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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Abzug aus Kunduz: Meine Kunduz-Berichte ab 2004 (Teil I 2004-2006)</title>
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    <span class="xar-mod-title">Afghanistan + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            Abzug aus Kunduz: Meine Kunduz-Berichte ab 2004 (Teil I 2004-2006)         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 6. Oktober 2013 17:20:03 +01:00 (77639 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Nach 10 Jahren PRT Kunduz Ã¼bergab Minister de MaiziÃ¨re am 6. Oktober 2013 die Einsatzliegenschaft an die afghanische Armee und Polizei. Erstmalig traten die Minister der Verteidigung und des AuswÃ¤rtigen in Afghanistan gemeinsam auf. Ein Fazit &quot;wir haben viel erreicht, aber es bleibt noch eine Menge zu tun&quot; ist leider durch die RealitÃ¤ten so nicht gedeckt. Es steht voll in der Tradition von Selbstzufriedenheit und SelbsttÃ¤uschung, die nicht nur deutsche Afghanistanpolitik Ã¼ber viele Jahre prÃ¤gte. Umso mehr verdienen die sehr vielen Diplomaten, Soldaten, Entwicklungshelfer und Polizisten hohen Respekt, Aufmerksamkeit und Dank, die ihr Bestes gaben fÃ¼r mehr Sicherheit und Frieden in einem kriegsgeschundenen Land. Wir Politiker haben keinerlei Grund zu Selbstzufriedenheit, aber allen Grund zur SelbstÃ¼berprÃ¼fung. Dazu als &quot;PrÃ¼fmaterial&quot; alle meine Kunduzberichte ab 2004 ...</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> 800x600 </xml><![endif]--></p>
<p align="center"><strong>Kunduz-Berichte 2004-2013</strong></p>
<p align="center">von Winfried Nachtwei</p>
<p align="center"><strong>Delegationsbesuch der</strong></p>
<p align="center"><strong>â€žISAF-Insel&quot; PRT Kunduz am 31. Januar 2004</strong></p>
<p>Am 31. Januar 2004 besuchte Verteidigungsminister Struck erstmalig das deutsche Einsatzkontingent in Kunduz/Nordafghanistan. Zur Delegation gehÃ¶rten vom Verteidigungsausschuss der Vorsitzende Reinhold Robbe und die Obleute Rainer Arnold (SPD), Helga Daub (FDP), Thomas Kossendey (CDU/CSU), Winfried Nachtwei (BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen), sowie der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz. Die Delegation wurde begleitet von Siba Shakib, der Autorin von â€žNach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen&quot;, und 24 Medienvertretern.</p>
<p>Am 15. Oktober 2003 beschloss das Bundeskabinett die Entsendung eines ressortÃ¼bergreifenden Wiederaufbauteams nach Kunduz sowie die ErÃ¶ffnung einer AuÃŸenstelle der Botschaft in Herat. Am 24. Oktober billigte der Bundestag die damit verbundene Entsendung von bis zu 450 Soldaten nach Kunduz. Dieser Entscheidung ging eine lÃ¤ngere und kontroverse Diskussion in Parlament und Ã–ffentlichkeit voraus, die fast nur um den militÃ¤rischen Anteil kreiste.</p>
<p>Die BefÃ¼rworter sprachen fÃ¼r eine Ausweitung der internationalen StabilisierungsbemÃ¼hungen in die Provinzen und fÃ¼r ein deutsches regionales Wiederaufbauteam (Provincial Reconstruction Team PRT) in Kunduz als Beitrag dazu aus. FÃ¼r Kunduz sprach, dass es dort im Sinne von Stabilisierung und â€žnation building&quot; viel zu tun gibt, sowie der mittlere Schwierigkeitsgrad und die NÃ¤he zum dt. StÃ¼tzpunkt Termez/Usbekistan. (In den high-risk-Regionen mÃ¼ssen PRT`s eng mit Kampftruppen zusammen agieren.)</p>
<p>Kritiker des Kunduz-Einsatzes bezweifelten angesichts der relativen Ruhe den Sinn des Einsatzes, befÃ¼rchteten eine BeeintrÃ¤chtigung der NeutralitÃ¤t von humanitÃ¤ren Organisationen vor Ort sowie eine stillschweigende Kumpanei der Bundeswehr mit den dortigen Drogenbossen und Warlords.</p>
<p>Der Reise voraus gingen im Verteidigungsausschuss ausfÃ¼hrliche Stellungnahmen des AA, des BMZ und des BMI zum zivilen Aufbau in Afghanistan.</p>
<p>Der <span style="text-decoration: underline;">Anflug</span> erfolgt am 30. Januar Ã¼ber die usbekische Hauptstadt Taschkent. Wegen schlechter Witterungsbedingungen verzÃ¶gert sich der Transall-Flug am 31. Januar nach Kunduz um fast vier Stunden. Der deutsche MilitÃ¤rattache, OTL Bergander, berichtet Ã¤uÃŸerst lebendig und humorvoll von Land und Leuten. WÃ¤hrend des Fluges ist zunÃ¤chst noch ungewiss, ob in Kunduz ausreichend Sichtflugbedingungen herrschen. SchlieÃŸlich landet die Maschine nach mehreren steilen Kurven auf dem Feldflughafen Kunduz.</p>
<p>Empfang der Delegation durch den deutschen Botschafter Eberle, die Generale Riechmann (Befehlshaber EinsatzfÃ¼hrungskommando) und Gliemeroth (ISAF-Kommandeur) sowie die Ã¶rtlichen Machthaber General Muhammad Doaud Khan, Gouverneur Latif Ibrahimi, den Polizeichef NO-Provinzen, Ghollam, und andere.</p>
<p>Nach Anlegen der Schutzwesten setzt sich der Konvoi aus zivilen GelÃ¤ndefahrzeugen in Bewegung. Vor allem in der Umgebung des Flugplatzes erinnern zerstÃ¶rte GebÃ¤ude und Panzer an die Kriegszeit. Alle hundert Meter sÃ¤umen Soldaten des VI. Korps von General Daoud die Strecke, teils mit Gewehr, teils nur in GruÃŸstellung.</p>
<p>Der Blick Ã¼ber das Kunduz-Tal zeigt viel mehr GrÃ¼n als das grau-braune Kabul. Baumreihen und Felder lassen erahnen, dass hier mal die â€žKornkammer&quot; Afghanistans war.</p>
<p>Zwischendurch immer wieder die landestypischen fortÃ¤hnlichen GehÃ¶fte, die von fensterlosen AuÃŸenmauern umgeben sind.</p>
<p>FÃ¼r die zehn km nach Kunduz braucht der Konvoi eine halbe Stunde. Die Schlaglochstrecke der â€žNationalstraÃŸe 2&quot; gilt als vergleichsweise â€žmittelprÃ¤chtig&quot;. Sofort stellt sich die Frage, wie Ã¼ber solche â€žStraÃŸen&quot; eine Evakuierung unter unfriedlichen Bedingungen geschafft werden soll. Ein begleitender Offizier: Evakuieren mÃ¼sse man schon, wenn die Stimmung feindlich werde. Umfassende Angriffe kÃ¶nne man hier nicht durchstehen. Unterwegs fÃ¤delt sich ein Pkw in den Konvoi. Er wird schnell Ã¼berholt und rausgedrÃ¤ngt.</p>
<p>Am â€žStadttor&quot; von Kunduz ein kleiner provisorischer MilitÃ¤rposten. Linker Hand in einem Hof eine Menge von Panzern. Sie seien seit Oktober nicht bewegt worden. Auch gebe es keine Ausbildung an den Panzern. Kurz danach das â€žDeutsche Haus&quot;, Sitz des BMZ-Koordinators mit BÃ¼ros von DED, GTZ, KfW.</p>
<p>EinstÃ¶ckige Bauten aus Lehmziegeln bestimmen das Bild der Provinzhauptstadt, der man ihre schÃ¤tzungsweise 120.-140.000 Einwohner nicht ansieht. Ãœberall Antennen. Nur manche offiziellen GebÃ¤ude haben ein zweites Stockwerk. Vom dreitÃ¤gigen Regen zeugt noch die groÃŸflÃ¤chige Schlammsuppe auf den StraÃŸen. Die Pferde vor den kleinen Fuhrwerken sind auffÃ¤llig geschmÃ¼ckt. SchÃ¤tzungsweise 70% der BevÃ¶lkerung leidet an Tuberkulose.</p>
<p>IrrtÃ¼mlich fÃ¤hrt der Konvoi erst zum Hauptquartier des VI. Korps, dreht um und gelangt dann zum deutschen Camp.</p>
<p><strong>Briefing</strong></p>
<p>durch den Kommandeur des dt. Einsatzkontingents, Oberst Baur, und den Leiter ziviler Anteil PRT, Dr. Ziegler. Auf Nachfrage des Ministers skizziert der BMZ-Koordinator, Ministerialrat a.D. Sahlmann, die BeitrÃ¤ge der Entwicklungszusammenarbeit (EZ).</p>
<p>Das PRT Kunduz ist ein Pilotprojekt - als integrierte Einrichtung der Bundesregierung, der vier Ressorts AA, BMVg, BMZ und BMI, sowie als erstes PRT der NATO fÃ¼r die vier Nordost-Provinzen Kunduz, Baghlan, Takhar und Badakhshan. Hier liegt das Kernland der ehemaligen Nordallianz. Auf deutsche Initiative hin untersteht das von den US-StreitkrÃ¤ften Ã¼bernommene PRT Kunduz (damals 40 Personen) dem ISAF-Kommando und fÃ¤llt damit unter das ISAF-Mandat des VN-Sicherheitsrates. Die anderen sieben PRT unterstehen dem Kommando Operation Enduring Freedom/OEF. FÃ¼nf sind US-gefÃ¼hrt (Gardez, Bagram, Herat, Kandahar, Jalalabad), je eins wird von GroÃŸbritannien (Mazar-e-Sharif) und Neuseeland (Bamian) gefÃ¼hrt. Geplant sind sechs weitere in Ghazni, Khwost, Asadabad (Prov. Konar), Qualat (Prov. Zabul), Tarin Kowt (Prov. Uruzgan), Sharan (Provinz Paktika). Lt. General Gliemeroth beabsichtigt die NATO bis Jahresmitte die Ãœbernahme/Aufstellung von vier bis fÃ¼nf PRT`s.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Lage:</span></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  â€žÃ¼berwiegend ruhig, aber nicht stabil&quot;: keine konkreten Bedrohungshinweise, aber erhebliche Destabilisierungsfaktoren, latentes Eskalationspotenzial lokaler KonflikteÂ  (in der Provinz Baghlan z.B. ca. 2.000 ehemalige TalibananhÃ¤nger; bewaffnete KrÃ¤fte verfÃ¼gen Ã¼ber schwere Handwaffen und Flugabwehrwaffen)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  keine staatlichen Strukturen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  komplizierte, zerbrechliche Sicherheitsstrukturen, feines Netzwerk von LoyalitÃ¤ten</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  (noch) ineffiziente Polizei</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  General Doaud als die SchlÃ¼sselperson</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Kaum vorhandene Infrastruktur in einer Region, die eine FlÃ¤che von Bayern und Hessen umfasst und bis auf die Provinz Kunduz von Gebirgen bis Ã¼ber 6.000 m HÃ¶he (Badakhshan) geprÃ¤gt ist. Die faktische HÃ¶chstgeschwindigkeit Ã¼ber Land liegt bei 20-30 km/h.</p>
