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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Wald der Erinnerung&quot; bei Potsdam, &quot;Die Leiden der anderen&quot; - Stationen dÃ¼sterer, aber auch ermutigender Erinnerungen </title>
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    <span class="xar-mod-title">Erinnerungsarbeit + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            &quot;Wald der Erinnerung&quot; bei Potsdam, &quot;Die Leiden der anderen&quot; - Stationen dÃ¼sterer, aber auch ermutigender Erinnerungen          </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 20. November 2014 23:30:14 +02:00 (45697 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Im November h&auml;ufen sich die Gedenktage, 9. November, Volkstrauertag ... Sie brauchen keineswegs blo&szlig;e Rituale sein, k&ouml;nnen bewegen, aufr&uuml;tteln, Menschenrechts- und Friedensbildung f&ouml;rdern. Neu der &quot;Wald der Erinnerung&quot; beim Einsatzf&uuml;hrungskommando bei Potsdam, ein Ort sehr pers&ouml;nlicher Erinnerung an die Bundeswehrsoldaten, die bei vom Bundestag beschlossenen Kriseneins&auml;tzen ihr Leben verloren.&nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Wald der Erinnerung&ldquo;, &bdquo;Die Leiden der anderen&ldquo; &ndash;</strong></p>
<p align="center"><strong>eine Woche voller d&uuml;sterer, aber auch ermutigender Erinnerungen</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (November 2014)</p>
<p><em>Die Woche zwischen dem 9. November und dem Volkstrauertag am 16. November 2014, einige Stationen einer w&uuml;rdigen, friedensorientierten Erinnerungskultur, von Chancen zu lernen, weit entfernt von Kriegsverharmlosung und Heldenverehrung, wie ich sie in fr&uuml;heren Jahren erlebt habe.</em></p>
<p><strong>9. November:</strong> <strong>Gedenkstunde </strong><strong>in der</strong><strong> M&uuml;nsteraner Synagoge</strong><strong> zum</strong><strong> 9. November</strong> <strong>1938</strong>, Gedenkansprache von mir zum Thema &bdquo;Nie wieder! Nie wieder? Verantwortung zum Schutz&ldquo;. (<a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1325">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1325</a> )</p>
<p><strong>10. + 11. November</strong>: Nachgespr&auml;che zum Dokumentarfilm &acute;&ldquo;<strong>Wir haben es doch erlebt&ldquo; &ndash; Das Ghetto Riga</strong>` von J&uuml;rgen Hobrecht in der Weberei/G&uuml;tersloh, veranstaltet von der Stadt G&uuml;tersloh, und im Kommunalen Kino &bdquo;Lichtblick&ldquo; in Kirchlengern bei B&uuml;nde.</p>
<p><strong>13. November</strong>: <strong>Gedenkveranstaltung des SPD-Ortsvereins Borken</strong></p>
<p>&bdquo;Gegen das Vergessen&ldquo; im Saal des Stadtmuseums, Ansprache von mir zum Thema &bdquo;Das Leiden der anderen &ndash; Br&uuml;cken der Erinnerung&ldquo;.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">15. November:</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> <strong>Einweihung des &bdquo;Waldes der Erinnerung&ldquo;</strong></span></p>
