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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Erstmalige BroschÃ¼re zu den Orten der Erinnerung in Riga: Wichtiger Fortschritt in der Erinnerung an den Naziterror in Riga ab 1941 und die Deportationen dorthin (mit ErgÃ¤nzung zum ehem. Ghetto)  </title>
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    <span class="xar-mod-title">Erinnerungsarbeit + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            Erstmalige BroschÃ¼re zu den Orten der Erinnerung in Riga: Wichtiger Fortschritt in der Erinnerung an den Naziterror in Riga ab 1941 und die Deportationen dorthin (mit ErgÃ¤nzung zum ehem. Ghetto)           </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 24. Januar 2021 18:35:56 +01:00 (31533 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>In weniger als vier Monaten erstellte der Volksbund Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge den ersten Riga-Guide zu Orten in der lettischen Hauptstadt, an denen unter deutscher Besatzung Massenverbrechen allt&auml;glich waren: das ehemalige Ghetto, das W&auml;ldchen von Rumbula, die Massengr&auml;ber von Bikernieki, das Lager Salaspils, die sp&auml;rlichen Spuren von KZ Kaiserwald und Jungfernhof, die Gogolsynagoge. Hier der Link zur Brosch&uuml;re und Bestelladresse.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Wichtiger Fortschritt in der Erinnerung an den Naziterror in Riga</strong></p>
<p align="center"><strong>und die Deportationen dorthin: Erstmalige Brosch&uuml;re zu den</strong></p>
<p align="center"><strong>Orten der Erinnerung </strong>(mit Erg&auml;nzung zum ehem. Ghetto)</p>
<p align="center">(Reihe &bdquo;1941 &ndash; 80 Jahre&ldquo; (1))</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (01/2021)</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Jahrzehntelang war in West und Ost weitestgehend unbekannt, vergessen und verdr&auml;ngt,</p>
<p>dass nach dem deutschen &Uuml;berfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 das lettische Riga, das wei&szlig;russische Minsk und das litauische Kowno zu den ersten Vernichtungsorten deutscher und &ouml;sterreichischer Juden wurden. Im Dezember 1991 wurde erstmalig in mehreren deutschen St&auml;dten ihrer vor 50 Jahren nach Riga verschleppten und dort verschollenen j&uuml;dischen Nachbarn gedacht. Mit der Gr&uuml;ndung des Deutschen Riga Komitees mit Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge im Mai 2000 und der Einweihung der Gedenkst&auml;tte Riga-Bikernieki am 30. November 2001 entstanden Br&uuml;cken lebendiger Erinnerung zwischen Nationen und Generationen. Ihre zentralen S&auml;ulen sind neben Internationalen Jugend-Workcamps des Volksbundes in Riga Gedenkreisen aus Herkunftsorten der 25 Deportationen. Wer einmal mit sachkundiger F&uuml;hrung, gar mit Zeitzeugen an diesen Orten war, vergisst sie nie mehr.</p>
<p>Jahr f&uuml;r Jahr besuchen hunderttausende Touristen, darunter auch viele historisch-politisch Interessierte aus Deutschland, die geschichtstr&auml;chtige, sch&ouml;ne Hansestadt. F&uuml;r solche Touristen waren die Orte der Erinnerung an das W&uuml;ten der Nazis und ihrer Helfershelfer in Riga ab 1941 bisher kaum erkennbar und nur schwer zug&auml;nglich. Der vom Volksbund herausgegebene Riga-Guide &bdquo;Gedenken und Mahnung &ndash; Orte des Erinnerns&ldquo; bietet jetzt eine gro&szlig;e Hilfe.</p>