<p>Die Aufgaben und Akteure des PRT sind in seinem Emblem, einem Balken mit zwei schrÃ¤gen StÃ¼tzpfeilern, zusammengefasst und der um 90Â° nach links gedreht das Kunduz-K ergibt: Den linken Pfeiler â€žSicherheit&quot; stellt die Bundeswehr, den rechten Pfeiler â€žWiederaufbau&quot; das AA, BMI und BMZ, daran angedockt Regierungsorganisationen wie GTZ, DED.</p>
<p>Um den integrierten Ansatz in die Tat umzusetzen, gibt es in Deutschland eine interministerielle Steuerungsgruppe. Vor Ort ist die Kooperation zwischen den verschiedenen SÃ¤ulen von zentraler Bedeutung.</p>
<p>Im Rahmen der vom Mandat erlaubten 450 Soldaten steht fÃ¼r Kunduz ein Personalpool bereit, so dass der Personalbedarf lagebezogen gedeckt werden kann. (Pull-Prinzip) Zzt. sind hier 218 Soldaten, davon 48 Offiziere, 129 Unteroffiziere und 40 Mannschaften. Geplant sind 317. Das Camp ist fÃ¼r ca. 200 vorgesehen. Das AA ist zzt. mit drei Beamten vor Ort vertreten, das BMZ und BMI jeweils mit einem Beamten. (Der bloÃŸe Vergleich der PersonalstÃ¤rken ist allerdings irrefÃ¼hrend, weil die Wirkungskreise von Soldaten, Polizisten und Zivilexperten sehr unterschiedlich sind. Wo Polizisten oder Entwicklungshelfer beratende und koordinierende Funktionen wahrnehmen, wirken sie Ã¼ber einheimische Polizeitrainer, Ã¼ber GO`s und NGO`s und lokale Mitarbeiter weit in die Gesellschaft hinein. Zum BMZ-Koordinator sind deshalb hinzu zu zÃ¤hlen die Mitarbeiter von DED, GTZ, KfW - und indirekt 25 deutsche und internationale (N)GO-Mitarbeiter sowie lokale Helfer.)</p>
<p>Das bisher dt. PRT soll zunehmend multinationalisiert werden: FÃ¼r den militÃ¤rischen Teil gibt es Zusagen von Belgien (10, v.a. Flugplatz), Schweiz (1 Arzt, 2 MilitÃ¤rbeobachter), Frankreich (UnterstÃ¼tzungsflÃ¼ge), Ungarn (UnterstÃ¼tzung und MilitÃ¤rpolizisten), RumÃ¤nien (Logistik und Stab). FÃ¼r den zivilen Teil zugesagt haben die Niederlande eine politische Referentin, DÃ¤nemark 1-2 Berater, Frankreich einen Kulturreferenten fÃ¼r Herat. Schweden, Finnland und Norwegen haben bisher Bereitschaft signalisiert.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Auftrag des BW-Kontingents</span>:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  StabilitÃ¤t in der Region erhÃ¶hen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Sicheres Arbeitsumfeld fÃ¼r das PRT schaffen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  FÃ¶rderung und UnterstÃ¼tzung des Aufbaus von Sicherheitsstrukturen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Beratende UnterstÃ¼tzung des DDR-Prozesses (Demilitarisierung, Demobilisierung und Reintegration)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  AusbildungsunterstÃ¼tzung fÃ¼r die afghanische Armee ANA</p>
<p>Schwerpunkt der BW-Aufgaben ist die Verbindungsarbeit, Networking, um darÃ¼ber die Sicherheitslage genau beobachten und beeinflussen zu kÃ¶nnen. Inzwischen bestehen Kontakte zu mehr als 150 formellen und informellen, politischen und religiÃ¶sen FÃ¼hrern. Die dafÃ¼r notwendigen Fahrten demonstrieren genug an PrÃ¤senz.</p>
<p>(Aus GesprÃ¤chen am Rand: Eigene PrÃ¤senzpatrouillen wie im anonymen Kabul werden hier nicht gefahren. Sie sind nicht nÃ¶tig, wÃ¤ren angesichts der relativen Ãœberschaubarkeit und Lage unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig. GegenÃ¼ber WaffentrÃ¤gern haben klug und entschieden auftretende Soldaten am ehesten die AutoritÃ¤t zur â€žgleichen AugenhÃ¶he&quot;. Der Landessitte entsprechend tragen die Offiziere Bart - â€žWeiÃŸe BÃ¤rte&quot; haben besondere AutoritÃ¤t. Seit Riechmann einmal von eigenen TrÃ¼mmererinnerungen in Deutschland erzÃ¤hlte und sich damit als ca. 60-JÃ¤hriger entpuppte, gilt auch der General mit dem markanten rasierten Kinn als â€žWeiÃŸer Bart&quot;.)</p>
<p>Auf die Frage, ob zum Selbstschutz nicht Panzerung notwendig sei: Nein, hier stelle man Sicherheit Ã¼ber Verbindungen her. Netzwerk sei der beste Schutz. Auf Abruf stehen geschÃ¼tzte</p>
<p>Fahrzeuge in Kabul bereit, sie werden nach LageeinschÃ¤tzung hierher verlegt. Ãœber ISAF hat das PRT Zugriff auf alle KrÃ¤fte, auch zur LuftnahunterstÃ¼tzung. FÃ¼r ein zeitgerechtes Einfliegen von Quick Reaction Forces ist Vorsorge getroffen. Hierzu bestehen ÃœbereinkÃ¼nfte mit den US-StreitkrÃ¤ften.</p>
<p>Zum <span style="text-decoration: underline;">Drogenanbau</span>: In drei Provinzen wÃ¤chst Reis, Mais, es gibt zwei Ernten/Jahr. Die Leute wollen den Mohnanbau nicht. Sie haben auch erlebt, was Drogen in den Familien anrichten. Je mehr zivile EinkommensmÃ¶glichkeiten wir schaffen, desto mehr kann auf den Mohnanbau verzichtet werden. (s. Anmerkungen)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">CIMIC</span>: PrimÃ¤raufgabe der Zivil-MilitÃ¤rischen Zusammenarbeit/Ausland sind entgegen verbreiteter Wahrnehmung nicht Projekte (â€žDachlatten-CIMIC&quot;), sondern die Erfassung der zivilen Lage und die Beratung der militÃ¤rischen FÃ¼hrung im Hinblick auf AkzeptanzfÃ¶rderung bei der ZivilbevÃ¶lkerung, um darÃ¼ber den Selbstschutz zu fÃ¶rdern (force protection). Soweit Zeit und KapazitÃ¤ten vorhanden sind, kÃ¶nnen zu diesem Zweck schnelle UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen (Quick Impact Project) und nachhaltige UnterstÃ¼tzungsprojekte durchgefÃ¼hrt werden. In Kunduz sind zwei Liaison Monitoring Teams geplant. Im Unterschied zum Balkan sind CIMIC-Projekte hier auf Situationen begrenzt, wo sie unmittelbar der eigenen Sicherheit dienen, z.B. Winterfestigkeit von Polizeistationen, Verteilung von Abdeckfolien entlang der Evakuierungsstrecke, im Umfeld der neuen AuÃŸenstelle.</p>
<p>Eine erste AuÃŸenstelle des PRT Kunduz wurde gestern in Taloghan (Prov. Takhar) erÃ¶ffnet. Weitere sollen in den anderen Provinzen folgen. Nach Badakhshan wÃ¼rde man aber 12-14 Stunden Fahrtzeit brauchen. Mit Hubschraubern wird es schneller gehen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Auftrag der zivilen SÃ¤ule:</span></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  StÃ¤rkung des Einflusses der Zentralregierung</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Aufbau und StÃ¤rkung von politisch-administrativen und Rechtsstaatstrukturen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  StÃ¤rkung von Zivilgesellschaft</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  FÃ¼hrungsverantwortung beim Polizeiaufbau wahrnehmen</p>
<p>Das <span style="text-decoration: underline;">entwicklungspolitische Engagement</span> umfasst (nach dem beim Briefing verteilten Papier â€žBMZ-Auftrag in der Region Kunduz&quot;)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Verwaltungs- und RechtsstaatsfÃ¶rderung</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  FÃ¶rderung der Beteiligung von Frauen in allen Bereichen des Wiederaufbaus</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Programme der entwicklungsorientierten Nothilfe</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Langfristig angelegte Investitionen in die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur (zzt. FZ-Projekte arbeitsintensiver StraÃŸenbau und Trinkwasserversorgung in der Stadt Kunduz)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Schaffung von ArbeitsplÃ¤tzen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  FÃ¶rderung privater Investitionen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  ExistenzgrÃ¼nderprogramme besonders fÃ¼r demobilisierte Soldaten und rÃ¼ckkehrende FlÃ¼chtlinge</p>
<p>Leitprinzip ist die Einbindung aller MaÃŸnahmen in das â€žNational Development Framework&quot;, das zwischen afghanischer Regierung und internationalen Gebern vereinbart wurde. DurchfÃ¼hrende Organisationen sind DED, GTZ, Kreditanstalt fÃ¼r Wiederaufbau als Regierungsorganisationen und Arbeitsgruppe Entwicklung und FachkrÃ¤fte/AGEF, Deutsche Welthungerhilfe, Katachel als NGO`s und andere internationale Organisationen.</p>
