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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Afghanistan-Lehren III: Neuer Buchbeitrag &quot;Was lÃ¤sst sich aus dem AFG-Einsatz fÃ¼r kÃ¼nftige politische Entscheidungen lernen?&quot;</title>
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    <span class="xar-mod-title">Afghanistan + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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            Afghanistan-Lehren III: Neuer Buchbeitrag &quot;Was lÃ¤sst sich aus dem AFG-Einsatz fÃ¼r kÃ¼nftige politische Entscheidungen lernen?&quot;         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 26. Juni 2016 08:47:23 +02:00 (88812 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Aus Anlass des zehnj&auml;hrigen Bestehens des &quot;Freundeskreises Zentrum Innere F&uuml;hrung e.V.&quot; erschien der Sammelband &quot;Sch&uuml;tzen, Retten, K&auml;mpfen&quot; mit Beitr&auml;gen von 52 Autoren. Ich steuerte Schlussfolgerungen aus dem AFG-Einsatz f&uuml;r deutsche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik bei.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Was l&auml;sst sich aus dem Afghanistaneinsatz</strong></p>
<p align="center"><strong>f&uuml;r k&uuml;nftige politische Entscheidungen lernen? (Auszug)<a title="" href="#_ftn1"><strong>[1]</strong></a></strong></p>
<p align="center"><em>Winfried Nachtwei</em></p>
<p>(&hellip;)</p>
<p>2014 ging der bisher komplizierteste, teuerste und opferreichste Gro&szlig;einsatz der Bundeswehr mit ISAF zu Ende.<a title="" href="#_edn1">[i]</a> Die neuen Kriegsbr&auml;nde in der europ&auml;ischen Nachbarschaft verdeutlichen, wie sehr Deutschland gefordert ist, bei der internationalen Krisenbew&auml;ltigung mehr und wirksamer Verantwortung zu &uuml;bernehmen &ndash; im Interesse kollektiver und eigener Sicherheit und zum Schutz der Menschenrechte. Um dies &bdquo;fr&uuml;her, entschiedener und substanzieller&ldquo; (Bundespr&auml;sident Gauck) tun zu k&ouml;nnen, ist es unabdingbar, aus bisherigen Erfahrungen zu lernen &ndash; gerade aus dem Afghanistaneinsatz. Das gilt umso mehr angesichts der aktuellen Fl&uuml;chtlingswelle aus Afghanistan, die die Wirksamkeit, ja den Sinn des internationalen Afghanistanengagement infrage stellt.</p>
<p><strong>Zwischenbilanz</strong></p>
<p>Das erste Hauptziel des Afghanistaneinsatzes war, dem internationalen Terrornetzwerk Al Qaida sein Hinterland zu nehmen. Das gelang zun&auml;chst, allerdings weder gr&uuml;ndlich noch nachhaltig. Der US-gef&uuml;hrte, entgrenzte &bdquo;<em>war on terror</em>&ldquo; war auf der taktischen Ebene &uuml;beraus wirksam, konnte aber die Ausbreitung terroristischer Netzwerke keineswegs schw&auml;chen &ndash; im Gegenteil. Vor allem &uuml;ber den Krieg im Irak wirkte er als regelrechter Brandbeschleuniger.</p>
<p>Das zweite milit&auml;rische Hauptziel&nbsp; war, die vorl&auml;ufigen Staatsorgane Afghanistans bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Kabul und Umgebung so zu unterst&uuml;tzen, dass sie und das Personal der UN in einem sicheren Umfeld arbeiten k&ouml;nnten. Nach der ISAF-Ausweitung ab 2003 und den Fortschritten der ersten Jahre kehrte ab 2006 erkennbar Krieg nach Afghanistan zur&uuml;ck &ndash; erst im S&uuml;den und Osten, ab 2008 auch in Teilen des Nordens. Taliban und andere bewaffnete Gruppen konnten sich reorganisieren und binnen weniger Jahre zu einer Aufstandsbewegung aufwachsen, deren Angriffen Abertausende afghanisch Sicherheitskr&auml;fte, Zivilpersonen und alliierte Soldaten zum Opfer fielen. Die Verst&auml;rkung vor allem der US-Kr&auml;fte und die <em>Counterinsurgency</em>-Offensive ab 2010 konnte wohl 2012 den Trend der sich st&auml;ndig verschlechternden Sicherheitslage stoppen. Parallel zum R&uuml;ckzug der ISAF-Kampftruppen erst aus der Fl&auml;che und dann aus dem Land verschlechterte sich die Sicherheitslage aber wieder. Im ISAF-Abzugsjahr 2014 stieg die Zahl der Zivilopfer um 22% auf 10.548 Tote und Verletzte, in 2015 auf 11.000 &ndash; die h&ouml;chste Zahl an Zivilopfern seit 2002. Im Klartext: ISAF wurde zur&uuml;ckbeordert, ohne dass sein milit&auml;rischer Auftrag, ein sicheres Umfeld zu bef&ouml;rdern, erf&uuml;llt gewesen w&auml;re. Die seit 2006 forciert aufgebauten afghanischen Sicherheitskr&auml;fte operieren inzwischen selbst&auml;ndig, sind aber vielfach &uuml;berfordert und erleiden extreme Verluste. Das ehemalige deutsche Hauptverantwortungsgebiet im Nordosten erlebte inzwischen einen regelrechten Sicherheitsabsturz.</p>