<p>am Sitz des Einsatzf&uuml;hrungskommandos der Bundeswehr in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Schwielowsee bei Potsdam. Die Medien berichteten breit &uuml;ber den neuen Erinnerungsort f&uuml;r die 104 Bundeswehrsoldaten, die bei Auslandseins&auml;tzen ums Leben gekommen sind. Von ihnen fielen 37 bei Anschl&auml;gen und Gefechten. (Fotos unter <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p><strong>Die Kritik</strong>, hier werde Totengedenken &bdquo;versteckt&ldquo;, verkennt die Intention und Gestaltungsart des &bdquo;Waldes der Erinnerung&ldquo;. Ausgangspunkt sind die &bdquo;Ehrenhaine&ldquo; mit Namenstafeln, die Soldaten in Eigeninitiative&nbsp; in Feldlagern auf dem Balkan und in Afghanistan f&uuml;r ihre zu Tode gekommenen und gefallenen Kameraden angelegt hatten und die mit der R&uuml;ckverlegung aus Bosnien und Afghanistan in Deutschland einen w&uuml;rdigen Ort finden sollten.</p>
<p><strong>Der Vorschlag</strong> eines &bdquo;Waldes der Erinnerung&ldquo; kam von Hinterbliebenen. Ein solcher Ort der pers&ouml;nlichen Erinnerung und Trauer mit den Gedenksteinen und &ndash;kreuzen aus den Einsatzgebieten und dem anschlie&szlig;enden Friedwald w&auml;re im Trubel von Berlin-Mitte eben nicht angemessen gewesen. Er ist eine Erg&auml;nzung zu zentralen Gedenkorten und keineswegs eine Alternative dazu. Ein Erinnerungsort f&uuml;r die im Rahmen des Friedensauftrages des Grundgesetzes im Ausland ums Leben gekommenen Frauen und M&auml;nner im Umfeld von Bundestag und Kanzleramt mitten in der &Ouml;ffentlichkeit steht noch aus.</p>
<p>Als Mitglied des Einsatz-Auftraggebers Bundestag von 1994 bis 2009 erlebe ich den Wald der Erinnerung sehr pers&ouml;nlich. Ich erinnere mich an Einzelschicksale, an die Orte und Kontexte, an die aufw&uuml;hlenden Trauerfeiern an den Standorten, an die Gedenkorte in Rajlovac/Sarajevo, in Kabul, Kunduz, Feyzabad, Mazar-i Sharif, Suchumi/Georgien-Abchasien. Hier kam uns immer wieder die letzte Konsequenz der Mandatsentscheidungen nahe. Es waren und bleiben Orte politisch-menschlicher Gewissenspr&uuml;fung.</p>
<p><strong>Der Weg der Erinnerung</strong> zwischen Informationsgeb&auml;ude und &bdquo;Ort der Stille&ldquo; ist ges&auml;umt von sieben schlichten Stelen mit den Namen der Toten.</p>
<p><strong>Die 1. Stele (1993, 1995, 1997, 1998, 1999)</strong>: 1993 Alexander Arndt, UNTAC (Kambodscha): Der Sanit&auml;tsfeldwebel wurde am 14. Oktober 1993 in Phnom Penh auf offener Stra&szlig;e von Unbekannten erschossen. Er ist der erste im Auslandseinsatz ums Leben gekommene Bundeswehrsoldat.</p>
<p>1999 Sven Eckelmann, KFOR: Am 30. Mai 1999 wurde der 33-j&auml;hrige Oberstabsarzt Sven Eckelmann bei Durres/Albanien beim Sturz eines Fuchs-Transportpanzers von einer Br&uuml;cke get&ouml;tet. Das Ministerium verweigerte der Witwe und den beiden S&ouml;hnen eine &bdquo;Entsch&auml;digung&ldquo;, &acute;weil ein solcher Unfall auch in Deutschland h&auml;tte passieren k&ouml;nnen`. Aus der Emp&ouml;rung &uuml;ber eine solche Ignoranz erwuchs eine Verbesserung der Einsatzversorgung.</p>
<p><strong>Die 2. Stele (2001, 2002): </strong>2001 Dieter Ei&szlig;ing, UNOMIG (UN-Beobachtermission in Georgien). Der 33-j&auml;hrige Oberstabsarzt wurde am 8. Oktober zusammen mit drei weiteren unbewaffneten Milit&auml;rs und f&uuml;nf Zivilisten aus Ungarn, Schweiz, Pakistan, Georgien, Russland und Ukraine in einem UN-Hubschrauber &uuml;ber dem Kodori-Tal/Abchasien abgeschossen. Ei&szlig;ing war der erste durch gegnerische Wirkung ums Leben gekommene Bundeswehrsoldat. Sein Tod wurde damals nahezu &bdquo;versteckt&ldquo;.</p>
