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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Hubschrauberabsturz bei MINUSMA in Mali: Bericht von der Trauerfeier in Fritzlar + mein Beileidsschreiben zum Tod der deutschen Blauhelme (28.7./4.8.)</title>
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    <span class="xar-mod-title">Vereinte Nationen (UNO) + Offener Brief</span>

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        <h1>
            Hubschrauberabsturz bei MINUSMA in Mali: Bericht von der Trauerfeier in Fritzlar + mein Beileidsschreiben zum Tod der deutschen Blauhelme (28.7./4.8.)         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 2. August 2017 13:10:29 +01:00 (48553 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>In Mali stellt Deutschland erstmalig ein Bodentruppen-Kontingent f&uuml;r eine UNO-Friedensmission. Beim Absturz ihres Tiger-Kampfhubschraubers kamen die beiden erfahreren Piloten ums Leben. In Fritzlar fand erstmalig eine gro&szlig;e, sehr bewegende&nbsp; Trauerfeier f&uuml;r deutsche UNO-Blauhelme statt.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Hubschrauberabsturz bei MINUSMA in Mali:</strong></p>
<p align="center"><strong>Bericht von der Trauerfeier in Fritzlar und </strong></p>
<p align="center"><strong>mein Beileidsschreiben zum Tod der deutschen Blauhelme</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> (28.07./04.08.2017)</p>
<p>Am 26. Juli st&uuml;rzte ein deutscher UNO-Kampfhubschrauber bei einem Aufkl&auml;rungsflug nord&ouml;stlich von Gao ab. Die Besatzungsmitglieder, der 33-j&auml;hrige Major Jan F&auml;rber und der 47-j&auml;hrige Stabshauptmann Thomas M&uuml;ller, wurden bei dem Absturz get&ouml;tet. Hinweise auf Beschuss gibt es bisher nicht. Die Absturzursache &ndash; vermutet wird ein technisches Versagen &ndash; wird noch ermittelt.</p>
<p>Der abgest&uuml;rzte Tiger-Kampfhubschrauber geh&ouml;rte zum Helicopter Detachment (290 Soldaten) des deutschen Einsatzkontingents bei MINUSMA, der &bdquo;Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission&ldquo; der UNO in Mali mit insgesamt rund 11.000 Soldaten und 1.600 Polizisten (davon 13 deutsche). Bei der parallelen EU Trainingsmission (EUTM) Mali sind zzt. rund 140 Bundeswehrsoldaten eingesetzt.</p>
<p>Heimatverband der insgesamt vier Tiger-Hubschrauber ist das Kampfhubschrauberregiment 36 &bdquo;Kurhessen&ldquo; in Fritzlar/Nordhessen. Das Regiment ist Teil der Division Schnelle Kr&auml;fte, der Tr&auml;gerin der Luftbeweglichkeit des deutschen und niederl&auml;ndischen Heeres (Luftlandebrigade 1, 11. Niederl&auml;ndische Luftmobile Brigade, KSK).</p>
<p>Der MINUSMA-Einsatz der Bundeswehr ist ihr erster Land-Kontingenteinsatz bei einer Friedensmission der Vereinten Nationen und mit ca. 900 Soldatinnen und Soldaten der zweitgr&ouml;&szlig;te Bundeswehreinsatz nach Resolute Support in Afghanistan. (Zu MINUSMA und der deutschen Beteiligung <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1476">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1476</a> )</p>
<p>Hier mein</p>
<p><strong>Bericht von der Trauerfeier im St. Peter Dom in Fritzlar</strong> <strong>am 3. August</strong> und</p>
<p><strong>mein Beileids- und Solidarit&auml;tsschreiben vom 28. Juli</strong> an den Kontingentf&uuml;hrer des</p>
