme Herausforderungen</strong></p>
<p>Die Ortskr&auml;fte waren mehrere Jahre bei deutschen Arbeitgebern besch&auml;ftigt, einzelne sieben, gar elf Jahre. Die ehemaligen Sprachmittler waren in der vollen Breite des milit&auml;rischen und zivilen Einsatzspektrums eingesetzt:</p>
<p>Die Infanterie- und Fallschirmj&auml;gereinheiten begleiteten sie bei Patrouillen, waren Schl&uuml;sselpersonen bei der Gespr&auml;chsaufkl&auml;rung. Sie erlebten und durchlitten die Einsatzstrapazen, Hinterhalte und Gefechte, Gefallene und Verwundete aus n&auml;chster N&auml;he. Sie trugen dieselben Belastungen wie die Bundeswehrsoldaten, aber auch ganz spezifische: die Ohnmacht des milit&auml;risch Unausgebildeten und Waffenlosen im Gefecht; die besondere Angst, Aufst&auml;ndischen in die H&auml;nde zu fallen; die Einsatzdauer (z.B. zwei Jahre bei der Task Force Kunduz). Die lange Gel&auml;nde- und Gefechtserfahrung konnte einzelne Sprachmittler aber auch zu einer &bdquo;lebenden Landkarte&ldquo; (Fawad Shakoor)&nbsp; werden lassen. Ein Sprachmittler berichtet, bei Patrouillen im Koran gelesen und gebetet zu haben.</p>
<p>An der Seite der milit&auml;rischen Beraterteams (OMLT) erlebten Sprachmittler die Notwendigkeit der Aufbauhilfe f&uuml;r die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte. Einm&uuml;tig stellen sie fest, dass diese zu fr&uuml;h sich selbst &uuml;berlassen wurden und dann mit ISAF-Abzug den Taliban unterlegen waren.</p>
<p>Beim Regional Media &amp; Information Center (RMIC) in Mazar-e Sharif arbeiteten Ortskr&auml;fte als Medienanalyst, Journalistin und Sprachmittler daran, Einstellungen in der Bev&ouml;lkerung zu erfragen, den Auftrag von ISAF und die Aktivit&auml;ten der afghanischen Sicherheitskr&auml;fte zu erkl&auml;ren und Vertrauen zu schaffen. Der Taliban-Propaganda sollten sie entgegenwirken und verst&auml;rkt soziale Medien in Konfliktgebieten nutzen. Zur Sprache kommt dabei aber auch das mit der Zeit wachsende Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem von ISAF, die trotz &uuml;berlegener Kr&auml;fte ihr Schutzversprechen bei der Landbev&ouml;lkerung gegen relativ kleine Taliban-Kr&auml;fte immer weniger einl&ouml;sen konnte.</p>
<p>Einzelne ehemalige Sprachmittler k&ouml;nnen von vielf&auml;ltigen Aufbauprojekten im Rahmen von CIMIC und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit berichten. Schwerpunkte waren dabei Gesundheit, Bildung, Infrastruktur und Wasserversorgung. Betont wird eine wirksame Korruptionspr&auml;vention dabei. Deutsche Steuergelder seien gut angelegt worden.</p>
<p>Die f&uuml;nf ehemaligen Wachm&auml;nner aus dem Provincial Advisory Team (PAT) Taloqan und dem PRT Kunduz schildern ihren erfolgreichen Einsatz bei der Zugangskontrolle und Absicherung der Feldlager. Am 18. Mai 2011 standen die afghanischen Wachm&auml;nner bei einer gewaltt&auml;tigen Demonstration vor dem PAT Taloqan in der ersten Reihe und verhinderten eine St&uuml;rmung des Feldlagers. Der Kommandant der Security Guards des PRT Kunduz trug von 2006 bis 2013 die Verantwortung f&uuml;r die Sicherheit im Feldlager. Erfolgreich konnte auch jeder Infiltrationsversuch von Taliban verhindert werden.</p>
<p>Einige der Ortskr&auml;fte studierten parallel zu ihrer Arbeit bei ISAF weiter.</p>
