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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;AnstÃ¶sse zur Erinnerung + zum Nachdenken: MÃ¼nster, Riga, Stalingrad, MÃ¼nchen&quot; - mein Festvortrag beim 3. Forum SanitÃ¤tsakademie (der Bundeswehr) zu &quot;Freiheit, Gewissen, Zivilcourage&quot; im Audimax &quot;Hans Scholl&quot;</title>
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    <span class="xar-mod-title">Erinnerungsarbeit + Vortrag</span>

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            &quot;AnstÃ¶sse zur Erinnerung + zum Nachdenken: MÃ¼nster, Riga, Stalingrad, MÃ¼nchen&quot; - mein Festvortrag beim 3. Forum SanitÃ¤tsakademie (der Bundeswehr) zu &quot;Freiheit, Gewissen, Zivilcourage&quot; im Audimax &quot;Hans Scholl&quot;         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 21. Juli 2018 09:04:58 +02:00 (37914 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Seit 2012 pflegt die Sanit&auml;tsakademie der Bundeswehr in besonderer Weise die Erinnerung an den Widerstandskreis der &quot;Wei&szlig;en Rose&quot; um die Medizinstudenten und Sanit&auml;tsfeldwebel Hans Scholl und Alexander Schmorell. Auf Einladung der Kommandeurin sprach ich vor rund 300 G&auml;sten, Angeh&ouml;rigen von Widerstandsk&auml;mpfern, Lehrgangsteilnehmern und Stammpersonal.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Anst&ouml;&szlig;e zur Erinnerung und zum Nachdenken:</strong></p>
<p align="center"><strong>M&uuml;nster, Riga, Stalingrad, M&uuml;nchen&ldquo;</strong></p>
<p align="center"><strong>Festvortrag von Winfried Nachtwei, MdB a.D.,</strong></p>
<p align="center"><strong>beim 3. Forum Sanit&auml;tsakademie &bdquo;Freiheit, Gewissen, Zivilcourage&ldquo; am</strong></p>
<p align="center"><strong>05. Juli 2018 im Audimax &bdquo;Hans Scholl&ldquo; der</strong></p>
<p align="center"><strong>Sanit&auml;tsakademie der Bundeswehr in M&uuml;nchen</strong></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Vorbemerkung</span></em><em>: Die Sanit&auml;tsakademie der Bundeswehr ist die zentrale Ausbildungs-, Wissenschafts- und Entwicklungseinrichtung, das &bdquo;Mutterhaus&ldquo; des Sanit&auml;tsdienstes. Ihr Motto: &bdquo;Der Menschlichkeit verpflichtet&ldquo;.</em></p>
<p><em>Die Kommandeurin der Sanit&auml;tsakademie, Generalarzt Dr. Gesine Kr&uuml;ger, betont in ihren Er&ouml;ffnungsworten, dass mit der heutigen Veranstaltung der Sanit&auml;tsfeldwebel, Medizinstudenten und Widerstandsk&auml;mpfer aus dem Umfeld der &bdquo;Wei&szlig;en Rose&ldquo; gedacht werde, die im Einsatz f&uuml;r Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenw&uuml;rde ihr Leben riskiert h&auml;tten. Die Kommandeurin begr&uuml;&szlig;t pers&ouml;nlich einige Familienangeh&ouml;rige von Mitgliedern der Wei&szlig;en Rose, so einen Enkel von Christoph Probst und einen Neffen von Alexander Schmorell, der 2012 mit seiner russischen Mutter von der russisch-orthodoxen Kirche als M&auml;rtyrer heiliggesprochen wurde, Angeh&ouml;rige von Willi Graf und Prof. Kurt Huber. Begr&uuml;&szlig;t werden vom ehemaligen bayerischen K&ouml;nigshaus Wolfgang Prinz von Bayern und Studiendirektor a.D. Jakob Knab, profunder Kenner der &bdquo;Wei&szlig;en Rose&ldquo; und langj&auml;hriger Streiter gegen fragw&uuml;rdige Traditionspflege.</em></p>
<p><em>Nach einem Gru&szlig;wort der 1. Vorsitzenden der Wei&szlig;e-Rose-Stiftung, Dr. Hildegard Kronawitter, tr&auml;gt F&auml;hnrich SanOA Julia H&ouml;gl ihre Gedanken zu Alexander Schmorell vor.</em></p>
<p><em>An der Veranstaltung nahmen rund 300 Personen teil, neben etlichen G&auml;sten Milit&auml;r und Zivilgesellschaft viele Angeh&ouml;rige des Stammpersonals und Lehrgangsteilnehmer.</em></p>
<p><em>Das Auditorium Maximum der Akademie wurde 2012 durch den damaligen Akademiekommandeur, Generalarzt Dr. Stephan Schoeps, nach Hans Scholl benannt.<a title="" href="#_ftn1"><strong>[1]</strong></a></em></p>
<p><em>(Im Vortragstext sind Erg&auml;nzungen gegen&uuml;ber dem gesprochenen Wort kursiv gekennzeichnet.)</em></p>
<p>Sehr geehrte Frau Generalarzt Dr. Kr&uuml;ger, sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>herzlichen Dank f&uuml;r die Einladung, zu diesem Thema an diesem Ort zu sprechen. Besonders freut mich auch, vor so vielen Angeh&ouml;rigen des Sanit&auml;tsdienstes sprechen zu d&uuml;rfen. Bei Besuchen in Einsatzgebieten habe ich immer wieder erfahren, wie hoch und begr&uuml;ndet das Vertrauen der Bundeswehrangeh&ouml;rigen in den Sanit&auml;tsdienst, in Ihre Leistung ist.</p>
<p>Freiheit und Frieden: Als Jahrgang 1946 habe ich davon so viel erfahren, wie wohl keine Generation vorher! Da kann man sich dran gew&ouml;hnen, als w&auml;ren Freiheit und Frieden selbstverst&auml;ndlich.</p>