<p>Deutsches Einsatzkontingent MINUSMA.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Die Trauerfeier am 2. August</span></strong></p>
<p>Die Trauerfeier fand im Kaiserlichen Dom St. Peter in Fritzlar statt. Der Dom war mit 500 Trauerg&auml;sten dicht gef&uuml;llt. Zwischen Dom und Rathaus verfolgten viele weitere Soldaten und Zivilpersonen die Trauerfeier auf einer Gro&szlig;leinwand.</p>
<p>(Umfassend zur Trauerfeier die &bdquo;<strong>Hessische Nieders&auml;chsische Allgemeine</strong>&ldquo; am 3.8., <a href="https://www.hna.de/lokales/fritzlar-homberg/fritzlar-ort45393/absturz-hubschrauber-in-mali-trauerfeier-in-fritzlar-per-video-8561721.html">https://www.hna.de/lokales/fritzlar-homberg/fritzlar-ort45393/absturz-hubschrauber-in-mali-trauerfeier-in-fritzlar-per-video-8561721.html</a> ; Aufzeichnung des <strong>Live Streams des Hessischen Rundfunks</strong>, 1:34 Std., <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fGmDQbkGKDk">https://www.youtube.com/watch?v=fGmDQbkGKDk</a> ; Video der HNA, 5:56 Min., <a href="https://www.youtube.com/watch?v=GxIygTRa1k8">https://www.youtube.com/watch?v=GxIygTRa1k8</a> &nbsp;</p>
<p>An den S&auml;rgen, bedeckt mit der Bundesdienstflagge und einem Helm, hielten je acht Soldaten die Totenwache. Zwischen ihnen Portraitfotos von Major Jan F&auml;rber und Stabshauptmann Thomas M&uuml;ller. Ca. alle halbe Stunde wechseln die Totenwachen im langsamen Trauermarsch.</p>
<p>Den ersten Teil der Trauerfeier bildete ein <strong>&Ouml;kumenischer Gottesdienst</strong> mit Ansprache des Stellvertrenden Leitenden Milit&auml;rdekan Claus-J&ouml;rg Richter. Danach traten Angeh&ouml;rige an die S&auml;rge, verweilten dort und legten Blumen auf die S&auml;rge. (Eine solche M&ouml;glichkeit des Abschiednehmens gab es bei fr&uuml;heren Trauerfeiern f&uuml;r im Einsatz gefallene Soldaten nicht.)</p>
<p>Im zweiten Teil der Trauerfeier die <strong>Trauerreden</strong> von Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen, dem B&uuml;rgermeister von Fritzlar, Hartmut Spogat, und dem Kommandeur des Kampfhubschrauberregiments 36, Oberst Dr. Volker Bauersachs.</p>
<p><strong>Die Ministerin</strong>: <em>Jan. F. und Thomas M. seien Soldaten mit Leib und Seele gewesen &ndash; Heeresflieger, Piloten, TIGER-Crews. &bdquo;Wir bleiben zur&uuml;ck: tief traurig, fassungslos, sprachlos und voller Fragen.&ldquo; </em></p>
<p><em>Thomas M&uuml;ller, 47 Jahre, davon 28 bei der Bundeswehr. In Fritzlar habe er die letzten acht Jahre den TIGER-Flugbetrieb ma&szlig;geblich mit aufgebaut. </em></p>
<p><em>&bdquo;Er war einer der ersten sechs ausgebildeten TIGER-Piloten, die in dieses Regiment versetzt wurden. Er war auch eine Institution in diesem Regiment: hilfsbereit, verl&auml;sslich, besonnen, auch hoch dekoriert. Er war einer, zu dem man gern ging, wenn man Rat brauchte &ndash; als Vorgesetzter genauso wie als Kamerad. Einer, der sich immer Zeit nahm. Nicht umsonst war er lange der Sprecher der Vertrauenspersonen im Regiment. Er war der ruhende Pol. Und gleichzeitig ein &bdquo;Motor&ldquo; &ndash;mit langem Atem, ganz Triathlet, und immer neuen Ideen.</em></p>
<p><em>Stabshauptmann M&uuml;ller war einer der erfahrensten, wenn nicht der erfahrenste TIGER-Pilot der Bundeswehr. Einer von 4 Schwarmf&uuml;hrern in der 2. Staffel des Kampfhubschrauber-</em></p>
<p><em>Regiments 36, gleichzeitig Ausbildungsleiter. Er kannte seinen TIGER in- und auswendig.</em></p>