<p>2002 die ersten neun Toten bei ISAF in Afghanistan: Am 6. M&auml;rz starben die Oberfeldwebel Thomas Kochert und Mike Rubel beim Versuch, zwei russische SA-3-Raketen zu entsch&auml;rfen. Am 21. Dezember wurden sieben Soldaten beim Absturz ihres CH-53-Hubschraubers &uuml;ber Kabul get&ouml;tet.</p>
<p>(<em>Aus meinen Notizen, Kladde XVI, &uuml;ber die Ankunft der Toten am 25. Dezember in K&ouml;ln-Wahn: &bdquo;Der graue Airbus rollt heran, die gro&szlig;e Seitenklappe vorne &ouml;ffnet sich, ein Lastenaufzug hebt sich an die Luke, die ersten drei S&auml;rge mit Fahne und Stahlhelm drauf werden auf die Plattform geschoben und mit acht Soldaten runtergefahren. Unter leichtem Trommelwirbel tragen je acht Soldaten die S&auml;rge im Trauergang durch ein Spalier von Fackeltr&auml;gern zu den sieben Podesten vor dem Zelt. Das dauet alles und es setzt fast eine gewisse Gew&ouml;hnung ein. Die kippt aber um in lautes Weinen und tiefe Bewegung, als Gro&szlig;fotos von den Toten vor den jeweiligen S&auml;rgen abgestellt werden. Einige Worte der Milit&auml;rdekane. Die Angeh&ouml;rigen gehen zu den S&auml;rgen, &bdquo;begr&uuml;&szlig;en&ldquo; ihre Toten. Die S&auml;rge werden zur Kolonne der Leichenwagen getragen. </em></p>
<p><em>&bdquo;Ungesch&uuml;tzt&ldquo; steht die politische und milit&auml;rische F&uuml;hrung inmitten der Angeh&ouml;rigen. Jetzt sind die ersten &bdquo;Zinks&auml;rge&ldquo; zur&uuml;ckgekommen &ndash; die Trauer, das Unfassbare des Todesbleibt privat. Der politische Auftrag wird eher bekr&auml;ftigt als in Zweifel gezogen. (&hellip;) Unvorstellbar allerdings, hier w&uuml;rden ganze Airbusladungen an S&auml;rgen angeliefert. Verglichen mit dem sehr bewegenden heutigen &bdquo;Empfang&ldquo; ist der &ouml;kumenische Gottesdienst am 29.12. im Bonner M&uuml;nster weitgehend bewegungsloses Spitzenritual. Einzig Rau bringt Bewegung in die Gemeinde.&ldquo;).</em></p>
<p><strong>Die 3. Stele (2003, 2004)</strong>: Am 7. Juni 2003 (Pfingstsamstag) wurden vier Soldaten auf der Jalalabad-Road in Kabul durch einen Selbstmordattent&auml;ter in einem Lada get&ouml;tet. Sie waren in einem ungesch&uuml;tzten Bundeswehrbus unterwegs zum R&uuml;ckflug nach Deutschland. Drei&szlig;ig weitere wurden z.T. schwer verwundet, viele sind bis heute traumatisiert.</p>
<p><em>(Aus meinen Notizen: &bdquo;R&uuml;ckkehr der toten Soldaten am Di und Trauerfeier. F&uuml;r die Fraktionen nahmen Merten/SPD, Schmidt/CSU und ich teil. Besonders aufw&uuml;hlend war die Teilnahme von drei leichter verwundeten &uuml;berlebenden Soldaten, die nicht nur &auml;u&szlig;erlich von dem Schrecken gezeichnet waren und die sich ganz pers&ouml;nlich an den S&auml;rgen von ihren zerrissenen Kameraden verabschiedeten. Eine junge Witwe umarmte einen weinend mit den Worten &bdquo;sch&ouml;n, dass es Dir gut geht&ldquo;.</em></p>