<p>Indirekte Begegnungen mit vielen Kriegen und Unrechtsregimen des 20. Jahrhunderts haben mir aber eindringlich deutlich gemacht, dass Freiheit und Frieden ganz und gar nicht selbstverst&auml;ndlich sind, dass sie st&auml;ndigen Einsatz brauchen.</p>
<p>Eine letzte solche Begegnung hatte ich vor sechs Tagen in Minsk in Wei&szlig;russland. Am Ort der gr&ouml;&szlig;ten NS-Vernichtungsst&auml;tte in der damaligen Sowjetunion, in Malyj Trostenez, wurde eine Gedenkst&auml;tte er&ouml;ffnet, in Anwesenheit der Staatspr&auml;sidenten von Wei&szlig;russland, Deutschland und &Ouml;sterreich. 74 Jahre danach (!) konnte dort erstmalig w&uuml;rdig der mindestens 60.000 hier erschossenen Menschen gedacht werden, j&uuml;discher Menschen aus Deutschland, &Ouml;sterreich und der Tschechoslowakei, Partisanen, Widerstandsk&auml;mpfer, Zivilisten.</p>
<p><strong>Meine Heimatstadt M&uuml;nster</strong></p>
<p>ist stolz, mit Osnabr&uuml;ck zusammen &bdquo;Stadt des Westf&auml;lischen Friedens&ldquo; zu sein. Im Sommer 1988 stie&szlig; ich auf Seiten der Stadtgeschichte, die bis dahin weitgehend unbekannt waren:<a title="" href="#_ftn2">[2]</a></p>
<p>- Hier lag im Krieg das Kommando des Wehrkreises VI der Wehrmacht (ungef&auml;hr Westfalen und Rheinland). Im WK VI wurden ab 1939 insgesamt 14 Divisionen und 16 Polizei-Bataillone f&uuml;r den Krieg gegen die europ&auml;ischen Nachbarn aufgestellt. Die Polizeibataillone waren erheblich an der mobilen Massevernichtung in den gerade besetzten Gebieten im Osten beteiligt.</p>
<p>- Sechs Monate nach dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 ging die erste gro&szlig;e Deportation j&uuml;discher Menschen aus dem M&uuml;nsterland, Osnabr&uuml;ck und Bielefeld (aber auch aus Berlin, Leipzig, Hamburg, Hannover, Kassel, K&ouml;ln, D&uuml;sseldorf, Stuttgart, Dortmund, Wien, Theresienstadt) nach Riga im besetzten Lettland.<a title="" href="#_ftn3">[3]</a></p>
<p><strong>Nach Riga ...</strong></p>
<p>Als die Wehrmacht Ende Juni 1941 durch das Baltikum nach Leningrad vorstie&szlig;, wurde sie von Teilen der Bev&ouml;lkerung freudig begr&uuml;&szlig;t &ndash; als Befreier! Wie das?</p>
<p>Ein Jahr zuvor hatte die Sowjetunion die baltischen Staaten besetzt und zwangsweise sowjetisiert. Eine Woche vor dem deutschen &Uuml;berfall wurden zehntausende Menschen nach Sibirien deportiert. Die sowjetische Geheimpolizei ermordete vor ihrem R&uuml;ckzug hunderte H&auml;ftlinge in den Gef&auml;ngnissen.</p>
<p>Schon vier Tage nach der Besetzung Rigas durch die Wehrmacht zeigte sich der wahre Charakter dieser &bdquo;Befreiung&ldquo;: M&auml;nner des Einsatzkommandos 2 von Sicherheitspolizei und SD sowie Helfershelfer des lettischen Kommando Arajs umzingelten die Synagogen der Stadt, trieben j&uuml;dische Menschen hinein, verriegelten sie und z&uuml;ndeten sie an. Allein in der gr&ouml;&szlig;ten Synagoge an der Gogolstra&szlig;e verbrannten mehrere hundert Menschen.</p>
<p>1989 besuchten meine Frau und ich zum ersten Mal Riga:</p>
<p>Weitgehend erhalten war das Viertel des fr&uuml;heren Ghettos in der &bdquo;Moskauer Vorstadt&ldquo;, wo ab Oktober 1941 30.000 Rigaer Juden zusammengepfercht worden waren (<em>vorher hatten hier 10.000 Menschen gewohnt</em>). Am 30. November und 8. Dezember 1941 wurden von hier 27.000 Ghettoinsassen &nbsp;in den Wald von Rumbula getrieben und dort in einer genau durchgeplanten Aktion erschossen &ndash; um &bdquo;Platz zu schaffen&ldquo; f&uuml;r die angek&uuml;ndigten Deportationsz&uuml;ge aus dem &bdquo;Gro&szlig;deutschen Reich&ldquo;, also auch &Ouml;sterreich und der Tschechoslowakei. So entstanden in den Folgewochen im Ghetto eine K&ouml;lner, Leipziger, Berliner, Bielefelder, Wiener Stra&szlig;e.</p>
<p>(Zu den ersten f&uuml;r Riga geplanten Transporten geh&ouml;rte auch die erste Juden-Deportation aus M&uuml;nchen. Der Zug verlie&szlig; mit knapp 1.000 Menschen am 20. November 1941 M&uuml;nchen, wurde aber wegen fehlenden Platzes in Riga nach Kaunas in Litauen umgeleitet. Die Ank&ouml;mmlinge wurden in das Fort XI gebracht und dort sofort erschossen. Am selben Tag wurden dort auch die etwa 2.000 Gefangenen von Transporten aus Berlin und Frankfurt/M. ermordet.)</p>
<p>1989 besuchten wir neben Rumbula auch den Wald von Bikernieki am Stadtrand von Riga. Auf dem welligen Gel&auml;nde z&auml;hlten wir insgesamt 55 Massengr&auml;ber. Mindestens 35.000 Menschen waren hier zwischen Sommer 1941 und 1944 erschossen worden, einheimische und der gr&ouml;&szlig;te Teil der nach Riga deportierten Juden, politische Aktivisten und Gefangene, fast 10.000 Kriegsgefangene.</p>
<p>Unfassbar das Ausma&szlig; und der Ablauf dieser organisierten Massaker, wor&uuml;ber sp&auml;ter Tatzeugen bei Prozessen berichteten, und 1944 dann der Spurenvernichtung, als die Rote Armee n&auml;her r&uuml;ckte.</p>