<p><em>Zweimal war er schon im Einsatz in Afghanistan, und jetzt Mali.</em></p>
<p><em>Genauso Major Jan F&auml;rber: TIGER-Pilot mit Leib und Seele. &Uuml;beraus stolzer Flieger, disziplinierter Soldat, ehrgeiziger Offizier, hoch anerkannt und beliebt im Kameradenkreis,</em></p>
<p><em>immer wissbegierig und sein Ziel fest im Blick. Er gab immer sein Bestes, immer 100 %. </em></p>
<p><em>Im Dienst genauso wie im Sport, z.B. beim Kite-Surfen.</em></p>
<p><em>Mit 18 fing er bei der Bundeswehr an (&hellip;). Doch sein gro&szlig;er Traum war immer das Fliegen.</em></p>
<p><em>Nach dem BWL-Studium in M&uuml;nchen konnte er ihn Wirklichkeit werden lassen. </em></p>
<p><em>In B&uuml;ckeburg durchlief er seine Ausbildung. Und ging dann 2010 als Hubschrauber-Offizier hier nach Fritzlar.</em></p>
<p><em>Auch Jan F&auml;rber war Schwarmf&uuml;hrer in der 2. Staffel des Regiments, war auf dem Weg, selbst einmal Verantwortung f&uuml;r eine Staffel zu &uuml;bernehmen. Auch er war einsatzerfahren, war 2012 in Afghanistan. Jan F&auml;rber wurde 33 Jahre alt.&ldquo;</em></p>
<p><em>Der Einsatz f&uuml;r den Frieden in Mali sei gef&auml;hrlich. Und er sei von hoher Bedeutung &ndash; in einem Land, f&uuml;r ein Land, von dem wir nur durch zwei Staaten getrennt seien.</em></p>
<p><em>Gerade nach vielen Gespr&auml;chen, die sie in den vergangenen Tagen in Mali gef&uuml;hrt habe &ndash; mit politischen Entscheidungstr&auml;gern, vor allem mit Soldatinnen und Soldaten des deutschen Kontingents on Gao, sei ihre feste &Uuml;berzeugung.</em></p>
<p><em>&bdquo;Ich habe den Wunsch und den Willen der Kameraden von Jan F&auml;rber und Thomas</em></p>
<p><em>M&uuml;ller gesp&uuml;rt, dass dieser Einsatz weitergehen muss. Dass wir alles daran setzen m&uuml;ssen,</em></p>
<p><em>ihn Schritt f&uuml;r Schritt zum Erfolg zu f&uuml;hren. Ich habe Entschlossenheit und Mut gesp&uuml;rt: </em>&nbsp;</p>
<p><em>&bdquo;Lassen Sie uns jetzt nicht im Lager. F&uuml;hren Sie den Einsatz unserer Heeresflieger weiter.&ldquo;</em></p>
<p><em>Das waren die Worte.</em></p>
<p><em>Selbst Sie, liebe Hinterbliebene, haben gesagt:</em></p>
<p><em>&bdquo;Die beiden w&auml;ren in dieser Situation die ersten gewesen, die wieder ins Cockpit gestiegen w&auml;ren.&ldquo;</em></p>
<p><em>Und ich habe dieses starke Band der Kameradschaft gesp&uuml;rt. In K&ouml;ln bei der &Uuml;berf&uuml;hrung.</em></p>
<p><em>In Gao bei unserem Kontingent. In Bamako im MINUSMA-Hauptquartier, &uuml;ber die Grenzen der vielen Nationen, die hier ihren Dienst leisten, hinweg. (&hellip;)</em></p>
<p><em>Wir haben bewegende Zeichen der Anteilnahme erleben d&uuml;rfen, auch von unseren malischen</em></p>
<p><em>Kameraden &nbsp;&ndash; deren Minister unsere Toten am Flughafen Bamako posthum mit dem </em></p>
<p><em>Verdienstorden der Republik Mali auszeichnete.&ldquo; (Die ganze Rede&nbsp; </em><a href="https://www.bmvg.de/de/aktuelles/verteidigungsministerin-bei-der-trauerfeier-fuer-die-beiden-in-mali-gestorbenen-soldaten-16498"><em>https://www.bmvg.de/de/aktuelles/verteidigungsministerin-bei-der-trauerfeier-fuer-die-beiden-in-mali-gestorbenen-soldaten-16498</em></a><em> )</em></p>