<p>In Teilen der deutschen Bev&ouml;lkerung gilt der Afghanistaneinsatz unterschiedslos als Kriegseinsatz, &uuml;ber 15 Jahre nur Krieg. Alle Ortskr&auml;fte erinnern deutlich an die ersten hoffnungsvollen Jahre, als es noch wenige Sicherheitsvorf&auml;lle gab und eine weitgehende Bewegungsfreiheit auch f&uuml;r ausl&auml;ndische Soldaten. Und dann ab 2007 die schrittweise Verschlechterung der Sicherheitslage auch in Teilen des Nordens.</p>
<p><strong>Erfahrungen miteinander</strong></p>
<p>Das Urteil der ehemaligen Ortskr&auml;fte &uuml;ber die Bundeswehr und ihre Soldaten ist rundum positiv: Hervorgehoben wird, dass die Deutschen in Afghanistan nicht &ndash; wie etliche andere Verb&uuml;ndete - in erster Linie ihre eigenen Interessen verfolgen w&uuml;rden. Die Bundeswehrsoldaten w&uuml;rden die Kultur und Religion der Afghanen respektieren, bei Feuerwechseln R&uuml;cksicht auf die Zivilbev&ouml;lkerung nehmen. Die meisten Landsleute h&auml;tten das nicht als Schw&auml;che verstanden. Zugleich seien die deutschen Soldaten sehr professionell und den Aufst&auml;ndischen &uuml;berlegen gewesen. &bdquo;Wir Sprachmittler und die Soldaten sa&szlig;en im gleichen Boot. Wir haben alle das gleiche Ziel verfolgt und waren den gleichen Gefahren ausgesetzt.&ldquo; (Abdul Wali U. Khel) Man habe zusammen geredet und gelacht. Die deutschen Soldaten h&auml;tten sie als gute Kameraden erfahren. Insgesamt h&auml;tten die Bundeswehrsoldaten &uuml;ber etliche Jahre in der Bev&ouml;lkerung einen besonders guten Ruf gehabt.</p>
<p>Dieses Positivurteil l&auml;sst sich nicht als afghanische H&ouml;flichkeit gegen&uuml;ber ihren fr&uuml;heren Arbeitgebern abtun. Meine Erfahrungen aus 19 Afghanistanbesuchen kommen zu demselben Ergebnis. Exemplarisch war eine Begegnung Anfang Mai 2007 in der Koranschule in Kunduz. Auf meine Frage an die Koransch&uuml;ler, wie sie die Bundeswehrsoldaten f&auml;nden, antworteten sie: &bdquo;Die verhalten sich anst&auml;ndig&ldquo;. In einer Gesellschaft, wo Ehre und Respekt zentral sind, ist ein solches Urteil &uuml;ber ausl&auml;ndische Soldaten eine Bestnote. Die von mir 2015 geleitete Unabh&auml;ngige Untersuchungskommission &bdquo;G36 im Gefecht&ldquo; brachte auch Aufschl&uuml;sse &uuml;ber das Gefechtsverhalten der Bundeswehrsoldaten: Ihr Schusswaffeneinsatz war insgesamt bemerkenswert kontrolliert, die R&uuml;cksichtnahme auf Zivilbev&ouml;lkerung eine zentrale Einsatzregel.</p>
<p>Die Afghanistan-erfahrenen deutschen &bdquo;Zwischenrufer&ldquo; kommen ihrerseits zu einem hervorragenden Urteil &uuml;ber die Ortskr&auml;fte, insbesondere die Sprachmittler. Sie haben sie hoch sch&auml;tzen gelernt: &uuml;ber das blo&szlig;e &Uuml;bersetzen hinaus auch als kulturelle und zwischenmenschliche Br&uuml;cken, als T&uuml;r&ouml;ffner bei afghanischen Polizisten, Soldaten und Zivilbev&ouml;lkerung, als Vermittler und Organisatoren von Kontakten, als Sensoren f&uuml;r Stimmungen und Warner vor Anschl&auml;gen, als Ged&auml;chtnis zwischen den wechselnden Kontingenten und eine Art Stabilit&auml;tsanker, als Vermittler bei Konflikten mit Einheimischen. Zur Sprache kommen aber auch Unsicherheiten, ob Sprachmittler Botschaften so r&uuml;ber bringen, wie sie gemeint sind, oder vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Netzwerke und Interessen &bdquo;kreativ&ldquo; &uuml;bersetzen. Oder bei neuen Kontingenten die Unsicherheit, dass in Afghanistan jeder eine potenzielle Gefahr darstellt, und die Angst vor &bdquo;Innent&auml;tern&ldquo;, Angreifern in Milit&auml;r- oder Polizeiuniform, generell. 