<p><em>Auge in Auge mit den fassungslosen Hinterbliebenen sind wir mitverantwortliche PolitikerInnen rechenschaftspflichtig, ob Einsatz und Einsatzgestaltung weiterhin triftig begr&uuml;ndet und verantwortbar sind. Im Anschluss an die Zeremonie in der Flugzeughalle fand unter Ausschluss der Medien in der Kasernenkapelle ein &ouml;kumenischer Gottesdienst statt mit sehr guten Reden von Minister und Pfarrer. Zum Schluss wurde &bdquo;We shall overcome&ldquo; auf Deutsch gesungen.)</em></p>
<p><strong>Die 4. Stele (2005, 2006, 2007, 2008)</strong>: Einem Selbstmordanschlag auf dem Markt von Kunduz fielen am 19. Mai 2007 drei Bundeswehrsoldaten und sieben afghanische Zivilpersonen zum Opfer, 13 Zivilpersonen, drei Soldaten, ein Sprachmittler wurden &ndash; z.T. schwer &ndash; verwundet. <em>14 Tage zuvor hatten wir (Renate K&uuml;nast. J&uuml;rgen Trittin, Andreas K&ouml;rner, Mariam Tutakhel und ich) Kunduz noch ausgesprochen hoffnungsvoll erlebt und auch eine Koranschule besucht. Der 19. Mai markierte eine Wende.</em></p>
<p><em>(Am 15. August 2007 wurden in Kabul auf der Jalalabad-Road zwei BKA-Personensch&uuml;tzer des deutschen Botschafters und ein Bundespolizist der Botschaft durch eine ferngez&uuml;ndete Bombe get&ouml;tet.)</em></p>
<p>Am 27. August 2008 starb Hauptfeldwebel Mischa Meier durch eine Sprengfalle am Kunduz-Fluss.</p>
<p>Am 20. Oktober t&ouml;tete ein Selbstmordattent&auml;ter auf Fahrrad bei Haji Amanulla (5 km vom PRT Kunduz) Stabsunteroffizier Patrick Behlke und Stabsgefreiten Roman Schmidt und f&uuml;nf Kinder. Die Soldaten waren Teil einer gr&ouml;&szlig;eren Operation zur Suche nach Waffenverstecken. &nbsp;<em>(Aus meinem Trauerbrief</em><em>: &bdquo;Ich erinnere mich sehr deutlich daran, als wir Obleute des Verteidigungsausschusses vor vier Wochen in Mungos &uuml;ber die &bdquo;Platte&ldquo; von Kunduz fuhren und nach dem Wadi ungeplant durch ein&nbsp; Dorf kamen: Wie wachsam und freundlich zugleich die Soldaten sich gegen&uuml;ber den Dorfbewohnern am Wegesrand verhielten, wie fr&ouml;hlich gerade die Kinder waren. Dieses Bild von den Kindern und Soldaten wurde am letzten Montag zerfetzt.&ldquo; Der PRT-Kommandeur teilte uns mit, ISAF habe inzwischen im Raum Kunduz die Initiative verloren. Reisebericht unter </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=11&amp;aid=754"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=11&amp;aid=754</em></a><em> . Aus meinen Pers&ouml;nlichen Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik Nr. 40, Oktober 2008: &bdquo;Trauerfeier am 24.10. in der Alexanderskirche in Zweibr&uuml;cken f&uuml;r die am 20. Oktober bei Kunduz durch einen Selbstmordattent&auml;ter ermordeten Stabsunteroffizier Patrick Behlke, 25, und Stabsgefreiter Roman Schmidt, 22. Die Kirche ist mit mehr als 700 Besuchern &uuml;berf&uuml;llt. Minister Jung spricht erstmalig von &bdquo;gefallen im Einsatz f&uuml;r den Frieden&ldquo;. Das wird von Bundeswehrangeh&ouml;rigen durchweg mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Die bisherigen Worte von &bdquo;get&ouml;tet&ldquo;, &bdquo;ums Leben gekommen&ldquo;, gar &bdquo;verungl&uuml;ckt&ldquo; empfand man als Verharmlosung. (&hellip;) Sehr deutlich ist wieder die Rede von Oberb&uuml;rgermeister Reichling, f&uuml;r den es die dritte Trauerfeier f&uuml;r Soldaten in einem halben Jahr ist. Er wendet sich direkt an die Angeh&ouml;rigen, die Bev&ouml;lkerung, die Politiker.</em></p>