<p>Arbeitsergebnisse seit November 2003:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Fertigstellung von vier Jungen- und MÃ¤dchenschulen, drei Krankenstationen, 203 Brunnen und BewÃ¤sserungsanlagen fÃ¼r 18.000 Menschen, mehreren BrÃ¼ckenanlagen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  StraÃŸenbauprojekt in Kunduz lÃ¤uft in diesen Tagen an, Vorbereitungsarbeiten fÃ¼r die Wasserversorgung in Kunduz haben begonnen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Alphabetisierungs-, Computer- und Englischkurse fÃ¼r Frauen, Verwaltungs- und PolizeikrÃ¤fte</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  42 ExistenzgrÃ¼nder haben den Vorbereitungskurs erfolgreich abgeschlossen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Unternehmerverband in Kunduz befindet sich in GrÃ¼ndung</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  FÃ¶rderung von neun lokalen GO`s und NGO`s in den Bereichen einkommensschaffende MaÃŸnahmen, non-formale Berufsausbildung fÃ¼r Frauen, Printmedien, Kommunikation, Radio und TV im Rahmen ziviler FriedensfÃ¶rderung, Handwerk, Kunstgewerbe</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Organisationsentwicklung von zwei lokalen Frauen NGO`s</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Wiederherstellung und Einrichtung von Arbeits- und SchulungsrÃ¤umen bei GO`s und NGO`s</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Ansatzpunkte der nationalen AussÃ¶hnung im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes</p>
<h2>Polizeikomponente</h2>
<p>(Im Briefing nicht berÃ¼cksichtigt. Die folgenden Angaben nach der BMI-Dokumentation â€žPolizeiliche Aufbauhilfe in Afghanistan&quot;, Stand Januar 2004)</p>
<p>FÃ¼r Kunduz sind fÃ¼nf Beamte vorgesehen. Die Bundesrepublik hat seit Anfang 2002 die internationale FÃ¼hrungsverantwortung beim Aufbau der afghanischen Polizei. Die polizeiliche Aufbauhilfe ist neben dem Armee- und Justizaufbau, der Entwaffnung (DD&amp;R) und DrogenbekÃ¤mpfung Teil der Sicherheitssektorreform (SSR). Schwerpunkte des deutschen ProjektbÃ¼ros Polizei in Kabul mit seinen zzt. 16 Beamten sind Beratung bei der Neustrukturierung von Ministerium und Polizei, Beratung bei der Ausbildung des mittleren und hÃ¶heren Dienstes/Wiederaufbau der Polizeiakademie, Aufbau der Grenzpolizei, UnterstÃ¼tzung der RauschgiftbekÃ¤mpfung, kriminaltechnischer Aufbau und Ausstattungshilfe, internationale Koordination. Deutsche Ausbildungs- und Ausstattungshilfe flankiert den Aufbau der eigenstÃ¤ndigen RauschgiftbekÃ¤mpfungseinheit im Innenministerium (Informationszentrale, aktive Informationsbeschaffung, Aufbau operativer Ermittlungs- und Zugriffseinheiten).</p>
<p>In Kunduz soll zuerst der Ausbildungs- und Ausstattungsbedarf ermittelt werden. Parallel sollen deutsche Berater mit polizeilicher Basisausbildung beginnen. HierfÃ¼r werden geeignete afghanische KrÃ¤fte und Absolventen der Polizeiakademie in Kabul als Trainer ausgebildet.</p>
<p>Der AuÃŸenstelle der dt. Botschaft in Herat sollen weitere vier Polizeiberater zugeordnet werden. Ab FrÃ¼hjahr 2004 sollen weitere PRT`s in Gardez, Mazar-i-Sharif, Bamian und anderen Orten durch dt. Polizeibeamte unterstÃ¼tzt werden. Auch hier sollen sie afghanische Trainer fortbilden und AusbildungsmaÃŸnahmen koordinieren.</p>
<p><strong>Zivil-militÃ¤rische Zusammenarbeit</strong></p>
<p>Laut Briefing sei das VerhÃ¤ltnis zu NGO`s anfangs gespannt gewesen, habe sich aber schnell ausgezeichnet entwickelt. Man habe verstanden, wer welche Aufgaben habe und dass Wiederaufbau effektiver in einem gesicherten Umfeld gehe. NGO-Vertreter vergewisserten sich, im GefÃ¤hrdungsfall im Camp Schutz finden zu kÃ¶nnen. BW betont, dass sie kein Konkurrenzunternehmen zu NGO`s sei. (In der Berliner Zeitung vom 2. Februar erklÃ¤rte eine Vertreterin der Hilfsorganisation Katachel, die Zusammenarbeit mit der BW habe sich â€žabsolut positiv&quot; entwickelt. â€žSie helfen uns, wenn wir sie brauchen, und umgekehrt. Kunduz hat sich seit September gravierend verÃ¤ndert. Es pulsiert, viele Leute haben Arbeit oder kriegen AuftrÃ¤ge. Das ist das Beste, was der Provinz passieren konnte.&quot;)</p>
<p>Zwischen dem militÃ¤rischen und zivilen Teil des PRT laufen regelmÃ¤ÃŸig GesprÃ¤che, sei die Zusammenarbeit gut. Die ZurÃ¼ckhaltung der Bundeswehr bei CIMIC-Projekten (Kostenobergrenze 2.500 â‚¬) hat wohl das BMZ veranlasst.</p>
<p>(EinzelgesprÃ¤che am Rande vermitteln ein weniger einheitliches Bild:</p>
<p>Von BW-/AA-Seite wird das separate â€žDeutsche Haus&quot; der EZ kritisiert: Das fÃ¶rdere den Eindruck â€žgetrennter Politik&quot;. Auf EZ-Seite ist die Rede vom â€ždritten Pfeiler des deutschen gemeinsamen Engagements&quot;, gibt es Kritik an der dominanten Rolle der BW.</p>
<p>Offen bleibt, welchen Stellenwert hierbei traditionelle Ressortkonkurrenzen, unterschiedliche Organisationskulturen, -gewichte und -interessen sowie Kommunikationsdefizite haben.</p>
<p>Insgesamt aber ist das Stabilisierungs- und Wiederaufbauprojekt PRT Kunduz so breit und integriert wie kein anderes. Das ist grundsÃ¤tzlich richtig, weil es die bitter nÃ¶tige - und oft fehlende - KohÃ¤renz internationaler Akteure fÃ¶rdert.)</p>
<h1>Feldlagerrundgang</h1>
<p>Die ProgrammabkÃ¼rzung erlaubt nur einen flÃ¼chtigen Ãœberblick. Von einem zentralen Wachturm wird das Lager samt Umgebung Ã¼berwacht. Insgesamt erscheint das Camp viel weniger abgesichert als Camp Warehouse in Kabul. Die einstÃ¶ckigen UnterkunftsgebÃ¤ude aus Holz kosteten nur 5.000 US-$ (Container ohne Transport 22.000$!) und brachten BeschÃ¤ftigung. Das GelÃ¤nde ist mit WassergrÃ¤ben und Holzplankenwegen durchzogen.</p>
<p>Der Zug OpInfo (Operative Information) gibt eine Zeitung mit 20.000 Auflage heraus und betreibt vor allem einen Radiosender, der rund um die Uhr sendet (15.00-21.00 Uhr Lokalprogramm, sonst Rahmenprogramm aus Kabul) und in einem Radius von 65 km gehÃ¶rt werden kann.</p>
<p>Der Infrastruktur-Stabsoffizier OTL Hacker stellt den Plan fÃ¼r das neue Camp Kunduz vor:</p>
<p>Am SÃ¼drand von Kunduz (Richtung Flugplatz) auf einem Hochplateau gelegen soll es bis zu 600 Personen von militÃ¤rischem und zivilem PRT-Anteil, multinationalen StreitkrÃ¤ften und Betreiberfirmen aufnehmen kÃ¶nnen. Die Bauweise ist lokal angepasst, so dass lt. Protokoll vom 27. Januar die Liegenschaft bei Aufgabe durch die Bundesrepublik den BÃ¼rgern der Stadt Kunduz zur zivilen Anschlussnutzung Ã¼bergeben werden kann. Das Camp soll binnen sechs Monaten grÃ¶ÃŸtenteils ortsÃ¼blich von lokalen Unternehmen in Kooperation mit der GTZ errichtet werden. Veranschlagt sind hierfÃ¼r 12 Mio. â‚¬.</p>
<p>(Was erfahrenere VerbÃ¼ndete schon lÃ¤nger praktizieren, tut nun erstmalig auch die BW: Sie errichtet ein Camp aus â€žeinem Guss&quot;. Das bringt mehr Sicherheit, Arbeits- und LebensqualitÃ¤t und ist letztendlich kostengÃ¼nstiger als die bisherige Vorgehensweise, vorhandene Liegenschaften provisorisch aus- und stÃ¤ndig umzubauen. Die Geschichte von Camp Warehouse in Kabul ist dafÃ¼r ein plastisches Beispiel.)</p>
<p>Am Wachhaus Gruppenbild des Ministers mit den einheimischen Wachsoldaten. Ein Journalist: â€žStruck nach der Bundeswehrreform&quot;.</p>
<h1>Hauptquartier VI. Korps</h1>
<p>Am Eingangstor stehen Posten auch auf den Mauern. Empfang des Ministers mit allen militÃ¤rischen Ehren. Eine MilitÃ¤rkapelle spielt begeistert und schrÃ¤g die beiden Nationalhymnen. Beim Abschreiten der Ehrenkompanie folgt der Offizier im Stechschritt. Auf dem Weg zu General Doauds zweistÃ¶ckigem Hauptquartier stehen aufgereiht ca. dreiÃŸig WÃ¼rdentrÃ¤ger aus der ganzen Region, unter ihnen viele â€žWeiÃŸe BÃ¤rte&quot;. Wir schÃ¼tteln ihnen allen die Hand. Die Blicke und HÃ¤ndedrÃ¼cke sind keine bloÃŸe HÃ¶flichkeit, sie transportieren viel Freundlichkeit, ja Herzlichkeit. GegenÃ¼ber den drei Frauen am Schluss der Reihe, den drei Vertreterinnen in der Loya Jirga, mÃ¼ssen wir aber mehr Distanz wahren.</p>
<p>Teerunde im Dienstzimmer von General Doaud. Shiba Shakib Ã¼bersetzt. Der 36-jÃ¤hrige General gehÃ¶rte zum engsten Kreis des Nordallianz-FÃ¼hrers Massud und gilt heute als erster Machthaber im ganzen Nordosten. Sein VI. Korps soll 6.-8.000 Bewaffnete umfassen. Er fÃ¼hrt das Wort, Gouverneur Latif und Polizeichef Farhad wirken neben ihm wie Statisten. Es heiÃŸt, dass sie alle Ã¼ber MittelsmÃ¤nner den Drogenanbau und -handel im Nordosten kontrollieren - fÃ¼r Gouverneur und Polizeichef soll das in besonderem MaÃŸe gelten. Doauds Kleidung und Aussehen sind gepflegt. In Sprache und Mimik wirkt er wach, freundlich, ansprechbar und keineswegs unsympathisch. Der Begriff â€žwarlord&quot; scheint angesichts einer solchen Person nicht so gut zu passen. Ein fÃ¼hrender Offizier spricht deshalb lieber von â€žEntscheidungstrÃ¤gern&quot;.</p>
