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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: WestfÃ¤lischer Friedenspreis 2018 an die drei baltischen Staaten und die Pfadfinder: Als die VÃ¶lker des Baltikums gewaltfrei + erfolgreich ihre UnabhÃ¤ngigkeit erkÃ¤mpften - meine Rede 1991  </title>
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    <span class="xar-mod-title">Baltikum + Rede von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            WestfÃ¤lischer Friedenspreis 2018 an die drei baltischen Staaten und die Pfadfinder: Als die VÃ¶lker des Baltikums gewaltfrei + erfolgreich ihre UnabhÃ¤ngigkeit erkÃ¤mpften - meine Rede 1991           </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 12. Juli 2018 11:19:45 +02:00 (45462 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 14. Juli erhalten im Historischen Rathaus von M&uuml;nster die drei baltischen Staaten, vertreten durch ihre Pr&auml;sidentInnen, und die Pfadfinder den Westf&auml;lischen Friedenspreis 2018 - 100 Jahre nach der erstmaligen Unabh&auml;ngigkeit von Lettland, Estland und Litauen. Die Laudatoren sind Bundespr&auml;sident Steinmeier + Ministerpr&auml;sident Laschet. 1991, zzt. des Zweiten Golfkrieges, war der gewaltfreie Unabh&auml;ngigkeitskampf unter Beschuss. Das sollte auch Thema der damals aufbrandenden Friedensbewegung sein, so meine Rede damals.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Westf&auml;lischer Friedenspreis 2018 an die drei baltischen Staaten und die Pfadfinder: Als die V&ouml;lker des Baltikums gewaltfrei und erfolgreich ihre Unabh&auml;ngigkeit erk&auml;mpften &ndash; meine Rede 1991</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (12.07.2018)</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p><em>1989 besuchte ich zusammen mit meiner Frau erstmals die lettische Hauptstadt Riga, noch zur sowjetischen Zeit. In M&uuml;nster, der &bdquo;Hauptstadt der Exilletten im Ausland&ldquo;, waren uns immer wieder Mahnwachen und Kundgebungen mit lettischen, litauischen und estnischen Fahren vor dem Rathaus aufgefallen. Friedensbewegte und Linke sahen damals den eifrigen Einsatz von Nationalfahnen mit Skepsis. 1989 gab es etliche Signale f&uuml;r &bdquo;Im Osten viel Neues&ldquo;: eine enorm breite Unabh&auml;ngigkeits- und Umweltbewegung. Zugleich nahm ich wahr, dass j&uuml;dische Menschen aus M&uuml;nster und Westfalen Ende 1941 in das deutsch-besetzte Riga deportiert und dort zum gr&ouml;&szlig;ten Teil ermordet worden waren. 1990 besuchten wir wieder Lettland und neu gewonnene Freunde dort. 14 Monate nach dem Mauerfall spitzte sich im Januar 1991 der Konflikt um die Unabh&auml;ngigkeit der baltischen Staaten zu, als sowjetische OMON-Spezialeinheiten auf Demonstranten und Journalisten schossen und in Vilnius 13, in Riga f&uuml;nf Menschen t&ouml;teten. Zur selben Zeit, am 16. Januar 1991, begann der &bdquo;Zweite Golfkrieg&ldquo; gegen den Irak, der im August 1990 Kuwait besetzt hatte. Nachdem in den Monaten zuvor nur Mahnwachen vor der Kriegsgefahr gewarnt und auf eine friedliche L&ouml;sung gedr&auml;ngt hatten, &bdquo;explodierten&ldquo; die Antikriegsproteste regelrecht in den Januartagen. In diesem Kontext propagierte ich &bdquo;&Uuml;ber den Golfkrieg nicht das Baltikum vergessen!&ldquo;</em></p>
<p align="center"><strong>Warum sich deutsche Jugendliche f&uuml;r das Baltikum interessieren sollten</strong></p>
<p align="center">Beitrag von Winni Nachtwei auf dem Baltischen Aktionstag</p>
<p align="center">am 9. Februar 1991 im Lettischen Zentrum in M&uuml;nster</p>
<p>&bdquo;Alle schauen zum Golf &hellip; vergesst uns nicht!&ldquo; Nachdem ich seit Monaten bei so vielen Veranstaltungen und Kundgebungen zum Golfkrieg geredet habe, spreche ich jetzt besonders gern zum Baltikum!</p>
