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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Vortrag &quot;Interkulturelle Kompetenz bei KriseneinsÃ¤tzen&quot;</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Rede von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            Vortrag &quot;Interkulturelle Kompetenz bei KriseneinsÃ¤tzen&quot;         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 17. Oktober 2011 19:30:42 +02:00 (121836 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Zu Beginn eines internationalen Expertentreffens in Koblenz sprach W. Nachtwei Ã¼ber &quot;Interkulturelle Beziehungen und Kompetenz bei KriseneinsÃ¤tzen aus politischer Perspektive&quot;. Selbstkritisch musste er feststellen, dass wÃ¤hrend seiner Mitgliedschaft im Verteidigungsausschuss bis 2009 diese SchlÃ¼sselkompetenz nur unzureichend thematisiert worden war. Weitere ErÃ¶ffnungsredner waren KapitÃ¤n z.S. Liedtke, amtierender Kommandeur des Zentrum Innere FÃ¼hrung, und Prof. Johan Galtung.</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21         false   false   false                             MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]> <mce:style><!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-ansi-language:#0400; 	mso-fareast-language:#0400; 	mso-bidi-language:#0400;} --> <!--[endif] --><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--></p>
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<p align="center"><strong>Interkulturelle Beziehungen und Kompetenz bei </strong></p>
<p align="center"><strong>KriseneinsÃ¤tzen aus politischer Perspektive</strong></p>
<p align="center">Key Note von W. Nachtwei, MdB a.D., Mitglied im Beirat Innere FÃ¼hrung, bei dem Internationalen Expertentreffen â€žCoping with Culture&quot;</p>
<p align="center">4.10.2011 im Zentrum Innere FÃ¼hrung der Bundeswehr/Koblenz</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Vorbemerkung</em></strong><em>: Interkulturelle Kompetenz (IkK, Cross Cultural Competence/C3), bezogen auf die Mikroebene, â€žbefÃ¤higt einen Menschen, Fremdes nicht nur aus dem eigenen Blickwinkel bzw. vor dem eigenen kulturellen Hintergrund zu betrachten, sondern wertneutral an Begegnungen mit dem Fremden heranzugehen. Menschen mit unterschiedlichen Orientierungssystemen treffen aufeinander, die aufgrund der eigenen kulturellen PrÃ¤gung ihre Umwelt und Mitwelt unterschiedlich wahrnehmen und deuten.&quot; (Tomforde 2010) KernfÃ¤higkeiten sind (AmbiguitÃ¤ts-)Toleranz (WidersprÃ¼chlichkeiten, Ungewissheiten aushalten), EinfÃ¼hlungsvermÃ¶gen/Empathie, Rollendistanz/Selbstreflexion, KommunikationsfÃ¤higkeit (verbal, non-verbal). Laut Kammhuber (2010) war die Bundeswehr â€žMitte der 90er Jahre weltweit die erste Armee, die sich (...) detailliert und intensiv mit interkultureller Kompetenz beschÃ¤ftigt hat. (...) Leider muss man heute aber feststellen, dass es noch nicht gelungen ist, das Thema so zu institutionalisieren, dass es auch tatsÃ¤chlich die Soldaten im Einsatz erreicht.&quot; Zur IkK-Ausbildung in der Bundeswehr legte der Psychologische Dienst 1998 einen ersten Entwurf vor, der aber nicht umgesetzt wurde. Seit 2005 sind IkK-Lehre und-Trainings in kleinem Umfang Bestandteil der modularen Truppenausbildung. Vielfach beschrÃ¤nkt sich IkK-Ausbildung auf eine Doppelstunde Landeskunde-Unterricht am Rande einer fordernden Ausbildung. 2008 wurde am Zentrum Innere FÃ¼hrung eine Zentrale Koordinierungsstelle fÃ¼r IK gegrÃ¼ndet, das in Abstimmung mit dem Zentrum Operative Information in Mayen ein Akademisches Expertennetzwerk IkK/IkK Einsatzberater gestaltet. Im November 2010 erschien das â€žVorlÃ¤ufige Konzept zur Vermittlung und StÃ¤rkung IkK in der Bundeswehr&quot;. Seit 2011 steht fÃ¼r IkK-Multiplikatoren ein ISAF-Trainingsboard zur VerfÃ¼gung. Vor 2009 gab es in den Einsatzgebieten Interkulturelle Einsatzberater (IEB) fÃ¼r die Bundeswehrkommandeure nur sporadisch, ab 2009 einen, heute sieben. (Kurzbericht vom Expertentreffen unter </em><a href="http://www.innerefuehrung.bundeswehr.die/portal/a/zinfue"><em>www.innerefuehrung.bundeswehr.die/portal/a/zinfue</em></a><em>)</em></p>