<p>Ein zweite Schande war der Zustand der Massengr&auml;ber Anfang der 90er Jahre: Es waren vergessene und verlorene Orte, wo wir mal eine Familie beim Picknick auf einem Massengrab sahen. Insgesamt war es eine im Osten wie Westen vergessene Opfer- und Leidensgeschichte. Von j&uuml;dischen Ghetto- und KZ-&Uuml;berlebenden in Riga erfuhren wir, dass der Holocaust zur sowjetischen Zeit systematisch verschwiegen <em>und Gedenkveranstaltungen schikaniert</em> wurden.</p>
<p>Im Dezember 1991, 50 Jahre danach, fanden in einigen deutschen St&auml;dten erstmalig Gedenkveranstaltungen f&uuml;r die verschleppten fr&uuml;heren Nachbarn von nebenan statt. <em>(Riga war, so stellte sich heraus, &bdquo;das Auschwitz der M&uuml;nsterl&auml;nder Juden&ldquo;)</em></p>
<p>Am 30. November 2001, 60 Jahre nach dem &bdquo;Rigaer Blutsonntag&ldquo;, wurde in Bikernieki eine w&uuml;rdige Gedenkst&auml;tte eingeweiht, dank des Engagements des Volksbundes Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge und des Deutschen Riga-Komitees, in dem sich Herkunftsorte der Deportationen zusammengeschlossen hatten: 5.000 kleine, mittlere, gr&ouml;&szlig;ere Granitsteine stehen dort dicht gedr&auml;ngt, symbolisieren die erschossenen Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen. (Nach anf&auml;nglich 13 Orten umfasst das Riga-Komitee inzwischen 57 Herkunftsorte. <em>Mit internationalen Jugendlichen-Workcamps des Volksbundes, mit Gedenkreisen entstanden Br&uuml;cken der Erinnerung zwischen Nationen und Generationen.</em>)</p>
<p>Es war ein beispielloser &bdquo;Zusammenbruch von Mitmenschlichkeit&ldquo; (Alfred Grosser), was unter deutscher Besatzung im Baltikum, in Polen, in Wei&szlig;russland, der Ukraine, in Russland geschah.</p>
<p>Aber es gab auch &ndash; wenige &ndash; andere, die dabei nicht mitmachten:</p>
<p>- Hauptmann Hans-J&uuml;rgen Vogler, Chef des Heeres-Fahrzeugparks der Wehrmacht in Riga, bewahrte einige hundert j&uuml;dische Frauen Ende 1941 vor der Vernichtung.</p>
<p>&Uuml;berlebende berichten von einzelnen Soldaten, die sich menschlich verhielten, nicht schikanierten, H&auml;ftlingen Brot zusteckten.<a title="" href="#_ftn4">[4]</a></p>
<p>- Der Hafenarbeiter Janis Lipke und seine Frau Johanna: Mit unglaublichem Mut und Raffinesse gelang es ihm, 56 Menschen aus dem Ghetto herauszuschmuggeln, zun&auml;chst auf dem eigenen Grundst&uuml;ck zu verstecken und dann mit Unterst&uuml;tzung von &uuml;ber 20 Helfern in Sicherheit zu bringen. Die Rettungsaktion wurde nie entdeckt. Insgesamt wurden in Lettland inzwischen mehr als 500 JudenretterInnen identifiziert. Es waren weit &uuml;berwiegend einfache Leute, zum gro&szlig;en Teil religi&ouml;se Menschen, auff&auml;llig viele Adventisten und Baptisten. (<em>Der Ghetto-&Uuml;berlebende und Begr&uuml;nder des Museums &bdquo;Juden in Lettland&ldquo; Margers Vestermanis ver&ouml;ffentlicht in K&uuml;rze ein Buch &uuml;ber &bdquo;Das gro&szlig;e R&auml;tsel der Hochherzigkeit&ldquo;. Er berichtet auch von einigen fahnenfl&uuml;chtigen Wehrmachtssoldaten, die ins &bdquo;Reichsjudenghetto&ldquo; geflohen waren</em>.)<a title="" href="#_ftn5">[5]</a></p>
<p>Im Laufe der Jahrzehnte begegnete ich vielen Dutzenden ehemaligen Ghetto- und KZ-H&auml;ftlingen. Nie habe ich dabei den Vorwurf von Kollektivschuld erlebt: Als ich 1993 am 1. Welttreffen der Lettischen Juden als einziger nichtj&uuml;discher Deutscher teilnahm, fragte man mich als erstes, ob ich &bdquo;den Leutnant Schmidt&ldquo; kenne. Den kannte ich nat&uuml;rlich nicht. Aber er war mit menschlichem Verhalten unter unmenschlichen Bedingungen in Erinnerung geblieben. Oder zwei alte Damen, die letzten beiden &uuml;berlebenden J&uuml;dinnen aus Jakobpils. Zusammen fuhren wir zu einer Gedenksteineinweihung in ihren fr&uuml;heren Heimatort. Wir waren die ersten Deutschen, denen sie nach dem Krieg begegneten. Wie die meisten Juden der Vorkriegszeit waren sie mehrsprachig aufgewachsen. Schon bald erz&auml;hlten sie deutsche Witze, sangen deutsche Lieder. Die Anh&auml;nglichkeit an die deutsche Kultur hatte sogar die deutsche Vernichtungspolitik &uuml;berdauert.</p>
<p><strong>Nach Stalingrad &hellip;</strong></p>
<p>Am 22. Juni 1941 geh&ouml;rte die 16. Panzer-Division aus M&uuml;nster zu einer Angriffsstreitmacht von rund 140 Divisionen, eingesetzt bei der Heeresgruppe S&uuml;d Richtung Ukraine.<a title="" href="#_ftn6">[6]</a> Eine andere Division war die 7. Infanteriedivision aus M&uuml;nchen, eingesetzt bei der Heeresgruppe Mitte.<a title="" href="#_ftn7">[7]</a></p>
<p>Im Vorfeld hatte Hitler vor 250 Generalen und hohen Offizieren klargestellt, dass der bevorstehende Krieg gegen die Sowjetunion als &bdquo;Weltanschauungs&ldquo;- und Vernichtungskrieg zu f&uuml;hren sei. Das fand seinen Niederschlag in Erlassen &uuml;ber die Aus&uuml;bung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet &bdquo;Barbarossa&ldquo;, &uuml;ber das Verhalten der Truppe in Russland und im &bdquo;Kommissar-Befehl&ldquo;. Danach waren alle gefangen genommenen politischen Kommissare der Roten Armee sofort zu erschie&szlig;en. Straftaten von Wehrmachtssoldaten gegen&uuml;ber Einheimischen sollten nicht geahndet werden. Das Oberkommando der Wehrmacht und des Heeres &uuml;bersetzten diese Vorgaben in Weisungen.</p>