<p>Warum sollten sich deutsche Jugendliche, warum sollte sich die j&uuml;ngere Generation f&uuml;r`s Baltikum interessieren?</p>
<p>Auch wenn ich inzwischen im &bdquo;Mittelalter&ldquo; gelandet bin &ndash; das Verh&auml;ltnis, das ich lange Zeit zum Baltikum hatte, war nicht untypisch f&uuml;r die j&uuml;ngere Generation: ein &bdquo;Nicht-Verh&auml;ltnis&ldquo;. Erst in j&uuml;ngerer Zeit ergaben sich mir erste Kontakte, woraus eine intensive &bdquo;Beziehung&ldquo; geworden ist.</p>
<p><strong>Woher kommt diese Distanz in gro&szlig;en Teilen der j&uuml;ngeren Generation, vor allem auch in der Friedens- und&nbsp; &Ouml;kologiebewegung?</strong></p>
<p>Eigenartig! Seit ich genauer hinh&ouml;re, f&auml;llt mir auf, wie viele j&uuml;ngere Deutsche famili&auml;re Wurzeln im Baltikum haben. Mir fiel pl&ouml;tzlich in der Stadtb&uuml;cherei das Bild der &bdquo;Gro&szlig;en Gilde/Stube von M&uuml;nster&ldquo;&nbsp; auf &ndash; und in der Gro&szlig;en Gilde in Riga das M&uuml;nsteraner Stadtwappen &uuml;ber dem Haupteingang.</p>
<p>Seit mehr als 700 Jahren gibt es eine gemeinsame Geschichte zwischen Deutschen und den Menschen im Baltikum, oft schmerzhaft, aber auch bereichernd. Jahrhundertelang war das Baltikum die Nahtstelle zwischen Deutschland und Russland, Br&uuml;cke oder Einfallstor. Diese gemeinsame Geschichte ist gerade J&uuml;ngeren weitgehend unbekannt.</p>
<p>Es lag vor allem an uns Lehrern und Schulhistorikern, dass das geschehen konnte. Vom westeurop&auml;ischen Kolonialismus wissen wir, dass unterworfenen V&ouml;lkern ihre Geschichte zu nehmen ein zentrales Herrschaftsmittel war. Beim russischen und Sowjetkolonialismus sahen wir dar&uuml;ber weg!</p>
<p>Warum dieses Abfinden mit den &bdquo;Realit&auml;ten&ldquo;, warum diese Ein&auml;ugigkeit gerade bei solchen, denen die nationale Selbstbestimmung anderswo auf der Welt als hohes und unterst&uuml;tzens-wertes Ziel gilt?</p>
<p>Den einen passte es nicht in ihren &bdquo;Realismus&ldquo;. Und es passte schlichtweg nicht ins politisch-weltanschauliche Wahrnehmungsraster von Linken, die der Sowjetunion &ndash; auch wenn sie ihr nicht anhingen &ndash; immer besonders viel Verst&auml;ndnis und Verdr&auml;ngung entgegenbrachten, einen &bdquo;Links-Bonus&ldquo;. Wer die Politik der UdSSR beharrlich kritisierte, stand schnell unter &bdquo;Rechtsverdacht&ldquo;. (Wir Gr&uuml;ne haben das immer wieder zu sp&uuml;ren bekommen) Wer gar als Exilierter hie politisch auftrat, galt schnell als &bdquo;Antikommunist&ldquo; und &bdquo;Nationalist&ldquo;, wurde als &bdquo;Reaktion&auml;r&ldquo; abgetan. (Umgekehrt wurde die Friedensbewegung von Exilierten pauschal als &bdquo;naiv&ldquo; und &bdquo;moskauh&ouml;rig&ldquo; wahrgenommen)</p>
<p>Ignoriert wurde, dass jeder von der eigenen historisch-politischen Erfahrung gepr&auml;gt ist, dass Haltungen zur Sowjetunion, zum Nationalen bei kritischen jungen Deutschen selbstverst&auml;ndlich andere sind als bei Angeh&ouml;rigen von V&ouml;lkern des Sowjetimperiums.</p>
<p>Wenn wir diese unterschiedlichen Erfahrungswelten ber&uuml;cksichtigen, werden sich damit nicht alle Widerspr&uuml;che und Vorbehalte aufl&ouml;sen.&nbsp; Aber damit ist zumindest der erste notwendige Schritt zu Verst&auml;ndigung, Dialog und Unterst&uuml;tzung getan.</p>
<p>Im Sommer letzten Jahres erlebten wir den Vorabend des 17. Juni, des 50. Jahrestages des sowjetischen Einmarsches, in Riga: Die vielen Gruppen, die zur Freiheitss&auml;ule zogen, dort Blumen biederlegten und sangen. Wir sahen &nbsp;das Blumenmeer, wir besuchten die Ausstellung &uuml;ber die stalinistischen Deportationen. Wir sp&uuml;rten: Die Erinnerungen sind noch frisch, die Wunden von Jahrzehnten der Unterdr&uuml;ckung und Fremdbestimmung sind noch offen. Wir wussten und f&uuml;hlten: Das Streben der baltischen V&ouml;lker nach Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit ist selbstverst&auml;ndlich gerechtfertigt.</p>
