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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Kurzbilanz des Afghanistaneinsatzes nach 13 Jahren: Kein Grund zur Selbstzufriedenheit - dranbleiben!</title>
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    <span class="xar-mod-title">Afghanistan + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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        <h1>
            Kurzbilanz des Afghanistaneinsatzes nach 13 Jahren: Kein Grund zur Selbstzufriedenheit - dranbleiben!         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 7. Januar 2015 11:54:06 +02:00 (76468 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Jahrelang geh&ouml;rte ich zu den parlamentarischen Mitauftraggebern des deutschen Afghanistaneinsatzes. Hier eine selbstkritische Kurzbilanz anl&auml;&szlig;lich des Endes von ISAF, erschienen im Monatsmagazin des Dt. Bundeswehrverbandes.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Kurzbilanz Afghanistan-Engagement<a title="" href="#_ftn1"><strong>[1]</strong></a></strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (11/2014)</p>
<p>Als wir am 22. Dezember 2001 im Bundestag erstmalig &uuml;ber die deutsche Beteiligung an ISAF abstimmten, war das wenig kontrovers und friedenspolitisch nahezu selbstverst&auml;ndlich: im UN-Auftrag sollte das kriegszerst&ouml;rte und von der Taliban-Herrschaft befreite Afghanistan beim &Uuml;bergang zum Frieden unterst&uuml;tzt werden. Au&szlig;enminister Fischer sagte damals, es gebe es kein dauerhaftes deutsches Interesse an Afghanistan und keine Absicht, wie im Kosovo l&auml;nger zu bleiben. UN-Experten, die zu Realismus und Konsequenz mahnten, fanden kaum Geh&ouml;r.</p>
<p><strong>13 Jahre sp&auml;ter</strong> geht der komplizierteste, teuerste und opferreichste Gro&szlig;einsatz der Bundeswehr mit ISAF zu Ende. Eine Bilanz ist &uuml;berf&auml;llig, kann jetzt aber nur vorl&auml;ufig sein. Wieweit das internationale Engagement nachhaltig ist, wird erst in Jahren erkennbar sein.</p>
<p>Heute gehen die Meinungen &uuml;ber die Wirksamkeit des internationalen und deutschen Afghanistan-Engagements weit auseinander: Von Erfolg spricht niemand, viele von verfehlten Zielen und gemischter Bilanz, andere von Scheitern.</p>
<p><strong>Das erste Hauptziel</strong> des Afghanistaneinsatzes (Operation Enduring Freedom) war, dem internationalen Terrornetzwerk Al Qaida sein Hinterland zu nehmen. Das gelang zun&auml;chst, allerdings weder gr&uuml;ndlich noch nachhaltig.</p>
<p><strong>Das zweite Hauptziel</strong> (ISAF) war, f&uuml;r Interimsregierung und internationale Hilfe ein sicheres Umfeld zu schaffen. Nach den Fortschritten der ersten Jahre kehrte ab 2006 erkennbar Krieg nach Afghanistan zur&uuml;ck. Das landesweite Vorr&uuml;cken der Aufstandsbewegung konnte durch die gro&szlig;e Counterinsurgency-Anstrengung ab 2010 kurzzeitig zur&uuml;ckgedr&auml;ngt werden. Im ersten Halbjahr 2014 erreichte aber die Zahl der Zivilopfer mit &uuml;ber 1.500 Toten ihren bisherigen H&ouml;hepunkt. Die seit 2006 forciert aufgebauten afghanischen Sicherheitskr&auml;fte erreichten eine bemerkenswerte eigenst&auml;ndige Operationsf&auml;higkeit. Wie nachhaltig dieser Aufbauerfolg ist, wird die Zukunft zeigen.</p>
<p><strong>Beim dritten Hauptziel</strong>, der F&ouml;rderung von Aufbau und Entwicklung, gibt es unbestreitbar Teilfortschritte: deutlich gesunkene Kindersterblichkeit, verbesserte Zug&auml;nge zu Trinkwasser, Energie, vor allem Bildung, Kommunikation. Daf&uuml;r stehen beispielhaft die von der deutschen GIZ initiierten gro&szlig;en Alphabetisierungsprogramme f&uuml;r Polizisten oder die Teacher Training Colleges im Norden. Trotzdem: Afghanistan bleibt eines der &auml;rmsten L&auml;nder der Welt.</p>