<p>Beim dritten Hauptziel, der F&ouml;rderung von Aufbau und Entwicklung, gab es unbestreitbar Teilfortschritte, allerdings mit erheblichen regionalen Unterschieden: deutlich gesunkene Kindersterblichkeit, verbesserte Zug&auml;nge zu Trinkwasser, Energie, vor allem Bildung, Kommunikation, Medien, Verkehrsinfrastruktur. Trotzdem: Afghanistan bleibt eines der &auml;rmsten L&auml;nder der Welt. Staatliche Institutionen wurden aufgebaut, sind oft aber eher Fassaden und geschw&auml;cht durch enorme Kapazit&auml;tsm&auml;ngel, schlechte Regierungsf&uuml;hrung und exzessive Korruption &ndash; eine Hauptquelle der Aufstandsbewegung.</p>
<p><strong>Fr&uuml;h vertane Chancen</strong></p>
<p>Wer 2002 nach Kabul kam, sah die krassen Zerst&ouml;rungen, erlebte viel Hoffnung und hohe Erwartungen. Dass viele Hoffnungen entt&auml;uscht und Ziele nicht erreicht wurden, dass der anf&auml;ngliche Stabilisierungseinsatz zur Aufstandsbek&auml;mpfung eskalierte und Krieg zur&uuml;ckkehrte, wurde durch mehrere <strong>strategische Fehler</strong> beg&uuml;nstigt:</p>
<ul>
<li>Die internationale &bdquo;Gemeinschaft&ldquo; agierte jahrelang auf der Basis allgemeiner UN-Mandate ohne gemeinsame Strategie, ja mit kontr&auml;ren strategischen Ans&auml;tzen und mit nur geringem Verst&auml;ndnis der komplexen, fragmentierten afghanischen Gesellschaft.</li>
<li>Staaten, die prim&auml;r den Aufbau unterst&uuml;tzen wollten, untersch&auml;tzten die Herausforderung von Staatsaufbau unter solchen widrigen Voraussetzungen (&bdquo;Billig-Statebuilding&ldquo;). Exemplarisch zeigte sich das in der personellen Unterausstattung der deutschen F&uuml;hrungsrolle beim Polizeiaufbau oder der lange Zeit &auml;u&szlig;erst mageren operativen Komponente des Ausw&auml;rtigen Amtes im Norden.</li>
<li>Wo die milit&auml;rische Terrorbek&auml;mpfung im Mittelpunkt stand, agierten alliierte Kr&auml;fte vielfach wie Besatzer, verletzten und verloren <em>hearts and minds</em> der Bev&ouml;lkerung, die zu gewinnen sp&auml;ter der Dreh- und Angelpunkt der <em>Counterinsurgency</em>-Strategie sein sollte.</li>
<li>Fixiert auf Zentralstaatlichkeit vernachl&auml;ssigte die internationale Gemeinschaft lange die in Afghanistan so wichtige regionale und lokale Ebene. Kurzfristige Stabilisierungsinteressen bef&ouml;rderten B&uuml;ndnisse mit Kriegsherren und Repr&auml;sentanten schlechter Regierungsf&uuml;hrung &ndash; auf Kosten der F&ouml;rderung legitimer Staatlichkeit und internationaler Glaubw&uuml;rdigkeit.</li>
<li>Viele Jahre blieben die zivilen Aufbauanstrengungen weit hinter dem milit&auml;rischen Kr&auml;fte- und Ressourceneinsatz zur&uuml;ck. Als die internationale Aufbauunterst&uuml;tzung ab 2008 forciert wurde, waren viele Chancen verpasst, war schon sehr viel Vertrauen verloren gegangen.</li>
<li>Die grunds&auml;tzlich notwendige Vernetzung staatlicher Akteure (&bdquo;vernetzte Sicherheit&ldquo;, <em>comprehensive approach</em>) litt in der Praxis unter einem Mangel an Zielkoh&auml;renz, ausgewogenen Kapazit&auml;ten und ressort&uuml;bergreifender Planung, Vorbereitung, F&uuml;hrung und Auswertung des Gesamtengagements.</li>
<li>Die Suche nach einer politischen L&ouml;sung des Gewaltkonflikts begann erst, als die Taliban wiedererstarkt waren und auf ihre strategischen St&auml;rken (N&auml;he zu Teilen der Bev&ouml;lkerung, R&uuml;ckzugsraum Pakistan, strategische Geduld) setzen konnten.</li>
<li>Ausgeblendet blieb lange Zeit die pakistanische Seite des Gewaltkonflikts.</li>
</ul>