<p><em>Der Vortrag thematisiert interkulturelle Beziehungen, Interaktion und Kompetenz nicht nur auf der Mikroebene, sondern auch auf der politisch-strategischen Ebene von KriseneinsÃ¤tzen und Friedensprozessen. GegenÃ¼ber dem gesprochenen Wort ist der folgende Text an einigen Punkten ergÃ¤nzt.</em></p>
<p>Ich spreche zu Ihnen aus der Perspektive von 15 Jahren Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag, Verteidigungsausschuss, und vor dem Hintergrund unserer erheblichen Parlamentsbeteiligung bei AuslandseinsÃ¤tzen. Ein expliziter Experte in Sachen IK bin ich nicht. Allerdings habe ich einige Erfahrungen dazu - und darÃ¼ber hinaus eine gewisse Rollendistanz zur Subkultur der Berliner Politik.</p>
<p><strong>Erste thematische BerÃ¼hrungen</strong> mit dem Thema hatte ich vor mehr als 30 Jahren.</p>
<p>Als Geschichtslehrer waren in meinem Unterricht der deutsche Kolonialismus in SÃ¼dwestafrika, der damalige rassistische Alltag und die Ideologie der â€žzivilisatorischen Mission&quot; regelmÃ¤ÃŸig ein Thema. Der Begriff der â€žSchutztruppe&quot; ist daher fÃ¼r mich bis heute kontaminiert.</p>
<p>1981 verfasste ich nach fÃ¼nf Wochen Mitarbeit vor Ort â€žBeobachtungen&quot; zu einem Hilfsprojekts des NotÃ¤rzte-Komitees in Nordsomalia: <em>Der Knackpunkt jedes Hilfs- und Entwicklungsprojekts sind die Menschen, â€žbei uns das VerhÃ¤ltnis zu den Somalis. (...) Einstellung zur Arbeit: Viele haben zu ihr ein sehr gelassenes VerhÃ¤ltnis, vor allem zu kontinuierlicher und zuverlÃ¤ssiger Arbeit. Begeistertes Arbeiten erlebte ich mehrfach - sogar bei MÃ¤nnern - wenn`s um gemeinsame Aufgaben ging, z.B. Steine aufladen, Sand schippen. Mit den ArbeitsgesÃ¤ngen und dem Gemeinschaftserlebnis kam die Arbeitsfreude. Dagegen erleben unsere Mediziner bei Pflegepersonal und -schÃ¼lern penetrant oft das andere Extrem: massive Arbeitsunlust und UntÃ¤tigkeit, sogar angesichts hilfsbedÃ¼rftiger Kranker. FÃ¼r uns, zumal als Deutsche mit unserer seit Generationen verinnerlichten Arbeitshaltung, ist das oft unbegreiflich und nervig. Und als Freiwillige sind wir sozusagen â€ždoppelte Deutsche&quot; und in der Gefahr, an die Somalis Ã¤hnliche Erwartungen wie an uns selbst zu stellen. Vergessen wird nur, dass die Somalis hier ein ganzes Leben arbeiten und leben, unsere Leute aber nur einige Wochen oder Monate. Auf â€žBesuch&quot; lÃ¤sst sich totaler Einsatz wohl noch einigermaÃŸen durchhalten, auf Dauer wohl kaum. (Einstellungen zu materiellen Dingen, Verhalten gegenÃ¼ber Mitmenschen) Reduziert erfahren wir die Somalis fast nur unter dem Aspekt er Arbeit. Hierbei erlebt sich der EuropÃ¤er schnell als Ã¼berlegen, wird umgekehrt schnell von den Somalis als â€žExperte&quot; behandelt und geachtet. Da sich weiter bewusst zu bleiben, wie wenig Ahnung man im Grunde hat von diesem Land und dem, was hier notwendig wÃ¤re, ist schwer. NÃ¤her liegt, in fixe SelbstÃ¼berschÃ¤tzung zu geraten, sich als King zu fÃ¼hlen, erst fachlich, dann auch geistig-moralisch. Somalis werden - mit Ausnahme der an die Westnormen Angepassten - â€žfaul, unzuverlÃ¤ssig, schlampig, ignorant&quot;. Der gewÃ¶hnliche Rassismus des Herrenmenschen kommt hoch. In der Subkultur europÃ¤isch-amerikanischer Experten und Helfer sind solche zynischen Einstellungen nicht wenig verbreitet, als â€žErfahrungen&quot; werden sie den â€žunerfahrenen Idealisten&quot; weitergegeben.(...) negativer Lernprozess vom Entwicklungshelfer zum Entwicklungszyniker (...)&quot;</em></p>
<p>Es war mein erster von insgesamt 34 Berichten aus Krisenregionen. Mir fÃ¤llt auf, dass ich spÃ¤ter die interkulturellen Beziehungen kaum mehr so umfangreich thematisierte.</p>
<p>Nachdem mein Vorredner, KapitÃ¤n z.S. Liedtke, auch die InterkulturalitÃ¤t in der Bundeswehr und im multinationalen Verbund thematisierte, will ich mich auf die Dimension Einsatzland konzentrieren.</p>
<p><strong>Beobachtungen zu interkulturellen Beziehungen auf der Mikroebene</strong></p>
