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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Vor 10 Jahren Beginn des Irak-Krieges: Erste Kriegsbilanzen, Teil III (Juni 2003 - 2008)</title>
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    <span class="xar-mod-title">Irak + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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        <h1>
            Vor 10 Jahren Beginn des Irak-Krieges: Erste Kriegsbilanzen, Teil III (Juni 2003 - 2008)         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 17. März 2013 22:23:23 +02:00 (37223 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>&quot;Friedenspolitik nach dem Irak-Krieg&quot; vom Juni 2003, eine Zusammenstellung zur Haltung Angela Merkels gegenÃ¼ber dem Irak-Krieg und der Beitrag zur Irak-Bilanz der Friedens- und sicherheitspolitischen Kommission der GrÃ¼nen von 2008.</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--></p>
<h1><span style="text-decoration: underline;">Friedenspolitik nach dem Irak-Krieg</span></h1>
<p>W. Nachtwei, MdB (9. Juni 2003)</p>
<p>Der Irak-Krieg ging schneller zu Ende, als wir befÃ¼rchtet haben. Es gab nicht den HÃ¤userkampf um Bagdad, den Einsatz von Chemiewaffen, die Destabilisierung der ganzen Region. Die alliierten StreitkrÃ¤fte siegten dank einer beispiellosen militÃ¤rischen Ãœberlegenheit - aber auch dank der Ãœberlebensvernunft vieler irakischer Soldaten, die lÃ¤ngst nicht alle â€žbis zum letzten Blutstropfen&quot; kÃ¤mpften.</p>
<p><strong>Zusammengebrochen ist eine Diktatur</strong>, die zu den grausamsten der Welt gehÃ¶rte. Die Entdeckung vieler MassengrÃ¤ber und Folterkeller belegen seinen massenmÃ¶rderischen Charakter. Deshalb besteht Grund zur Freude. Zugleich ist es eine <strong>gespaltene Freude</strong>.</p>
<p>Auch positive Teilergebnisse kÃ¶nnen den Krieg gegen den Irak nicht rechtfertigen. Was die Kriegsgegner den Kriegswilligen vorwarfen, das wird jetzt zur Gewissheit: Die HauptbegrÃ¼ndung fÃ¼r den Krieg war ein PropagandagebrÃ¤u. Dem leistete hierzulande die Union in blinder SolidaritÃ¤t SchÃ¼tzenhilfe. Die US-Regierung setzte sich Ã¼ber das VÃ¶lkerrecht und den Willen vieler VerbÃ¼ndeter und meisten Staaten hinweg, um den Nahen Osten im eigenen Sinne neu zu â€žordnen&quot;. Die sichtbaren Opfer des Krieges waren so wenige wie nie zuvor bei einem Krieg solchen AusmaÃŸes. Aber unbekannt ist die Zahl der getÃ¶teten irakischen Soldaten und der indirekten zivilen Opfer durch Zusammenbruch der medizinischen Versorgung.</p>
<p>Noch nicht absehbar sind die politischen Folgen des Krieges. Israel hat wohl einen Todfeind weniger. Aber die stÃ¤rkste MilitÃ¤rmacht der Welt tut sich im Irak mit Wiederaufbau und Friedenschaffen viel schwerer als mit dem KriegfÃ¼hren. Statt als Befreier wird sie immer mehr als feindliche Besatzungsmacht gesehen. Und alles deutet darauf hin, dass der beispiellose US-Sieg in der arabischen und islamisch geprÃ¤gten Welt OhnmachtsgefÃ¼hle verstÃ¤rkt und damit dem internationalen Terrorismus Auftrieb verschafft hat.</p>
<p>Die USA und ihre KriegsverbÃ¼ndeten tragen die Hauptverantwortung fÃ¼r den Wiederaufbau im Irak. Es ist in deutschem und europÃ¤ischem Sicherheitsinteresse, dass es im Irak zu einer rechtsstaatlichen Stabilisierung kommt. Hierzu - nicht aber zu einer Art US-amerikanischen Kolonialherrschaft - wird die Bundesrepublik ihren Beitrag leisten.</p>