<p>Diese Gro&szlig;fehler konnten sich so lange halten, weil sich Deutschland wie die meisten anderen Staaten im Multilateralismus &bdquo;versteckten&ldquo;. Jeder leistete seinen Beitrag und k&uuml;mmerte sich in nationaler Nabelschau fast nur um diesen. Kaum jemand nahm die Erfahrungen der anderen wahr (z.B. der Niederl&auml;nder in Uruzgan) und machte sich Gedanken um eine tragf&auml;hige gemeinsame Strategie. Hinzu kamen Mechanismen und Mentalit&auml;ten von Sch&ouml;nrednerei, die zusammen mit dem Primat innenpolitischer Interessen und dem Motiv der Selbstrechtfertigung in vielen Hauptst&auml;dten eine unheilige Allianz bildeten. Das Ergebnis waren strukturelle Unehrlichkeit, Selbstt&auml;uschung und Realit&auml;tsverlust. Vielfach einhergehend mit unzureichender interkultureller Kompetenz und einem Mangel an institutionalisiertem Lernen erschwerte das eine Politik mit Bodenhaftung und Erfolgsaussichten. Vor diesem Hintergrund war es geradezu zwangsl&auml;ufig, dass in den ISAF-L&auml;ndern die anf&auml;ngliche gesellschaftliche Akzeptanz des Afghanistaneinsatzes im Laufe der Jahre umkippte in mehrheitliche Skepsis, ja Ablehnung.</p>
<p>Vielen Hunderten deutschen Soldaten, aber auch Polizisten, Zivilexperten und Diplomaten bin ich in Afghanistan und nach ihrer R&uuml;ckkehr begegnet. Ich habe sie als sehr professionell, motiviert, umsichtig, als tats&auml;chliche Unterst&uuml;tzer mit Respekt gegen&uuml;ber den Einheimischen erlebt &ndash; nicht als Besatzer die einen oder als Missionare die anderen. Sie haben sich um den Aufbau des Landes und Friedenssicherung verdient gemacht.</p>
<p>Der Knackpunkt des mit der Zeit abdriftenden Einsatzes war ein kollektives politisches F&uuml;hrungsversagen in den Hauptst&auml;dten, auch in Berlin. Es ging einher mit einem wachsenden Vertrauensverlust der politischen F&uuml;hrung unter den Soldaten. Wo zunehmend mehr Soldaten am Einsatzerfolg zweifelten und zur&uuml;ckgeworfen waren auf ihre Professionalit&auml;t und die Kameradschaft der Kampfgemeinschaft, wurde dem Staatsb&uuml;rger in Uniform eine wesentliche Lebensbedingung entzogen Als Mitauftraggeber der Eins&auml;tze trugen der Bundestag und besonders wir Au&szlig;en- und Verteidigungspolitiker hierf&uuml;r erhebliche Mitverantwortung.</p>
<p><strong>Verl&auml;ssliche Aufbaupartnerschaft</strong></p>
<p>Im Dezember 2014 beschloss der Bundestag die deutsche Beteiligung an der ISAF-Nachfolgemission Resolute Support (RSM). Diese Beratungsmission vor Ort ist, zusammen mit Polizeiberatern, unverzichtbar, damit die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte sich festigen k&ouml;nnen und nicht schnell zerbr&ouml;seln. Zweifelhaft war von Anfang an, ob mit dem sehr begrenzten Kr&auml;fteansatz und dem engen Zeitplan (R&uuml;ckzug auf Kabul in 2016 und Vollabzug Ende 2016) der Auftrag &uuml;berhaupt seri&ouml;s erf&uuml;llbar war. Der Eindruck dr&auml;ngte sich auf, dass nach den Aufbauillusionen der ersten Jahre nun Abzugsillusionen dominierten. Der Fall von Kunduz im Oktober 2015 verst&auml;rkte diese Zweifel und trug zu einer &ndash;zumindest graduellen &ndash; Korrektur des Zeit- und Kr&auml;fteansatzes von RSM bei.</p>
<p>Die Internationale Gemeinschaft hat der afghanischen Regierung und Bev&ouml;lkerung eine Aufbaupartnerschaft zugesichert. F&uuml;r Deutschland bleibt Afghanistan d a s&nbsp; Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit. Ob die zugesagte Aufbaupartnerschaft aber auch verl&auml;sslich durchgehalten wird, ist keineswegs sicher. Die versch&auml;rfte Sicherheitslage schr&auml;nkt die Handlungsm&ouml;glichkeiten der Entwicklungszusammenarbeit immer mehr ein. Zugleich ger&auml;t der politische Wille mehrfach unter Druck: Die un&uuml;bersehbare, auch plausible Afghanistan-M&uuml;digkeit nach 14 Jahren, die Konkurrenz und Bedrohlichkeit der neuen, n&auml;heren Krisen und Kriege.</p>
<p>Trotzdem: An Afghanistan verl&auml;sslich &bdquo;dranzubleiben&ldquo;, ist ein Gebot friedens- und sicherheitspolitischer Klugheit und Weitsicht. Es ist ein Beitrag zur Fluchtursachenbek&auml;mpfung in einem Land, wo Deutschland relativ viele Wirkungsm&ouml;glichkeiten hat. Es ist nicht zuletzt eine Verpflichtung gegen&uuml;ber den Zehntausenden Frauen und M&auml;nnern in Uniform und Zivil, die demokratisch legitimiert nach Afghanistan entsandt wurden und deren Einsatz nicht umsonst gewesen sein darf.</p>