<p>Er ist zugleich ein wichtiger Beitrag zu einer europ&auml;ischen Erinnerungskultur, wo die traumatischen kollektiven Erfahrungen der Menschen in (Mittel-.)Osteuropa mit Massengewalt und Staatsterrorismus aus verschiedenen Richtungen deutlich werden. Und zeitlich passend zum Auftakt des Jahres 2021, in dem sich der Beginn des historisch beispiellosen, deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion und darin der mobilen und station&auml;ren Massenvernichtung der j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerung durch Einsatzgruppen und Polizeibataillone ab 22. Juni zum 80. Mal j&auml;hrt.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zur Entstehung der Brosch&uuml;re</span>: Die Idee besch&auml;ftige uns in einem Kreis der &bdquo;Villa ten Hompel&ldquo; in M&uuml;nster schon seit l&auml;ngerem. Nur fand sich kein Weg der professionellen Umsetzung. Beim j&uuml;ngsten Symposium des Riga Komitees am 24. September 2020 im Berliner Roten Rathaus brachte ich bei der Abendveranstaltung die Idee eines Riga-Guide zur Sprache. Der mir gegen&uuml;ber sitzende Prof. Dr. Eckart Stratenschulte, langj&auml;hriger Direktor der Europ&auml;ischen Akademie und jetzt im Hauptstadtb&uuml;ro des Volksbundes f&uuml;r das Projekt PEACE LINE zust&auml;ndig, fand die Idee gut und ging zu Volksbund-Pr&auml;sident Wolfgang Schneiderhan. Wenig sp&auml;ter kamen sie zu mir, fragten, ob ich zur Unterst&uuml;tzung bereit sei. Anwesend war auch Botschafterin Michaela K&uuml;chler, Sonderbeauftragte des Ausw&auml;rtigen Amtes f&uuml;r Beziehungen zu j&uuml;dischen Organisationen, Holocaust-Erinnerung, Antisemitismus-Bek&auml;mpfung und internationale Angelegenheiten der Sinti und Roma und Vorsitzende der Internationalen Allianz zur Holocaust-Erinnerung. Sie hatte berichtet, dass das AA Projekte zur Erinnerung an den Holocaust f&ouml;rdere.</p>
<p>Keine vier Monate sp&auml;ter war die Brosch&uuml;re unter der Federf&uuml;hrung von Prof. Stratenschulte in deutscher und englischer Fassung fertig gestellt. Mit F&ouml;rderung des Ausw&auml;rtigen Amtes. Gro&szlig;er Dank!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Anmerkung</span>: In den Stra&szlig;en der &bdquo;Moskauer Vorstadt&ldquo; befand sich 1941 bis 1943 erst das lettisch-j&uuml;dische Ghetto und ab Dezember 1941 das &bdquo;Reichsjudenghetto&ldquo;. An die dunkle Geschichte dieses Viertels, in dem noch etliche Geb&auml;ude aus der Kriegszeit erhalten sind, erinnert keine Tafel und kein Gedenkstein. Die Stra&szlig;en des am l&auml;ngsten existierenden &bdquo;Reichsjudenghettos&ldquo; im Osten sind bisher nicht als Erinnerungsort kenntlich gemacht, obwohl hier abertausende j&uuml;dische Menschen eingesperrt waren, zur Zwangsarbeit gezwungen, gequ&auml;lt, selektiert und viele auf dem Alten J&uuml;dischen Friedhof erschossen wurden. Die im Riga Komitee verbundenen Herkunftsorte der Deportationen sollten sich zusammen mit dem Volksbund, dem Ausw&auml;rtigen Amt und der Stadt Riga daf&uuml;r einsetzen, dass das ehemalige Ghetto als Erinnerungsort kenntlich gemacht wird.</p>
<p>Hier im Anhang deshalb meine Rede zum Ghetto anl&auml;sslich der ersten Riga-Gedenkreise des Riga-Komitees 2010 mit Erg&auml;nzungen von sp&auml;teren Besuchen.</p>
<p>(Bericht von der 2. Gedenk- und Erinnerungsreise des von St&auml;dtevertretern des Riga Komitees nach Riga 2017, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1490">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1490</a> &nbsp;, und Weitere Erinnerungsorte in Riga (z.B. auch KGB-Haus), <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1489">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1489</a> &nbsp;)</p>