<p>Die US-Administration nahm sich mit ihrem ersten â€žPrÃ¤ventivkrieg&quot; das Recht der StÃ¤rkeren und trieb ihren bisherigen Unilateralismus auf die Spitze.</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Deutsche AuÃŸenpolitik</strong>, die Friedenspolitik sein soll, steht jetzt vor einer zweifachen Herausforderung.</p>
<p>Die Bundesregierung bewies gegenÃ¼ber dem grÃ¶ÃŸten VerbÃ¼ndeten MÃ¼ndigkeit wie nie zuvor. Mehr Mitverantwortung fÃ¼r internationale Sicherheit zu Ã¼bernehmen, ist die notwendige Konsequenz daraus. Dabei geht es um umfassende, vorbeugende und gemeinsame Sicherheit, also kollektive KriegsverhÃ¼tung im Rahmen der Vereinten Nationen und des VÃ¶lkerrechts. Die EU muss dabei zu einer treibenden Kraft werden.</p>
<p>Trotz aller WidersprÃ¼che zur US-Politik: Die aktuellen friedenspolitischen Herausforderungen sind nur gemeinsam mit den USA zu bewÃ¤ltigen. Wir verwechseln nicht die zurzeit tonangebenden Neokonservativen mit den USA, wir wissen um die scharfe inneramerikanische Kritik an ihrem Kurs und die Vielfalt der amerikanischen Gesellschaft.</p>
<p>ÃœberfÃ¤llig ist eine VerstÃ¤ndigung Ã¼ber gemeinsame Werte und Interessen, Ã¼ber Bedrohungen und angemessene Politik zu ihrer Vorbeugung und Abwehr - diesseits und jenseits des Atlantiks, in Europa. Auch in der deutschen Gesellschaft steht diese Debatte erst am Anfang.</p>
<p>Mit ihren VorschlÃ¤gen zur umfassenden KrisenprÃ¤vention und Bundeswehrreform geben die GrÃ¼nen hierzu wichtige AnstÃ¶ÃŸe.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Merkels Flucht aus der Irak-Mitschuld - Die Spurenverwischer der Union, </span></strong>zusammengestellt von W. Nachtwei, August 2005 (<a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/292">www.nachtwei.de/index.php/articles/292</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Die grÃ¼ne Politik zum Irakkrieg</span></strong><strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong><span style="text-decoration: underline;">(Papier fÃ¼r die Friedens- und sicherheitspolitische Kommission von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen</span>, Konsens Winni Nachtwei + Felix Pahl 12.07.2008)</p>
<p>Die GrÃ¼nen hatten immer eine klare Haltung gegenÃ¼ber dem Saddam-Hussein-Regime und seiner menschenfeindlichen Politik. Wir haben wÃ¤hrend des Ersten Golfkrieges in den 80er Jahren die AufrÃ¼stung des Iran und Irak durch den Westen - einschlieÃŸlich der Bundesrepublik unter ihren FDP-Wirtschaftsministern - scharf kritisiert. Im irakisch-kurdischen Halabja fielen im MÃ¤rz 1988 wÃ¤hrend des Iran-Irak-Krieges mehr als 5.000 Menschen einem Giftgasangriff der irakischen Luftwaffe zum Opfer.</p>
<p>Nach dem Zweiten Golfkrieg unterstÃ¼tzten wir voll die Forderungen der VN an den Irak, seine AktivitÃ¤ten in Sachen Massenvernichtungswaffen und ballistischen RaketenvollstÃ¤ndig offen zu legen und zu beenden. Hierzu hatte die VN 1991 eine Spezialkommission (UNSCOM) eingesetzt, die bis 1996 auch von der Bundeswehr unbewaffnet unterstÃ¼tzt wurde. Die jahrelange Arbeit der VN-RÃ¼stungskontrolleure war mÃ¼hsam, aber wirksam.</p>