2012 gab es allein 43 solcher Innent&auml;ter bei ISAF insgesamt. Umso wichtiger sei der offensive Aufbau von Vertrauen zwischen &bdquo;Bedarfstr&auml;gern&ldquo; und Sprachmittlern mit Respekt, Offenheit und Kommunikationsf&auml;higkeit. &bdquo;Respekt sch&uuml;tzt vor Innent&auml;tern&ldquo; betont Kompaniechef Marcel Bohnert als Leitlinie. Die Grunds&auml;tze der Inneren F&uuml;hrung erwiesen sich hierbei als ausgesprochen hilfreich.</p>
<p>Zusammenfassend kommt Michael Rohrsch&uuml;rmann zu dem Urteil: &bdquo;Ohne lokales Personal geht es nicht. Ich w&uuml;rde fast sagen, dass es nichts Wichtigeres gibt.&ldquo; Und Marcel Bohnert:&nbsp; Die Ortskr&auml;fte &bdquo;gingen mit Leidenschaft und Herzblut ans Werk&ldquo;. Ihnen sei es um die Sache und nicht nur um das Geld gegangen.</p>
<p><strong>Die Landsleute: gespalten</strong></p>
<p>Die Ortskr&auml;fte arbeiteten f&uuml;r ISAF und die Deutschen nicht zuletzt daf&uuml;r, ihre Familien durchzubringen und ihnen ein besseres Leben zu erm&ouml;glichen. Mit ihrer deutlich besseren Entlohnung als bei der afghanischen Armee oder als Lehrer konnten sie das auch &uuml;ber Jahre gew&auml;hrleisten.</p>
<p>Die Familien selbst sahen die Besch&auml;ftigung ihrer jungen Angeh&ouml;rigen bei ISAF und anderen ausl&auml;ndischen Einrichtungen sehr unterschiedlich: unterst&uuml;tzend die einen, sorgenvoll und skeptisch, auch ablehnend die anderen.</p>
<p>In Teilen der Bev&ouml;lkerung kursierten abenteuerliche Ger&uuml;chte &uuml;ber die Deutschen und die Sprachmittler, zum Beispiel der Verdacht, mit den Schutzbrillen k&ouml;nne durch Kleidung gesehen werden. Ortskr&auml;ften, insbesondere den besonders sichtbaren Sprachmittlern, wurde vorgeworfen, f&uuml;r die &bdquo;Ungl&auml;ubigen&ldquo; zu arbeiten, selbst &bdquo;keine Muslime&ldquo; und &bdquo;Spione&ldquo; zu sein. Parallel zum schwindenden R&uuml;ckhalt von Regierung und internationalen Truppen in der Bev&ouml;lkerung, der Verschlechterung der Sicherheitslage und dem wachsenden Einfluss der Taliban nahm die negative Stimmung gegen&uuml;ber den Ortskr&auml;ften zu. Taliban-Propaganda verbreitete die L&uuml;ge, deutsche Soldaten w&uuml;rden afghanische M&auml;dchen im Feldlager vergewaltigen. Als der schrittweise Abzug der ISAF-Kampftruppen erkennbar wurde (im Oktober 2012 R&uuml;ckzug aus Feyzabad, im Oktober 2013 aus Kunduz), erfuhren Ortskr&auml;fte zunehmend Drohungen: als Anrufe, Briefe, &uuml;ber Familienangeh&ouml;rige und direkt. Mehrere Ortskr&auml;fte berichten von Angriffen auf ihr Haus, von Entf&uuml;hrungsversuchen. Sie erlitten mit ihren Familien eine Art Sippenhaft. Im Oktober 2013, vier Wochen nach Schlie&szlig;ung des PRT Kunduz, wurde der ehemalige Sprachmittler der Bundeswehr, Dschawad Wafa, ermordet, im September 2014 die Kollegin Palwada Tokhi vom Regionalen Medienzentrum in Mazar-e Sharif.</p>
<p>Der ermordete Dschawad Wafa geh&ouml;rte zu den Organisatoren einer kleinen Demonstration ehemaliger Ortskr&auml;fte, die Ende M&auml;rz 2013 vor dem PRT Kunduz gegen die langwierige und b&uuml;rokratische Bearbeitung ihrer Aufnahmeantr&auml;ge protestierten. Am 19. April 2013 erhielt ein erster ehemaliger Bundeswehrhelfer eine Aufnahmezusage f&uuml;r Deutschland. Anfang 2014 besch&auml;ftigte die Bundeswehr vor Ort noch rund 1500 Ortskr&auml;fte, davon 450 Sprachmittler.</p>