<p><em>Am aufw&uuml;hlendsten ist der Abschluss der Trauerfeier: Wenn Angeh&ouml;rige noch mal das Foto ihres Toten ber&uuml;hren, die S&auml;rge von je sechs Soldaten langsam herausgetragen werden, die fassungslose Trauer in den Gesichtern der Hunderten Trauerg&auml;ste in den B&auml;nken, darunter der vielen jungen Leute, die vielen B&uuml;rger auf dem Vorplatz mit Kerzen in den H&auml;nden, schlie&szlig;lich das Trompetensolo &bdquo;Ich hatt` einen Kameraden&ldquo; und die gr&uuml;&szlig;enden Soldaten, Polizisten, auch Zivilisten dabei. </em></p>
<p><em>Hier wie bei den anderen Trauerfeiern der Bundeswehr zuvor seit 2002 habe ich nie was gesp&uuml;rt von dem Satz fr&uuml;herer Generationen, es sei &bdquo;s&uuml;&szlig; und ehrenvoll, f&uuml;r das Vaterland zu sterben&ldquo;. Die Trauer bleibt ohne jede Verkl&auml;rung, die Sinnstiftung bleibt schwach.</em></p>
<p><em>Bei Gespr&auml;chen mit Offizieren des Fallschirmj&auml;gerbataillons 263 h&ouml;re ich kritische Worte zur Lage im Raum Kunduz: Um den Raum zu halten, brauche man st&auml;ndige Pr&auml;senz, mehr Kr&auml;fte und andere F&auml;higkeiten (vor allem Aufkl&auml;rung). Ein Kernproblem seien die bekannten bad guys, an die man nicht rankomme.&ldquo;)</em></p>
<p><strong>Die 5. Stele (2009, 2010)</strong>: Am 29. April 2009 starb im Distrikt Chahar Darreh/Kunduz der 21-j&auml;hrige Hauptgefreite Sergej Motz. Er ist der erste Bundeswehrsoldat, der im Gefecht fiel.</p>
<p><em>(Sein Vater k&auml;mpfte als Sowjetsoldat in den 80er Jahren in Afghanistan.)</em></p>
<p>Am 23. Juni 2009 ertranken drei Soldaten in ihrem Fuchs, als dieser bei einem Gefecht in einen Wasserlauf kippte.</p>
<p>Am 4. Oktober 2009 starb der Stabsgefreite Patric Sauer an den Sp&auml;tfolgen eines Selbstmordanschlages im August 2008.</p>
<p><em>(Er geh&ouml;rte zu einem Bergetrupp und sicherte bei einem technischen Halt, als auf einem Motorrad ein Selbstmordattent&auml;ter angriff. Er ist der sechste Afghanistangefallene des Fallschirmj&auml;gerbataillons 263 in Zweibr&uuml;cken. Sein Spie&szlig; berichtete bei der Trauerfeier in Fulda, dass er nach der Verwundung zu einem Freund seiner Familie geworden sei und seinen schweren Gesundungskampf begleitet habe. Eines Tages kam der Anruf &bdquo;ich schaffe eine Stufe!&ldquo; Er war wieder bei der Kompanie, wollte wieder nach Afghanistan. Dann kam die pl&ouml;tzliche Verschlechterung &hellip;)</em></p>
<p>Am 2. April 2010 fielen drei Soldaten bei Isa Khel/Distrikt Chahar Darreh/Kunduz (Karfreitagsgefecht).</p>
<p>Am 15. April 2010 fielen drei Soldaten durch eine Sprengfalle in Baghlan.</p>
<p>Am 7. Oktober 2010 starb der 26-j&auml;hrige Oberfeldwebel Florian Pauli bei einem Selbstmordanschlag in Baghlan.</p>
<p><em>(Bei der Trauerfeier in der Dorfkirche von Selsingen bei Seedorf/Niedersachsen wird berichtet, dass Pauli nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr und dreij&auml;hriger Ausbildung zum Rettungssanit&auml;ter freiwillig zum Bund gegangen sei, um Sanit&auml;tsfeldwebel zu werden. In Baghlan kam ein angeblich Hilfsbed&uuml;rftiger auf ihn zu und sprengte sich in die Luft.)</em></p>