<p>bei mehr als 40 Besuchen in Krisenregionen, insbesondere Balkan, Afghanistan und Kongo:</p>
<p>Auf den Balkan entsandte deutsche Polizisten wohnten oft privat, waren lÃ¤nger im Land. Sie kannten sich recht genau mit den Ã¶rtlichen Bedingungen, Macht- und kriminellen Strukturen aus. Als im MÃ¤rz 2004 KFOR-Spitzen unverdrossen von der weiteren Reduzierung ihrer Truppe sprachen, spÃ¼rten Polizisten die Vorboten der nahenden Explosion. Bemerkenswert war die rechtsstaatliche HartnÃ¤ckigkeit und DurchhaltefÃ¤higkeit von Polizisten in einem Land, wo â€žKriminalitÃ¤t als staatstragendes Prinzip&quot; galt.</p>
<p>In Afghanistan erlebte ich ab 2002/2003 europÃ¤ische Soldaten, Polizisten und Zivilexpertenmit dem Willen und KÃ¶nnen, keineswegs in eine Besatzerrolle zu geraten. Lebhaft erinnere ich mich an eine Szene in einer Koranschule in Kunduz im Mai 2007. Die herumstehenden Talib (KoranschÃ¼ler) fragte ich â€žwie findet ihr die denn?&quot; und zeigte auf einen begleitenden Bundeswehr-Hauptmann. â€žDie verhalten sich anstÃ¤ndig&quot; kam die Antwort. Im ersten Moment erinnerte ich mich daran, dass Anstand in Deutschland lÃ¤ngst nicht Ã¼berall als wichtige Tugend angesehen wird. Dann aber fiel mir ein: In einem Land, wo Ehre und Respekt so zentral sind, ist ein solches Urteil eine Bestnote.</p>
<p>Der UnterstÃ¼tzungsansatz schlug sich nieder im <em>Keyleader Engagement</em>, im <em>Second-Row -Approach</em>. Praktiziert wurde zumindest interkulturelle RÃ¼cksichtnahme.</p>
<p>Ende Mai 2007 kam im Norden die bisherige interkulturelle Offenheit unter Stress, nachdem auf dem Markt von Kunduz ein SelbstmordattentÃ¤ter drei Bundeswehrsoldaten und sieben afghanische Zivilpersonen zerfetzt hatte.</p>
<p>Wie konnte man Offenheit bewahren, wenn â€žFreund&quot; und â€žFeind&quot; immer schwerer unterscheidbar waren, wo die Mauern der verschiedenen Wagenburgen wuchsen, wo ein Teil der Soldaten Afghanen nur noch als TagelÃ¶hner im Feldlager erlebte. Das Dilemma zwischen Selbstschutz/Wachsamkeit/Misstrauen einerseits und Auftrag/Offenheit/Vertrauen, zwischen Sicherheits-Distanz und kommunikativer NÃ¤he verschÃ¤rfte sich.</p>
<p>Aber mit der LageverschÃ¤rfung, der RÃ¼ckkehr des Krieges und dem Strategiewechsel bei ISAF insgesamt wurde vor Ort umso deutlicher, dassÂ  IK eine SchlÃ¼sselfÃ¤higkeit ist. Zum Eigenschutz wie zum Einsatzerfolg. Ohne IK sind KÃ¶pfe und Herzen der BevÃ¶lkerung nicht erreichbar. Wo diese Kompetenz fehlt, agiert Truppe im soziokulturellen Nebel. Und dieser ist undurchdringlicher und tÃ¼ckischer als jeder Wetternebel. Das Risiko, per Mangel an IkK unmerklich in einen Konfliktsumpf zu rutschen, ist erheblich. Perfektionierte technische AufklÃ¤rung in Echtzeit kann Dunkelheit und BewÃ¶lkung durchdringen, aber nicht diesen soziokulturellen Nebel.</p>
<p>Umgekehrt war es ungewÃ¶hnlich erhellend, gelegentlich vor Ort Interkulturellen Einsatzberatern sowie Sprachmittlern mit afghanischem Hintergrund und FeldnachrichtenkrÃ¤ften zu begegnen. Schon in kurzen GesprÃ¤chen taten sich ganz andere, viel komplexere Welten auf. Mit ihrem umfassenden Wissen Ã¼ber die fremde Kultur, lokale und Ã¼berregionale Netzwerke und letztlich den geopolitischen und geostrategischen Rahmen konnten Interkulturelle Einsatzberater nicht nur Besuchern fundierte Einblicke ermÃ¶glichen. Sie sind vor allem unerlÃ¤sslich fÃ¼r die Kommandeure vor Ort - z.B. wenn es darum geht, GesprÃ¤chskanÃ¤le zu Ã¶ffnen, Verhandlungen mit lokalen Powerbrokern zu fÃ¼hren oder Entscheidungen im Rahmen geplanter oder laufender Operationen zu treffen.</p>
<p><strong>Politisch-strategische Makroebene</strong></p>
<p>IkK braucht, soll sie nicht zur rein instrumentellen FÃ¤higkeit fÃ¼r beliebige Zwecke verkÃ¼mmern, einen Wertebezug. Der ist mit der Ableitung der IkK aus dem Konzept der Inneren FÃ¼hrung richtig benannt. Allerdings reicht hier meiner Auffassung nach nicht der Bezug zum Eid des Bundeswehrsoldaten (â€ždas Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen&quot;). Ãœber das Grundgesetz und andere nationalen Verfassungen hinaus sind die UN-Charta (1945) und die Allgemeine ErklÃ¤rung der Menschenrechte (1948) der elementare Bezugsrahmen - laut Kofi Annan der â€žgemeinsame Nenner der Menschheit&quot;. Zum globalen Werte- und Zielfundament der Menschheit wÃ¼rde ich auch das Ergebnisdokument des Weltgipfels 2005 zÃ¤hlen: Frieden und Sicherheit und Menschenrechte als SÃ¤ulen des UN-Systems, gute RegierungsfÃ¼hrung und Herrschaft des Rechts, Achtung und VerstÃ¤ndnis der religiÃ¶sen und kulturellen Vielfalt.</p>