<p>Es zu unterst&uuml;tzen, ist <strong>gerade f&uuml;r Deutsche eine Verpflichtung</strong>.</p>
<p>Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 bereitete der sowjetischen Expansion von 1940 den Weg: 1941-1944/45 hielten deutsche Truppen das Land besetzt, wurden in deutschen Namen schlimmste Verbrechen begangen. Ich erinnere nur an die Massaker von Rumbula. (Hier wurden am 30. November und 8. Dezember 1941 28.500 lettische J&uuml;dinnen und Juden ermordet)</p>
<p>Diese deutsche historische Verantwortung gegen&uuml;ber dem Baltikum zu erkennen und wahrzunehmen, ist der erste Grund, warum sich j&uuml;ngere Deutsche f&uuml;r das Baltikum interessieren und engagieren sollten.</p>
<p><strong>Der zweite Grund</strong></p>
<p>Die baltischen Staaten haben nur wenige Millionen Einwohner. Auf den ersten Blick scheinen sie nicht besonders bedeutend zu sein.</p>
<p>Doch ihre Menschen waren Vorreiter de demokratischen Bewegungen in der gesamten Sowjetunion. Vorbildlich der baltische Weg, Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit strikt gewaltfrei anzustreben, vorbildlich die Verbindung mit dem Kampf gegen die Umweltzerst&ouml;rung.</p>
<p>Bewundernswert, was die Menschen im Baltikum gegen&uuml;ber einer starren und brutalen Diktatur schaffen konnten., Ich sehe vor mir diesen Gegensatz: Das riesige Pressezentrum auf dem anderen Daugava-Ufer als Symbol der alten Macht, dagegen der Sitz der Volksfront in einem relativ kleinen Altstadthaus. Wer die Demokratisierung der UdSSR will, wer die demokratischen Kr&auml;fte st&auml;rken will, muss das vor allem im Baltikum tun. Die Auseinandersetzung dort hat exemplarische Bedeutung f&uuml;r die ganze Sowjetunion!</p>
<p><strong>Der dritte Grund</strong></p>
<p>Im Sowjetimperium stehen die Zeichen auf Sturm, sind die Kr&auml;fte des alten Systems im Vormarsch, Kriegsrecht und B&uuml;rgerkrieg drohen.</p>
<p>Bei meinen historischen Nachforschungen zur Nazi-Zeit lernte ich es, bei der Bewegung gegen den Golfkrieg erfuhr ich es erneut: Immer wieder kommen Protest und Widerstand zu sp&auml;t. Die Lehre aus der Geschichte, die Lehre aus der andauernden Umweltzerst&ouml;rung ist:</p>
<p><strong>Rechtzeitig hinsehen, rechtszeitig was tun!</strong></p>
<p>Je mehr internationale Unterst&uuml;tzung die demokratischen Bewegungen im Baltikum <strong>jetzt</strong> erfahren, desto schwerer werden &bdquo;Gewaltl&ouml;sungen&ldquo;, desto weniger wird es eine Eskalation von Nationalismus, Extremismus und Gewalt geben. Es darf nicht sein, dass erst dann breiter internationaler Protest erfolgt, wenn es auch im Baltikum zu sp&auml;t ist!</p>
<p><strong>Gerade die Friedensbewegung</strong> darf sich nicht an das offensichtliche Stillhalteabkommen zwischen Sowjetunion und US-Regierung halten, den jeweils anderen gew&auml;hren zu lassen &ndash; im Baltikum, am Golf.</p>
<p>Die legitimen und legalen Bestrebungen der baltischen V&ouml;lker nach Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit d&uuml;rfen nicht einer vermeintlichen Stabilit&auml;t der Sowjetunion geopfert werden. Eine solche &bdquo;Friedenspolitik&ldquo; ist kurzsichtig: Sie setzt auf Bewahren eines Kolonialreiches, das nicht zu bewahren ist; sie verschiebt L&ouml;sungen auf &bdquo;sp&auml;ter irgendwann&ldquo;, wenn L&ouml;sungen immer schwerer, immer riskanter werden.</p>