<p>Staatliche Institutionen wurden aufgebaut, sind oft aber eher Fassaden und geschw&auml;cht durch schlechte Regierungsf&uuml;hrung und Korruption.</p>
<p>Wer 2002 nach Kabul kam, sah die krassen Zerst&ouml;rungen, erlebte viel Hoffnung. Dass viele Hoffnungen entt&auml;uscht, Ziele nicht erreicht und Krieg zur&uuml;ckkehrte, wurde durch <strong>strategische Fehler</strong> beg&uuml;nstigt: Die internationale Gemeinschaft agierte jahrelang auf der Basis allgemeiner UN-Mandate ohne gemeinsame Strategie, ja mit kontr&auml;ren strategischen Ans&auml;tzen. Nationen, die prim&auml;r den Aufbau unterst&uuml;tzen wollten, untersch&auml;tzten die Herausforderung von Staatsaufbau unter solchen widrigen Voraussetzungen. Fixiert auf Zentralstaatlichkeit wurde lange die in Afghanistan so wichtige regionale und lokale Ebene vernachl&auml;ssigt. B&uuml;ndnisse mit Kriegsherren konterkarierten den Anspruch von Rechtsstaatsf&ouml;rderung. Ausgeblendet blieb viel zu lange die pakistanische Seite des Gewaltkonflikts. Verbreitete Neigungen zu Sch&ouml;nrednerei f&ouml;rderten Realit&auml;tsverlust, erschwerten eine Politik mit Bodenhaftung und Erfolgsaussichten.</p>
<p><strong>Hunderten deutschen Soldaten, aber auch Polizisten, Zivilexperten und Diplomaten</strong> bin ich in Afghanistan begegnet. Ich habe sie durchweg als sehr professionell, einsatzfreudig, umsichtig erlebt. Sie haben sich um den Aufbau des Landes und Friedenssicherung verdient gemacht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Der Knackpunkt</strong> des mit der Zeit abdriftenden Einsatzes war ein kollektives politisches F&uuml;hrungsversagen in den Hauptst&auml;dten, auch in Berlin. Als Mitauftraggeber der Eins&auml;tze tragen der Bundestag und besonders wir Au&szlig;en- und Verteidigungspolitiker erhebliche Mitverantwortung. Koalitionsmehrheiten verweigerten jahrelang eine ehrliche und systematische Wirksamkeitsbeobachtung des Einsatzes.</p>
<p><strong>Die Zukunft Afghanistans</strong> ist ungewiss, verschiedene &ndash; auch schlimmste - Szenarien sind denkbar. Mit einer glimpflichen Entwicklung w&auml;re schon viel gewonnen. Unabdingbar daf&uuml;r ist, dass die Internationale Gemeinschaft ihre versprochene Aufbaupartnerschaft auch verl&auml;sslich umsetzt. F&uuml;r Deutschland bleibt Afghanistan d a s&nbsp; Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit. Im Dezember hat der Bundestag &uuml;ber die ISAF-<strong>Nachfolgemission Resolute Support</strong> (RSM) zu beschlie&szlig;en. Diese Beratungsmission vor Ort ist, zusammen mit Polizeiberatern, unverzichtbar, damit die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte sich festigen k&ouml;nnen und nicht schnell zerbr&ouml;seln. Voraussetzung daf&uuml;r ist, dass RSM auch seinen Auftrag solide erf&uuml;llen kann.</p>
<p>Trotz aller Afghanistan-M&uuml;digkeit bleibt Afghanistan ein Brennpunkt internationaler und deutscher Sicherheitspolitik. Die politische Durchhaltef&auml;higkeit daf&uuml;r gibt es nur, wenn der Einsatz ressort&uuml;bergreifend, ehrlich und &ouml;ffentlich ausgewertet wird, wenn daraus f&uuml;r k&uuml;nftige Krisenpr&auml;vention und -bew&auml;ltigung gelernt wird.</p>
<p><strong>An Afghanistan &bdquo;dranzubleiben</strong>&ldquo;, ist nicht zuletzt eine Verpflichtung gegen&uuml;ber den Zehntausenden Frauen und M&auml;nnern in Uniform und Zivil, die demokratisch legitimiert nach Afghanistan entsandt wurden und deren Einsatz nicht umsonst gewesen sein darf.</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Als Gastbeitrag &bdquo;Wir m&uuml;ssen an Afghanistan &acute;dranbleiben`&ldquo; erschienen in &bdquo;Die Bundeswehr &ndash; Magazin des Deutschen BundeswehrVerbandes 1/2015</p>
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