<p>Im lockeren VorgesprÃ¤ch Ã¤uÃŸert Doaud die Hoffnung, â€ždass wir die Umsetzung der Gesetze schaffen&quot;. Die WÃ¤hlerregistrierung (per Foto und WÃ¤hlerkarte) brauche noch ein bis zwei Monate, so dass die Wahlen vielleicht um einige Wochen geschoben werden mÃ¼ssten. Wenn das Wetter aber nicht so schlimm wie jetzt und die Wege offen seien, kÃ¶nnten die Wahlen noch rechtzeitig stattfinden.</p>
<p>Im Konferenzraum folgt das offizielle <span style="text-decoration: underline;">DelegationsgesprÃ¤ch</span>.</p>
<p>Doaud: FÃ¼r die BevÃ¶lkerung sei es eine Ehre, dass Deutschland freundliche Kontakte zu Afghanistan habe. Seit dem Frieden hÃ¤tten Frauen und Kinder den Bonn-Prozess im Kopf. Erfinder seien die Deutschen, der Kanzler.</p>
<p>Deutschland habe vorgeschlagen, das VN-Mandat zu erweitern; Deutschland habe sich fÃ¼r Kunduz entschieden - er wisse gar nicht, wo er mit Dank beginnen solle.</p>
<p>Minister: Er habe den Eindruck, dass die Arbeit des PRT von der BevÃ¶lkerung sehr begrÃ¼ÃŸt werde. Im Hinblick auf die anwesenden Obleute des Verteidigungsausschusses betont er die wichtige Rolle des Ausschusses bei der Entscheidung fÃ¼r Kunduz. Dabei sei die entscheidende EinschrÃ¤nkung gemacht worden, dass deutsche Soldaten sich nicht am Kampf gegen die Drogen beteiligen sollten. In Deutschland habe die InterviewÃ¤uÃŸerung des General, Deutschland solle mehr gegen den Drogenanbau tun, zu Diskussionen gefÃ¼hrt. Man mache sich groÃŸe Sorgen um den Drogenanbau vor allem in der Provinz Badakhshan. Er hoffe, dass er, Gouverneur Latif und der Polizeichef alles tÃ¤ten, um den Drogenanbau und -handel zu unterbinden.</p>
<p>Doaud begrÃ¼ÃŸt die Anwesenheit von Parlamentariern als Vertretern des Volkes. An General Riechmann: â€žKommen Sie, beteiligen Sie sich am Kampf gegen den schweigsamen TÃ¶ter.&quot; Er habe niemanden gesprochen, der den kleinsten Einwand gegen das Kommen der Deutschen gebracht hÃ¤tte. Schmerzen bereiteten ihm immer noch die vergangenen Kriege.</p>
<p>Wir wollen von Ihren Erfahrungen lernen, vom FleiÃŸ der Deutschen, der Disziplin der Soldaten.</p>
<p>Erstmalig seien hier Waffen eingesammelt worden. Die ZÃ¤hlung von WÃ¤hlern habe begonnen. â€žWir haben unsere Steuern und Abgaben gezahlt, LÃ¶hne sind gekommen.&quot; 150.000 gehen zur Schule, 50.000 davon seien MÃ¤dchen. Frauen wÃ¼rden in BÃ¼ros arbeiten und seien an Entscheidungsprozessen beteiligt. Wahlen seien eine neue Erfahrung. Die Mehrheit der BevÃ¶lkerung werde wohl teilnehmen.</p>
<p>Man habe mit drei Hauptproblemen zu tun:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Aufbau der Staatsgewalt, weil der Krieg alle Machtstrukturen zerstÃ¶rt habe;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Terrorismus: nach Kandahar war Kunduz der zweite Schwerpunkt der Taliban. Sie und Al Quaida wollen Sicherheit und Ordnung hier stÃ¶ren.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Drogen: Informationen werden an die Deutschen weitergegeben. Die AnbauflÃ¤chen hÃ¤tten sich in letzten zwei Jahren sehr ausgeweitet. Die Drogen seien ein â€žgroÃŸes Problem, MÃ¶rder der Menschen, wir wollen es bekÃ¤mpfen&quot;. Gerade habe man einen Schmuggler mit 19 kg und einen anderen mit 12 kg Heroin verhaftet. Er habe einen Plan, wie man Produktion und Handel mit Heroin verhindern kÃ¶nne. Er will es fÃ¼r Oberst Baur aufschreiben. Hier in den vier Provinzen kenne er sich aus.</p>
<p>Er habe sehr gute Beziehung zur Zentralregierung, zu Verteidigungsminister Fahim, auch zu PrÃ¤sident Karzai.Â  (Bei den AusfÃ¼hrungen zur DrogenbekÃ¤mpfung lÃ¤sst Doaud keine Unsicherheit erkennen. Seine â€žKollegen&quot; wirken unverÃ¤ndert verschlossen.) Beim Verlassen des GebÃ¤udes bildet die Ehrenkompanie mit prÃ¤sentiertem Gewehr ein Spalier.</p>
<p>Im GebÃ¤ude gegenÃ¼ber <span style="text-decoration: underline;">Begegnung mit den Ã¶rtlichen und regionalen WÃ¼rdentrÃ¤gern</span>. Die drei Frauen nehmen vorne Platz. Ein Mittelalterlicher bedankt sich fÃ¼r die Hilfe, vor allem dass die Verfassung entstehen konnte. Er bittet die deutsche BevÃ¶lkerung, den Aufbau mit gleichem Herzblut zu unterstÃ¼tzen.</p>
<p>Eine der Frauen mÃ¶chte ihre Probleme wegen der knappen Zeit fÃ¼r Oberst Baur aufschreiben. â€žWir wollen keine Almosen, wir wollen selbst arbeiten, z.B. in der Fabrik, wo Frauen ohne ErnÃ¤hrer arbeiten kÃ¶nnen.&quot; Viele Frauen hÃ¤tten ihre MÃ¤nner im Krieg verloren und leben jetzt in Zelten.</p>
<p>Der Minister beglÃ¼ckwÃ¼nscht alle Frauen und MÃ¤nner in der Loya Jirga, die auf dem Weg zu einer demokratischen Verfassung geholfen hÃ¤tten. Aus den GesprÃ¤chen mit Karzai, Fahim, Doaud, Latif wisse er, dass das Land sein Schicksal in die eigenen HÃ¤nde nehmen wolle. Deutschland wolle dazu hilfreich seine Hand reichen.</p>
<p>Mit uns fliegen einige Soldaten des ersten Kontingents zurÃ¼ck, unter ihnen der erste PRT-Kommandeur und â€žWeiÃŸe Bart&quot; Oberst Schiebold, stv. Kommandeur der Division Spezielle Operationen/DSO. Ein Lautsprecherwagen von OpInfo strahlt eine Abschiedsmelodie Ã¼bers Flugfeld. Sechs Stunden spÃ¤ter kÃ¶nnte der Empfang fÃ¼r die Heimkehrer auf dem militÃ¤rischen Teil des Flughafens Tegel unauffÃ¤lliger nicht sein. Auf wen keine AngehÃ¶rigen warten, ist vÃ¶llig sich selbst Ã¼berlassen.</p>
<h1>Anmerkungen zum Drogenanbau (...)</h1>
<h1>Zusammenfassende Bewertung</h1>
<h1>(1)Â Â  Die schrittweise ISAF-Erweitung ist die Ã¼berfÃ¤llige Konsequenz aus den Vereinbarungen des Bonn-Prozesses (Wahlen im Sommer), dem in der FlÃ¤che stockenden Aufbau und der verschlechterten Sicherheitslage in Teilen des Landes. Die Erweiterung entspricht dem Aufruf von 89 internationalen NGO`s vom 17. Juni 2003. Schrittweise wird die NATO-gefÃ¼hrte ISAF die Verantwortung fÃ¼r bestimmte Sektoren mit â€žFoward Operatin Bases&quot; Ã¼bernehmen - bis Juni 2004 Sector North, danach in Halbjahresschritten die Sectoren West, South und Central East (Dezember 2005). Die Bereitstellung entsprechender KrÃ¤fte macht den NATO-Mitgliedern ausgesprochen MÃ¼he.</h1>
<h1>(2)Â Â  Die ersten PRT`s unterstanden alle der Operation Enduring Freedom. Auf Initiative der Bundesregierung wurde mit dem PRT Kunduz erstmalig eine â€žISAF-Insel&quot; geschaffen. Das entscheidende Motiv war nicht innenpolitisch, sondern die sehr unterschiedliche Akzeptanz - und damit politische Wirksamkeit - von ISAF und OEF. Ihrer unterschiedlichen Wirksamkeit wegen wÃ¤re eine Zusammenlegung der beidenÂ Â Â Â  Operationen Ã¼ber die bisherige laufende Abstimmung hinaus Ã¤uÃŸerst kontraproduktiv.</h1>
<h1>(3)Â Â  Die Bundesrepublik hat mit dem PRT Kunduz und der AuÃŸenstelle Herat besondere Mitverantwortung fÃ¼r die Entwicklung in acht (!) Provinzen auÃŸerhalb Kabuls Ã¼bernommen. Eigenartigerweise richtet sich Ã¶ffentliche - aber auch parlamentarische - Aufmerksamkeit fast nur auf Kunduz und den militÃ¤rischen Teil. Dabei ist die Arbeit der zivilen und polizeilichen Teile nicht weniger wichtig und riskant. Dass dt. Polizisten auch andere PRT`s unterstÃ¼tzen sollen, ist bisher praktisch unbekannt. Die Ungleichgewichte in der Presse- und Ã–ffentlichkeitsarbeit sind auffÃ¤llig.</h1>
<h1>(4)Â Â  Â Der Ã¼bergreifende Ansatz von vier bzw. drei Ressorts ist in diesem AusmaÃŸ an Integration ein Pilotprojekt. Direktes militÃ¤risches Krisen- und Sicherheitsmanagement, Reform des Sicherheitssektors, kurz-, mittel- und langfristige MaÃŸnahmen des Institutionenaufbaus, der FÃ¶rderung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft wirken hier eng zusammen. Da hierbei sehr ungleiche Akteure zusammenkommen mÃ¼ssen, sind Differenzen natÃ¼rlich. Das PRT-Experiment verdient deshalb besondere Begleitung und UnterstÃ¼tzung. Bei NATO und VN wird das dt. PRT mit groÃŸem Interesse beobachtet.</h1>
<h1>(5)Â Â  Die StÃ¤rke des militÃ¤rischen Teils PRT liegt in der klugen Mischung von bewaffneter PrÃ¤senz, Verbindungsarbeit und Konfliktmanagement. Mit traditionellen Vorstellungen von militÃ¤rischem Zwang hat das nichts mehr zu tun. Kritiken, Bundeswehr werde hier nicht gebraucht, verkennen die strukturell instabile Lage in der Region und die Notwendigkeit eines internationalen â€žDritten&quot; mit AutoritÃ¤t gegenÃ¼ber den vielen WaffentrÃ¤gern. Ohne einen solchen Stabilisator kann es wohl humanitÃ¤re Projekte, aber keine Reform des Sicherheitssektors geben. BefÃ¼rchtungen, das MilitÃ¤r beeintrÃ¤chtige die UnabhÃ¤ngigkeit humanitÃ¤rer Hilfe, bestÃ¤tigten sich nicht.</h1>