<p>Unmittelbar nach dem 11. September 2001 suchten die Neokonservativen in den USA nach einem Vorwand, das irakische Regime gewaltsam zu stÃ¼rzen. Von Anfang an und weit vor den Bundestagswahlen im Herbst 2002 lehnten die GrÃ¼nen und AuÃŸenminister Joschka Fischer ein solches Ansinnen ab. Die US-Regierung war zu Beratungen mit den VerbÃ¼ndeten nicht bereit und setzte wie beim Anti-Terrorkrieg auf die Gefolgschaft von Willigen. Es gab keine stichhaltigen Beweise, dass das Saddam-Hussein-Regime an einem Massenvernichtungswaffenprogramm arbeitete oder das Terrornetzwerk von Al Qaida unterstÃ¼tze. FÃ¼r uns war ein solcher Krieg weder zu rechtfertigen noch zu verantworten. Wir warnten vor den verheerenden Folgen eines solchen Krieges.</p>
<p>Mit dem nichtstÃ¤ndigen Sitz im VN-Sicherheitsrat ab Januar 2003 trug die rot-grÃ¼ne Bundesregierung Mitverantwortung fÃ¼r die Erhaltung der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens wie nie zuvor. Die Bundesregierung setzte sich fÃ¼r die volle Umsetzung der Sicherheitsratsresolutionen 1284 und 1441 ein, ohne dass es zu einem Einsatz militÃ¤rischer Mittel kommen sollte. Ihr Eintreten fÃ¼r die Fortsetzung der VN-RÃ¼stungskontrolle und ihre Absage an einen Krieg gab der internationalen Ablehnung eines Irak-Krieges enorm Auftrieb. Sie stÃ¤rkte nicht zuletzt diejenigen nichtstÃ¤ndigen Sicherheitsratsmitglieder, die als EmpfÃ¤nger US-amerikanischer Wirtschafts- und MilitÃ¤rhilfe von der Bush-Regierung massiv unter Druck gesetzt worden waren. Erstmals wagte es eine deutsche Regierung, der US-Administration in einer Frage von Krieg und Frieden zu widersprechen und fÃ¼r ihre Auffassung auf allen Ebenen - bis in den Sicherheitsrat hinein - zu werben. Dies wurde als beispielloser Affront im deutsch-amerikanischen VerhÃ¤ltnis begriffen.</p>
<p>Am 15.2.2003 demonstrierten weltweit ca. 9 Millionen Menschen gegen den drohenden Irak-Krieg, davon in Berlin allein 500.000. Die deutsche BevÃ¶lkerung unterstÃ¼tzte mit groÃŸer Mehrheit die Ablehnung eines Irak-Krieges durch die Bundesregierung, die dafÃ¼r<span style="text-decoration: underline;"> </span>keine Legitimation und Soldaten, kein GerÃ¤t und Geld zur VerfÃ¼gung stellen wollte. Diesen Kurs durchzuhalten, war dennoch nicht einfach und erforderte groÃŸe Standfestigkeit und diplomatisches Geschick. Europa war, wie unter anderem der offene Brief von acht Staats- und Regierungschefs zugunsten der US-Position zeigte, tief gespalten. Unter VerbÃ¼ndeten und Partnern drohte die Bundesrepublik zeitweilig in die Isolation zu geraten. Das war fÃ¼r ein Nachkriegsdeutschland der transatlantischen Einbindung, europÃ¤ischen Integration und der Absage an nationale Sonderwege eine Perspektive, die es unbedingt zu vermeiden galt. Frankreich und Russland entschlossen sich erst spÃ¤t, sich den deutschen Bedenken anzuschlieÃŸen.</p>
<p>Innenpolitisch attackierte die Opposition aus verschiedenen Richtungen die Anti-Kriegs-position von Rot-GrÃ¼n. Die Union unter Angela Merkel leistete dem Kriegskurs der Bush-Administration massive SchÃ¼tzenhilfe, indem sie die US-Version von den irakischen Massenvernichtungswaffen und der angeblich erfolglosen RÃ¼stungskontrolle verstÃ¤rkte, den nahtlosen Schulterschluss mit Bush und den acht kriegswilligen Staats- und Regierungschefs in der EU praktizierte und die kriegsunwillige Bundesregierung als Spalterin und Helfershelferin von Saddam Hussein brandmarkte. Vor einer Reise in die USA im Februar 2003 schrieb Angela Merkel in der Washington Post einen viel beachteten Namensartikel unter der Ãœberschrift â€žSchrÃ¶der spricht nicht fÃ¼r alle Deutschen&quot;. Und im MÃ¤rz sagte sie gegenÃ¼ber der ARD: â€žWenn wir das Ultimatum unterstÃ¼tzten, dann impliziert das natÃ¼rlich alle Folgen, die sich aus einem solchen Ultimatum ergeben.