<p><em>(Am 24. Dezember 2010 wurde in Khulm in der Provinz Balkh der deutsche Ingenieur Mathias Schr&ouml;der, Verantwortlicher des Stra&szlig;enbauprojekts Khulm-Kunduz, in seinem Kfz erschossen. Er, der sehr Landeserfahrene, hatte mir vier Monate zuvor etliche Projekte in seinem Distrikt gezeigt.)</em></p>
<p><strong>&nbsp;</strong></p>
<p><strong>Die 6. Stele (2011, 2012, 2013, 2014)</strong>: Am 18. Februar 2011 werden im OP North/Baghlan drei Soldaten von einem afghanischen &bdquo;Binnent&auml;ter&ldquo; erschossen, unter ihnen der 21-j&auml;hrige Stabsgefreite Konstantin Menz.</p>
<p>Am 28. Mai werden Major Thomas Tholi und Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein bei einem hochrangigen Sicherheitstreffen im Gouverneurssitz Taloqan durch eine Bombe get&ouml;tet.</p>
<p><em>Ums Leben kommen auch die Hauptangriffsziele der Taliban, General Mohammed Daud Daud, Polizeichef von Nordafghanistan und Kommandeur der Eliteeinheit 303. Pamir Corps (ihm waren wir bei Delegationsbesuchen ab 2003 mehrfach begegnet), und der Polizeichef der Provinz, General Shah Jashan Nuri. Gouverneur Abdul Jabar Taqwa und Regionalkommandeur General Markus Kneip erleiden Splitter- und Brandverletzungen. Lebensgef&auml;hrlich verwundet wurde Oberleutnant Soraya Alekozei. Sie war 1979 aus Afghanistan nach Deutschland geflohen, seit 2005 arbeitete sie bei sechs Eins&auml;tzen als Dolmetscherin, lange f&uuml;r die deutschen Kommandeure, jetzt f&uuml;r General Kneip. In &uuml;ber 30 Operationen holten &Auml;rzte und Teams des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz die Verwundete ins Leben zur&uuml;ck. Sie ist die erste und einzige so schwer verwundete Soldatin der Bundeswehr. In diesem Jahr ver&ouml;ffentlichte die kriegsversehrte Veteranin ihr Buch &bdquo;Sie konnten mich nicht t&ouml;ten &ndash; Als Afghanin im Einsatz f&uuml;r die Bundeswehr&ldquo; bei Econ.</em></p>
<p><strong>Die wiedererrichteten Ehrenhaine</strong> von Rajlovac, Kunduz, Kabul, OP North und Feyzabad befinden sich seitlich vom Weg der Erinnerung. Die Ehrenhaine von Prizren und Mazar-i Sharif befinden sich noch vor Ort.</p>
<p><em>Vergeblich suche ich einen zweiten, inoffiziellen Ehrenhain, den Soldaten im PRT Kunduz vor ihrer Unterkunft am Hubschrauberlandeplatz angelegt hatten. Sieben Kreuze f&uuml;r HFw Nils Bruns, 35 Jahre (gefallen 2.4.2010), StGefr Robert Hartert, 25 Jahre (2.4.2010), HGefr Martin Augustyniak, 28 Jahre (2.4.2010), HGefr Sergej Motz, 21 Jahre (29.4.2009), HFw Mischa Meier, 29 Jahre (27.8.2008), StGefr Roman Schmidt, 22 Jahre (20.10.2008), SrUffz Patrick Behlke, 25 Jahre (20.10.2008). Daneben befand sich ein Schildkr&ouml;tengehege: </em></p>
<p align="center"><em>&bdquo;Im Gedenken an unsere gefallenen Kameraden der 2./InfTF KDZ ist dieses </em></p>
<p align="center"><em>Schildkr&ouml;tengehege entstanden. Die Soldaten der 2./InfTF KDZ verpflichten sich,</em></p>
<p align="center"><em>diesen Ehrenhain und die dazu geh&ouml;rigen Schildkr&ouml;ten zu pflegen. In m&uuml;hevoller Kleinarbeit &uuml;ber mehrere Kontingente wurde der Ehrenhain am 06.12.2011 fertiggestellt.</em></p>
<p align="center"><em>Schildkr&ouml;ten symbolisieren in diesem Land &bdquo;ewiges Leben&ldquo;. </em></p>