<p>Als mobile Vollstrecker des Vernichtungsauftrages gegen den &bdquo;j&uuml;dischen Bolschewismus&ldquo; r&uuml;ckten direkt hinter den Fronttruppen (im <em>Abstand weniger Tage</em>) die Einsatzgruppen und &ndash;kommandos von Sicherheitspolizei und SD vor, unterst&uuml;tzt von Polizei-Bataillonen und einheimischen militant antikommunistischen und antij&uuml;dischen Kr&auml;ften.</p>
<p>Die 16. Panzer-Division war an etlichen Kesselschlachten im S&uuml;dabschnitt beteiligt:</p>
<p>- Uman im August 1941 (um 100.000 sowjetische Gefangene)</p>
<p>- Kiew im September 1941 (um 665.000 sowjetische Gefangene; der Kessel wurde am 24.09. geschlossen; schon 29./30.09. wurden in der Schlucht von Babij Yar mehr als 33.000 Kiewer Juden erschossen. <em>(Es war das gr&ouml;&szlig;te Einzelmassaker in der besetzten Sowjetunion; verantwortlicher Planer war der H&ouml;here SS- und Polizeif&uuml;hrer Russland S&uuml;d Friedrich Jeckeln; zwei Monate sp&auml;ter war er der Befehlshaber bei der Ermordung der Rigaer Juden.)</em></p>
<p>- Charkow im Mai 1942 (angeblich allein 31.500 Gefangene durch die 16. Panzer-Division).</p>
<p>Von 3,3 Mio. sowjetischen Kriegsgefangenen bis Februar 1942 starben etwa zwei Millionen, verhungert, erfroren, von Seuchen hingerafft, erschossen.</p>
<p>Gerade erschienen die Briefe und Berichte des Unterarztes Helmut Machemer von der Aufkl&auml;rungsabteilung der 16. Panzer-Division &uuml;ber seine Fronterfahrungen Herbst 1941 bis Fr&uuml;hjahr 1942 in der Ukraine: Er schildert die verbissenen, opferreichen K&auml;mpfe, wo bei der ersten Schneeschmelze das Schmelzwasser rot war, &bdquo;die Erde ist hier buchst&auml;blich mit Blut ged&uuml;ngt.&ldquo;<a title="" href="#_ftn8">[8]</a> Ein Assistenzarzt aus einer Infanterie-Division berichtet ihm im Februar 1942: &bdquo;Mehr als 2.000 km sind die Leute zu Fu&szlig; gewetzt bis hierher, t&auml;glich 30, 40 km und dann zwischendurch gek&auml;mpft. Dann wieder gewetzt in den Dreck und Schlamm. Die Wagen noch geschoben, weil die Pferde schlapp machten. Krankmeldungen durfte es so gut wie nicht geben, die Leute mussten immer wieder ran. Und sie haben es auch gemacht. Aber jetzt ist es mit Ihnen zu Ende.&ldquo;<a title="" href="#_ftn9">[9]</a> Mehr als die H&auml;lfte der &uuml;brig gebliebenen Mannschaft sei untauglich geworden. &bdquo;Ich habe da einen sch&ouml;nen Anschiss bekommen vom Divisionsarzt, der das einfach nicht glauben wollte.&ldquo;</p>
<p>Die 16. Panzer-Division erreichte am 23. August 1942 als erster Wehrmachtsverband die Wolga n&ouml;rdlich Stalingrad. Es begann der &bdquo;Rattenkrieg&ldquo;, wo z.B. der Hauptbahnhof binnen f&uuml;nf Tagen 15 Mal die Besatzer wechselte. Drei Monate sp&auml;ter lagen 4.000 M&auml;nner der 16. auf dem Divisionsfriedhof an der Bahnstrecke Frolow-Stalingrad.</p>
<p>Aus Feldpostbriefen Dezember 1942:<a title="" href="#_ftn10">[10]</a></p>
<p>- &bdquo;Liebe Mutter und Vater! Es gehen sehr harte K&auml;mpfe, wir haben sehr schwere Verluste, die Friedh&ouml;fe werden von Tag zu Tag gr&ouml;&szlig;er. Hunderte werden hier begraben. Sie werden in H&auml;ufchen zusammengelegt. H&auml;nde ab, Beine ab, K&ouml;rper abgerissen, so geht es hier zu (&hellip;)&ldquo;</p>
<p>- &bdquo;Liebe Eltern und Geschwister! (&hellip;) Meine Kompanie kann keinen Angriff mehr machen, wir sind noch 20 Mann (&hellip;)&ldquo;</p>
<p>- &bdquo;Meine liebe Ilse! Alle vier Stunden auf Wache ziehen. Der Schlaf dazwischen ist nicht viel. Was uns keine Ruhe l&auml;sst, sind die L&auml;use. Wird ein bisschen geheizt, sofort macht es sich mit den Viechern bemerkbar. Da wird sich auf der Pritsche hin- und hergeworfen. Der K&ouml;rper ist so gereizt, das man hineingreifen mag. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p>- &bdquo;Meine Lieben! Wir f&uuml;hren hier einen Bunkerkampf, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Dieses Ringen um den Tod, wenn Ihr das hier sehen w&uuml;rdet, Ihr w&uuml;rdet schreien, was aus Eurem Hals herausgeht (&hellip;)&ldquo;</p>
<p>Verwundetenh&ouml;hlen</p>
<p>&bdquo;Keller voller Verwundeter, die niemals &auml;rztliche Hilfe erhalten hatten, zogen sich in stra&szlig;enlangen Zeilen unter den H&auml;userruinen Stalingrads hin, und nicht nur die Au&szlig;enbezirke, auch der Stadtkern war von dieser Invasion blutigen Elends &uuml;berschwemmt. &Uuml;ber tausend Schwerverwundete lagen in den Kellereien des Hauses der Roten Armee, an achthundert lagen im Theaterkeller; in den Gew&ouml;lben am &bdquo;Platz der Gefallenen&ldquo; lagen in dem einen dreihundert, in dem anderen an zweihundert, in dem n&auml;chsten wieder an die zweihundert. Die Schwerverwundeten kamen an dem einen Tag an und am n&auml;chsten und am &uuml;bern&auml;chsten Tag wurden sie als Leichen wieder hinausgetragen, doch es blieb immer die gleiche Menge, und das R&ouml;cheln der Sterbenden h&ouml;rte nicht auf. (&hellip;)&ldquo;<a title="" href="#_ftn11">[11]</a></p>