<p>Wo aber Regierungen nach ihrem Kalk&uuml;l handeln, wo Regierungshandeln auch seine Grenzen hat, da sind besonders die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger gefordert:</p>
<p>Unterst&uuml;tzung muss ganz besonders von unten kommen!</p>
<p>Es geht im Baltikum nicht zuletzt um die Frage, ob Europas Chancen f&uuml;r eine friedliche Zukunft bewahrt oder wieder versch&uuml;ttet werden.</p>
<p>Deshalb gerade nach drau&szlig;en der Appell:</p>
<p>Vergesst &uuml;ber den Golfkrieg das Baltikum nicht!</p>
<p>Es geht dort auch um unsere Zukunft!</p>
<p><em>Zum Referenten: W.N. ist Gymnasiallehrer und seit 1980 bei en Gr&uuml;nen und in der Friedensbewegung aktiv. Mit dem Baltikum in Ber&uuml;hrung gekommen zun&auml;chst &uuml;ber lokalgeschichtliche Forschungen (Deportationen westf&auml;lische Juden ab 1941 nach Riga) und den seit Januar 1990 vor dem M&uuml;nsteraner Landgericht laufenden NS-Kriegsverbrecherprozess gegen B. Maikovskis. Hieraus entwickelte sich Interesse und Anteilnahme gegen&uuml;ber dem heutigen Lettland.</em></p>
<p align="center">Pressemitteilung vom 6. Februar 1991</p>
<p align="center"><strong>&bdquo;&Uuml;ber den Golfkrieg nicht das Baltikum vergessen!&ldquo;</strong></p>
<p>Mit diesen Worten ruft der Vorstand von GAL/GR&Uuml;NEN die M&uuml;nsteraner B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zum Besuch des &bdquo;Baltischen Aktionstages&ldquo; am kommenden Samstag, 9. Februar, im Lettischen Zentrum, Salzmannstr. 152m, auf.</p>
<p>&bdquo;Die Massenproteste der Friedensbewegung konnten den Beginn es gro&szlig;en Krieges am Golf nicht mehr verhindern, sie kamen zu sp&auml;t. Es darf nicht sein&ldquo;, so Winni Nachtwei von der GAL, &bdquo;dass erst dann internationaler Protest erfolgt, wenn es auch im Baltikum zu sp&auml;t ist, wenn dort m&ouml;glicherweise B&uuml;rgerkrieg und Kriegsrecht herrschen. Gerade die Friedensbewegung darf sich nicht an das offensichtliche Arrangement zwischen Sowjet- und US-Regierung halten, den jeweils anderen gew&auml;hren zu lassen &ndash; im Baltikum, am Golf. Der Baltische Aktionstag mit seinem reichhaltigen Programm bietet die einmalige Gelegenheit, sich &uuml;ber die aktuelle Situation im Baltikum authentisch zu informieren und Solidarit&auml;t mit den Menschen in Lettland, Estland und Litauen zu &uuml;ben.&ldquo;</p>
<p><em>(Die Pressemitteilung wurde in keiner Lokalzeitung ver&ouml;ffentlicht)</em></p>
<p align="center"><strong>Besuch im Museum der lettischen Volksfront </strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (April 2015)</p>
<p>Anfang der 90er Jahre besuchten wir das Zentrum der Volksfront in der Altstadt: ein emsiges Gewusel. Jetzt bin ich an einem Montag der einzige Besucher in dem &uuml;ber alle Etagen gehenden Museum.</p>
<p>Erste Proteste entz&uuml;nden sich in der Sowjetunion 1986 nicht an politischen Themen im engeren Sinne, sondern an Umwelt- und Kulturstreitfragen: z.B. um das Projekt eines Wasserkraftwerk in Daugavpils. W&auml;lder sollten gerodet, Bev&ouml;lkerung umgesiedelt werden, nach dem Nutzen hatte niemand gefragt. Ein Artikel &bdquo;Nachdenken &uuml;ber das Schicksal der D&uuml;na&ldquo; in der Zeitschrift &bdquo;Literatur und Kunst&ldquo; brachte den Stein ins Rollen. Erstmals kam es in der Sowjetunion zu &ouml;ffentlichen Protesten. 1987 wurden die Arbeiten gestoppt. Das wirkte ermutigend. Oder die Konflikte um eine k&uuml;nftige U-Bahn in Riga oder den Betrieb veralteter Papierfabriken und ihrer Abw&auml;sser. In Libau entstand die Menschenrechtsgruppe Helsinki-86. Anfang 1987 gr&uuml;ndete sich der &bdquo;Klub zur Verteidigung der Umwelt&ldquo; (VAK). Im November 1988&nbsp; findet in der Skolas iela der erste Kongress der Gesellschaft f&uuml;r j&uuml;dische Kultur statt. Die Nr. 48 von &bdquo;Literatur und Kunst&ldquo; handelte &uuml;ber Juden in Lettland. Ende der 80er Jahre gr&uuml;ndete sich auch der &bdquo;Verein der ehemaligen j&uuml;dischen Ghetto- und KZ-H&auml;ftlinge Lettlands&ldquo; (LEGU).</p>