<p>Wo nicht nach dem WofÃ¼r der IkK gefragt wird und keine Vergewisserung Ã¼ber den eigenen Standort geschieht, da kann kulturelle Kompetenz auch zu einer Herrschaftstechnik und zu einer Art Sozialspionage werden.</p>
<p>In friedens- und sicherheitspolitischen <strong>Grundlagendokumenten der Bundesregierung</strong> fand ich Passagen zu interkulturellen Beziehungen zuerst im Aktionsplan â€žZivile KrisenprÃ¤vention, KonfliktlÃ¶sung und Friedenskonsolidierung&quot; von 2004. Unter der â€žFÃ¶rderung von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und verantwortlicher RegierungsfÃ¼hrung&quot; heiÃŸt es: Reformprozesse kÃ¶nnen â€žnur wirksam begleitet und unterstÃ¼tzt, aber nicht von auÃŸen erzwungen werden.&quot; Notwendig seien â€žangepasste AnsÃ¤tze&quot;, wo LÃ¤nder â€žihren eigenen Weg finden&quot;. â€žDabei mÃ¼ssen die kulturellen BesonderheitenÂ  der jeweiligen LÃ¤nder berÃ¼cksichtigt und respektiert werden, ohne dass jedoch die universell geltenden Menschenrechte (...) verhandelbar sind.&quot; Bei der FÃ¶rderung von Friedenspotenzialen kommen auch â€žPeace and Conflict Impact Assessments&quot; zur Anwendung. Interkulturelles VerstÃ¤ndnis und die Achtung anderer Kulturen seien entscheidende Voraussetzungen fÃ¼r die KrisenprÃ¤vention.</p>
<p>Im WeiÃŸbuch zur Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland von 2006 heiÃŸt es unter Innerer FÃ¼hrung: â€žEine umfassende interkulturelle Bildung schÃ¤rft das Bewusstsein fÃ¼r die religiÃ¶sen und kulturellen Besonderheiten in den jeweiligen Einsatzgebieten.&quot; (60)</p>
<p>Einsatzmandate definieren auch den politischen Rahmen. Die ISAF-Resolution des UN-Sicherheitsrats wie der Bundestagsbeschluss vom Dezember 2001 betonten die SicherheitsunterstÃ¼tzung der Interimsregierung in Kabul, die Hilfe bei Wiederaufbau - und, dass die â€žSicherheitsverantwortung bei den Afghanen selbst&quot; liege.</p>
<p>Ich erinnere mich an die Tage um die ISAF-Entscheidung Ende 2001 in Berlin. Die Wahrnehmung Afghanistans war ambivalent. â€žHistorisch gegrÃ¼ndetes, grundsÃ¤tzliches Bewusstsein der tÃ¼ckischen KomplexitÃ¤t Afghanistans - also Vorsicht, Betonung von <em>light footprint</em> und UnterstÃ¼tzungsansatz. Zugleich wenig eigenes Interesse an Afghanistan, oberflÃ¤chliche Wahrnehmung des Landes, einhergehend mit illusionÃ¤ren Erwartungen, mit â€žBillig-Peacekeping&quot; und â€žBillig-Statebuilding&quot; nachhaltig Frieden fÃ¶rdern zu kÃ¶nnen. (...) Einsatz auf Sicht in nebligem Umfeld mit der verbreiteten Erwartung, bald das Ziel zu erreichen.&quot; (<em>Meine persÃ¶nlichen Aufzeichungen â€ž11. September bis 22. Dezember 2001 - Von New York nach Afghanistan aus Berliner Sicht&quot;,, </em><a href="index.php/articles/1074"><em>www.nachtwei.de/index.php/articles/1074</em></a>)Â Â  Weitsichtige Regionalexperten meldeten sich damals wohl zu Wort, blieben aber bei der Gesamtausrichtung der Politik eher ungehÃ¶rt. In den Afghanistan-Konzepten der Bundesregierung (das erste vom September 2003!) wird nur gelegentlich <em>local ownership</em> angesprochen.</p>
<p>In <strong>Dokumenten des</strong> <strong>Bundestages</strong> taucht IkK erstmalig im Abschlussbericht des Unterausschusses Innere FÃ¼hrung von 2007 auf: im Kontext eines Besuches beim Zentrum Innere FÃ¼hrung insbesondere in Bezug auf Multinationale VerbÃ¤nde sowie in anschlieÃŸenden AntrÃ¤gen von Union/SPD und GrÃ¼nen. Im Rahmen des regen parlamentarischen Fragewesens spielte das Thema IkK meines Wissens keine sonderliche Rolle.</p>