<p><strong>Schlussfolgerungen f&uuml;r deutsche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik</strong></p>
<p>Zeitweilig gab es in der &ouml;ffentlichen Debatte Tendenzen, den Afghanistan-Kampfeinsatz der letzten Jahre als Blaupause zu nehmen: einerseits als Muster k&uuml;nftiger Auslandseins&auml;tze mit intensiver Aufstandsbek&auml;mpfung; andererseits als angeblichen Beleg f&uuml;r die Pauschalbehauptung, Auslandseins&auml;tze seien gleichzusetzen mit Krieg und deshalb generell abzulehnen.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> Beide Schlussfolgerungen sind falsch. Vergessen gemacht wird dabei das breite Handlungsspektrum der realen Stabilisierungseins&auml;tze, die sich keineswegs reduzieren lassen auf Gefechte einerseits und Brunnenbohren andererseits und die mit SFOR und KFOR auch erfolgreich den Ausbruch neuer Kriegsgewalt verh&uuml;teten.</p>
<p><strong>Strategiebildung</strong>: Der von Au&szlig;enminister Steinmeier angesto&szlig;ene &bdquo;Review-2014&ldquo;-Prozess f&ouml;rderte die &uuml;berf&auml;llige au&szlig;en-, friedens- und sicherheitspolitische Kursbestimmung und Verst&auml;ndigung. Der Wei&szlig;buch-Prozess des Verteidigungsressorts hat mit seiner erstmaligen Einbeziehung von Fach&ouml;ffentlichkeit das Potenzial, in dieselbe Richtung zu wirken.</p>
<p>Die Bundesregierung sollte dem Bundestag j&auml;hrlich einen Bericht zur sicherheitspolitischen Lage Deutschlands vorlegen. &Uuml;ber die Grundlagendokumente der Ressorts hinaus braucht es aber eine friedens- und sicherheitspolitische Strategie. Auch wenn Spitzen der Bundesregierung eine Strategieentwicklung sehr skeptisch sehen. In Zeiten sprunghafter und un&uuml;bersichtlicher sicherheitspolitischer Herausforderungen ist ein solcher strategischer Kompass notwendiger denn je &ndash; f&uuml;r die wachsende Zahl der Akteure und Durchf&uuml;hrenden deutscher Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik, f&uuml;r die deutsche &Ouml;ffentlichkeit, f&uuml;r internationale Partner.</p>
<p>Der Krieg in der Ukraine und der Klimasturz zwischen EU/NATO und Russland haben unerwartet die B&uuml;ndnisverteidigung wieder hochaktuell gemacht. Ern&uuml;chtert wird festgestellt, wie ausged&uuml;nnt die entsprechenden F&auml;higkeiten sind wie komplex die Bedrohungen durch hybride &bdquo;Kriegf&uuml;hrung&ldquo; sind. Eine Kurzschlussreaktion w&auml;re es, &uuml;ber diese unabweisbaren Herausforderungen die deutschen Beitr&auml;ge zu internationaler Krisenbew&auml;ltigung hintanzustellen und zu vernachl&auml;ssigen. Fragilit&auml;t und zerfallende Staaten sind weiterhin eine Prim&auml;rbedrohung menschlicher wie internationaler staatlicher Sicherheit. Der historische Zerfall regionaler Ordnungen an der S&uuml;d- und S&uuml;dostflanke der EU und die gegenw&auml;rtigen und absehbaren Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me zeigen das mehr als deutlich.</p>
<p>Die Wirkungsm&ouml;glichkeiten &bdquo;des Westens&ldquo; sind massiv geschrumpft. Angesichts des relativen R&uuml;ckzuges der USA aus Europa und dem Nahen Osten sind die Europ&auml;er bei ihrer Sicherheitspolitik vermehrt sich selbst &uuml;berlassen. Als Mitglied von UN, EU, NATO und OSZE und wirtschaftlich st&auml;rkstes Land Europas steht Deutschland nun verst&auml;rkt in der Pflicht, zur Eind&auml;mmung und L&ouml;sung internationaler Krisen und Gewaltkonflikte beizutragen &ndash; und zwar im ganzen Spektrum der in der UN-Charta aufgef&uuml;hrten Mittel. Eindeutig Vorrang haben dabei diplomatische und zivile Mittel. Aber milit&auml;rische Mittel und Zwangsma&szlig;nahmen bis zum Einsatz bewaffneter Streitkr&auml;fte geh&ouml;ren auch dazu. Diese k&ouml;nnen schneller gefordert sein, als die verbreitete Interventionsm&uuml;digkeit vermuten l&auml;sst: Der ausgeweitete Mai-Einsatz, angestrebte Waffenstillst&auml;nde in Syrien und Libyen, die ohne milit&auml;rische Absicherung schnell verpuffen w&uuml;rden, verdeutlichen das.</p>