<p align="center"><em>Damit unsere gefallenen Kameraden in unseren Gedanken immer weiter leben, </em></p>
<p align="center"><em>halten wir f&uuml;r jeden Kameraden eine Schildkr&ouml;te.</em></p>
<p align="center"><em>Sch., OStFw u. KpFw, 2./PzGrenLehrBtl 92 06.12.2011&ldquo;</em></p>
<p>Heute entsteht hangaufw&auml;rts ein <strong>Friedwald</strong>: Hinterbliebene befestigen an B&auml;umen selbst gestaltete Plaketten und Tafeln f&uuml;r ihre Toten, verharren in Stille, fotografieren sich.</p>
<p>Beim Gang vorbei an den Stelen, Ehrenhainen, pers&ouml;nlichen B&auml;umen werden immer wieder Worte gewechselt, Erinnerungen ausgetauscht. Einzelne weinen gemeinsam.</p>
<p><strong>Einweihung des &bdquo;Waldes der Erinnerung&ldquo;</strong>: Mehr als 700 G&auml;ste sind heute gekommen, unter ihnen 190 Angeh&ouml;rige. In Anwesenheit von Bundespr&auml;sident Gauck und Innenminister de Maizi&egrave;re sprechen bei der Zeremonie der Befehlshaber des Einsatzf&uuml;hrungskommandos, Generalleutnant Fritz, Verteidigungsministerin von der Leyen, Tanja Menz als Mutter eines Gefallenen, Oberstabsfeldwebel Axel Josef Hammers, der 2010 und 2013 mit seiner Fallschirmj&auml;gerkompanie in Kunduz war und am 2. April 2010 drei Soldaten, Freunde verlor. Tanja Menz ruft zu gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glicher Offenheit und Ehrlichkeit auf, wenn es darum gehe, Soldaten in einen Einsatz zu schicken. Marlis B&ouml;ken, Mutter der 2008 auf der Gorch Fock ums Leben gekommenen Jenny B&ouml;ken, Oberstabsfeldwebel Hammers und die Ministerin pflanzen symbolisch einen Baum.</p>
<p>Von den Spitzen des Ausw&auml;rtigen Amtes und des Ausw&auml;rtigen Ausschusses (Vorsitzende und Sprecher) ist niemand der Einladung gefolgt, obwohl beim Au&szlig;enressort die Federf&uuml;hrung der Auslandseins&auml;tze liegt. Dass Au&szlig;enpolitiker nur sehr selten bei Trauerfeiern f&uuml;r gefallene Soldaten ihre Anteilnahme zeigten, f&auml;llt mir seit vielen Jahren auf.</p>
<p>Der &bdquo;Wald der Erinnerung&ldquo; ist ein Ort sehr pers&ouml;nlicher, individueller Erinnerung ohne falsches Pathos, &bdquo;fernab jeglicher Heroisierung&ldquo; (Fritz). Er ist schlicht, eindringlich, w&uuml;rdig. Dass ihn die Soldaten des Einsatzf&uuml;hrungskommandos immer vor Augen haben &ndash; und damit ihre besondere Verantwortung -, ist ein gutes Zeichen. Der &bdquo;Wald&ldquo; liegt direkt bei der Hauptwache und ist von dort nach Hinterlegen eines Ausweises und in Begleitung eines Soldaten schnell erreichbar. Er ist auch f&uuml;r Besuchergruppen zug&auml;nglich.</p>
<p>(In den ersten zwei Wochen seit Einweihung des &bdquo;Waldes&ldquo; wurde er schon von &uuml;berraschend vielen Einzelpersonen und Gruppen besucht.)</p>
<p>Bei der Weiterentwicklung des &bdquo;Waldes der Erinnerung&ldquo; und seiner Informationen hielte ich es f&uuml;r angemessen, wenn hierbei in geeigneter Weise auch die Todesopfer direkt neben denen der Bundeswehr Beachtung finden w&uuml;rden. Bei Trauerfeiern fiel mir immer auf, dass z.B. die afghanischen Zivilpersonen, die beim selben Anschlag wie Bundeswehrsoldaten ums Leben kamen, meist nicht einmal erw&auml;hnt wurden. Eine solche Selbstbezogenheit passt nicht zum Anspruch gemeinsamer Sicherheit und zum Auftrag, im Einsatzland Sicherheit zu f&ouml;rdern.</p>