&quot;Â  Die Union war bereit, den US-Krieg widerspruchslos zu unterstÃ¼tzen. FÃ¼r uns gibt es bis heute keinen Zweifel: Unter einer Bundeskanzlerin Merkel wÃ¤re die Bundeswehr am Irak-Krieg beteiligt gewesen. Diese ihre jÃ¼ngste Vergangenheit verdrÃ¤ngt die Union bis heute.</p>
<p>Zusammen mit FDP und PDS versuchte die Union zugleich, die Kriegsverweigerung der Bundesregierung als unglaubwÃ¼rdig darzustellen und ihr faktische Kriegsbeteiligung zu unterstellen. Ansatzpunkte dafÃ¼r waren die Zusage von Bundeskanzler SchrÃ¶der an die USA, im Kriegsfall die US-StÃ¼tzpunkte in Deutschland unverÃ¤ndert nutzen zu kÃ¶nnen, amerikanische Liegenschaften in Deutschland durch Bundeswehrsoldaten zu schÃ¼tzen, sowie die Beteiligung von deutschen Soldaten an den FlÃ¼gen der AWACS-AufklÃ¤rungsflugzeuge der NATO Ã¼ber der OsttÃ¼rkei.</p>
<p>Die Absicht der bÃ¼rgerlichen Opposition war nicht StÃ¤rkung, sondern SchwÃ¤chung des rot-grÃ¼nen Anti-Kriegskurses. UnterstÃ¼tzt wurde sie dabei von Medien, die Ã¼berwiegend daran interessiert zu sein schienen, Rot-GrÃ¼n den Bruch eines Wahlkampfversprechens nachweisen zu kÃ¶nnen. Absicht der PDS demgegenÃ¼ber war es, die weltweit anerkannte friedenspolitische Leistung von Rot-GrÃ¼n kleinzureden. Das NEIN der rot-grÃ¼nen Regierung zu einem Irak-Krieg hatte wesentlich dazu beigetragen, dass die PDS nicht mehr in FraktionsstÃ¤rke in den Bundestag einzog und das Rot-GrÃ¼n weiterregieren konnte.</p>
<p>Nichtsdestoweniger war die Frage der amerikanischen Nutzungs- und Ãœberflugrechte in Deutschland ein heikler Punkt. Rot-GrÃ¼n stand hier in einem massiven Dilemma. Im Jahr 2002 hatten nacheinander drei Parteitage von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen Position gegen ein vÃ¶lkerrechtswidriges militÃ¤risches Vorgehen von USA und GroÃŸbritannien gegen den Irak und eine irgendwie geartete deutsche UnterstÃ¼tzung bezogen. Die BDK Ende Dezember 2002 in Hannover beschloss, die Bundesregierung aufzufordern, im Falle eines â€žprÃ¤ventiven Angriffskrieges&quot; der USA ohne VN-Mandat dieser die Nutzung deutschen Territoriums - von Ãœberflugrechten bis US-Kommandoeinrichtungen - umfassend zu untersagen und die Bundeswehreinheiten aus Kuwait und dem Horn von Afrika abzuziehen.</p>
<p>Als die USA den Aufmarsch und schlieÃŸlich den Angriffskrieg gegen den Irak ohne ein VN-Mandat starteten, sah sich die Bundesregierung nicht zu dieser letzten Konsequenz in der Lage. In der Fraktion wurde wohl Sympathie erklÃ¤rt fÃ¼r die Proteste und Aktionen des Zivilen Ungehorsams gegen den erheblich auch Ã¼ber deutschen Boden laufenden MilitÃ¤raufmarsch. Genauso legitim war die Weigerung von Soldaten, sich an UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen fÃ¼r die US-StreitkrÃ¤fte zu beteiligen. Bewusst war auch, dass Rechte von StationierungsstreitkrÃ¤ften und BÃ¼ndnisverpflichtungen durch das VÃ¶lkerrecht begrenzt werden.</p>