<p>Was mir damals nicht so bewusst war, muss ich heute selbstkritisch konstatieren: IK war fÃ¼r uns Sicherheitspolitiker kaum ein Thema - und wenn, dann nur eindimensional und â€žnach unten delegiert&quot;. IkK war reduziert auf eine selbstverstÃ¤ndliche Anforderung an die Soldaten, an die Mikroebene, zwecks Ã„rgervermeidung. Vorherrschend war eine Art interkulturelle Selbstzufriedenheit, die bezogen auf das eigene Verhalten stellenweise zur Ignoranz wurde. Das zeigte sich konkret bei Politikerbesuchen in den Einsatzgebieten, wo sich die Vorbereitung auf GesprÃ¤che mit einheimischen Akteuren oft darin erschÃ¶pfte, im Flieger kurz einen Lebenslauf zu Ã¼berfliegen. Wissen um dortige Art und Weise der (non-)verbalen Kommunikation? Keine Spur. Zeit fÃ¼r drei Tassen Tee? Selten. Deutsche VertreterInnen vor Ort berichteten wiederholt von deutschen PolitikerInnen, die sich gegenÃ¼ber einheimischen GesprÃ¤chspartnern interkulturell unsensibel, ja unhÃ¶flich verhielten. (<em>Meines Wissens ist in Deutschland bisher nicht untersucht worden, wie viel Schaden durch solche Art von Un-Diplomatie angerichtet wird.</em>) Dass mein Sprecher-Nachfolger Omid Nouripour als gebÃ¼rtiger Iraner in Afghanistan direkt mit Einheimischen kommunizieren kann, ist ein Ausnahme-GlÃ¼cksfall.</p>
<p>Brigadegeneral Barth betonte 2006 als ISAF-Regionalkommandeur in Mazar immer wieder, dass die LegitimitÃ¤t in den Augen der einheimischen BevÃ¶lkerung das A und O eines Einsatzes sei. Trotzdem war in der Politik kaum bis gar nicht bewusst,</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  dass Interkulturelle Kompetenz unverzichtbar fÃ¼r Eigenschutz und Einsatzerfolg ist;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  dass diese FÃ¤higkeit selbstverstÃ¤ndlich auch KapazitÃ¤ten braucht;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  dass ausgerechnet die Ausbildung der Operational Mentoring and Liaison Teams (OMLT), die mit am intensivsten interkulturelle Interaktion, GrÃ¤ben und Konflikte erleben, lange vernachlÃ¤ssigt wurde;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  dass Interkulturelle Kompetenz auch eine Anforderung an die politisch-strategische Ebene sein muss.</p>
<p>Strategische Fehler in den ersten Jahren des internationalen Afghanistan-Engagements haben besonders viel mit interkultureller Ignoranz zu tun:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Die Fixierung auf Zentralstaatlichkeit und die VernachlÃ¤ssigung des Lokalen, naive Vorstellungen von Statebuilding;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  die kurzsichtige StÃ¤rkung von Warlords und Kriegsverbrechern;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  beim internationalen MilitÃ¤reinsatz der Ã¼ber etliche Jahre ungeklÃ¤rte strategische Dissens zwischen BevÃ¶lkerungsorientierung und Gegnerfokussierung.</p>
<p>Symptomatisch sind letztendlich die Jahresberichte der Wehrbeauftragten. RegelmÃ¤ÃŸig und umfassend kommen in ihnen Ausbildungs-, AusrÃ¼stungs- und FÃ¤higkeitsmÃ¤ngel zur Sprache - weil sie ja die Sicherheit der Soldaten betreffen. IkK hingegen war seit 2005 nie ein Thema. Nur im Bericht 2007 wurde sie im Kontext der VerwendungsmÃ¶glichkeit von Reservisten angetippt. GegenÃ¼ber materiell-handfesten und handwerklichen FÃ¤higkeiten haben es <em>soft skills</em> - mÃ¶gen sie noch so einsatz- und Ã¼berlebensnotwendig sein - offenbar Ã¤uÃŸerst schwer, wahrgenommen zu werden. Eine fÃ¼r mich offene Frage ist, ob sich diese Tendenz verstÃ¤rkt hat, seitdem der Afghanistaneinsatz pauschal als Kriegseinsatz wahrgenommen wird und die Differenzierung zwischen der taktischen Ebene des Kampfeinsatzes und dem strategischen Auftrag StabilisierungsunterstÃ¼tzung meist unter den Tisch fÃ¤llt.</p>
<p><strong>Interkulturelle Verwirrungen</strong></p>
<p>Aus der Sicht der einheimischen BevÃ¶lkerung und Akteure einer Krisenregion gibt die â€žInternationale Gemeinschaft&quot; ein verwirrendes Bild ab. Auch wenn UN-Mandate regelmÃ¤ÃŸig zur Zusammenarbeit aufrufen, auch wenn die NATO den <em>Comprehensive Approach</em>, die Bundesregierung die Vernetzte Sicherheit ausgerufen haben - die RealitÃ¤ten am Boden sind sehr, sehr anders.</p>