<p><strong>UN-Orientierung</strong>: In der Frage, ob f&uuml;r Deutschland Krieg wieder ein Mittel der Politik sei, herrscht viel Durcheinander. Als sei die Pr&auml;ambel des Grundgesetzes und die UN-Charta f&uuml;r deutsche Politik nicht verbindlich. Deutsche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik, die Friedenspolitik sein soll und will, braucht eine klare und st&auml;rkere UN-Orientierung, ein glaubw&uuml;rdiges, nicht instrumentelles Verh&auml;ltnis zu den UN-Normen. Das ist f&uuml;r die Legitimit&auml;t und Akzeptanz deutscher Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik in Deutschland wie in der Staatengemeinschaft von zentraler Bedeutung.</p>
<p>Dass deutsche Streitkr&auml;fte au&szlig;erhalb der Landes- und B&uuml;ndnisverteidigung nur zur internationalen Friedenssicherung und Rechtsdurchsetzung im Auftrag bzw. im Dienst der UN zum Einsatz kommen d&uuml;rfen, sollte endlich auch im Grundgesetz klargestellt werden. Die UN-gef&uuml;hrte, multidimensionale Friedenssicherung braucht Deutschland nicht nur als verl&auml;sslichen Beitragszahler, sondern auch mit mehr Personal, vor allem mit Polizisten, mit besonderen milit&auml;rischen F&auml;higkeiten und mit Zivilexperten. Wo die UN in einer zunehmend aus den Fugen geratenden Welt ein Ort gemeinsamen globalen Handelns sind, ist die bisherige Vernachl&auml;ssigung UN-gef&uuml;hrter Missionen (Januar 2016 Platz 61 der Personalsteller) besonders kurzsichtig.</p>
<p>Aus der Not, in Afghanistan von der Stabilisierung in die Aufstandsbek&auml;mpfung mit Gefechten gerutscht zu sein, darf keine politische Tugend gemacht werden. Ein Irrweg w&auml;re die Verabsolutierung kinetischer Operationen. Die Hauptperspektive deutscher Beteiligung an internationalen Kriseneins&auml;tzen sollte weiterhin Friedenssicherung und -unterst&uuml;tzung, Stabilisierung und Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung sein. Hier gibt es weiterhin den gr&ouml;&szlig;ten Bedarf und relativ gr&ouml;&szlig;te Erfolgsaussichten. Gefordert ist daf&uuml;r das gesamte F&auml;higkeitsspektrum mit der Kampff&auml;higkeit als Grundlage. Zum v&ouml;lkerrechtlichen Gebot der Schutzverantwortung (<em>resonsibility to protect</em>) geh&ouml;ren im &auml;u&szlig;ersten Fall auch Operationen zur Verh&uuml;tung und Eind&auml;mmung von Massengewalt.</p>
<p><strong>Zielklarheit und Koh&auml;renz</strong>: In Deutschland und bei vielen Verb&uuml;ndeten ist nicht der Glaube an milit&auml;rische &bdquo;L&ouml;sungen&ldquo; das Problem, sondern eine politische Strategie- und F&uuml;hrungsschw&auml;che, die einhergeht mit einer strukturellen Milit&auml;rlastigkeit und mageren zivile Kapazit&auml;ten. Grundpflicht der Tr&auml;ger des Primats der Politik ist, eingebettet in politische Konfliktl&ouml;sungsbem&uuml;hungen klare und glaubw&uuml;rdige Mandate zu formulieren und alles daf&uuml;r zu tun, dass die Auftr&auml;ge auch erf&uuml;llbar und verantwortbar sind.</p>
<p>Beim ISAF-Einsatz erwies sich im Laufe der Jahre die herk&ouml;mmliche Art der Mandatsformulierung als zunehmend problematisch. Die Einsatzziele blieben allgemein und wurden nicht operationalisiert. Das behinderte von Anfang an eine seri&ouml;se Bewertung, wieweit der Auftrag umgesetzt wurde. Losgel&ouml;st von der konkreten Lageentwicklung verschwiegen die Mandatsziele den einschneidenden Wandel von der Friedenssicherung der ersten Jahre zur &bdquo;Friedenserzwingung&ldquo;, wo Frieden offenkundig verloren gegangen war &ndash; im Klartext Aufstandsbek&auml;mpfung. Die mangelnde Auftragsklarheit des Bundeswehrmandats fand seine Entsprechung auf der politisch-zivilen und polizeilichen Seite, wo es noch mehr an klaren und &uuml;berpr&uuml;fbaren Zielen mangelte.</p>
<p>Unterhalb der hehren UN-Mandatsziele beginnt oft die Zerkl&uuml;ftung der Ziele und Interessen &ndash; zwischen Verb&uuml;ndeten, Ressorts, staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren. Die Inkoh&auml;renz von Kriseneins&auml;tzen versch&auml;rft sich, wo im selben Einsatzgebiet neben UN-mandatieren auch unilaterale, gar Geheimeins&auml;tze in v&ouml;lkerrechtlichen Grauzonen stattfinden und Legitimit&auml;t zersetzen. Beim Afghanistaneinsatz kam es deshalb immer wieder zu erheblichen Kollisionen, zu menschlichen und politischen &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo;.</p>