<p>Am historischen Datum des 23. August 1987 organisierte Helsinki-86 eine erste Gro&szlig;demonstration zum Gedenken an die Deportationen vom 14. Juni 1941 am Freiheitsdenkmal. Am 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes bildeten 1989 &ndash; also noch zur sowjetischen Zeit &ndash; &uuml;ber zwei Millionen Menschen eine Menschenkette &uuml;ber 670 km von Talinn &uuml;ber Riga nach Vilnius.&nbsp; Am 71. Jahrestag der lettischen Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung am 18. November 1988 demonstrierten in Riga rund 500.000 Menschen.&nbsp; Bei erstmals freien Wahlen zum Obersten Rat der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik erreichten Kandidaten der Volksfront die absolute Mehrheit.</p>
<p>Am 4. Mai 1990, vor genau 25 Jahren,&nbsp; erkl&auml;rte der Oberste Rat der LSSR die Wiederherstellung der lettischen Unabh&auml;ngigkeit. Die UdSSR versuchte den Unabh&auml;ngigkeitsprozess durch Drohungen, Boykottma&szlig;nahmen, schlie&szlig;lich auch durch die Besetzung wichtiger Geb&auml;ude zu stoppen &ndash; erfolglos. In Riga bewachten rund 100.000 Menschen die an wichtigen Punkten errichteten Barrikaden. In Sichtweite des jetzigen Okkupationsmuseums erinnern f&uuml;nf Gedenksteine an die damals Erschossenen.</p>
<p>Mavrik Vulfson, f&uuml;hrender Journalist, war zur sowjetischen Zeit der erste,&nbsp; der von der ersten Okkupation 1940 sprach. Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung des Originals des Hitler-Stalin-Paktes Der fr&uuml;her &bdquo;lettischer B&auml;rent&ouml;ter&ldquo; Genannte, ist heute weitestgehend vergessen.</p>
<p><em>Der Unabh&auml;ngigkeitsprozess der baltischen Staaten war ein historischer Sieg des gewaltfreien Widerstandes einer ganzen Gesellschaft &ndash; trotz sowjetischer Wirtschaftsblockade, Drohung mit Milit&auml;rintervention und gewaltsamem Vorgehen der OMON-Spezialeinheiten. Beg&uuml;nstigt wurde dieser Sieg durch die strategische Schw&auml;che der Sowjetunion und den Reformkurs von Michael Gorbatschow. Ab 1993 bis Ende 2001 unterst&uuml;tzten OSZE-Missionen Estland und Lettland bei der Integration ihrer starken russischsprachigen Minderheiten. (Dazu Sabine Machl im OSZE-Jahrbuch 2002, hg. vom IFSH, </em><a href="http://ifsh.de/file-CORE/documents/jahrbuch/02/Machl.pdf">http://ifsh.de/file-CORE/documents/jahrbuch/02/Machl.pdf</a> ) <em>Der Unabh&auml;ngigkeitsprozess im Baltikum h&auml;tte auch ganz anders verlaufen und in einen Gewaltkonflikt m&uuml;nden k&ouml;nnen.</em></p>
<p><em>Am 30. Juni wurde bekannt, dass die russische Generalstaatsanwaltschaft auf Antrag von zwei Duma-Abgeordneten die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Anerkennung der Unabh&auml;ngigkeit der baltischen Staaten durch den Staatsrat der UdSSR in 1991 pr&uuml;ft. (</em><a href="http://baltische-rundschau.eu/politik/russland-prueft-legalitaet-der-unabhaengigkeit-der-baltischen-staaten/"><em>http://baltische-rundschau.eu/politik/russland-prueft-legalitaet-der-unabhaengigkeit-der-baltischen-staaten/</em></a><em> )</em></p>
<p><em>(aus: W.N., Gespaltene, traumatische Erinnerungen, R&uuml;ckkehr von Abschreckung und Kaltem Krieg? Erinnerungs- und sicherheitspolitische Beobachtungen in Riga, April 2016,&nbsp; </em></p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1363"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1363</em></a><em> )</em></p></div>


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