<p>BeeintrÃ¤chtigt, ja z.T. unmÃ¶glich gemacht wird die KohÃ¤renz und Kooperation der Akteure durch unterschiedliche, ja kollidierende Ziele, verschiedene Zeithorizonte und Stehzeiten, Organisationskulturen und â€žSprachen&quot;, KapazitÃ¤ten und Ressourcen. An Interakteurskompetenz mangelt es nicht nur zwischen Zivil-MilitÃ¤r, sondern erheblich auch zwischen Zivil-Zivil auf staatlicher wie nichtstaatlicher Ebene.</p>
<p>Mehr Zusammenwirken und KohÃ¤renz ist vor allem deshalb so schwer zu erreichen, weil diese Probleme gerade von oben gern beschÃ¶nigt werden und weil partikulare Organisationsinteressen (ZustÃ¤ndigkeiten, Einfluss, Besitzstandwahrung) oft Vorrang haben - und nicht der gemeinsame Auftrag und die Wirksamkeit im Ziel.</p>
<p>Bei der Realisierung von KohÃ¤renz und Koordination liegt Deutschland im internationalen Vergleich nach meinen Beobachtungen nicht in der Spitzengruppe.</p>
<p><strong>Positive Beispiele fÃ¼r Interkulturelle SensibilitÃ¤t</strong></p>
<p>- Die Reihe â€žWegweiser zur Geschichte&quot; des MilitÃ¤rgeschichtlichen Forschungsamtes umfasst bisher elf BÃ¤nde und hat sich ausgesprochen bewÃ¤hrt. Hilfreich erscheinen mir z.B. die zehnseitige Ausbildungshilfe IkK - Afghanistan - sowie die ISAF-Taschenkarte Ramadan.</p>
<p>- Ein relativ frÃ¼hes positives Beispiel ist das <em>Tribal Liaison Office</em> (TLO) in Afghanistan. Diese afghanische NGO ist ein Kompetenzzentrum fÃ¼r traditionelle und lokale Strukturen. Ihre MitarbeiterInnen unterstÃ¼tzten traditionelle Akteure dabei, unter den aktuellen Bedingungen ihre Interessen und Anliegen zu artikulieren. <em>(Das TLO wurde ab 2003 von der Heinrich-BÃ¶ll-Stiftung und Swiss Peace u.a. mit Geldern des AuswÃ¤rtigen Amts gefÃ¶rdert.)</em></p>
<p>- Der Einsatz der Niederlande in der sÃ¼dlichen Unruheprovinz Uruzgan ab 2006 gilt als der vergleichsweise erfolgreichste eines nationalen zivil-militÃ¤rischen Kontingents in Afghanistan. Das â€ž<em>TLO socio-political assessment</em>&quot; <em>Ã¼ber das â€žDutch Engagement in Uruzgan 2006-2010&quot;</em> kommt zu dem Ergebnis, dass die NiederlÃ¤nder trotz der kurzen Zeitspanne einen positiven Wandel nach Uruzgan brachten. Nach der RÃ¼ckzugsentscheidung des niederlÃ¤ndischen Parlaments richtete im MÃ¤rz 2010 eine groÃŸe Shura eine Petition an das Parlament in Den Haag, seine Entscheidung zu Ã¼berdenken. Es war die erste Petition dieser Art in Afghanistan.</p>
<p>Ein wesentlicher Grund fÃ¼r den relativen Erfolg des niederlÃ¤ndischen Einsatzes war die umfassende interkulturelle Expertise und SensibilitÃ¤t, auf dem der Einsatz von Anfang an aufbaute. (<em>Dass er zugleich kein â€žzahnloser Einsatz&quot; war, zeigte sich in Bewaffnung und Einsatztaktik, wenn die eigenen KrÃ¤fte angegriffen wurden. Dann wurde mit Apache-Kampfhubschraubern und der Panzerhaubitze 2000 hart reagiert</em>. Vgl. <a href="index.php/articles/997">www.nachtwei.de/index.php/articles/997</a>)</p>
<p>- Im Jahr 2009 bekamen US-Offiziere in Afghanistan von dem fÃ¼r die ANA-Ausbildung zustÃ¤ndigen US-General ein ungewÃ¶hnliches Buch zur LektÃ¼re empfohlen: den New-York-Times-Bestseller von Greg Mortenson â€ž<em>Three Cups of Tea</em>&quot; - die Geschichte eines US-Bergsteigers, der in pakistanischen BergdÃ¶rfern eine enorme Gastfreundschaft - und den Mangel jeder Schulbildung fÃ¼r die Kinder erfÃ¤hrt. Seitdem war seine Mission: â€žSchulen, Schulen, Schulen&quot;, ausdrÃ¼cklich auch als Alternative zum â€žWar On Terror&quot; gemeint. Seine Grundbotschaft an die auslÃ¤ndischen â€žUnterstÃ¼tzer&quot;: â€žhÃ¶rt auf die Berge, hÃ¶rt auf die Menschen!&quot; (<em>Die deutsche Ãœbersetzung â€žDer Traum vom Frieden - Mein Schulprojekt fÃ¼r Pakistans Kinder&quot;, Piper MÃ¼nchen 2009, ist in deutschen Buchhandlungen kaum zu sehen, im Unterschied zu den meist reiÃŸerisch betitelten Einsatzerinnerungen von Bundeswehrsoldaten</em>.)</p>
<p>- Ein hervorragendes Beispiel fÃ¼r interkulturelle SensibilitÃ¤t und Kompetenz ist die Arbeit des ehemaligen Bundeswehrarztes Dr. Reinhard ErÃ¶s und seiner Familie in Ost-Afghanistan. â€ž<em>Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen</em>&quot; (2008) ermÃ¶glichten sie den Bau und Betrieb von mehr als zwei Dutzend Friedensschulen und Basisgesundheitsstationen.</p>