<p><em>Text des Volksbundes</em></p>
<p><strong>Riga &ndash; die dunkle Seite der sch&ouml;nen Stadt</strong></p>
<p><strong>Neue Volksbund-Brosch&uuml;re stellt Gedenkst&auml;tten der lettischen Hauptstadt vor, die an die Opfer des Holocaust erinnern</strong></p>
<p>18. Januar 2021<strong>Riga: Hansestadt und Ostseeperle. So wirbt das lettische Fremdenverkehrsamt f&uuml;r seine Hauptstadt, und das zu Recht. Aber: Sie hat auch dunkle Seiten, die eine neue Volksbund-Brosch&uuml;re beleuchtet. Angeregt hat sie das Deutsche Riga-Komitee, dem der Volksbund seit seiner Gr&uuml;ndung vor 20 Jahren angeh&ouml;rt.</strong></p>
<p>Es ist eine stark von Geschichte und vom Jugendstil gepr&auml;gte, lebhafte, moderne Metropole, direkt an der Ostsee gelegen, mit interessanten Museen, sch&ouml;nen Restaurants und netten Menschen. Riga ist eine Reise wert und sollte unbedingt auf die Wunschliste, sobald die Corona-Beschr&auml;nkungen der Vergangenheit angeh&ouml;ren.</p>
<p>Wenn man die Stadt jedoch besucht, sollte man sich auch mit der dunklen Seite ihrer Vergangenheit besch&auml;ftigen, die ihr vom nationalsozialistischen Deutschland aufgezwungen wurde. Riga war ein Deportationsort f&uuml;r J&uuml;dinnen und Juden aus dem Deutschen Reich einschlie&szlig;lich &Ouml;sterreich und dem besetzten B&ouml;hmen und M&auml;hren. Anfangs wurden die deutschen J&uuml;dinnen und Juden im Rigaer Ghetto untergebracht, in dem durch eine gigantische Mordaktion &bdquo;Platz geschaffen&ldquo; worden war. Sp&auml;ter wurden auch die &bdquo;Reichsjuden&ldquo; in Riga ermordet.</p>
<p>Es gibt eine Reihe von Gedenkst&auml;tten, die von diesen ungeheuren Mordaktionen Zeugnis ablegen. Die Massenerschie&szlig;ungspl&auml;tze Rumbula und Bikernieki, die Konzentrationslager Salaspils und Kaiserwald, das Mahnmal an der Gro&szlig;en Synagoge erinnern an Folter, &bdquo;Vernichtung durch Arbeit&ldquo; sowie Massenmord, der zwischen 1941 und 1944 dort begangen wurde.</p>
<p><strong>Anlass: 80. Jahrestag des &quot;Rigaer Blutsonntags&quot;</strong></p>
<p>Eine neue Brosch&uuml;re, die der Berliner Politikwissenschaftler Eckart Stratenschulte im Auftrag des Volksbunds erstellt hat, gibt Auskunft &uuml;ber diese und einige weitere Gedenkst&auml;tten und verbindet das mit praktischen Hinweisen, die das Auffinden und die Anreise leicht machen. Entstanden ist die vom Ausw&auml;rtigen Amt gef&ouml;rderte Publikation auf Anregung des <a href="https://www.volksbund.de/partner/deutsches-riga-komitee.html" target="_blank">Deutschen Riga-Komitees</a>. In diesem haben sich &uuml;ber 60 deutsche St&auml;dte zusammengeschlossen, aus denen j&uuml;dische Mitb&uuml;rgerinnen und Mitb&uuml;rger nach Riga deportiert worden waren. Die Brosch&uuml;re unter <a href="https://www.volksbund.de/mediathek/mediathek-detail/broschuere-riga-gedenken-und-mahnung.html">Mediathek | Volksbund Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge e. V.</a></p>
<p>Die Publikation reiht sich ein in mehrere neue Angebote. Dazu werden noch eine Ausstellung und weitere Brosch&uuml;ren geh&ouml;ren. Anlass sind der 80. Jahrestag des &bdquo;Rigaer Blutsonntags&ldquo; am 30. November 1941 und die Einweihung der <a href="https://kriegsgraeberstaetten.volksbund.de/friedhof/riga-bikerniekiwald" target="_blank">Gr&auml;ber- und Gedenkst&auml;tte Riga-Bikerniekiwald</a> vor 20 Jahren.</p>