<p><strong>Der B&uuml;rgermeister</strong>: <em>Er erinnert an den Abschiedsappell im M&auml;rz in Fritzlar, wo alle gehofft h&auml;tten, dass der Einsatz ohne Verluste bew&auml;ltigt werden k&ouml;nne. &bdquo;Es ist anders gekommen.&ldquo; Er spricht auch als ehemaliger Angeh&ouml;riger des Regiments, der zwei Kameraden verloren habe, die er pers&ouml;nlich kannte und sch&auml;tzte.</em></p>
<p><strong>Der Regimentskommandeur</strong>:</p>
<p><em>&bdquo;Sie fehlen als Kamerad, Mensch und Freund. (&hellip;) Worte k&ouml;nnen &uuml;ber den Verlust nicht hinwegtr&ouml;sten.&ldquo; Das Mitgef&uuml;hl gebe Kraft. Er habe den Eindruck gewonnen, dass die Betreuerteams aus Truppenpsychologen, Milit&auml;rpfarrern und Soldaten des Regiments Ihnen, den Angeh&ouml;rigen, mittlerweile sehr nahe stehen.</em></p>
<p><em>Eine F&uuml;lle von Kondolenzschreiben habe ihn aus allen Teilen der Bundeswehr erreicht. Die &bdquo;Soldatenfamilie&ldquo; reiche weit &uuml;ber das Regiment hinaus. &bdquo;Gemeinsam in Trauer um unsere Gefallenen&ldquo; &ndash; auch mit den internationalen Verb&uuml;ndeten.</em></p>
<p><em>Was leite die &bdquo;Soldatenfamilie&ldquo;? Die soldatischen Tugenden &ndash; Tapferkeit, Mut, Standfestigkeit und Kameradschaft -, der Eid, &bdquo;Wir dienen Deutschland&ldquo;. Das h&auml;tten Jan und Thomas in vorbildlicher Weise getan.</em></p>
<p><em>Sie gaben ihr Leben in einer UN-Friedensmission. Damit Mali nicht im Chaos versinke, engagiere sich die UNO zur Stabilisierung des Landes. Die UNO verf&uuml;ge &uuml;ber keine eigenen Kr&auml;fte&nbsp; und sei auf Unterst&uuml;tzung der Staatengemeinschaft angewiesen. Anfang des Jahres habe man die niederl&auml;ndischen Kameraden im Auftrag abgel&ouml;st. Insgesamt bestehe die Soldatenfamilie in Mali aus 57 Staaten.</em></p>
<p><em>&bdquo;Mit einem Mandat des Deutschen Bundestages haben Jan und Thomas dem deutschen Volk&nbsp; treu gedient und dabei alles gegeben. Sie verdienen unseren Respekt.</em></p>
<p><em>Sie haben in ehrenvollem Auftrag, andere Soldaten am Boden mit den F&auml;higkeiten des Tigers zu sch&uuml;tzen, ihr Leben gegeben. Sie waren sozusagen die Lebensversicherung der Infanteristen, die in den Feuerkampf geraten.</em></p>
<p><em>F&uuml;r diesen Auftrag waren sie als eingespieltes Team im Tiger bestens vorbereitet. Beide Kameraden waren fachlich und menschlich hoch angesehene Kameraden unseres Regiments und mit Thomas M&uuml;ller war der erfahrenste Pilot an Bord.</em></p>
<p><em>Was dort am Himmel auch immer passiert ist. Wenn diese Besatzung den Absturz nicht abwenden konnte, dann h&auml;tte es keine andere vermocht.</em></p>
<p><em>Das ist meine klare Botschaft an die, die ohne Kenntnis der M&auml;nner sich anma&szlig;en, etwas anderes zu suggerieren.&ldquo;</em></p>
<p><em>Um die beiden etwas vorzustellen und zu zeigen, wie tief sie im Regiment integriert waren und welche L&uuml;cke sie hinterlassen, notierte der Kommandeur einige Zeilen aus den Kondolenzb&uuml;chern, die in der Kaserne ausliegen:</em></p>
<p><em>&bdquo;Zitat: Lieber Tommi, es war mir eine Ehre, Teil deines milit&auml;rischen Lebens gewesen zu sein. Deinen Angeh&ouml;rigen w&uuml;nsche ich die n&ouml;tige Kraft und Gottes Segen.</em></p>
<p><em>Zitat: Lieber Jan, seit so vielen Jahren gekannt und doch nicht alles gesprochen. So viel gemeinsam erlebt und trotzdem noch L&uuml;cken. Und so viel gemeinsam ge&uuml;bt und gelernt und trotzdem nie den ganzen Menschen kennenlernen d&uuml;rfen. Ich werde dich vermissen.</em></p>