<p>- Gute Beispiele aus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind die <em>Provincial Development Funds</em> in Nordost-Afghanistan. Seit 2007 werden hier paritÃ¤tisch zwischen afghanischer und deutscher Seite Aufbauprojekte ausgewÃ¤hlt und beschlossen. (Die Startgelder des PDF kamen wesentlich aus dem Haushaltstitel des Ressortkreises â€žZivile KrisenprÃ¤vention&quot;, fÃ¼r den ich 2005 insgesamt 10 Millionen Euro hatte mobilisieren kÃ¶nnen.) Oder â€žPeace and Conflict Impact Assessments&quot; zu Nordafghanistan im Auftrag der GTZ (2010). KristÃ³f Gosztony und Jan Koehler analysieren fÃ¼r alle neun Provinzen Governance-Kontext und Konfliktfelder, identifizieren TriebkrÃ¤fte (Driver) fÃ¼r Konflikte und stellen Ansatzpunkte fÃ¼r das EZ-Instrumentarium gegenÃ¼ber (Handlungsfelder).</p>
<p>(<a href="http://www.arc-berlin.com/">www.arc-berlin.com</a>)</p>
<p>- Die Stammesgebiete (FATA) in der pakistanischen Grenzregion zu Afghanistan stehen fÃ¼r besondere Undurchsichtigkeit. Umso bemerkenswerter, was die pakistanische Entwicklungsorganisation <em>Community Appraisal &amp; Motivation Programme CAMP</em> 2008 herausgab: â€ž<em>UNDERSTANDING FATA</em>&quot;, eine sehr informative, empirische Untersuchung zu â€ž<em>Attitudes Towards Governance, Religion &amp; Society in Pakistan`s Federally Administered Tribal Areas&quot;. (</em><a href="http://www.understandingfata.org/"><em>www.understandingfata.org</em></a><em>)</em></p>
<p>- Ein groÃŸer Fortschritt in Sachen KohÃ¤renz und Kooperation war die Ãœbung â€ž<em>Common Effort&quot;</em>, die das 1. Deutsch-NiederlÃ¤ndische Korps in MÃ¼nster im September zusammen mit den jeweiligen AuÃŸenministerien und vielen zivilen Akteuren durchfÃ¼hrte. 300 MilitÃ¤rs und 150 Zivilisten agierten hier nach einem Drehbuch, das gemeinsam von Zivilisten und MilitÃ¤rs entwickelt worden war. Der Kommandierende General des Korps, der niederlÃ¤ndische Generalleutnant Ton van Loon, leistete kÃ¼rzlich einen innovativen Beitrag zur ÃœberbrÃ¼ckung der Kluft zwischen â€žGeneration Einsatz&quot; und hiesiger Gesellschaft: Er lud einen Hauptfeldwebel der Bundeswehr ein, vor ReprÃ¤sentanten der MÃ¼nsteraner Politik und Gesellschaft Ã¼ber seine Einsatzerfahrungen als Panzergrenadier-ZugfÃ¼hrer der Quick Reaction Force 3 in Nordafghanistan im Sommer 2009 zu berichten.</p>
<p><strong>Einige Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>(a) Im Rahmen UN-mandatierter Friedenssicherung und Stabilisierung, ggfs. auch Friedenserzwingung ist IkK eine SchlÃ¼sselqualifikation mit drei Funktionen: neben Eigensicherung/KonfliktverhÃ¼tung, notwendige Vorbedingung fÃ¼r Einsatzerfolg und NachhaltigkeitÂ  auch Korrekturfunktion fÃ¼r die politisch-strategische Ebene. Ohne IK und flankierende Wirksamkeitsbewertung besteht die groÃŸe Gefahr von â€žFassaden-Statebuilding&quot; - bis zu einem â€žImperialismus mit besten Absichten&quot;. Insofern ist IkK kein sozialromantisches Gutmenschentum und Luxus, sondern weitsichtiger, lebensnotwendiger Realismus.</p>
<p>(b) IK muss SchlÃ¼sselqualifikation fÃ¼r alle Ebenen sein. Der grÃ¶ÃŸte Nachholbedarf besteht auf der politisch-strategischen Ebene. Niederschlagen sollte sich das in Lageanalysen und in Mandaten, die umfassend formuliert werden und auch wesentliche Aufbauziele einschlieÃŸen mÃ¼ssten. <a name="_GoBack"></a>Ansonsten gehen AuftrÃ¤ge in einen interkulturellen Nebel. ÃœberfÃ¤llige Wirksamkeitsbewertungen von EinsÃ¤tzen bleiben ohne die interkulturelle Dimension oberflÃ¤chlich.</p>
<p>Hemmnisse, die einer soliden Entwicklung von IkK entgegenstehen, sind abzubauen. Statt der verbreiteten Querrotation von Diplomaten und Offizieren alle wenige Jahre und den damit einhergehenden Erfahrungsverlusten braucht es mehr KontinuitÃ¤t in den Verwendungen. (Das ist besonders wichtig fÃ¼r Spezialverwendungen wie IEB.) FÃ¼r AuÃŸenstehende nicht nachvollziehbar ist, dass es bisher kein institutionalisiertes kulturelles und EinsatzgedÃ¤chtnis zu den verschiedenen Einsatzgebieten gibt.</p>