<p>Operationsraum</p>
<p>unter der Ruine des Stadttheaters: &bdquo;Drei &Auml;rzte, die an achthundert Verwundete zu betreuen hatten, l&ouml;sten einander ab. Das Band blutender Leiber, das &uuml;ber die Operationstische lief, riss Tag und Nacht nicht ab. F&uuml;r einen der &Auml;rzte, den Oberarzt Huth, hatte es (&hellip;) schon siebzig Tage lang nicht mehr angehalten. Der Unterschied gegen fr&uuml;her war, dass es kein Verbandszeug, kein Sanit&auml;tsmittel, keine Tetanusspritze, kein Chlor&auml;thyl, kein Morphium mehr gab. Die einzig verbliebenen Mittel waren die Werkzeuge war das Skalpell, die S&auml;ge, die Schere, war der Kessel mit kochendem Wasser zum Sterilisieren der Instrumente, war die &uuml;ber dem Kopf baumelnde helle Operationslampe; und Schmerzen, nicht mehr ertr&auml;gliche Schmerzen waren das verbliebene Bet&auml;ubungsmittel, und der Arzt musste jeden gl&uuml;cklich preisen, der unter dem Skalpell, unter der S&auml;ge in sein Hand das Bewusstsein verlor. (&hellip;)&ldquo;<a title="" href="#_ftn12">[12]</a></p>
<p>Milit&auml;rische F&uuml;hrung</p>
<p>Es waren Kommandeure von Regimentern, Divisionen, von ganzen Armeekorps, M&auml;nner von zwanzig und drei&szlig;ig Dienstjahren, von n&uuml;chterner &Uuml;berlegung, Urteilsf&auml;higkeit und Entschlusskraft. Bei den einen gab es ein geradezu mystisches Vertrauen in die Versprechen des &bdquo;F&uuml;hrers&ldquo;, bei anderen Durchdrehen, Selbstmord. In ihrem insgesamt blinden Gehorsam wurde die milit&auml;rische F&uuml;hrung zum Henker der eigenen Soldaten.</p>
<p>Von der 16.Panzer-Division kehrten nach Jahren 128 &Uuml;berlebende in die Heimat zur&uuml;ck.</p>
<p><em>(Die Gesamtverluste: Laut Antony Beevor kamen im Kessel von Stalingrad auf deutscher Seite etwa 60.000 Soldaten um, ungef&auml;hr 130.000 gerieten in Gefangenschaft, darunter 91.000 deutsche Soldaten. Zusammen mit den Verlusten in und um Stalingrad zwischen August und November 1941 &bdquo;m&uuml;ssen die Achsenm&auml;chte insgesamt mehr als eine halbe Million Menschen verloren haben.&ldquo;<a title="" href="#_ftn13"><strong>[13]</strong></a> Die Rote Armee hatte bei den gesamten Operationen um und f&uuml;r Stalingrad &bdquo;Verluste an Gefangenen, Verwundeten und Toten in H&ouml;he von 1,1 Millionen Mann erlitten&ldquo;, davon rund 486.000 Gefallene.<a title="" href="#_ftn14"><strong>[14]</strong></a> Vor der Schlacht hatte Stalingrad etwa eine halbe Million Einwohner, bei ihrem Ende noch 8.000. Die genaue Zahl der Zivilopfer ist nicht bekannt.)</em></p>
<p><strong>Freiheit des Gewissens &ndash; Tapferkeit im Widerstand</strong></p>
<p>Viele zigtausende Deutsche waren an den Massenmorden und am V&ouml;lkermord im Osten beteiligt. Nicht wenige wurden Zeugen oder wussten davon.</p>
<p>Die Studenten der &bdquo;Wei&szlig;en Rose&ldquo; prangerten die Ungeheuerlichkeiten ab 1942 in ihren Flugbl&auml;ttern an:<a title="" href="#_ftn15">[15]</a></p>
<p>- Die Geistlosigkeit der NS-Bewegung, die auf L&uuml;ge und Betrug basiere;</p>
<p>- die Apathie des deutschen Volkes gegen&uuml;ber diesen scheu&szlig;lichen Verbrechen, das Abtauchen der fr&uuml;heren Nazigegner und die Mitschuld der vielen anderen.</p>
<p>Im Namen von Freiheit und Ehre riefen sie zu passivem Widerstand, zu verschiedenen Formen der Sabotage auf &ndash; gegen den &bdquo;imperialistischen Machtgedanken&ldquo;, f&uuml;r die &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gige Zusammenarbeit der europ&auml;ischen V&ouml;lker&ldquo;, f&uuml;r ein f&ouml;deralistisches Deutschland. (5. Flugblatt, Ende Januar 1943)</p>
<p>Es waren junge Menschen mit klaren humanistischen &Uuml;berzeugungen und tiefem Ehrgef&uuml;hl. Sie erfuhren von den schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie erlebten ein Meer von Mitl&auml;ufern, von Wegsehen und Gleichg&uuml;ltigkeit. Das m&uuml;ssen Gegens&auml;tze zum Zerrei&szlig;en und Verzweifeln gewesen sein.</p>
<p>Die jungen Leute der &bdquo;Wei&szlig;en Rose&ldquo; aber gingen nicht in die innere Emigration, sondern nach vorn, griffen mit ihren Mitteln, dem Argument, politisch an.</p>
<p>Sie bewiesen h&ouml;chste B&uuml;rgertapferkeit.</p>