<h1>(6)Â Â  Das alles geschieht in einem zunÃ¤chst relativ ruhigen, potentiell aber hochbrisanten Umfeld. Hier kann das Stabilisierungsinteresse, bewaffnete Auseinandersetzungen zu vermeiden, in Konflikt geraten mit Entwicklungszielen der Zentralregierung und der Internationalen Gemeinschaft, insbesondere den Zielen Rechtsstaats- und DemokratiefÃ¶rderung und DrogenbekÃ¤mpfung. Eine Konfrontationsstrategie in Form eines Drogenkrieges wÃ¼rde sicher ins Desaster fÃ¼hren. Wenn sich die Bundeswehr ausdrÃ¼cklich nicht an der direkten DrogenbekÃ¤mpfung beteiligt, dann heiÃŸt das keineswegs â€žWegsehen&quot;. Durch AufklÃ¤rung, Absicherung der Polizeiarbeit trÃ¤gt sie indirekt sehr wohl zur DrogenbekÃ¤mpfung bei. Aussichtsreich scheint allen der jetzige integrierte â€žAssist&quot;-Ansatz der UnterstÃ¼tzung einheimischer KrÃ¤fte. Er ist eine Gradwanderung. Aber er scheint angesichts der komplexen Ã¶rtlichen Herausforderungen und eigenen FÃ¤higkeiten, der afghanischen Risiken und internationalen Risikobereitschaft der einzig angemessene zu sein.</h1>
<h1>(7)Â Â  Das besondere politische, militÃ¤rische, zivile und polizeiliche Engagement Deutschlands in Afghanistan entspricht zentralen Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik und ihrer Partner: der wirksamen EindÃ¤mmung des internationalen Terrorismus und des internationalen Drogenhandels an einem ihrer Quellgebiete. Das besonders hohe Ansehen der Bundesrepublik in Afghanistan verbessert ihre Wirkungschancen.</h1>
<p>Â </p>
<p align="center"><strong>Beobachtungen beim Besuch der PRTs in</strong></p>
<p align="center"><strong>Feyzabad und Kunduz am 26.9.2004</strong></p>
<p align="center">von Winni Nachtwei, MdB, 27./30.9.2004</p>
<p align="center">(Vollbericht <a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/bericht/39">www.nachtwei.de/index.php/articles/bericht/39</a> )</p>
<p>Im Vorfeld der Bundestagsentscheidung Ã¼ber die VerlÃ¤ngerung des ISAF-Mandats besuchte Verteidigungsminister Struck am 26. September zusammen mit dem Vorsitzenden und den Obleuten des Verteidigungsausschusses sowie dem Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes die PRTs in Feyzabad und Kunduz.</p>
<p>Die Aufenthalte an den beiden Orten dauerten jeweils nur wenige Stunden. Offizielle Unterrichtungen bei solchen Truppenbesuchen stehen unter erheblichem BeschÃ¶nigungsrisiko. Das hat die Auswertung der MÃ¤rz-Unruhen im Kosovo sehr ernÃ¼chternd gezeigt. Bei entsprechender Vorbereitung, Nutzung verschiedener Quellen und bilateralen GesprÃ¤chen am Rand und nachtÃ¤glichem Austausch unter den Besuchern lassen sich nichtsdestoweniger einige wichtige EindrÃ¼cke und Erkenntnisse gewinnen. Meine Kernfragen waren:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  was hat sich in den acht Monaten seit dem letzten Besuch in Kunduz (30. Januar 2004) getan?</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Wie werden vor Ort WirkungsmÃ¶glichkeiten und Risiken eingeschÃ¤tzt? Welche Vorsorge ist fÃ¼r den worst case getroffen - inwieweit ist der Einsatz also verantwortbar?</p>
<p>Drei Tage nach unserem Besuch im PRT Kunduz trifft eine Rakete das GebÃ¤ude der Operationszentrale des PRT und verletzt fÃ¼nf Soldaten, davon einen schwer.Â  Wenige Stunden spÃ¤ter billigte der Bundestag den Antrag der Bundesregierung, die Bundeswehrbeteiligung an ISAF incl. Region Kunduz um ein Jahr zu verlÃ¤ngern.</p>
<p>Gegen diesen Beschluss wandten sich einerseits die Gesellschaft fÃ¼r bedrohte VÃ¶lker (das PRT-Konzept sei gescheitert, weil die Teams nichts zur Entwaffnung der KriegsfÃ¼rsten noch zur BekÃ¤mpfung des Drogenanbaus beitragen wÃ¼rden), andererseits der Bund fÃ¼r Soziale Verteidigung, die IPPNW, DFG-VK, Grundrechte-Komitee u.a. (â€žnur zivile Kooperation kann Afghanistan helfen&quot;). Hierzu folgen in KÃ¼rze gesonderte Stellungnahmen.</p>
<p>(Zu Entstehung, Aufgaben, Kontext und Leistungen der PRTs insgesamt vgl. meine Hintergrundinformation â€žZur ISAF-VerlÃ¤ngerung: Auf verlorenem Posten in Kunduz und Feyzabad?&quot; vom 23.9.04 sowie Pressemappe PRT-Projekte des Presse- und Informationszentrums, Dt. Einsatzkontingent Kunduz vom 26.9.04; Bundestagsdebatte zur ISAF-VerlÃ¤ngerung am 30.9.2004)</p>
<p><strong>Feyzabad</strong></p>
<p>(...)</p>
<p><strong>Kunduz</strong></p>
<p>Schon die Fahrt vom Flugplatz zum PRT in der Stadt offenbart schnell deutliche VerÃ¤nderungen gegenÃ¼ber Januar: Fortschritte sind unÃ¼bersehbar.</p>
<p>Besonders auffÃ¤llig ist die erheblich verstÃ¤rkte BautÃ¤tigkeit. Die Posten der neuen Afghanischen Nationalarmee (ANA) entlang der Fahrtstrecke machen mit ihrer Haltung, Uniformierung und AusrÃ¼stung einen viel professionelleren Eindruck als die MilitÃ¤rposten im Januar. (Dass manche PanzerfÃ¤uste tragen, lÃ¤sst zugleich auf die VerlÃ¤sslichkeit dieser Soldaten hoffen.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Der Lagevortrag</span> steht unter dem Slogan â€žWir sind angekommen&quot;.</p>
<p>Die PRTs der Region Kunduz umfassen insgesamt z. Zt. 429 Personen, davon 339 BW, 76 andere Nationen (39 NL), 14 Mitarbeiter von AA, BMI und BMZ, auÃŸerdem 113 afghanische Mitarbeiter. Zum StÃ¤rkevergleich: Das britische PRT in Mazar-e-Sharif umfasst ca. 230 Soldaten einschlieÃŸlich der quick reaction Komponente.</p>
<p>Das PRT selbst ist deutlich gewachsen. Vor den Wohncontainern gibt es jetzt einige gemÃ¼tliche Ecken. Am Tor stehen gepanzerte Transportfahrzeuge (Fuchs und Dingo). In der NÃ¤he des Flughafens entsteht ein neues grÃ¶ÃŸeres Camp. Im Unterschied zu Januar, als es noch keine ausdrÃ¼cklichen PrÃ¤senzpatrouillen gab, sind die Soldaten des PRT jetzt viel mehr drauÃŸen: zwei deutsche und eine niederlÃ¤ndische Schutzkompanie, die militÃ¤rische Gewalt zum Selbstschutz und zur Nothilfe einsetzen dÃ¼rfen.</p>
<p>Netzwerkbildung fÃ¶rdere Sicherheit. In mehreren FÃ¤llen sei es in den letzten Monaten gelungen, per Mediation bewaffnete Auseinandersetzungen zu verhindern.</p>
<p>Vor acht Monaten gab es acht PRTs und nur Kunduz als ISAF-Insel. Heute sind es 19, davon fÃ¼nf ISAF/NATO unterstellt. Der Norden ist inzwischen ganz abgedeckt.</p>
<p>Die BW unterstÃ¼tzt ANA mit Ausbildung auf den Feldern Objektschutz und SanitÃ¤tswesen.</p>
<p>Bei der Operativen Information arbeiten inzwischen 13 einheimische Redakteure. Der Sender erreicht inzwischen 2 Mio. potentielle HÃ¶rer in der ganzen Nordregion statt 300.000 im Januar. Die alle 14 Tage erscheinende zweisprachige ISAF-Zeitung wird besonders gern als Unterrichtsmaterial verwandt.</p>
<p>Bei der PRT-PrÃ¤sentation machen die Vertreter von BMVg, AA, BMZ und BMI einen ausgewogen starken Eindruck. Im Unterschied zu Januar hÃ¶rt es sich heute nach gleicher AugenhÃ¶he an. Beeindruckend die sehr systematische Planung der breiten PRT-AktivitÃ¤ten - ein umfassender Ansatz von Aufbau. Offen bleibt, ob sich das frÃ¼her problematische VerhÃ¤ltnis EZ - BW gebessert hat. Hierzu gibt es am Rande gegensÃ¤tzliche Hinweise.</p>
<p>Zu den zentralen PRT-Aufgaben gehÃ¶rt, die AutoritÃ¤t der Zentralregierung zu stÃ¤rken. Berichtet wird, dass die Zentralregierung inzwischen eine krÃ¤ftigere Personalpolitik bei der Besetzung von Spitzenposten betreibe und dabei gut die notwendige Machtbalance beachte.</p>
<p>Die WÃ¤hlerregistrierung war eine groÃŸe logistische Leistung und sei insgesamt sehr erfolgreich gelaufen, die Zusammenarbeit habe sehr gut funktioniert. Die Wahlabsicherung erfolge zuerst durch die Polizei, dann durch ANA, dann durch PRT, dann durch quick reaction Einheiten (spanisches Bataillon).</p>
<p>Polizeiberatung findet statt zur Struktur der Polizei, Ausbildung, DrogenbekÃ¤mpfung und Ausstattung. Mit deutscher Hilfe (wieder)errichtet wird das Polizeihauptquartier, mehrere Polizeistationen, eine Terrorismusdienststelle. Mit 200 KrÃ¤dern (davon 50 nach Feyzabad) und 13 Kfz aus Deutschland wurde die MobilitÃ¤t der Polizei enorm erhÃ¶ht.</p>
<p>Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf Trinkwasserversorgung, ErnÃ¤hrungssicherung, Erneuerbare Energien, Bildung, StraÃŸenbau.</p>
<p>Der deutsche Botschafter betont, dass man die Drogenproblematik nicht ernst genug nehmen kÃ¶nne. HierÃ¼ber kÃ¶nne alles andere zurÃ¼ckgeworfen werden. NatÃ¼rlich kÃ¶nne die Internationale Gemeinschaft, ISAF und BW nicht direkt gegen den Drogenanbau vorgehen. Aber die afghanische Seite mÃ¼sse man dazu befÃ¤higen. Ein hÃ¶herer Offizier betont, das PRT kÃ¶nne aber durch AufklÃ¤rungsmaÃŸnahmen und Information mehr zur indirekten DrogenbekÃ¤mpfung beitragen. Hier mÃ¶chte man ein weniger einschrÃ¤nkendes Mandat.</p>