<p>Hinzu kommen sollte eine IkK-Sensibilisierung fÃ¼r Politiker im Auslandsbesuch. Gerade bei Kurzbesuchen und -begegnungen kann viel zerdeppert werden, was die entsandten Soldaten und Diplomaten dann auszubaden haben. Ein unter Politikern naheliegendes Selbstbild, gestÃ¤hlt durch vielfÃ¤ltigste Kommunikationserfahrungen interkulturell ziemlich kompetent zu sein, ist naiv. <em>Do-no-harm</em> (richte keinen Schaden an) muss fÃ¼r alle Ebenen gelten.</p>
<p>(c) Mikroebene: IkK ist nicht mit - natÃ¼rlich notwendigen und nÃ¼tzlichen - Taschenkarten erreichbar. Sie wÃ¤chst in Lernprozessen durch Erfahrungsverarbeitung und Konfliktsituationen. IEB dÃ¼rfen nicht allein der Ebene der Kommandeure vorbehalten sein. Auch die Soldaten brauchen hier eine Begleitung im Einsatz. (Mit Spannung sind die Ergebnisse der SOWI-Untersuchung zum 22. deutschen ISAF-Kontingent zu erwarten, wo auch der Zusammenhang von Einsatzerfahrung und interkultureller SensibilitÃ¤t thematisiert wurde. Als ein Mitarbeiter der Studie ist heute Dr. Phil Langer unter uns.)</p>
<p>Auch wenn es der Ã¼blichen â€žKleiderordnung&quot; zuwider laufen mag. Sehr erhellend und hilfreich wÃ¤re es, wenn bei Politikerbesuchen auch IEB zu Wort kÃ¤men.</p>
<p>Bisher sind diese Forderungen nur unzureichend umgesetzt. Das auÃŸerordentliche Engagement einzelner IEB wird in seinen Wirkungen begrenzt durch eine geringe Personaldecke und niedrige Ressourcenausstattung. GegenÃ¼ber einem in Zukunft wichtiger werdenden Bereich ist das ausgesprochen kurzsichtig. Hier ist dringend Nachsteuern angesagt!</p>
<p>(d) RÃ¼ckkehrer und Veteranen: Einsatzerfahrungen lassen nicht los, positive wie negative. ZurÃ¼ck in der ganz anderen, individualisierten Welt zuhause bleiben viele RÃ¼ckkehrer mit ihren Erfahrungen alleine und auf ihren erweiterten Kompetenzen sitzen.</p>
<p>UnabhÃ¤ngig von der politischen Bewertung einzelner EinsÃ¤tze: Wer demokratisch legitimiert in KriseneinsÃ¤tze entsandt, ja befohlen wurde, hat Anspruch auf Aufmerksamkeit, Interesse, UnterstÃ¼tzung und gegebenenfalls FÃ¼rsorge.</p>
<p>Das ist ein Gebot</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  der FÃ¼rsorgepflicht des staatlichen Dienstherrn,</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  bÃ¼rgerschaftlicher SolidaritÃ¤t und einer Art innergesellschaftlicher interkultureller Kompetenz,</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  gesellschaftspolitischer Klugheit.</p>
<p>Sie, die Sie fÃ¼r mehr Interkulturelle Kompetenz arbeiten, sind Pioniere mit Herz und Verstand. Herzlichen Dank fÃ¼r Ihre Arbeit!</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Wichtige BeitrÃ¤ge zum Thema von TagungsteilnehmerInnen</strong></p>
<p>- Stefan Kammhuber: Sicherheitspolitik und interkulturelle Expertise, in: Dreyer/Hoessler (Hrg.): Perspektiven interkultureller Kompetenz, GÃ¶ttingen2011</p>
<p>- Maren Tomforde: â€žBereit fÃ¼r drei Tassen Tee?&quot; Die Rolle von Kultur in AuslandseinsÃ¤tzen der Bundeswehr, in: S. Jaberg, H. Biehl, G. Mohrmann, M. Tomforde (Hrg.): AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr - Sozialwissenschaftliche Analysen, Diagnosen und Perspektiven, Berlin 2009</p>
<p>- Maren Tomforde: Interkulturelle Kompetenz im Auslandseinsatz, in: Wegweiser zur Geschichte, AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr, Paderborn 2010</p>
<p>- Uwe Ulrich: Interkulturelle Kompetenz in der Bundeswehr, in: H.-C. Beck, C. Singer: Entscheiden, FÃ¼hren, Verantworten - Soldatsein im 21. Jahrhundert, Berlin 2011</p>
<p>- Gabriele Zdunnek, Thomas Zitelmann: Wirkungen von FriedensfÃ¶rderung, Entwicklungszusammenarbeit und Militarisierung - Konzepte und Praxis in Afghanistan, in: Peripherie Nr. 122/123, MÃ¼nster 2011, S. 178 ff</p>
<p>- Bundesministerium der Verteidigung: VorlÃ¤ufiges Konzept zur Vermittlung und StÃ¤rkung von Interkultureller Kompetenz in der Bundeswehr, November 2010</p></div>


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