<p>Die Brosch&uuml;re gibt es auf deutsch und englisch. Sie kann hier heruntergeladen oder beim Volksbund Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge, Sonnenallee 1, 34266 Niestetal bzw. per email: bestellungen@volksbund.de bestellt werden.</p>
<p><strong>Brochure &quot;Riga: Commemoration and Admonition&quot;</strong></p>
<p><strong>Places of Remembrance</strong></p>
<p>The purpose of this brochure is to present some of the memorials and museums that are able to offer visitors an insight into this dark chapter of European history.</p>
<p>The idea to create it came from the Riga Committee, which in its over twenty years of existence has made a major contribution towards keeping remembrance alive.&ldquo;</p>
<p align="center"><strong>Erl&auml;uterungen am Alten J&uuml;dischen Friedhof und</strong></p>
<p align="center"><strong>ehemaligen &bdquo;Reichsjudenghetto&ldquo;</strong></p>
<p align="center">(Rede bei der 1. Gedenkreise des Riga-Komitees 2010)</p>
<p><em>(Ecke Tejas/Virsaisu iela in der Moskauer Vorstadt)</em></p>
<p>Der Alte J&uuml;dische Friedhof war das erste St&uuml;ck Boden, das von Juden in Riga erworben werden konnte. Seit 1725 wurden hier Tote begraben.</p>
<p>Der Eingang befand sich an der S&uuml;dspitze zur Ebreju iela Richtung Makavas (Moskauer) iela mit einigen Holzgeb&auml;uden f&uuml;r das Bet- und Totenhaus und f&uuml;r die Friedhofsbesch&auml;ftigten. 1903 entstand ein sch&ouml;nes Geb&auml;ude f&uuml;r die Trauerfeierlichkeiten. Architekt war Paul Mandelstamm. In den 20er Jahren entstand ein neuer j&uuml;discher Friedhof in Smerlis.</p>
<p>Am 4. Juli 1941 w&uuml;tete die vom Kommandeur der Einsatzgruppe A, Walter Stahlecker, geplante Aktion auch auf dem Alten J&uuml;dischen Friedhof. Alle seine Geb&auml;ude wurden niedergebrannt, in ihnen die Friedhofsangestellten mit ihren Familien sowie in der Umgebung ergriffene Juden., insgesamt etwa 50 Menschen. Die Synagogenvernichtung vom 4. Juli sollte Auftaktsignal zu Pogromen und zur Ermordung der Juden in ganz Lettland sein.</p>
<p>Am 13. August 1941 ordnete Reichskommissar Lohse an: &bdquo;Das flache Land ist von Juden zu s&auml;ubern!&ldquo; Wo bisher in der &auml;rmlichen Moskauer Vorstadt 10.000 Menschen gewohnt hatten, wurden jetzt 30.000 Rigaer Juden zusammengepfercht. Am 25. Oktober wurde das Ghetto geschlossen. An dem Tag erschien in der &bdquo;Deutschen Zeitung im Ostland&ldquo; ein Artikel zum Ghetto, in dem sich zynisch &uuml;ber die Ghettoinsassen ausgelassen wurde. Drumherum Artikel einer ganz normalen deutschen Zeitungsseite: &bdquo;Gehwegr&auml;nder erneuern&ldquo;, &bdquo;Spielplan der Rigaer Oper&ldquo; etc.</p>
<p>Am 10. November 1941 bekam Riga einen neuen &bdquo;H&ouml;heren SS- und Polizeif&uuml;hrer Ostland und Russland Nord&ldquo; (HSSPF). Es war der SS-Obergruppenf&uuml;hrer Friedrich Jeckeln, vormals HSSPF West in D&uuml;sseldorf, ab Sommer 1941 HSSPF Russland S&uuml;d (Ukraine), verantwortlicher Planer und Organisator der Massaker von Kamenez-Podolsk (23.600 Opfer), Berditschew (18.000 Opfer), Dnjepropetrowsk (11.000) und Babi Jar bei Kiew Ende September (mehr als 33.000 Opfer). Von Himmler bekam er den Befehl, f&uuml;r die schon seit Oktober geplanten Deportationsz&uuml;ge aus dem Reich &bdquo;Platz zu schaffen&ldquo;. Am 30. November fr&uuml;hmorgens r&uuml;ckten deutsche und lettische Kr&auml;fte ins Ghetto von Westen ein. Menschen mussten raus auf die Stra&szlig;e, erst wurde gebr&uuml;llt, dann gepr&uuml;gelt, schlie&szlig;lich geschossen. Marschkolonnen von jeweils 1.000 Menschen setzten sich in Bewegung &uuml;ber die Moskauer Stra&szlig;e nach Rumbula. (n&auml;chste Station) Der 16-j&auml;hrige Margers Vestermanis war mitsamt seiner Familie im Ghetto. Er bekam den Befehl, zusammen mit einem Kameraden, Kinderleichen aufzusammeln und auf einem Schlitten hierher zum Alten J&uuml;dischen Friedhof zu bringen.</p>