<p>An beiden Standorten Ã¤uÃŸern Offiziere vÃ¶lliges UnverstÃ¤ndnis Ã¼ber die innerdeutsche Diskussion zu den PRTs, zum angeblichen Versagen in Feyzabad. Offenbar wÃ¼rden Auftrag und Leistung der PRT unzureichend bzw. falsch verstanden. Man ist offenkundig genervt.</p>
<p>Die Leiter der zivilen SÃ¤ulen sind unterschiedlich lange vor Ort: in Feyzabad zunÃ¤chst nur zwei Monate, in Kunduz zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Wo das gesellschaftliche Umfeld sehr komplex ist und es entscheidend auf persÃ¶nliche Beziehungen und Vertrauensbildung ankommt, sind lÃ¤ngere Stehzeiten in bestimmten Positionen von entscheidender Bedeutung.</p>
<p align="center"><strong>Besuch in Nord-Afghanistan: Hoch kritische Monate</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB (24.7.2006)</p>
<p><em>Zusammen mit den Kolleginnen M. BrÃ¼nung (CDU) und U. Mogg (SPD) begleitete ich am 17.-19. Juli 2006 Verteidigungsminister Jung und Generalinspekteur Schneiderhan bei seinem ersten Besuch der ISAF-Nordregion und der deutsch gefÃ¼hrten Provincial Reconstruction Teams (PRT) in Feyzabad und Kunduz sowie das neue Regional Command (RC) North in Mazar-e-Sharif.</em></p>
<p><em>Der Start von Berlin-Tegel verzÃ¶gert sich wegen Vogelschlag an den Triebwerken des Bundeswehr-Airbus, mit dem kurz vorher die Kanzlerin aus St. Petersburg vom G8-Gipfel zurÃ¼ckgekommen war. Ein Techniker muss aus Frankfurt eingeflogen werden. In Termez/Usbekistan steigen wir in CH-53-Hubschrauber um und legen Schutzwesten an. Um das Risiko eines Beschusses vom Boden zu minimieren, brettern wir im Tiefflug (MindesthÃ¶he 8 m) und ICE-Tempo in knapp 2 Stunden nach Feyzabad in der entlegenen Nordostprovinz Badakhshan. Der Konturenflug mit offener Heckklappe, auf der ein Soldat als Beobachter sitzt, ermÃ¶glicht Blicke auf grandiose Landschaften: gewellte Steppen und WÃ¼sten, zerklÃ¼ftete Bergwelt, Schluchten, wenige saftig grÃ¼ne Oasen, FlusstÃ¤ler, Felsmassive. Nur ganz vereinzelt sind menschliche Ansiedlungen zu sehen, doch kein Berg ohne Trampelpfade (gerade Ã¼ber die HÃ¶hen), plÃ¶tzlich eine kleine Herde, ein vereinzeltes Zelt, einzelne Menschen.</em></p>
<p><em>Bei meinem letzten Besuch in Kunduz und Feyzabad waren die PRT noch Provisorien und lagen inmitten der Orte, waren ziemlich verwundbar, Ã¤uÃŸerst beengt - aber fÃ¼r BevÃ¶lkerung auch eher erreichbar und einsehbar. (vgl. Bericht vom September 2004) Jetzt liegen die neuen Camps jeweils ganz nah an der jeweiligen Landepiste, sie sind groÃŸrÃ¤umig angelegt und massiv gegen Raketenbeschuss und Attentate gesichert - aber jetzt weniger erreichbar und gar nicht einsehbar. In den letzten Wochen wurde um den bisherigen norwegischen StÃ¼tzpunkt herum das Camp Marmal bei Mazar-e-Sharif hochgezogen. Ãœber allem trockene Backofenhitze von Ã¼ber 40Â° C, im wÃ¼stenartigen Mazar-e-Sharif immer wieder von dichten Staubwolken durchweht.</em></p>
<p><em>Drei Tatsachen schrÃ¤nken unsere Einblicke vor Ort zusÃ¤tzlich Ã¼ber den engen Zeitrahmen ein:</em></p>
<p><em>Die Besuche fÃ¼hren vom Flugfeld direkt in die PRTs. Eine Fahrt wie frÃ¼her durch den ganzen Ort, die zumindest EindrÃ¼cke von LebensverhÃ¤ltnissen, VerÃ¤nderungen und BevÃ¶lkerungsreaktionen ermÃ¶glichte, gibt es jetzt nicht mehr. Offizielle BriefingsÂ  gibt es nur durch MilitÃ¤rs nicht durch die zivilen Vertreter der PRTs. Mit dem deutschen Botschafter in Kabul, Dr. Seidt, AA-Vertretern und deutschen Polizisten ergeben sich nur kurze GesprÃ¤chsmÃ¶glichkeiten am Rande. Das BMZ ist gar nicht sichtbar. Nicht eingeplant sind Kontakte mit lokalen AutoritÃ¤ten, was eigentlich ein Gebot der HÃ¶flichkeit und des Respekts gegenÃ¼ber dem Gouverneur und anderen gewesen wÃ¤ren. Bei frÃ¼heren Struck-Besuchen war das eine SelbstverstÃ¤ndlichkeit.</em></p>
<p><em>Bei unseren Abgeordnetenreisen nach Afghanistan nach der Sommerpause wollen wir voll in die Breite erkunden, ressortÃ¼bergreifend, multinational, (nicht-)staatlich. Heute ist meine Fraktionskollegin Anna LÃ¼hrmann nach Afghanistan gestartet, um vor allem zivilgesellschaftliche Projekte zu besuchen. Ich bin gespannt auf ihre Erfahrungen.</em></p>
<p><strong>Kunduz</strong></p>
<p>Das Camp liegt ca. 1 km vom â€žFlughafen&quot; entfernt. Geradezu endlos erstreckt sich die Mauer, die jeden Blick ins Lager versperrt. Die Zufahrt zum Haupttor ist weitrÃ¤umig gesichert. Dahinter liegt eine gerade im Vergleich zur inprovisierten und chaotisch erscheinenden Enge von Camp Warehouse in Kabul eine auffÃ¤llig groÃŸzÃ¼gige Anlage. Manche GebÃ¤ude sind um InnenhÃ¶fe herum gebaut. Irgendwann einmal soll die Anlage z.B. als PÃ¤dagogische Hochschule Verwendung finden kÃ¶nnen.</p>
<p>Der Verantwortungsbereich des PRT ist so groÃŸ wie Sachsen-Anhalt bei einer BevÃ¶lkerung wie Hamburg. Es gibt zwei befestigte StraÃŸen, eine in Nord-SÃ¼d, die andere in Ost-West-Richtung. Im Vergleich zu Badaghshan sind andere Distrikte viel schneller erreichbar (eine bis max. acht Stunden). Das PRT umfasst 464 Personen, davon 414 Bundeswehr, 40 Soldaten anderer Nationen und 10 Zivilisten (AA, BMI u.a.). Hinzu kommt eine afghanische Wache und 88 afg. Mitarbeiter</p>
<p><strong>Sicherheitslage</strong>: Zwischen Februar und Juni gab es neun AnschlÃ¤ge auf das PRT, davon acht IED und ein Hinterhalt mit PanzerfÃ¤usten. Bei dem einen Selbstmordanschlag am 27.6. in Kunduz in NÃ¤he des Krankenhauses explodierte ein Fahrzeug vor einem DINGO: neun Afghanen, davon sechs Kinder, werden schwer verletzt; die DINGO-Besatzung kam mit dem Schrecken davon; vom Angriffsfahrzeug blieb ein Klumpen Schrott. Beim Freitagsgebet der Ã¶rtliche Mullah dazu: â€žDieser TÃ¤ter starb wie ein Schwein.&quot;</p>
<p>Einen Tag spÃ¤ter wurde eine Nachtpatrouille sÃ¼dlich Kunduz mit einer Panzerfaust beschossen. Es entwickelte sich ein Feuergefecht. Opfer gab es nicht.</p>
<p>Als uns die attackierten gepanzerten Fahrzeuge vorgefÃ¼hrt werden, ist an den â€žbegrenzten&quot; SchÃ¤den zu sehen, welchen enormen Schutz die Panzerung bietet. Zugleich haben die SoldatInnen aber auch sehr viel GlÃ¼ck gehabt.</p>
<p>Die Mehrheit der BevÃ¶lkerung und die Mullahs lehnen die AnschlÃ¤ge ab.</p>
<p>Auch hier war die Reaktion des PRT offensiv im Sinne verstÃ¤rkter PrÃ¤senz (AufklÃ¤rung, Abschreckung, nicht aktiver Anti-Terrorkampf) im kritischen Raum: Nach dem Hinterhalt waren eine ganze Kompanie sowie ANA-Soldaten eine Woche vor Ort, â€žbestimmt, deutlich, freundlich&quot;, vorher und nachher wurde mit dem Mullah gesprochen.</p>
<p>Die Analyse der AnschlÃ¤ge ergibt interessante Ergebnisse: Sie geschahen alle in Gebieten mit hohem paschtunischen BevÃ¶lkerungsanteil. Bei Paschtunen ist die Unzufriedenheit besonders groÃŸ, weil sie kaum an Wiederaufbau, Entwicklung und Macht teilhaben. Viele paschtunische FlÃ¼chtlinge sind aus Pakistan zurÃ¼ckgekehrt. Diese Gebiete bieten sich als AufenthaltsrÃ¤ume fÃ¼r Oppositionelle Militante KrÃ¤fte (OMF) aus dem SÃ¼den an. So resultiert aus einer anfÃ¤nglichen Stabilisierung, die vielen die RÃ¼ckkehr ermÃ¶glichte, eine erneute, â€žsekundÃ¤re&quot; Destabilisierung.Â  Ãœberdies sind von der frÃ¼heren Taliban-Hochburg Kunduz noch viele (ehemalige) Taliban Ã¼brig geblieben. Angesichts des militÃ¤rischen Drucks im SÃ¼den sei es eine nahe liegende Taktik fÃ¼r OMF, nach Norden auszuweichen und dort Nadelstiche zu setzen.</p>
<p>Hinzu kommen andere Unruhemotive: (illegale) Milizen sehen nicht ein, warum sie die Waffen abliefern sollen, nachdem sie gegen die Kommunisten, gegen die Taliban gekÃ¤mpft hÃ¤tten und wo doch im SÃ¼den Milizen z.T. VerbÃ¼ndete der US-Truppen seien. Und fÃ¼r Kriminelle, Menschen- und Drogenschmuggler sei eine starke Regierung nur hinderlich. So werde ISAF, weil StÃ¼tze der Regierung, zum StÃ¶rfaktor.</p>
<p>Die Region ist ausgesprochen fruchtbar, mehrere Ernten pro Jahr sind mÃ¶glich. Wenn gegen Mohnfelder vorgegangen werde, dÃ¼rfe das nicht so spÃ¤t erfolgen, dass die Bauern gar keine MÃ¶glichkeit mehr haben, andere FeldfrÃ¼chte anzubauen.</p>
<p>Seitens AA werden ausgesprochen sinnvolle Projekte wie z.B. Wasserinstallationen fÃ¼r Moscheen (Waschgelegenheiten, Trink- und Abwasser) gefÃ¶rdert, was die Beziehungen zu den Mullahs deutlich verbessert habe. Bei der EmpÃ¶rung um den Karrikaturenstreit habe sich das erkennbar bewÃ¤hrt. Angesichts der Aufgaben sei die AA-SÃ¤ule aber unterbesetzt, das BMZ halte sich bewusst auÃŸerhalb. Dass es in der Provinz Kunduz mehr als tausend (?) von DEU (mit-)unterstÃ¼tze Projekte gebe, wisse keiner. BloÃŸe Organisationsabsender bei bisherigen Projekten (z.B. von der GTZ) wÃ¼rden nicht reichen. Deshalb habe man jetzt ein Plakat herausgegebenen, wo die deutsche UnterstÃ¼tzungen schlicht mit Schwarz-Rot-Gold kenntlich gemacht werden.</p>