<p>Der langj&auml;hrige ARD-S&uuml;dasien-Korrespondent Christoph Heinzle schildert die Absurdit&auml;t der Verfahren zur Aufnahme afghanischer Ortskr&auml;fte nach &sect; 22 Aufenthaltsgesetz, wo eine akute Bedrohung konkret belegt werden musste: Die B&uuml;rokratie h&auml;tte Todesdrohungen wohl am liebsten schriftlich. Der ehemalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe kritisierte 2014, dass die Ortskr&auml;fte offenbar nicht geplant gewesen seien. Da sie in keinem Gesetz vork&auml;men, seien sie aus dem Raster gefallen.</p>
<p>2015/2016 ver&auml;nderte sich die Aufnahmebereitschaft gegen&uuml;ber den ehemaligen Ortskr&auml;ften erheblich, vor allem wegen der anderen Entscheidungspraxis im Bereich der Bundeswehr. Bis Juli 2015 gab es nur bei 37% aller Antr&auml;ge Aufnahmezusagen. In den sieben Folgemonaten bis Februar 2016 stieg die Anerkennungsquote auf 92%. Hierbei wird auch die zeitweilige Besetzung von Kunduz im Herbst 2015 eine Rolle gespielt haben.</p>
<p>Anfang Mai 2016 hatten insgesamt 1.924 Ortskr&auml;fte ihre Gef&auml;hrdung angezeigt, davon 1.542 des Verteidigungsministeriums, 217 des Innen- und 112 des Entwicklungs- und 53 des Au&szlig;enministeriums. 795 der Ortskr&auml;fte (davon 635 Ortskr&auml;fte des BMVg) erhielten eine Aufnahmezusage des Bundesinnenministeriums. In 1.054 F&auml;llen (davon 870 Ortskr&auml;fte des BMVg) wurde &bdquo;mangels Gef&auml;hrdung&ldquo; keine Aufnahmezusage erteilt. 579 Ortskr&auml;fte reisten mit zus&auml;tzlichen 1.715 Angeh&ouml;rigen ihrer Kernfamilien nach Deutschland aus. Bis M&auml;rz 2017 waren insgesamt 2.947 Personen, davon 703 ehemalige Ortskr&auml;fte, nach Deutschland ausgereist.</p>
<p><strong>Im R&uuml;ckblick</strong></p>
<p>Die in diesem Buch zu Wort kommenden ehemaligen Ortskr&auml;fte mussten nach ihrer Gef&auml;hrdungsanzeige unterschiedlich lange warten, bis sie eine Aufenthaltszusage und&nbsp; ein Visum erhielten und der Angst in der Heimat entkommen konnten.</p>
<p>Christine M&uuml;ller vom Bayerischen Roten Kreuz berichtet, dass sich um die bis Mitte 2014 in Deutschland eintreffenden ehemaligen Ortskr&auml;fte und ihre Familienangeh&ouml;rigen niemand gek&uuml;mmert habe. Auch von der Bundeswehr h&auml;tten sie sich allein gelassen gef&uuml;hlt, von der sie Gesten des Respekts, der Dankbarkeit und der Gastfreundschaft erwartet h&auml;tten.</p>
<p>Der gr&ouml;&szlig;te Kulturschock sei der Verlust von Respekt und des bisherigen, an die Familie gebundenen Sozialstatus gewesen. &bdquo;Hier sind sie nichts.&ldquo;</p>
<p>R&uuml;ckblickend &auml;u&szlig;ern die ehemaligen Ortskr&auml;fte doppelte Dankbarkeit: f&uuml;r die Arbeit bei den Deutschen, die richtig gewesen sei und ein gutes Leben erm&ouml;glicht habe, und f&uuml;r die Aufnahme in Deutschland. Sie nennen aber auch den schmerzhaft hohen Preis, den sie mit ihren Familien daf&uuml;r zahlen m&uuml;ssen:</p>
<p>&bdquo;Ich habe f&uuml;r die Bundeswehr gearbeitet, um meinem Heimatland Frieden und Sicherheit zu erm&ouml;glichen. Das war eine gute Erfahrung und es hat sich gelohnt, auch wenn ich dadurch meine eigene Sicherheit und Freiheit verloren habe.&ldquo; (Aliullah Nazary)</p>