<p>Im Oktober 1941 hatten die Leitungen der Ordnungspolizei im Reich einen Schnellbrief des Chefs der Ordnungspolizei erhalten betreffs &bdquo;Evakuierung&ldquo; von Juden &bdquo;zum Arbeitseinsatz im Osten&ldquo;. Nach Minsk und Riga sollten insgesamt 50.000 Juden &bdquo;evakuiert&ldquo; werden, in Z&uuml;gen mit jeweils 1.000 Personen u.a. aus den R&auml;umen Berlin, Leipzig/Dresden, Hamburg, Hannover, M&uuml;nster/Osnabr&uuml;ck/Bielefeld, Dortmund, D&uuml;sseldorf, K&ouml;ln, Kassel, Stuttgart, N&uuml;rnberg, Theresienstadt und Wien.</p>
<p>Erhalten ist die Niederschrift eine Besprechung in M&uuml;nster zwischen den Spitzen von Partei, Gestapo, Polizei, Stadt und Oberpr&auml;sidium. Es ging einzig und allein darum, die &bdquo;Evakuierungen&ldquo; ordnungsgem&auml;&szlig; abzuwickeln, die &Uuml;bernahme des zur&uuml;ckbleibenden Eigentums, der Wohnungen.</p>
<p>Erste Z&uuml;ge aus Berlin, M&uuml;nchen, Frankfurt/Main, Wien und Breslau waren f&uuml;r Riga in der zweiten Novemberh&auml;lfte &bdquo;zu fr&uuml;h&ldquo;. Sie wurden umgelenkt nach Kaunas in Litauen, wo die Deportierten sofort im Fort IX erschossen wurden.</p>
<p>Die Insassen der n&auml;chsten vier Z&uuml;ge aus N&uuml;rnberg, Stuttgart, Hamburg und Wien kamen in sas provisorische Auffanglager &bdquo;Jungfernhof&ldquo; an der Daugava. Der 5. Zug, der am 27. November Berlin verlassen hatte, kam am Morgen des 30. November am Rangierbahnhof Skirotava an. Seine Insassen wurden noch vor den Rigaer Juden in Rumbula erschossen. Der K&ouml;lner Zug (Abfahrt 7. Dezember) war dann der erste, dessen Insassen das entv&ouml;lkerte und verw&uuml;stete Ghetto betraten. Es folgten im dichten Takt die Transporte aus Kassel, D&uuml;sseldorf, M&uuml;nster/Osnabr&uuml;ck/Bielefeld, dann je vier Z&uuml;ge aus Wien und Berlin bis Ende Januar 1942 und ein Zug aus Dortmund. Insgesamt wurden etwa 28.000 j&uuml;dische Menschen aus dem &bdquo;Gro&szlig;deutschen Reich&ldquo; nach Riga verschleppt.</p>
<p>&Uuml;ber fast zwei Jahre, bis zum 2. November 1943, bestand in dem Viertel n&ouml;rdlich von uns nach &bdquo;Kleine Ghetto&ldquo; mit wenigen Tausend noch arbeitsf&auml;higen lettischen Juden jenseits der Ludzas iela sowie das &bdquo;Reichsjudenghetto&ldquo; mit der Bielefelder und D&uuml;sseldorfer Stra&szlig;e, die von hier aus anschlie&szlig;t, die K&ouml;lner, Prager, Berliner/Wiener und Leipziger Stra&szlig;e (Ludzas iela).</p>
<p>Die t&auml;glichen Essensrationen waren erb&auml;rmlich, oft stinkend und verdorben. Ein Arbeitskommando zu haben, konnte da eine &Uuml;berlebenschance sein. Manche waren hart, auf anderen begegnete einem Gefangenen vielleicht ein Mensch, gab es etwas mehr in der Suppe, M&ouml;glichkeit zum Tauschen. Aber wehe, bei jemandem wurde bei R&uuml;ckkehr ins Ghetto Tauschgut gefunden. Dann wurden solche Menschen hierher zum Rand des Alten J&uuml;dischen Friedhofs gebracht und sofort von Ghetto-Kommandant Krause erschossen. Da war einer, der in n&auml;chsten Moment dem Kind der gerade erschossenen Mutter Schokolade schenkte.</p>