<p>Der ISAF-Sender â€žStimme der Freiheit&quot; wird stark mit Hilfe afghanischer MitarbeiterInnen betrieben und hat die besten Einschaltquoten im Norden.</p>
<p>Die ANP brauche neben einer besseren und verlÃ¤sslichen Besoldung (ein Polizist erhÃ¤lt 60/70 US-$, oft verzÃ¶gert, fÃ¼r eine Familie braucht man 120 $) lÃ¤ngere Ausbildung und Begleitung/Monitoring. Die â€žAusbildung&quot; der einfachen Polizisten durch die amerikanische Private Sicherheitsfirma Dynkorp scheint eher eine Karrikatur zu sein: In wenigen Wochen geht es hier in der Hauptsache um militÃ¤risches GrÃ¼ÃŸen, Marschieren und Nahkampf. Die Ausbildungsordnungen werden verlesen. Die Polizisten erhalten Schlagstock, ReizstoffsprÃ¼hgerÃ¤t, erfahren aber nichts Ã¼ber EinsatzgrundsÃ¤tze.</p>
<p><strong>Schlussfolgerungen</strong>:</p>
<p>- Ãœber den passiven Schutz soll weiter der Kommandeur lage- und auftragsabhÃ¤ngig entscheiden kÃ¶nnen. â€žSchutz ist nicht alles.&quot;</p>
<p>- Mehr Mittel und Anstrengungen sind notwendig bei der Nachrichtengewinnung und AufklÃ¤rung.</p>
<p>- Mehr kurzfristige Geldmittel fÃ¼r Projekte (fÃ¼r den AA-Topf stehen 65.000 Euro zur VerfÃ¼gung, BW 15.000): Die Waage zwischen Sicherheit und Entwicklung mÃ¼sse gehalten werden.</p>
<p>- Statt die dt. Polizeiberater abzuziehen, wÃ¤re ihre VerstÃ¤rkung notwendig. Der zivile Anteil des PRT brauche insgesamt VerstÃ¤rkung.</p>
<p>- Im Rahmen des Mandats aktivere OperationsfÃ¼hrung mit Wirkung gegen OMF und auf die BevÃ¶lkerung</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Afghanistan-Besuch im Oktober 2006:</strong></p>
<p align="center"><strong>Zwischen Anschlagsgefahren und Aufbaufortschritten</strong></p>
<p><em>(Vollbericht <a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/440">www.nachtwei.de/index.php/articles/440</a> )</em></p>
<p><em>Am 10.-14. Oktober besuchten die Obleute des Verteidigungsausschusses unter Leitung der Ausschussvorsitzenden Ulrike Merten Kabul, Mazar-e-Sharif, Feyzabad und Kunduz sowie den LufttransportstÃ¼tzpunkt Termez in Usbekistan. Wir holten damit die Reise nach, die im September nach der vom StaatsekretÃ¤r verhÃ¤ngten Besuchssperre kurzfristig abgesagt worden war, dieÂ  im Vorfeld der ISAF-VerlÃ¤ngerung aber besonders dringlich gewesen wÃ¤re. FÃ¼r mich ist es nach der Ministerreise im Juli der 6. AFG-Besuch insgesamt. (vgl. Reisebericht â€žBesuch in Nord-Afghanistan: Hoch kritische Monate&quot;) Im Vorfeld bekomme ich auffÃ¤llig oft ein â€žkomm gut zurÃ¼ck!&quot; zu hÃ¶ren. Die Reise erfolgt zu einem Zeitpunkt wachsender Besorgnis Ã¼ber die sich massiv verschlechternde Lage in Afghanistan. (...)</em></p>
<p><em>In Mazar Teilnahme an der KommandoÃ¼bergabe des Regional Command North von Brigadegeneral Markus Kneip zu BG Volker Barth, Briefing durch die FÃ¼hrung des RC North und Dt. Einsatzkontingents, GesprÃ¤che mit Soldaten und zwei dt. Polizisten, Besuch des schwedisch gefÃ¼hrten Provincial Reconstruction Team (PRT) Mazar und GesprÃ¤ch mit dem afg. Polizeigeneral Fazli. </em></p>
<p><em>In Kunduz Unterrichtung durch Oberst Brandstetter undÂ  Dr. Philipp Ackermann, den militÃ¤rischen und zivilen Leitern des PRT, Besichtigung zweier Aufbauprojekte (GTZ, DED), GesprÃ¤che mit DED-Vertretern und Soldaten, â€žAlarm Blitzschlag&quot;.</em></p>
<p><strong>Zusammenfassung + Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>Â§Â Â  Sicherheitslage, Aufbaufortschritte, Entwicklungschancen und Hindernisse differieren auÃŸerordentlich von Provinz zu Provinz und stellen sich auch je nach Erfahrungsperspektive unterschiedlich dar: Wo der Friedensprozess in AFG gefÃ¶rdert und die Krise bewÃ¤ltigt werden soll, ist zu allererst genaues Hinsehen angesagt.</p>
<p>Â§Â Â  Leibhaftige Erfahrung des stÃ¤ndigen Bedrohungsstress in Kabul und persÃ¶nliche Einblicke in geduldige zivile Projekte mit â€žafghan ownership&quot; im Norden;</p>
<p>Â§Â Â  GlaubwÃ¼rdige Betonung des stabilisierenden UnterstÃ¼tzungsansatzes von ISAF/Internationaler Gemeinschaft durch unsere GesprÃ¤chspartner und der zentralen Rolle von Respekt gegenÃ¼ber der einheimischen BevÃ¶lkerung und LegitimitÃ¤t vor Ort dabei (â€žStrategie des guten Beispiels&quot;, so ein schwedischer PRT-Kommandeur). Deshalb bestÃ¼rzen die zwei Wochen spÃ¤ter auftauenden Skandalfotos von 2003 umso mehr. Die BefÃ¼rchtung vor unberechenbaren Reaktionen in Afghanistan bewahrheitet sich zum GlÃ¼ck nicht.</p>
<p>Â§Â Â  Strategische SchlÃ¼sselrolle des Polizeiaufbaus und die Diskrepanz der Engagements in qualitativer und quantitativer Hinsicht: Der dt. Beitrag muss deutlich aufgestockt und in den Rahmen einer ESVP-Mission gebracht werden, um dem AusmaÃŸ der Herausforderungen gerecht und nicht marginalisiert zu werden.</p>
<p>Â§Â Â  Eine offene Frage bleibt, wie der primÃ¤r stabilisierende Charakter von ISAF angesichts der mit SÃ¼d- und Osterweiterung massiv verÃ¤nderten Anforderungen, der Ãœbernahme von SchlÃ¼sselpositionen im ISAF-Hauptquartier ab Februar durch US-Generale und der ISAF-Unterstellung von ca. 11.000 US-Soldaten (z. T. mit Irak-Hintergrund) noch gehalten werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die inzwischen unterproportionale Beteiligung DEU`s an der ISAF-FÃ¼hrung ein Handicap.</p>
<p>Â§Â Â  Am 22. November positionierte sich die Kanzlerin klar im Bundestag: Eine Ausweitung des BW-Einsatzes werde es nicht geben. Die Bundesregierung wird das gegenÃ¼ber dem wachsenden Druck der VerbÃ¼ndeten nur halten kÃ¶nnen, wenn Ã¼ber das selbstbewusste Vertreten der eigenen Leistungen hinaus (im Unterschied zu manchen Irakkrieg-UnterstÃ¼tzern seit fÃ¼nf Jahren verlÃ¤sslich, unter â€žanders schwierigen&quot; Bedingungen im Norden relativ sehr erfolgreich und bei Afghanen hoch angesehen) die BeitrÃ¤ge zu den eigenen â€žHausaufgaben&quot; verstÃ¤rkt werden (kein Grund zur Selbstzufriedenheit) und die Strategie â€žam Boden&quot; Ã¼berprÃ¼ft und geklÃ¤rt wird. Der Abgleich der Papierkonzepte reicht nicht. Die klingen sowieso Ã¤hnlich.</p>
<p>Â§Â Â  Neben der deutlichen StÃ¤rkung des dt. Polizeibeitrags sind Entwicklungs- und Aufbauanstrengungen vor allem in solchen SÃ¼dostprovinzen Ã¼berfÃ¤llig, die neben hÃ¶heren Risiken noch etliche Chancen bergen. Kein politisches Einmauern im Norden!</p>
<p>Â§Â Â  Zeitfaktor: Ein solcher Stabilisierungsprozess wie in AFG braucht viel Zeit und Geduld. Auf der anderen Seite ist nur noch wenig Zeit fÃ¼r schnell wirkende MaÃŸnahmen und eine Korrektur der AFG-Strategie â€žam Boden&quot;. Der Winter schafft eine gewisse Atempause, die unbedingt genutzt werden muss.</p>
<p>Â§Â Â  Wenn zu Recht immer mehr betont wird, wie sehr es gerade auf die zivilen Aufbauanstrengungen ankomme, dann muss sich das auch ganz anders in Besuchsprogrammen, Wahrnehmungen, Ã–ffentlichkeitsarbeit und Regierungsunterrichtungen niederschlagen. Notorisch ist, dass dt. Polizisten trotz ihrer SchlÃ¼sselrolle bei AFG-Besuchen in der Regel nur am Rande vorkommen. Durch die â€žnatÃ¼rliche&quot; Anziehungskraft der militÃ¤rischen Komponente gerÃ¤t alles andere immer wieder in den Schatten.</p>
<p><strong>IV.Â  Kunduz</strong></p>
<p>Das kleine GebÃ¤ude am Flughafen ist inzwischen frisch gestrichen. 50 Meter jenseits der BetonflÃ¤che ragt das Leitwerk eines zerstÃ¶rten Flugzeuges aus dem Boden: â€žKundus Airfield&quot; steht einladend darauf. Zur anderen Seite hin ausgebrannte Fahrzeuge, die man wegen der Verminung der Umgebung besser nicht besucht. Die ganze Ebene um das Flugfeld ist gespickt mit den Resten von KriegsgerÃ¤t. Hier war Ende Hauptkampfgebiet. GegenÃ¼ber der Einfahrt zum so groÃŸ erscheinenden PRT Kunduz liegt der GeschÃ¼tzturm eines Panzers wie eine SchildkrÃ¶te auf dem RÃ¼cken - ich empfinde das plÃ¶tzlich wie eine Mahnung. Ã–stlich von Kunduz geht es in die Berge, werden die Wege schwierig, zeitraubend, z.T. lebensgefÃ¤hrlich. Entscheidend ist das FÃ¼hrungs- und Informationsgeflecht des PRT mit Gouverneur, BÃ¼rgermeister, UNAMA, Provinzrat, Mullahs, Ã„ltesten, ANA, ANP, NDS (Geheimdienst), GO`S + NGO`s, Medien etc. In diesem Geflecht angesichts kurzer Stehzeiten, personeller Fluktuationen und unter Beachtung Ã¶rtlicher Gepflogenheiten wirksam zu sein, ist von vorneherein eine besondere Herausforderung.</p>