<p>Einen anderen Leuchtturm f&uuml;r Freiheit, Gewissen und Tapferkeit unter allerschwersten Bedingungen m&ouml;chte ich hier nennen, der bis heute viel zu wenig bekannt ist: den Generalstabsoffizier und sp&auml;teren Generalmajor Henning von Tresckow.<a title="" href="#_ftn16">[16]</a> Er war eine Ausnahmepers&ouml;nlichkeit in jeder Hinsicht, als Generalstabsoffizier und Menschenf&uuml;hrer, als Vater und Christenmensch zu einer Zeit gr&ouml;&szlig;ter Staatsverbrechen und versagender milit&auml;rischer F&uuml;hrung.</p>
<p>Er setzte anfangs Hoffnungen auf die NS-Bewegung, durchschaute aber vom &bdquo;R&ouml;hm-Putsch&ldquo; 1934 an den wahren Charakter dieser Bewegung und erkannte vergleichsweise fr&uuml;h den Kriegskurs Hitlers. Seit 1939 arbeitete er mit Entschlossenheit auf die Beseitigung Hitlers hin. In der Heeresgruppe Mitte war er seit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion Erster Generalstabsoffizier. Er widersetzte sich Ma&szlig;nahmen des Vernichtungskrieges, baute mit vertrauten Offizieren in der HG Mitte ein Widerstandsnest auf und war ma&szlig;geblich an mehreren Attentatsversuchen gegen Hitler beteiligt. Von Tresckow gilt als &bdquo;Kopf und Herz&ldquo; des milit&auml;rischen Widerstandes gegen Hitler. Nach dem Scheitern des Attentats am 20. Juli nahm er sich das Leben.</p>
<p>Dass die Kaserne des Einsatzf&uuml;hrungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam seit 1992 nach ihm benannt ist, dass dort allj&auml;hrlich um den 21. Juli eine w&uuml;rdige Gedenkfeier stattfindet, ist ein hervorragendes Zeichen. (<em>Eine zweite Henning-von-Tresckow-Kaserne befindet sich in Oldenburg. Sie beherbergt den Stab der 1. Panzerdivision</em>.)</p>
<p><em>(Weitere herausragende Vorbilder an Klar- und Weitsicht im Hinblick auf die NS-Bewegung und Adolf Hitler waren zum Beispiel der M&uuml;nchner Journalist Konrad Herden, der Botschafter der USA in Berlin, William E. Dodd, und der Schreiner und Hitler-Attent&auml;ter Georg Elser)<a title="" href="#_ftn17"><strong>[17]</strong></a></em></p>
<p><strong>&bdquo;Nie wieder!&ldquo; Nie wieder?</strong></p>
<p>Die Erinnerung an die fr&uuml;heren Nachbarn und die Vorfahren, die in das Menschenschlacht-haus von Krieg und V&ouml;lkermorden gerieten, ist eine Frage des menschlichen und b&uuml;rgerlichen Anstands und ein Gebot politischer Vernunft!</p>
<p>Konfrontiert mit dieser H&ouml;llengeschichte, empfinden wir das &bdquo;NIE WIEDER!&ldquo; als selbstverst&auml;ndliche Konsequenz.</p>
<p>Daf&uuml;r geschah ab 1945 Fundamentales:</p>
<p>- Mit der Gr&uuml;ndung der Vereinten Nationen und ihrer Charta sollte das friedliche Zusammenleben der Staaten und V&ouml;lker gew&auml;hrleistet, sollte die Gei&szlig;el des Krieges (zwischen den Staaten, innerstaatliche Kriege waren damals nicht im Blick) &uuml;berwunden werden. Offenkundig gelang letzteres nicht. Allerdings stellte der zweite UN-Generalsekret&auml;r Dag Hammarskj&ouml;ld fest, die UN seien nicht gegr&uuml;ndet worden, &bdquo;uns in den Himmel zu bringen, sondern um uns vor der H&ouml;lle zu retten.&ldquo; Zahlreich sind die Beispiele, wo die Vereinten Nationen mit Verhandlungen, Friedensmissionen und humanit&auml;rer Hilfe Abst&uuml;rze ins totale Chaos verhindert haben.</p>
<p>- Vier Jahre nach Kapitulation und Befreiung verpflichtete sich die neue Bundesrepublik Deutschland mit dem Grundgesetz auf die Menschenw&uuml;rde, die Menschenrechte und die Friedenssicherung.</p>
<p>- Die schrittweise Integration in EU-Europa f&uuml;hrte ehemalige Kriegsgegner zusammen. Ein unglaublicher zivilisatorischer Fortschritt. Ganz konkret steht f&uuml;r diesen Fortschritt zum Beispiel das Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps in M&uuml;nster, wo seit 23 Jahren Angeh&ouml;rige der deutschen und niederl&auml;ndischen Streitkr&auml;fte und andere Verb&uuml;ndete beispielhaft zusammenarbeiten.</p>
<p>&Uuml;berraschend schnell entstanden in West- und Ostdeutschland Streitkr&auml;fte.</p>
<p>Die Bundeswehr wurde wesentlich von ehemaligen Wehrmachtsangeh&ouml;rigen aufgebaut - und unterscheidet sich grundlegend von der Wehrmacht:</p>
<p>- Erstmalig entstanden auf deutschem Boden Streitkr&auml;fte f&uuml;r den und im demokratischen Rechtsstaat,</p>
<p>- entstanden Streitkr&auml;fte zum Schutz der eigenen Bev&ouml;lkerung und der Verb&uuml;ndeten, zur kollektiven Friedenssicherung im Rahmen des V&ouml;lkerrechts.</p>
<p>Streitkr&auml;fte k&ouml;nnen nur funktionieren und ihren Auftrag erf&uuml;llen, wenn die Soldaten treu dienen, gehorchen, Kameraden &ndash; m&ouml;glichst gute &ndash; sind.</p>
<p>Gerade in Zeiten zunehmender Individualisierung und br&ouml;ckelnden Gemeinsinns ist die F&ouml;rderung von Zusammenhalt und Loyalit&auml;t besonders wichtig.</p>
<p>Der Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus zeigte aber zugleich, wie missbrauchsanf&auml;llig notwendige Tugenden wie treue Pflichterf&uuml;llung, Gehorsam, Leistungswille, Kameradschaft sind, wenn sie losgel&ouml;st sind von menschlichen Grundwerten, wenn sie gar gewissenlos werden.</p>