<p>Aussichtsreiche Friedenssicherung ist angewiesen auf bestm&ouml;gliches Zusammenwirken, Koh&auml;renz und kompatible Ziele auch auf der operativen Ebene. Ressortgemeinsame&nbsp; Strukturen, akteurs&uuml;bergreifendes Erfahrungslernen, Ausbilden und &Uuml;ben sind daf&uuml;r unverzichtbar. Das gilt vermehrt angesichts der transnationalen, hoch dynamischen und langwierigen Krisen und Kriege der Gegenwart, wo das Krisen-Multitasking die Internationale &bdquo;Gemeinschaft&ldquo; strukturell &uuml;berfordert. Die Tatsache, dass Deutschland nur immer Beitr&auml;ge zu multilateralen Eins&auml;tzen leistet, entbindet nicht von der Mitverantwortung f&uuml;r die Sinnhaftigkeit des Gesamteinsatz.</p>
<p><strong>Angemessene und ausgewogene F&auml;higkeiten: </strong>Der Kr&auml;fteansatz eines Bundeswehreinsatzes muss aus dem f&uuml;r die Auftragserf&uuml;llung Notwendigen abgeleitet werden und Spielraum f&uuml;r pl&ouml;tzliche Lagever&auml;nderung beinhalten. Obergrenzen prim&auml;r nach innenpolitischen Opportunit&auml;tsvermutungen &ndash; wie &bdquo;gebrochene Preise&ldquo; nach dem Muster 9,99 Euro - sind verantwortungslos.</p>
<p>Zwischen den verschiedenen staatlichen Instrumenten der Krisenbew&auml;ltigung besteht ein Gef&auml;lle der Kapazit&auml;ten, Verf&uuml;gbarkeiten und Wahrnehmung, das immer wieder zu einer Falle wird: Relativ schnell verf&uuml;gbar sind Streitkr&auml;fte mit ihrem besonders breiten F&auml;higkeitsspektrum. Nicht schnell verf&uuml;gbar sind Polizisten, Kr&auml;fte f&uuml;r Sicherheitssektorreform, Rechtsstaatsf&ouml;rderung sowie Verwaltungsaufbau. Doch gerade diese werden in Post-Konflikt-Situationen besonders dringend gebraucht.Um den Auftrag bestm&ouml;glich erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen, sind schnelle und durchhaltef&auml;hige zivile und polizeiliche Kr&auml;fte unabdingbar.</p>
<p>Bei Mandatsentscheidungen zu Schwerpunkteins&auml;tzen sollten deshalb parallel zu den milit&auml;rischen Aufgaben und F&auml;higkeiten auch zivile und polizeiliche Aufgaben und F&auml;higkeiten sowie die daf&uuml;r bereit zu stellenden Ressourcen benannten werden.<a title="" href="#_ftn3">[3]</a> Die Absicht dabei ist, die nichtmilit&auml;rische Dimension eines Kriseneinsatzes regelm&auml;&szlig;ig und angemessen in den Blick zu nehmen und entsprechende Handlungsf&auml;higkeit zu verbessern. Keineswegs sollen damit die nichtmilit&auml;rischen Komponenten eines Einsatzes einer konstitutiven Zustimmungspflicht unterworfen werden. Das w&uuml;rde die Handlungsfreiheit der Exekutive erheblich einschr&auml;nken und eine engagierte Krisenbew&auml;ltigung eher behindern.</p>
<p><strong>Wirkungsorientierung: </strong>Ausschlaggeben f&uuml;r deutsche Beteiligungen an internationalen Kriseneins&auml;tzen waren oftmals b&uuml;ndnispolitische Loyalit&auml;ten oder symbolpolitische Erw&auml;gungen, weniger der Wille, eine bestimmte politische Wirkung auch tats&auml;chlich zu erzielen. Das kann in Einzelf&auml;llen legitim sein, war im Fall des Afghanistaneinsatzes aber ein fundamentales Handicap &ndash; und verantwortungslos gegen&uuml;ber den dort eingesetzten in Frauen und M&auml;nnern.</p>
<p>Generell muss sich deutsche Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik ehrlicher machen und die verbreiteten Mechanismen und Mentalit&auml;ten von Sch&ouml;nrednerei, Realit&auml;tsverleugnung und Selbstzufriedenheit &uuml;berwinden. Diese gef&auml;hrden Einsatzerfolge und gehen letztendlich auf Kosten der in hohe Risiken Entsandten<strong>.</strong></p>
<p>Wirksame Unterst&uuml;tzung von Krisenbew&auml;ltigung, Stabilisierung und Friedenssicherung braucht</p>
<ul>
<li>genaues Hinsehen: sorgf&auml;ltige Konfliktanalysen, hohe interkulturelle und Lokalkompetenz, Bodenhaftung, darauf aufbauend erf&uuml;llbare und &uuml;berpr&uuml;fbare Ziele (<em>endstate, benchmarks</em>) und einen realit&auml;tst&uuml;chtigen Erwartungshorizont;</li>