<p>(Artikel und Reden unter <a href="http://www.dw.de/totengedenken-im-wald-der-erinnerung/a-18066330">www.dw.de/totengedenken-im-wald-der-erinnerung/a-18066330</a> )</p>
<p><a href="http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9pPKUVL301JTUvOzUPL3yxJyU-JTUovjUosy8vNSi0rx0_YJsR0UAwmsWjA!!/">http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9pPKUVL301JTUvOzUPL3yxJyU-JTUovjUosy8vNSi0rx0_YJsR0UAwmsWjA!!/</a> ,</p>
<p>16. November: <strong>Gedenkfeier zum Volkstrauertag</strong> im Rathaus von M&uuml;nster, veranstaltet von der Stadt M&uuml;nster, dem Volksbund Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge und der Reservistenkameradschaft M&uuml;nster.</p>
<p>Sch&uuml;lerinnen der Marienschule tragen Texte vor, die sie selbst ausgew&auml;hlt haben: Wolfgang Borcherts &bdquo;Dann gibt es nur eins&ldquo; &ndash; ein von den Schrecken des Weltkrieges gepr&auml;gter eindringlicher Aufruf zu umfassender und radikaler Kriegsdienst- und Kriegsunterst&uuml;tzungsverweigerung; Peter H&auml;rtlings &bdquo;Wenn jeder eine Blume pflanzt&ldquo;; Auszug aus Erich Maria Remarques &bdquo;Im Westen nichts Neues&ldquo;. Sie Texte liegen auch aus. Ihre Antikriegsbotschaft k&ouml;nnte nicht deutlicher sein.</p>
<p>Es sprechen B&uuml;rgermeisterin Karin Reismann, Wissenschaftsministerin Svenja Schulze als Hauptrednerin (die Gedenkansprache unter <a href="http://www.spd-muenster.de/meldung.php?meldung=6355&amp;page">www.spd-muenster.de/meldung.php?meldung=6355&amp;page</a>= ) und Oberst Dieter Meyerhoff vom 1. Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps mit der Totenehrung &ndash; Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt, an die in den Weltkriegen gestorbenen Soldaten, die Verfolgten und Widerst&auml;ndler, an die Opfer der Kriege und B&uuml;rgerkriege unserer Tage, von Terrorismus und politischer Verfolgung, Gedenken an Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkr&auml;fte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren, an diejenigen, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.</p>
<p>Neben einem Bl&auml;serquintett des Luftwaffenmusikkorps M&uuml;nster sorgt der Gro&szlig;e Chor des Paulinum unter der Leitung von Margarete Sandh&auml;ger wie schon in den Vorjahren f&uuml;r musikalische und emotionale H&ouml;hepunkte: Der Gesang der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler setzt Harmonie, Helligkeit, Lebendigkeit, Lebensfreude gegen einen Novembertag, dessen Thema kaum d&uuml;sterer und deprimierender sein k&ouml;nnte.</p>
<p><em>(vgl. Anregungen und Gedanken zur Gestaltung von Gedenkstunden und Gottesdiensten, u.a. Redevorschl&auml;ge von Klaus T&ouml;pfer und Klaus von Dohnany, Gedanken zu Predigttexten von Bischof Stephan Ackermann und Renke Brahms, Friedensbeauftragter des Rates der EKD, </em></p>
<p><a href="http://www.volksbund.de/fileadmin/redaktion/BereichInfo/BereichInformationsmaterial/Volkstrauertag/VT_Handreichung/handreichung_vtt2014.pdf"><em>http://www.volksbund.de/fileadmin/redaktion/BereichInfo/BereichInformationsmaterial/Volkstrauertag/VT_Handreichung/handreichung_vtt2014.pdf</em></a> )</p></div>


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