<p><em>Zitat: Lieber Thomas, ich werde es vermissen, mit Dir zu diskutieren, von Dir zu lernen, mit Dir zu streiten, mit Dir zu &uuml;ben und mit Dir zu lachen. Ich werde Dich vermissen.</em></p>
<p><em>Zitat: Lieber Jan, wir f&uuml;hlen uns so leer, so machtlos. Diese L&uuml;cke wird niemand f&uuml;llen k&ouml;nnen.</em></p>
<p><em>Liebe Familie M&uuml;ller, liebe Familie F&auml;rber, Sie k&ouml;nnen zu Recht stolz sein auf diese gro&szlig;artigen beiden Menschen.</em></p>
<p><em>Ich wei&szlig;, es muss hier f&uuml;r einige schwer zu verstehen sein, warum wir uns Soldaten diesen besonderen Gefahren unseres Berufes aussetzen. Es ist unsere &Uuml;berzeugung als Soldat, bis in letzte Konsequenz f&uuml;reinander einzustehen. Das bedeutet f&uuml;r uns Kameradschaft. (&hellip;) </em></p>
<p><em>Mir ist klar, das kann nicht jeder verstehen. Das ist auch schwer, insbesondere f&uuml;r unsere engsten Angeh&ouml;rigen. Auch f&uuml;r meine Frau, die mich heute begleitet, ist das schwer zu verstehen. Ich bin ihr aber unendlich dankbar, dass sie meine Bereitschaft, treu zu dienen, zumindest akzeptiert.&ldquo;</em></p>
<p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e richtete der Kommandeur schlie&szlig;lich an den Einsatzverband in Mali.</em></p>
<p><em>&bdquo;Wir sind in Trauer alle vereint. Liebe Familie M&uuml;ller, liebe Familie F&auml;rber, auch Sie bleiben Teil unserer Soldatenfamilie. (&hellip;)</em></p>
<p>Die Trauerfeier im Dom endete mit der Nationalhymne.</p>
<p>Ein Trauerkondukt schloss sich an: An der Spitze im langsamen Trauermarsch Soldaten des Wachbataillons mit f&uuml;nf gro&szlig;en Kr&auml;nzen der Familien, der Bundesregierung, des hessischen Ministerpr&auml;sidenten, des Regiments. Auf der ersten Kranzschleife die Worte &bdquo;Den Augen fern - dem Herzen ewig nah - Familie ..&ldquo; Jeweils hinter einem Soldat mit dem Ordenskissen des &nbsp;Toten und acht Kameraden des Regiments je acht Soldaten des Wachbataillons, die den Sarg auf den Schultern tragen. Als der zweite Sarg aufgenommen wird, durchbricht ein lautes Weinen das stumme Weinen in der Trauergemeinde. Hinter dem Sarg erst die Geistlichen, dann die Ehefrau, die Lebensgef&auml;hrtin, die Eltern, Geschwister, Angeh&ouml;rigen, Freunde, Kameraden, sich gegenseitig st&uuml;tzend. Es folgen Ministerin von der Leyen, der hessische Ministerpr&auml;sident Bouffier, Generalinspekteur Wieker &hellip;</p>
<p>Es sind die ersch&uuml;tterndsten, am tiefsten aufw&uuml;hlenden Minuten der Trauerfeier, mitgef&uuml;hlt von Hunderten rechts und links.</p>
<p>Auf dem Domplatz werden die S&auml;rge in bereitstehende Fahrzeuge geschoben. Nach kurzem Trommelwirbel bl&auml;st ein Trompeter das &bdquo;Lied vom guten Kameraden&ldquo;.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Nachbemerkungen:</span></strong></p>
<p>- Im September 2015 hatte die Bundeswehr die letzten beiden Toten in Einsatzgebieten zu beklagen, im Mai 2013 den letzten Gefallenen durch gegnerische Einwirkung (in Afghanistan).</p>
<p>Die gro&szlig;e &ouml;ffentliche Trauerfeier in Fritzlar war die erste f&uuml;r Bundeswehrsoldaten, die bei einem UNO-gef&uuml;hrten Einsatz ums Leben gekommen sind. Als im Oktober 2001 Oberstabsarzt Dieter Ei&szlig;ing (33) und acht internationale Kameraden der UNO-Beobachtermission in Georgien durch Beschuss ihres UNOMIG-Hubschraubers ums Leben gekommen waren, vermied die Bundesregierung jede gr&ouml;&szlig;ere Aufmerksamkeit.</p>