<p>Eine Verweigerung der Ãœberflug- und Nutzungsrechte, das heiÃŸt de facto eine SchlieÃŸung der US-StÃ¼tzpunkte und KommandobehÃ¶rden in Deutschland hielten grÃ¼ne Fraktion und ParteifÃ¼hrung aber Ã¼berwiegend fÃ¼r nicht verantwortbar und nicht durchsetzbar. BefÃ¼rchtet wurden fÃ¼r einen solchen Fall der offene Bruch des transatlantischen VerhÃ¤ltnisses und unabsehbare Folgen fÃ¼r das gemeinsame Engagement auf dem Balkan und in Afghanistan. Andere Staaten konnten sich - so die EinschÃ¤tzung - eine solche aktive Behinderung der USA erlauben, nicht aber Deutschland vor dem Hintergrund der besonderen deutsch-amerikanischen Geschichte.</p>
<p>BefÃ¼rchtet wurde zweitens, dass eine solche Art konsequente Haltung die Koalition gesprengt - und damit die deutsche Anti-Kriegspolitik zu Fall gebracht hÃ¤tte.</p>
<p>Insofern war die Grundlinie von Rot-GrÃ¼n, politisch den Krieg bis zuletzt verhindern zu versuchen, aktive UnterstÃ¼tzung zu verweigern und zugleich einen Totalschaden im transatlantischen VerhÃ¤ltnis zu vermeiden. Rot-GrÃ¼n befand sich auf einer Gradwanderung mit extremen Absturzrisiken.</p>
<p>Der Angriff der USA und ihrer VerbÃ¼ndeter auf den Irak grÃ¼ndete - wie wir heute gesichert wissen - auf bewusster LÃ¼ge gegenÃ¼ber der Weltgemeinschaft und war ein Affront gegen die VN und das internationale Gewaltmonopol. Dass es ein vÃ¶lkerrechtswidriger Angriffskrieg war, lÃ¤sst sich nicht mehr bestreiten. Er kostete Abertausenden Menschen das Leben, chaotisierte den Irak, stÃ¤rkte den Iran und wirkte regelrecht als Brandbeschleuniger des internationalen Terrorismus. Er machte die Welt unsicherer. Es ist und bleibt ein historisches Verdienst von Rot-GrÃ¼n und insbesondere des AuÃŸenministers, politisch gegen diesen strategischen Irrweg der Bush-Regierung gehalten zu haben und sich auch nach dem Sieg Ã¼ber Saddam Hussein militÃ¤risch nicht in den Irak hineinziehen zu lassen.</p>
<p>Diese Leistung wird nicht dadurch geschmÃ¤lert, dass wir auch Grenzen und WidersprÃ¼chlichkeiten dieser Politik sehen: Plakative Ã„uÃŸerungen des Bundeskanzlers erschwerten eine gemeinsame Politik der KriegsverhÃ¼tung und RÃ¼stungskontrolle. FragwÃ¼rdig war die Bereitstellung von mehreren tausend Soldaten zur Bewachung US-amerikanischer Liegenschaften in der Bundesrepublik. Das fÃ¼nf Jahre nach dem AWACS-Einsatz gefÃ¤llte Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach der Einsatz Ã¼ber der TÃ¼rkei die Zustimmung des Bundestages bedurft hÃ¤tte, begrÃ¼ÃŸen wir als eine StÃ¤rkung des Parlamentsvorbehalts. Nach der vÃ¶lligen Delegitimierung des Irak-Krieges, nach Bekanntwerden der CIA-GefangenenflÃ¼ge und den Erkenntnissen zweier parlamentarischer UntersuchungsausschÃ¼sse stellt sich die Frage, wie die Bundesregierung und der Gesetzgeber dafÃ¼r sorgen kÃ¶nnen, dass Nutzungs- und Ãœberflugrechte kÃ¼nftig im rechtsstaatlichen Rahmen bleiben und dass bei gemeinsamen Operationen mit US-StreitkrÃ¤ften das humanitÃ¤re VÃ¶lkerrecht eingehalten wird. Die Bindung an VÃ¶lker- und Menschenrecht und der Friedensauftrag des Grundgesetzes gelten nicht nur fÃ¼r alle deutsche Staatsgewalt, sondern auch fÃ¼r alle AktivitÃ¤ten auf und von deutschem Boden aus.</p>
<p>Â </p>
<p>Â </p>
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<p>Â </p>
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