<li>Klarheit &uuml;ber die sehr unterschiedlichen Reichweiten, Wirkungschancen, St&auml;rken und Schw&auml;chen der verschiedenen Akteure, Instrumente und Ma&szlig;nahmen (keiner schafft es allein);</li>
<li>unabh&auml;ngige und systematische Wirkungsbeobachtungen, -analysen und Evaluierungen;</li>
<li>konstruktive Kooperationspartner nicht nur in der Internationalen Gemeinschaft, sondern vor allem auch in den Krisenregionen; ohne lokale Partner und local ownership ist extern gest&uuml;tzte Krisenbew&auml;ltigung und Stabilisierung aussichtslos;</li>
<li>Bereitschaft und F&auml;higkeit zu Selbstreflexion und Selbstkritik und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern. Der <em>do-no-harm</em>-Grundsatz (Vermeidung eigener kontraproduktiver Wirkungen) muss f&uuml;r alle Handlungsfelder gelten, nicht nur f&uuml;r die Entwicklungszusammenarbeit. Zur Entwicklung einer Fehlerkultur k&ouml;nnten auch die Fraktionen des Bundestages beitragen, wenn die Aufkl&auml;rung und &Uuml;berwindung von Fehlern den Vorrang bek&auml;me vor der parteipolitisch motivierten, reflexhaften Suche nach &bdquo;Schuldigen&ldquo;.</li>
</ul>
<p>Sicherheitspolitik ist fokussiert auf die Wahrnehmung und Abwehr von Risiken und Bedrohungen f&uuml;r die eigene und kollektive Sicherheit, also eher reaktiv. Zu kurz kommt dabei die Wahrnehmung und das Nutzen von Chancen. Der Afghanistaneinsatz steht exemplarisch f&uuml;r viele vertane und vergessene Chancen. Regelm&auml;&szlig;ige Chancenanalysen k&ouml;nnen die Voraussetzungen schaffen f&uuml;r ein viel mehr proaktives Handeln bei Stabilisierung, Aufbauunterst&uuml;tzung und Friedensf&ouml;rderung. Unabdingbar sind N&uuml;chternheit und Ehrlichkeit, Konsequenz und langer Atem. Das im oft kurzatmigen Politik- und Medienalltag durchzuhalten, ist m&ouml;glich, aber eine besondere Herausforderung.</p>
<p><strong>Parlamentsbeteiligung</strong>: Der Deutsche Bundestag hat bei Auslandseins&auml;tzen der Bundeswehr eine so starke Stellung wie nur wenige andere Parlamente. Die Parlamentsbeteiligung geschieht im Informationszugang, im Budgetrecht, in unterschiedlichen Graden an Mitsprache und Mitentscheidung. Grundvoraussetzung einer verantwortlichen Mitwirkung des Bundestages ist ein fr&uuml;her, verl&auml;sslicher und qualifizierter Informationszugang. Zu oft beschr&auml;nkten sich Unterrichtungen auf Einzelereignisse und Ma&szlig;nahmen, mangelte es an Informationen zu Trends und Schwerpunkten.</p>
<p>Auch wenn der Bundestag einen Mandatsantrag der Bundesregierung nur billigen oder ablehnen kann, h&auml;tte er sehr wohl Einfluss nehmen k&ouml;nnen auf die Klarheit, Glaubw&uuml;rdigkeit und Erf&uuml;llbarkeit von Mandaten, die Angemessenheit und Flexibilit&auml;t des Kr&auml;fteansatzes sowie eine verl&auml;ssliche Wirksamkeitskontrolle. Die daf&uuml;r notwendige souver&auml;ne Loyalit&auml;t gegen&uuml;ber der eigenen Regierung brachten die sie tragenden Koalitionsfraktionen aber meist nicht auf. Stattdessen stand oft die Mikrokontrolle im Vordergrund &ndash; auch auf Seiten der Opposition. Die wichtigste und dringendste Konsequenz aus dem Afghanistaneinsatz f&uuml;r das Parlament ist, dass es seine politische Kernaufgabe bei Mandatierung, Ausstattung und Wirkungskontrolle sorgf&auml;ltiger wahrnimmt und die zivilen Komponenten gleicherma&szlig;en in den Blick nimmt. So k&ouml;nnte auch in den letzten Jahren bei Soldaten verlorenes Vertrauen wieder zur&uuml;ckgewonnen werden. Dass der Entwurf zu einem neuen Parlamentsbeteiligungsgesetz Evaluierungsberichte vorschreibt, ist ein wichtiger, sehr lange &uuml;berf&auml;lliger Fortschritt.</p>
<p>Im Laufe des ISAF-Einsatzes bestand ein Spannungsverh&auml;ltnis zwischen dem Prinzip &bdquo;F&uuml;hren mit Auftrag&ldquo; und der Notwendigkeit einer konstruktiven Fehlerkultur einerseits und der parlamentarischen Kontrollpraxis andererseits. Die parlamentarische Kontrolle konnte zur schnelleren Behebung von M&auml;ngeln im Einsatz beitragen, als Mikrokontrolle mit vorschnellen Schuldvorw&uuml;rfen aber auch ein Absicherungsdenken bef&ouml;rdern und Fehlerkultur behindern. Wenn sich das in den letzten Jahren gebessert haben sollte, w&auml;re das sehr zu begr&uuml;&szlig;en.</p>