<p>GrundsÃ¤tze des PRT: SouverÃ¤nitÃ¤t respektieren, Hilfe zur Selbsthilfe, Synergien nutzen, Balance zwischen Wirkung und Schutz. Das PRT umfasst 481 Deutsche und 31 Personen anderer Nationen, zehn Zivilexperten (AA, BMI). Kunduz ist das grÃ¶ÃŸte PRT in ganz AFG, es leistet auch anderen, z.B. den Ungarn in Pol-e-Khomri substanzielle Hilfe.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Sicherheitslage</span>: illegale Parallelstrukturen (ehemalige Kommandeure der Nordallianz, Korruption), ethnische Unterschiede, wachsende GewaltkriminalitÃ¤t. Durch die Provinz laufen Hauptrouten des Drogenschmuggels.Â  Der dt. Beitrag zum Wiederaufbau ist breit anerkannt, bedeutet aber keinen automatischen Schutz. Bisher sind keine selbsttragenden Oppositionelle Militante KrÃ¤fte zu beobachten, sie sickern viel mehr vom SÃ¼den in die paschtunischen Gebiete ein. Diese KrÃ¤fte lernen. Sie schieÃŸen bei Nachtpatrouillen z.B. direkt auf die NachtsichtgerÃ¤te. HÃ¶hepunkt der AnschlÃ¤ge und Versuche im August. Nach einer grÃ¶ÃŸeren Festnahmeaktion war sechs Wochen Ruhe, war der September anschlagsfrei! In der gebirgigen Nachbarprovinz Takhar sei es nicht so ruhig.</p>
<p>Durchschnittlich laufen 20 Patrouillen/Tag und zwei/Nacht. Davon sind mehrere gemeinsam mit ANA-Soldaten bzw. ANP-Polizisten, zwei Langstreckenpatrouillen gehen Ã¼ber mehrere Tage, Es kommt auf hÃ¶here PrÃ¤senz an, um den Gegner in Bewegung zu halten. ErlÃ¤utert wird die sog. â€žerweiterte OperationsfÃ¼hrung&quot;. Gerade nach AnschlÃ¤gen ist es wichtig, â€žraus zu gehen&quot;, sich nicht einzuigeln, wie das manche andere Nationen tun.Â  Der SchlÃ¼ssel aber ist die StÃ¤rkung der AFG-FÃ¤higkeiten.</p>
<p>In der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten im PRT-Gebiet ca. 30 Deutsche. Die Welthungerhilfe (WHH) ist hier seit vielen Jahren engagiert. Anspruch ist, sich gegenseitig zu ergÃ¤nzen. Vor Ort funktioniere das Zusammenwirken der verschiedenen Organisationen sehr gut. Mit dem Umzug des PRT mitten aus Kunduz an den Flughafen ist zunÃ¤chst die Distanz gewachsen. Ein neues â€žStadthaus&quot; soll von allen PRT-Teilen besetzt werden und Anlaufstelle fÃ¼r die Afghanen sein. Von 2004 bis heute wurden 50 Mio. $ in 1.450 Projekte gesteckt.</p>
<p>FÃ¼r eine Koranschule wurden sanitÃ¤re Einrichtungen und eine KÃ¼che ermÃ¶glicht. So was wirke wie ein Leuchtturm. Wenn die Koranschulen hier einigermaÃŸen in Ordnung sind, brauchen die Leute nicht nach Pakistan. Dass sogar im PRT ein Gebetsraum eingerichtet wurde, fand hohe Anerkennung. FÃ¼r Polizisten werden sehr gute Kurse angeboten. Ein Drittel der 1.200 haben diese inzwischen absolviert.</p>
<p>Fortschritte: 60% der Jungen und 40% der MÃ¤dchen besuchen eine Schule, Das macht Aufbruchstimmung. Die Infrastruktur werde langsam, aber sicher besser. Die Wirtschaft komme in Schwung, vor allem Kleinstunternehmen und KleingeschÃ¤fte. Wenn es nun heiÃŸe,Â  die NATO mÃ¼sse mehr fÃ¼r den Aufbau tun - â€ždas machen wir hier!&quot;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Exkursion nach drauÃŸen</span>: Ãœber die â€žLine of Communication Pluto&quot; (Nord-SÃ¼d-Verbindung nach Kabul) fahren wir bis zu einem Ãœbersichtspunkt bei Aliabad am SÃ¼drand der Provinz, wo die Kunduz-Ebene beginnt. Die StraÃŸe ist landesuntypisch gut ausgebaut. Rechts und links Felder dicht an dicht. Die Fruchtbarkeit dieser Gegend, wo drei Ernten im Jahr mÃ¶glich sind, springt ins Auge. Hier begegnet uns beim Vorbeifahren immer wieder das berÃ¼hmte â€žWinken + LÃ¤cheln&quot;, von dem in Kabul lÃ¤ngst keine Rede mehr ist. Die BewÃ¤sserungssysteme sind mit dem DINGO nur schwer zu durchfahren. Patrouillen sind hier besser mit dem WOLF und zu FuÃŸ unterwegs. Die Wadis bieten auch fÃ¼r Gegner gute BewegungsmÃ¶glichkeiten.</p>
<p>In Aliabad stellt uns der GTZ-Team-Leader Eberhard Halbach ein <span style="text-decoration: underline;">Trinkwasserprojekt</span> vor. Lange mussten sich die Menschen hier ihr Wasser aus dem Kunduz-Fluss holen. Aliabad war frÃ¼her Taliban-Hochburg. Damals arbeitete schon die WHHÂ  hier. Der Ort gilt heute immer noch als unruhig. Das Trinkwasserversorgungssystem Aliabad soll ca. 500 Haushalte (um 3.700 Personen) Ã¼ber HausanschlÃ¼sse mit sauberem Trinkwasser versorgen. ZusÃ¤tzlich werden Ã¶ffentliche Zapfstellen fÃ¼r bedÃ¼rftige Haushalte aus der Umgebung und Durchreisende errichtet. Die GTZ koordiniert das Gemeinschaftsprojekt mit der WHH, Agha Khan Foundation (AKF) und der Gemeinde Aliabad. Die AKF ist fÃ¼r Brunnen, Wasserreservoir und Leitungssystem verantwortlich, die WHH fÃ¼r den Aufbau eines Wassermanagementrates und von Wassernutzervereinigungen. Das System soll ja langfristig und autark funktionieren. Das Projekt hat Pilotcharakter. Die Gesamtkosten betragen 355.000 â‚¬. Ende Oktober soll das System Ã¼bergeben werden. Eine Schattenseite der Gemeindebeteiligung: Die MÃ¤nner bestanden entgegen GTZ-Empfehlung auf HausanschlÃ¼ssen - damit die Frauen weniger aus dem Haus kommen. (vgl. die GTZ-BroschÃ¼re â€žTowards a brighter tomomorow - GTZ`s Contribution to Reconstruction and Development in the North East of AFG, July 2005&quot;)</p>
<p>In Aliabad soll auch eine einfache FuÃŸgÃ¤ngerbrÃ¼cke Ã¼ber den Kunduz-Fluss gebaut werden. Auch hierbei gilt es, die BevÃ¶lkerung einzubeziehen, damit auch auf Dauer die Instandhaltung der BrÃ¼cke gewÃ¤hrleistet ist. Die Gelder kÃ¶nnten - so wird mir mitgeteilt - aus den â€žNachtwei-Millionen&quot; kommen. Diese insgesamt 10 Mio. â‚¬ hatte ich im FrÃ¼hjahr 2005 dem Verteidigungsministerium im Kontext eines Koalitionsstreits fÃ¼r Zwecke des Ressortkreises â€žZivile KrisenprÃ¤vention&quot; abverhandelt. (Inzwischen wurden dieser Posten â€žstrukturelle KrisenprÃ¤vention&quot; von der Mehrheit des Haushaltsausschuss gesperrt. Die Mittel dÃ¼rfen nur noch im unmittelbaren Kontext von BundeswehreinsÃ¤tzen ausgegeben werden. Damit wird der ursprÃ¼ngliche ZweckÂ  -Â  StÃ¤rkung der â€žunterernÃ¤hrten&quot; zivilen KrisenprÃ¤vention am Dreh- und Angelpunkt Ressortkreis - widerrufen. Angesichts der aktuellen Diskussion Ã¼ber den RÃ¼ckstand nichtmilitÃ¤rischer Anstrengungen und der StÃ¤rkung vernetzter Sicherheit ist dieser Schritt beispielhaft kurzsichtig und dumm.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Schulprojekt</span>: CIMIC ermittelte den Bedarf, vom AA kam das Geld. Inzwischen werden 17 Schulprojekte gefÃ¶rdert (Zelte, Brunnen, sanitÃ¤re Einrichtungen), bei denen es auf schnelle Umsetzung ankommt.</p>
<p>Die Schule vor uns wurde von USAID errichtet und wird von insgesamt 1.000 SchÃ¼lerInnen, darunter 250 MÃ¤dchen besucht.Â  Allerdings dÃ¼rfen Brunnen, sanitÃ¤re Einrichtungen und RÃ¤ume nicht zusammen benutzt werden. Nach vielen GesprÃ¤chen wurde ein â€žKompromiss&quot; gefunden: Die MÃ¤dchen werden drauÃŸen unter SonnendÃ¤chern unterrichtet. FÃ¼r sie wird ein eigener Brunnen angelegt. Jenseits der Schulmauer wird ein eigenes GebÃ¤ude fÃ¼r die MÃ¤dchen errichtet. In den letzten sechs Monaten gab es in der Region sechs AnschlÃ¤ge auf Schulen.</p>
<p>Der <span style="text-decoration: underline;">Dt. Entwicklungsdienst (DED</span>) arbeitet in AFG in 2005/6 auf den Feldern</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  FÃ¶rderung einer nachhaltigen Entwicklung (8 Projekte in Kabul, Nordost und Mazar, eins auch in Herat und Jalalabad)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Entwicklungsorientierte Nothilfe (zwei in Kabul + Mazar, Herat, Kandahar + Jalalabad)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Wasser und Energie (zwei in Kabul, Wardak, Herat): angepasste und erneuerbare Energien</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  DemokratiefÃ¶rderung, Zivilgesellschaft + Kommunalentwicklung, einschlieÃŸlich Beratung einheimischer Organisationen (16 Projekte in Kabul + Nachbarprovinzen, Kunduz, Balkh, Jawzjan, Norden)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Kommunalentwicklung (zwei in Kunduz, Feyza + Kabul)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â  Ziviler Friedensdienst/ZFD (9 Projekte in Kabul, Norden, Herat, Bamyan,Â  Ghazni)</p>
<p>Das <span style="text-decoration: underline;">ZFD-Programm AFG</span> des DED lÃ¤uft seit 2004 und zunÃ¤chst bis 2012 angelegt. 12, spÃ¤ter 18 FriedensfachkrÃ¤fte arbeiten mit 10 afg. Partnerorganisationen zusammen. Die Handlungsfelder sind: VersÃ¶hnungsarbeit durch BildungsmaÃŸnahmen und StÃ¤rkung von Informations- und Kommunikationsstrukturen; StÃ¤rkung lokaler Konfliktregelungsstrukturen. Der Rahmen ist der nationale â€žAction Plan on Peace, Reconciliation and Justice in AFG&quot; vom Dezember 2005.</p>
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