<p>- Ganz im Gegensatz zu den Berliner Verh&auml;ltnissen war die Trauerfeier in Fritzlar bemerkenswert &ouml;ffentlich und zug&auml;nglich, keine Spur von Hochsicherheitstrakt.</p>
<p>- Unter den Trauerg&auml;sten sah ich erfreulich viele Bundestagsabgeordnete des Verteidigungsausschusses. Ich hoffe, dass dieses Mal auch Angeh&ouml;rige des Ausw&auml;rtigen Ausschusses an der Trauerfeier teilnahmen. Immerhin liegt bei den Au&szlig;enpolitikern die Federf&uuml;hrung der Auslandseins&auml;tze. (Bei fr&uuml;heren Trauerfeiern war mir die sp&auml;rliche bis fehlende Teilnahme von Au&szlig;enpolitikern aufgefallen.)</p>
<p>Bundestagsabgeordnete geben mit ihrer Stimme gr&uuml;nes Licht f&uuml;r Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr. Hier werden sie mit den sch&auml;rfsten und schmerzhaftesten Konsequenzen der eigenen Entscheidungen konfrontiert. Das bietet die Gelegenheit zu einer Art politischer Gewissenspr&uuml;fung: Geschieht alles Menschenm&ouml;gliche, damit der Einsatz auch reale Erfolgschancen hat, dass der Einsatz nicht nur von der guten Absicht, sondern auch von seiner Wirkung her Sinn macht? Ist das Verh&auml;ltnis von Auftrag, Wirkung einerseits und Kosten, menschlichen Belastungen und Risiken andererseits verantwortbar?</p>
<p>(Vor einigen Wochen erfuhr ich, dass es zum Mali-Einsatz &uuml;ber die w&ouml;chentliche &bdquo;Unterrichtung des Parlaments&ldquo; mit seinen Ereignismeldungen hinaus kein regelm&auml;&szlig;iges Berichtsformat der Bundesregierung zum deutschen Mali-Engagement gibt.)</p>
<p>- Gerade bei UNO-Eins&auml;tzen ist es &uuml;blich, von Friedensmissionen zu sprechen. Das ist angemessen und irref&uuml;hrend zugleich. Sie sollen in der Tat &bdquo;gro&szlig;e Gewalt&ldquo; verhindern, gro&szlig;e Sicherheitsgefahren abwehren und damit Friedensprozesse unterst&uuml;tzen. Frieden schaffen k&ouml;nnen sie aber keineswegs. Hierf&uuml;r liegt die Prim&auml;rverantwortung bei den einheimischen Konfliktparteien und einer politischen Konfliktl&ouml;sung, die von externen Akteuren nur unterst&uuml;tzt und gef&ouml;rdert, aber nicht stellvertretend erreicht werden kann.</p>
<p>- Eine Grunderfahrung der Krisen- und Friedensengagements der letzten 20 Jahre ist: Keiner schafft es alleine; die Notwendigkeit von Vernetzung und bestm&ouml;glichem Zusammenwirken der verschiedenen Ressorts und Akteure f&uuml;r gemeinsame Ziele (vernetzter Ansatz). Die vernetzte Dimension des MINUSMA- und Mali-Einsatzes, das aufeinander Angewiesen-Sein der Soldaten, Polizisten, Diplomaten und Zivilisten kam nicht zur Geltung, von keiner Seite.</p>
<p>- Eine milit&auml;rische Trauerfeier ist gepr&auml;gt durch Uniformen, milit&auml;rische Organisation, Ordnung, einge&uuml;bte Exaktheit. Der Rahmen war w&uuml;rdig, im Mittelpunkt stand das pers&ouml;nlich Menschliche, die Artikulation von Trauer, Schmerz, auch Zweifel, das Verbindende, Kraftspendende und das soldatische Selbstverst&auml;ndnis &ndash; ohne falsches Pathos, ohne Verkl&auml;rung des Milit&auml;rischen, gar des Soldatentodes.</p>
<p>- Der politische Auftrag, der konkrete Einsatzsinn kam zur Sprache, ohne in die Einzelheiten zu gehen oder ihn zu &uuml;berh&ouml;hen. Ob das den Angeh&ouml;rigen und den Kameraden so reichte, ob es &uuml;berzeugend war oder viel &uuml;berzeugender sein m&uuml;sste, wei&szlig; ich nicht.</p>