<p>F&uuml;r Soldaten der Bundeswehr gilt deshalb, nicht nur handwerklich gut und sehr professionell zu sein, sondern treues Dienen auch mit Kopf, Gewissen und R&uuml;ckgrat zu praktizieren. Jeder an seinem Platz.</p>
<p>Hier sind aber nicht nur die einzelnen Bundeswehrangeh&ouml;rigen gefordert. Das muss der politische Dienstherr und Auftraggeber auch</p>
<p>- zulassen und bef&ouml;rdern,</p>
<p>- keineswegs bestrafen,</p>
<p>- ein St&uuml;ck weit vorleben.</p>
<p>Mit anderen Worten: Innere F&uuml;hrung f&auml;ngt ganz oben, in der Politik an.</p>
<p>Leider ist uns Politikern das noch nicht zureichend bewusst. &bdquo;Mit &Uuml;berzeugung dienen k&ouml;nnen&ldquo; &ndash; so der Anspruch der Inneren F&uuml;hrung &ndash; muss z.B. durch klare, erf&uuml;llbare und glaubw&uuml;rdige Auftr&auml;ge erm&ouml;glicht werden. Diese Grundforderung ist seit Jahren bei vielen Einsatzauftr&auml;gen nur unzureichend erf&uuml;llt.</p>
<p>Die sicherheitspolitischen Gro&szlig;lagen sind besorgniserregend und h&ouml;chst un&uuml;bersichtlich. Umso wichtiger ist es, Chancen und Chancenpotenziale wahrzunehmen und zu nutzen.</p>
<p>Die waren zuletzt zu erleben beim Tag des Peacekeepers am 26. Juni in Berlin: Geehrt wurden &ndash; inzwischen zum sechsten Mal &ndash; deutsche Frauen und M&auml;nner, die als Soldaten, Polizisten und Zivilexperten in Friedenseins&auml;tzen dien(t)en, von den Spitzen des BMVg, des Ausw&auml;rtigen Amtes und des Bundesinnenministeriums.</p>
<p>Bei solchen Feierstunden kommen so viele Friedenspraktiker zusammen, wie bei keiner anderen Gelegenheit. Es sind Profis auf ihren Feldern, prinzipienorientierte Realisten mit langem Atem, Respekt vor den Einheimischen in Krisenl&auml;ndern, freie, couragierte Staatsb&uuml;rgerInnen in verschiedenen Uniformen und Zivil. Es sind Mutmacher und Hoffnungstr&auml;ger.</p>
<p>Von solchen haben wir nicht einige Dutzend, sondern Zehntausende in Deutschland!</p>
<p>Wir sollten sie viel mehr wahrnehmen, anerkennen &ndash; und auch zu Rate ziehen!</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Volker Hartmann, Tradition und berufliches Selbstverst&auml;ndnis an der Sanit&auml;tsakademie der Bundeswehr, in: Tradition und Milit&auml;rgeschichte, Vortr&auml;ge des 5. Wehrmedizinhistorischen Symposiums 19.01.2013, Bonn 2017</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> W. Nachtwei, Kriegsspuren &ndash; Dokumentation &uuml;ber Spuren des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion und anderer Kriege gegen Russland in M&uuml;nster, zusammengestellt anl&auml;sslich eine Begegnungsreise nach Minsk/Wei&szlig;russland im August 1988</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Insgesamt wurden von Ende November 1941 bis Oktober 1942 &uuml;ber 25.000 j&uuml;dische Menschen nach Riga deportiert. Vgl.die&nbsp; Sammlung von Beitr&auml;gen zu den Riga-Deportationen unter <a href="http://www.arbeit-und-leben-hochtaunus.de/Lettland.Der_Judenmord_in_Riga.pdf">http://www.arbeit-und-leben-hochtaunus.de/Lettland.Der_Judenmord_in_Riga.pdf</a> ; Redebeitr&auml;ge von W. Nachtwei an verschiedenen Orten des NS-Terrors in Riga w&auml;hrend der Gedenkreise des Deutschen Riga Komitees im Jahr 2010, <a href="http://www.volksbund.de/partner/deutsches-riga-komitee/redebeitraege-zur-gedenkveranstaltung-10-jahre-deutsches-riga-komitee.html">http://www.volksbund.de/partner/deutsches-riga-komitee/redebeitraege-zur-gedenkveranstaltung-10-jahre-deutsches-riga-komitee.html</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> Mir berichtete Anfang der 90er Jahre an meinem damaligen Schulort D&uuml;lmen ein alter Herr von einem Kriegserlebnis: Nach einer Verwundung lag er in einem Lazarett in Riga und konnte schon mal in die Stadt gehen. Da traf er eines Tages auf Jupp Salomon, einen ehemaligen j&uuml;dischen Metzgermeister aus D&uuml;lmen. Den abgemagerten H&auml;ftling durfte er nicht ansprechen. Er zur&uuml;ck ins Lazarett, schmierte einige Butterbrote und legte sie nahe bei Jupp Salomon auf den Bordstein. Am n&auml;chsten Tag dasselbe. Am dritten Tag traf er Jupp Salomon nicht mehr an.</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref5">[5]</a> Vgl. Birgit Johannsmeier, Die Entdeckung der Judenretter, J&uuml;dische Allgemeine 16.01.2014,&nbsp; <a href="https://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18101">https://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18101</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref6">[6]</a> W. Nachtwei, Stalingrad vor 70 Jahren &ndash; 16. Panzerdivision aus M&uuml;nster, Speerspitze im Vernichtungskrieg, vernichtet in Stalingrad, Januar 2013, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1187">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1187</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref7">[7]</a> Berthold