<p>&bdquo;Ich liebe Afghanistan wie ich meine Mutter liebe. Das war der Grund, warum ich f&uuml;r ISAF gearbeitet habe. Ich wollte meinem Land helfen. (&hellip;) H&auml;tte ich jedoch gewusst, wie die Situation f&uuml;r mich enden w&uuml;rde, h&auml;tte ich ehrlich gesagt nie f&uuml;r ISAF gearbeitet. (&hellip;) Ich bin schuld daran, dass meine Familie nicht mehr vor die T&uuml;r kann.&ldquo; (Zainullah Azimi)</p>
<p>&bdquo;Jeder aus meiner Familie ist jetzt auf der Flucht. Ich habe meiner Familie nur geschadet.&ldquo; (Fawad Shokoor)</p>
<p>Die Journalistin Bahaar: &bdquo;Manchmal habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe, dass mir all das widerfahren ist (<em>die Drohungen und die Angst, die ihr die Kraft nahmen</em>). Ich war flei&szlig;ig in der Schule, geh&ouml;rte zu den besten Studentinnen an der Uni. Ich habe meine Familie unterst&uuml;tzt, war anderen Menschen gegen&uuml;ber respektvoll. Ich habe mich an die Regeln gehalten. Habe meinen Job nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Ich habe niemandem Probleme bereitet. Warum? Warum waren sie so zu mir?&ldquo;</p>
<p><strong>Kameradschaft, Gastfreundschaft, Verantwortung</strong></p>
<p>Die (ehemaligen) afghanischen Ortskr&auml;fte waren und sind unverzichtbar f&uuml;r den deutschen Afghanistaneinsatz, sie leisten Gro&szlig;es f&uuml;r ihre Landsleute und ihr Land. Dabei nahmen sie hohe Belastungen und Risiken in Kauf. Daf&uuml;r geb&uuml;hrt ihnen seitens der deutschen Politik und Gesellschaft Aufmerksamkeit, herzlicher Dank und Anerkennung.</p>
<p>Vor allem seit der Verschlechterung der Sicherheitslage haben sie mit ihren Familien massiv unter Bedrohungen von Leib und Leben zu leiden und mussten ihre Heimat verlassen.</p>
<p>Ihnen gegen&uuml;ber, die an sozialen Einsatzfolgen leiden, steht ihr ehemaliger Dienstherr, die Bundesrepublik Deutschland, in selbstverst&auml;ndlicher F&uuml;rsorgepflicht. Diese wurde leider erst z&ouml;gerlich und mit Versp&auml;tung erkannt. Sie wird inzwischen zunehmend verl&auml;sslicher praktiziert.</p>
<p>Im Generalinspekteurs-Brief 1/2015 vom 19. Januar 2015 rief General Volker Wieker zu einem durch freiwilliges Engagement getragenen Patenschaftsprogramm der Bundeswehr f&uuml;r die ehemaligen afghanischen Ortskr&auml;fte auf. Bis Anfang September 2017 hatten sich 458 Freiwillige zur &Uuml;bernahme einer Patenschaft gemeldet und konnten 187 Patenschaften geschlossen werden. Um die Paten zu vernetzen und um sich gegenseitig zu unterst&uuml;tzen, gr&uuml;ndete sich Anfang Mai 2015 das &bdquo;Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskr&auml;fte e.V.&ldquo;.</p>
<p>Ein solches freiwilliges Engagement ist sehr fordernd und ohne gewisse professionelle Unterst&uuml;tzung &uuml;ber l&auml;ngere Zeit kaum durchhaltbar. Der Beirat f&uuml;r Fragen der Inneren F&uuml;hrung appellierte im Herbst 2017 in einem Schreiben an die Verteidigungsministerin Dr. von der Leyen, eine angemessene personelle Stabilisierung des Patenschafts-Engagements (z.B. durch mehrere Sozialarbeiterstellen) in die Wege zu leiten. Denn das freiwillige Engagement aktiver und ehemaliger Bundeswehrangeh&ouml;riger f&uuml;r die ehemaligen afghanischen Ortskr&auml;fte ist gelebte Kameradschaft und F&uuml;rsorge gegen&uuml;ber Menschen, die den Einsatzsoldaten oft selbst mal unter hohem Risiko gute Kameraden waren. Paten erg&auml;nzen die F&uuml;rsorgepflicht des Dienstherrn und f&uuml;llen sie mit Leben.</p>
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