<p>Die Schl&uuml;sselfrage, wie MINUSMA die ehrgeizigen Mandatsziele mit unzureichenden Kr&auml;ften (nur 82% der milit&auml;rischen, 66% der polizeilichen Sollst&auml;rke) und struktureller &Uuml;berdehnung erreichen soll, konnte nicht bei der Trauerfeier, muss an anderer politischer Stelle thematisiert werden.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Mein Beileids- und Solidarit&auml;tsschreiben vom 28. Juli</span></strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr Oberstleutnant P.,</p>
<p>mit gro&szlig;er Best&uuml;rzung erfuhr ich am Mittwochabend vom Absturz des Tiger-Kampfhubschraubers der Bundeswehr nord&ouml;stlich Gao und dem Tod der beiden Besatzungsmitglieder.</p>
<p>Ich trauere um die Soldaten, die im Einsatz ihr Leben verloren haben. Die Soldaten des Deutschen MINUSMA-Kontingents und von MINUSMA insgesamt haben zwei professionelle und gute Kameraden verloren. Familien in der Heimat haben ihren n&auml;chsten Angeh&ouml;rigen verloren.</p>
<p>Ihnen dr&uuml;cke ich mein tief empfundenes Mitgef&uuml;hl und Beileid aus.</p>
<p>Noch am Dienstag berichteten uns in Berlin in der AG &bdquo;Einsatzr&uuml;ckkehrer und Einsatzfolgen&ldquo; des Beirats Innere F&uuml;hrung vier Einsatzr&uuml;ckkehrer von ihrem k&uuml;rzlichen Einsatz bei MINUSMA und EUTM Mali. Sie machten plastisch deutlich, wie enorm strapazi&ouml;s die Einsatzbedingungen in Mali sind, wie unverzichtbar aber auch die internationalen Missionen sind, um die Chance des Friedensvertrages zu stabilisieren und einen R&uuml;ckfall in den offenen Krieg zu verhindern. Und sie berichteten, wie freundlich und dankbar sich die einheimische Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber den MINUSMA-Soldaten und insbesondere den deutschen zeige.</p>
<p>Bei einer Informationsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen zu MINUSMA am 29. Mai, dem International Day of UN-Peacekeepers, betonte eine langj&auml;hrige zivile UN-Mitarbeiterin, wie besonders wichtig die Hubschrauber seien: Unter ihrem Schutz k&auml;men Konvois viel besser durch kritische Gebiete.</p>
<p>Der Tod der Tiger-Besatzung erinnert uns daran, dass MINUSMA mit 68 durch feindliche Einwirkung Gefallenen und 317 Verwundeten seit Anfang 2016 die gef&auml;hrlichste UN-Mission weltweit ist.</p>
<p>Die mit Beschluss des Bundestages nach Mali entsandten Frauen und M&auml;nner der Bundeswehr verdienen &ndash; wie auch die deutschen Polizisten und Entwicklungsexperten &ndash; in Deutschland mehr Aufmerksamkeit und hohe Anerkennung.</p>
<p>Die Einsatzbelastungen und &ndash;risiken bekr&auml;ftigen Ihren Anspruch auf einen klaren, erf&uuml;llbaren und glaubw&uuml;rdigen Auftrag.</p>
<p>In Dankbarkeit f&uuml;r Ihren Einsatz und in herzlicher Verbundenheit gr&uuml;&szlig;t Sie und Ihre Kameradinnen und Kameraden,</p>
<p>Ihr Winfried Nachtwei</p>
<p>(MdB 1994-2009, Beirat Innere F&uuml;hrung, Beirat Zivile Krisenpr&auml;vention/AA,</p>
<p>Vorstand Dt. Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen/DGVN)</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> MdB 1994-2009, Mitglied im Beirat Innere F&uuml;hrung/AG &bdquo;Einsatzr&uuml;ckkehrer und &ndash;folgen, Vorstand Deutsche Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen/DGVN</p>
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