Seewald, Der Todesmarsch von Hitlers 7. Infanterie-Division, Welt 22.06.2011, <a href="https://www.welt.de/geschichte/article13439931/Der-Todesmarsch-von-Hitlers-7-Infanterie-Division.html">https://www.welt.de/geschichte/article13439931/Der-Todesmarsch-von-Hitlers-7-Infanterie-Division.html</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref8">[8]</a> Hans Machemer &amp; Christian Hardinghaus (Hrsg.), Wof&uuml;r es lohnte das Leben zu wagen. Briefe, Fotos und Dokumente eines Truppenarztes von der Ostfront 1941/42, Berlin M&uuml;nchen Z&uuml;rich Wien 2018, S. 269</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref9">[9]</a> Machemer S. 272</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref10">[10]</a> Theodor Plivier, Stalingrad, 1. Auflage Berlin 1946, K&ouml;ln 2011, S. 78. Plivier war als Nicht-KPD-Mitglied seit 1934 in der Sowjetunion im Exil. Er konnte deutsche Feldpostbriefe und Tageb&uuml;cher, die der Roten Armee in die H&auml;nde gefallen waren, auswerten und ausf&uuml;hrlich deutsche Kriegsgefangene aller Dienstgrade interviewen. Der dokumentarische Romangilt als besonders authentisch. In der Stalingrad-Sonderausstellung des Milit&auml;rhistorischen Museums DER Bundeswehr in Dresden 2013 wurde Pliviers Roman besonders gew&uuml;rdigt und in seinen Aussagenbest&auml;tigt. Vgl. Bericht zur Ausstellung <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=107&amp;aid=1188">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=107&amp;aid=1188</a></p>
</div>
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<p><a title="" href="#_ftnref11">[11]</a> Plivier S. 256</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref12">[12]</a> Plivier S. 296</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref13">[13]</a> Antony Beevor, Stalingrad, M&uuml;nchen 1999, S. 454</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref14">[14]</a> Beevor S. 449</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref15">[15]</a> Kirsten Schulz, 20.04.2005, &bdquo;Wir sind Euer b&ouml;ses Gewissen!&ldquo; Die Flugbl&auml;tter der Wei&szlig;en Rose, <a href="http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/weisse-rose/61008/die-flugblaetter-im-wortlaut">http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/weisse-rose/61008/die-flugblaetter-im-wortlaut</a> ; Wei&szlig;e Rose Stiftung,</p>
<p>&nbsp;<a href="https://www.weisse-rose-stiftung.de/widerstandsgruppe-weisse-rose/flugblaetter/">https://www.weisse-rose-stiftung.de/widerstandsgruppe-weisse-rose/flugblaetter/</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref16">[16]</a> Bodo Scheurig, Henning von Tresckow &ndash; Ein Preusse gegen Hitler, Berlin 2004; W. Nachtwei, Gedenken an Henning von Tresckow, &bdquo;Kopf und Herz&ldquo; des milit&auml;rischen Widerstandes gegen Hitler: Vorbild f&uuml;r Staatsb&uuml;rger in Uniform und Zivil, 2012, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1149">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1149</a></p>
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<div>
<p><a title="" href="#_ftnref17">[17]</a><em> Der 1901 in M&uuml;nchen geborene Konrad Herden schrieb seit Anfang der 20er Jahre &uuml;ber die politische Szene in M&uuml;nchen und wurde so zu einem der fr&uuml;hesten Beobachter und entschiedenen Gegner der NS-Bewegung und Adolf Hitlers. Der &bdquo;erste Chronist des Dritten Reiches&ldquo; wurde in Deutschland erst 2016 durch Stefan Aust`s Buch &bdquo;Hitlers erster Feind&ldquo;&nbsp; wiederentdeckt.</em></p>
<p><em>William E. Dodd wirkte von Juli 1933 bis Dezember 1937 in Berlin. Schon 1933 hielt er in der US-Handelskammer in Berlin eine kritische Ree zum NS-Staat &ndash; in Anwesenheit von Goebbels und Rosenberg. 1935 warnte er seine Regierung in einem Report vor Hitlers Absicht, die Tschechoslowakei und &Ouml;sterreich zu annektieren. Seine Residenz in der Tiergartenstra&szlig;e galt als freier und angstloser Zufluchtsort f&uuml;r Menschen aller Meinungen. (Erik Larson, Tiergarten &ndash; In the Garden of Beasts, Hamburg 2013)</em></p>
<p><em>Der lebensfrohe und grundfriedliche Handwerker Georg Elser aus dem schw&auml;bischen K&ouml;nigsbronn durchschaute von Anfang an, worauf der Nazi-Kurs hinauslief. Er widersetzte sich und bereitete nach dem M&uuml;nchner Abkommen akribisch v&ouml;llig auf sich gestellt den Tyrannenmord vor. Der scheiterte am 8. November 1939 im M&uuml;nchner B&uuml;rgerbr&auml;ukeller an einem &auml;u&szlig;eren Zufall. Nach 1945 wurde Georg Elser viele Jahre lang totgeschwiegen und bis in die 90er Jahre in der deutschen Erinnerungskultur kaum gew&uuml;rdigt. </em></p>
<p><em>( </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1349"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1349</em></a><em> )</em></p>
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