<p>Ca. 200 Meter von hier die D&uuml;sseldorfer Stra&szlig;e herunter befand sich damals der Blechplatz, wo die Appelle stattfanden, der Galgen stand. Hier begannen am 5. Februar und 15. M&auml;rz die &bdquo;D&uuml;nam&uuml;nde-Aktionen&ldquo;: In der Fischkonservenfabrik in D&uuml;nam&uuml;nde sei ein leichteres Arbeitskommando eingerichtet worden. Mehrere tausend Menschen wurden bei gro&szlig;en Appellen aussortiert und auf Lkw`s verfrachtet. In einem kleinen Betriebsgeb&auml;ude neben dem Blechplatz hatten H&auml;ftlingsfrauen immer wieder die Aufgabe, eintreffende gro&szlig;e Menschen an Kleidungs- und Gep&auml;ckst&uuml;cken zu sortieren. Wenige Tage nach dem Appell wurden Bef&uuml;rchtungen zur Gewissheit: Die Frauen entdeckten Kleidungst&uuml;cke von Verwandten, verdreckt, mit Blutspuren. Es gab kein Arbeitskommando in D&uuml;nam&uuml;nde! Die Menschen waren in den &bdquo;Hochwald&ldquo; gebracht und dort erschossen worden.</p>
<p>D&uuml;nam&uuml;nde war f&uuml;r die reichsdeutschen Juden eine Z&auml;sur. Damit begann auch f&uuml;r sie die Massenvernichtung.</p>
<p>Am 2. November 1943 ein letzter Appell im Ghetto: Die einen H&auml;ftlinge kamen auf Lkw`s, die zum neu errichteten KZ Kaiserwald im n&ouml;rdlichen Riga fuhren, die anderen auf Lkw`s Richtung Skirotava. Dort warteten Z&uuml;ge nach Auschwitz.</p>
<p>Nach dem Krieg wurde der Friedhof eingeebnet und &bdquo;Park der kommunistischen Brigaden&ldquo; genannt. Seit 1990 hei&szlig;t&nbsp; der Park wieder &bdquo;Alter J&uuml;discher Friedhof&ldquo;. Am 12. Juli 1994 konnte an der S&uuml;dseite ein Gedenkstein (Feldblock mit Davidsstern) eingeweiht werden. Erm&ouml;glicht wurde das durch unsere Spendensammlung in Deutschland.</p>
<p><em>(Kurz sp&auml;ter f&uuml;hrt der K&uuml;nstler Dr. Horst Hoheisel aus Kassel zusammen mit Zigrida Marowska vom Goethe-Institut einen Workshop mit den deutschen und lettischen Jugendlichen des Volksbund-Workcamps durch. Hierbei sollen Ideen zu einer w&uuml;rdigeren Gestaltung des ehemaligen Friedhofs entwickelt werden.</em></p>
<p><em>Am 2. Februar 2010 unterzeichneten Rabbi Menachem Barkahan von der J&uuml;dischen Religi&ouml;sen Gemeinde Shamir und Initiator des &bdquo;March of Life&ldquo; am 4. Juli und Vizeb&uuml;rgermeister Ainars Slesers eine Absichtserkl&auml;rung zur Errichtung eines Ghetto-Museums in einem Geb&auml;ude der Roten Speicher an der Moskauer Stra&szlig;e unweit der Markthallen und in einige Entfernung zum ehemaligen Ghetto. Das Projekt wird bisher unabh&auml;ngig vom Museum &bdquo;Juden in Lettland&ldquo; in der Skolas iela verfolgt, das Margers Vestermanis in zwei Jahrzehnten zu einem hoch angesehenen Zentrum der j&uuml;dischen Erinnerungskultur in Lettland entwickelt hat.</em></p>
<p><em>Die schon traditionell besonders &auml;rmliche Moskauer Vorstadt ist immer mehr ein Viertel des Verfalls. Etliche Geb&auml;ude sind v&ouml;llig runtergekommen, eine ganze Reihe von Holzh&auml;usern (z.B. in der &bdquo;D&uuml;sseldorfer Str&ldquo;) sind verschwunden. Nur ganz vereinzelt ist Neues entstanden: das DODO-Hotel an der Daugavpils/Jersikas iela, der kleine Marktplatz an der Maskavas/Maza Kalna iela und das Gesch&auml;ft Kaupeni am ehemaligen Blechplatz. Vereinzelt sind Wegweiser zu Sehensw&uuml;rdigkeiten aufgestellt: zum orthodoxen Friedhof, zum Moskauer Park s&uuml;dlich der&nbsp; Makavas iela Richtung Daugava. Zur Ghetto-Vergangenheit kein einziges Wort. Der enorme Sanierungsbedarf ist offenkundig. Inzwischen gab es drei internationale Architekten-Workshops zu diesem Viertel, der dritte unter der &Uuml;berschrift &bdquo;The future development visions of the Moscow suburb&ldquo;. Die ehrgeizigen Modernisierungspl&auml;ne setzten auf EU-Unterst&uuml;tzungen. Die scheinen gegenw&auml;rtig wenig realistisch zu sein.)</em></p>