<p><strong>Kommunikation und Einsatzr&uuml;ckkehrer</strong>: Im Unterschied zu grunds&auml;tzlich unstrittiger Landesverteidigung muss jeder Kriseneinsatz f&uuml;r sich konkret und fortlaufend begr&uuml;ndet und legitimiert werden. Ohne gesellschaftliche Akzeptanz hierzulande sind Kriseneins&auml;tze bewaffneter Streitkr&auml;fte auf Dauer nicht durchhaltbar. Sie kann nur durch anschauliche, glaubw&uuml;rdige, &ouml;ffentliche Kommunikation erworben werden, die Fortschritte, Schwierigkeiten und Fehlschl&auml;ge offen benennt. Sie braucht Gesicht und einen ressortgemeinsamen Ansatz. An beidem hat es in der Vergangenheit elementar gefehlt. Wo inzwischen Zweifel an Sinn, Wirksamkeit und Verantwortbarkeit von Auslandseins&auml;tzen verbreitet sind, ist die systematische, (selbst)kritische und &ouml;ffentliche Auswertung der Auslandseins&auml;tze nach mehr als 20 (!) Jahren Erfahrung damit mehr als &uuml;berf&auml;llig.</p>
<p>In Deutschland gibt es Abertausende R&uuml;ckkehrer aus Kriseneins&auml;tzen &ndash; Soldaten, Entwicklungshelfer, Polizisten, Diplomaten. Statt des verbreiteten Desinteresses verdienen sie seitens der Politik, der Arbeitgeber und der Gesellschaft Aufmerksamkeit und verl&auml;ssliche Unterst&uuml;tzung. In der &ndash; zum Gl&uuml;ck - friedensgewohnten deutschen Gesellschaft leben jetzt Tausende Menschen, die Anschl&auml;ge, Gefechte, Krieg erlebt haben, die verwundet wurden, Kameraden und Angeh&ouml;rige verloren, die selbst verwundet und get&ouml;tet haben. Sie brauchen ganz besonders Interesse, Gespr&auml;chsoffenheit, F&uuml;rsorge. Die Erfahrungen und Kompetenz der R&uuml;ckkehrer insgesamt sind ein Potenzial, das ganz anders zur F&ouml;rderung der friedens- und sicherheitspolitischen Bildung und Debatte genutzt werden sollte. Der seit 2013 von Au&szlig;en-, Verteidigungs- und Innenministerium veranstaltete&nbsp; &bdquo;Tag des Peacekeepers&ldquo; ist ein wichtiger Fortschritt zur besseren Wahrnehmung derjenigen Frauen und M&auml;nner, die Tag f&uuml;r Tag unter hohen Belastungen und Risiken internationale Verantwortung praktizieren.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Der vollst&auml;ndige Beitrag ist erschienen in Alois Bach/Walter Sauer (Hrsg.), Sch&uuml;tzen, Retten, K&auml;mpfen &ndash; Dienen f&uuml;r Deutschland, Carola Hartmann Miles-Verlag Berlin 2016, S. 281-293, Ver&ouml;ffentlichung des Freundeskreises Zentrum Innere F&uuml;hrung. Die Buchvorstellung mit Autoren <a href="http://www.innerefuehrung.bundeswehr.de/portal/a/innerefue/!ut/p/c4/JYvBCsIwEAX_aDcpVcFbSxG8ilDrLaZrXWyTsN3Wix9vim9gLsPDO2aCW3lwyjG4EW_YeT4-PsAhkNBzIUhC80zgRPlNoxP_4hUKY_fYbveewMdAulkpKGcP4jQKpCg6bmURyQW4x87YpjalLcx_9ltV7el6KM2uOdcXTNNU_QBxHfma/">http://www.innerefuehrung.bundeswehr.de/portal/a/innerefue/!ut/p/c4/JYvBCsIwEAX_aDcpVcFbSxG8ilDrLaZrXWyTsN3Wix9vim9gLsPDO2aCW3lwyjG4EW_YeT4-PsAhkNBzIUhC80zgRPlNoxP_4hUKY_fYbveewMdAulkpKGcP4jQKpCg6bmURyQW4x87YpjalLcx_9ltV7el6KM2uOdcXTNNU_QBxHfma/</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Bei den Auslandseins&auml;tzen der Bundeswehr kam es in h&ouml;chst unterschiedlichem Ma&szlig;e zu Schusswaffeneins&auml;tzen: In Bosnien &amp; Herzegowina keine Feuergefechte, nur vereinzelte Warnsch&uuml;sse; im Kosovo nur wenige Schusswaffeneins&auml;tze; in Afghanistan (ISAF) von 2002 bis 2005 nur ein gemeldeter Schusswechsel, von 2006 bis 2014 mindestens 150 Schusswechsel und Gefechte. Bericht der Kommission zur Untersuchung des G36-Sturmgewehres in Gefechtssituationen, Berlin 2015, S. 24 f.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Winfried Nachtwei, Stellungnahme bei der &ouml;ffentlichen Sitzung der Bundestags-Kommission Parlamentsrechte und Auslandseins&auml;tze am 11. September 2014 im Deutschen Bundestag, <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/gremien/18/auslandseinsaetze">www.bundestag.de/bundestag/gremien/18/auslandseinsaetze</a></p>
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<p>&nbsp;</p>
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