<p><strong>Auszug aus Bericht von der 2. Gedenkreise des Riga-Komitees 2007: </strong></p>
<p>Am Blechplatz &nbsp;berichte ich erg&auml;nzend von dem Urteil des Landgerichts Hamburg gegen Gerhard Maywald. Er galt als die rechte Hand des Kommandeurs des Einsatzkommandos 2, als Initiator und Hauptselektierer der D&uuml;nam&uuml;nde-Aktion, als Erbauer der Lager Salaspils bei Riga und Trostenez bei Minsk. Das Landgericht Hamburg 1977: Es sei nicht feststellbar gewesen, ob D&uuml;nam&uuml;nde <em>&bdquo;kraft tatbezogener Merkmale als Mord zu werten ist. (...) Es ist nicht bewiesen, dass die von Maywald selektierten Opfer heimt&uuml;ckisch get&ouml;tet worden sind, weil nicht aufgekl&auml;rt werden konnte, ob eine m&ouml;glicherweise versuchte T&auml;uschung &uuml;ber ihr Schicksal erfolgreich war. Entsprechendes gilt f&uuml;r die Frage, ob die Opfer grausam get&ouml;tet wurden, da Einzelheiten &uuml;ber den Vorgang der T&ouml;tung nicht bekannt geworden sind.&quot;</em> Mit anderen Worten bedeutete das, solange keiner der Get&ouml;teten berichten kann, dass die T&ouml;tung grausam war, kann auch keine Grausamkeit angenommen werden! Das war die dem Urteil zu Grunde liegende &bdquo;Logik&ldquo;. Am Ende wurde Maywald zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Absitzen der Reststrafe wurde ihm erlassen, weil ihm durch 15-j&auml;hrige Ermittlungen schon genug Unbill widerfahren sei.</p>
<p>Vorbei am heute zugebauten Blechplatz biegt nach links (s&uuml;dlich) die Sarkana iela ab. In dem dreist&ouml;ckigen Backsteinbau auf der rechten Seite lebten j&uuml;dische Hannoveraner, unter ihnen Else und Max F&uuml;rst, die Gro&szlig;eltern des mitreisenden Michael F&uuml;rst.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Beobachtungen vom April 2015</span>: Relativ viele Wohnh&auml;user (&uuml;berwiegend aus Holz, vereinzelt Steinbauten) sind v&ouml;llig runtergekommen, unbewohnt, Fenster mit Brettern vernagelt. Freifl&auml;chen mehren sich, z.T. mit Sichtblenden abgeschirmt, vereinzelt Neubauten. Ausnahme ist die Totalrenovierung der Nr. 56 in der Ludzas iela: Der fr&uuml;here Sitz der Ghetto-Kommandantur war in den 90er Jahren v&ouml;llig heruntergekommen. Etliche Gro&szlig;wohnh&auml;user aus der Nachkriegszeit. Erstmalig fallen mir einige Kinderspielpl&auml;tze auf. Trotz der z.T. verheerenden Bausubstanz macht das Viertel insgesamt einen aufger&auml;umten Eindruck. In zehn Jahren k&ouml;nnte es hier sehr anders aussehen.</p>
<p>Bis auf den steinernen Davidsstern am Rand des Viertels mit Informationen zur Geschichte des Alten J&uuml;dischen Friedhofs erinnert nichts an die d&uuml;stere Vergangenheit dieses Ortes &ndash; keine Informationstafel, kein Wort, dass hier von Dezember 1941 bis Herbst 1943 das am l&auml;ngsten existierende &bdquo;Reichsjudenghetto&ldquo; bestand.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Beobachtungen vom August 2019</span>: Auf dem Alten J&uuml;dischen Friedhof am Rand des ehemaligen Ghettos steht seit 2018 ein Gedenkstein f&uuml;r die 5.000 ungarischen J&uuml;dinnen, die im Fr&uuml;hsommer 1944 von Auschwitz nach Riga/KZ Kaiserwald transportiert worden waren. Laut Margers Vestermanis befanden sich die Frauen in einem f&uuml;rchterlichen Zustand. Der Gedenkstein wurde auf Initiative der ungarischen Regierung am 4. Juli 2018 enth&uuml;ll</p></div>


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