winnikl.jpg (2306 Byte)Winfried Nachtwei, MdB
Bündnis 90/Die Grünen

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Wer den Frieden will, bereite den Frieden vor.

Beiträge zur Stärkung der zivilen Säulen internationaler Friedensmissionen

Dokumentation der Fachtagung Bündnis 90/Die Grünen vom 12.10.2001 in Berlin

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  1. Lessons Learned?
    Internationale Beiträge zur Verbesserung der zivilen Missionsfähigkeiten

    Gudrun Steinacker,
    Koordinatorin für Ausbildung und Kapazitätsbildung, OSZE-Sekretariat Wien:

    Die OSZE ist eine regionale Sicherheitsorganisation ihrer 55 Teilnehmerstaaten, die sich von Wladiwostok nach Vancouver über die gesamte nördliche Hemisphäre erstreckt. Sie ist heute in ihrer Region die Organisation mit der meisten Erfahrung in zivilen Friedensmissionen. Die OSZE ist seit Beginn der 70er Jahre aus der KSZE, einer Abfolge von Konferenzen über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa entstanden. Die Bereiche, mit denen sich die OSZE heute befasst, entsprechen im wesentlichen noch immer den sog. drei "Körben" der Schlussakte von Helsinki von 1975: vertrauensbildende Maßnahmen im Bereich der militärischen Zusammenarbeit, Menschenrechte, Demokratisierung, Medienfreiheit, die sog. menschliche Dimension der OSZE, und Zusammenarbeit im wirtschaftlichen und im Umweltbereich. Dazu kommen heute noch die Organisation und Beobachtung von Wahlen, Polizeimonitoring und –training und Grenzbeobachtung.

    Missionen oder Feldaktivitäten der OSZE

    Die OSZE-Missionen haben mit Ausnahme der OSZE Mission im Kosovo, die auf die Sicherheitsratsresolution der Vereinten Nationen 1244 zurückgeht, ein Mandat vom Ständigen Rat der OSZE, was aufgrund des Konsensprinzips in der OSZE bedeutet, dass sie immer auch die Zustimmung des Staats besitzen, in dem sie eingerichtet wurden. Die Missionen sind ein Instrument der Vorwarnung, der Konfliktverhütung und des Krisenmanagements. Davon steht natürlich vieles oft nur auf dem Papier, da es bei der Umsetzung letztlich immer auf den politischen Willen der beteiligten Staaten ankommt. Daher muss man sich vor allem die Praxis vor Ort anschauen. Ein wichtiger Arbeitsbereich der OSZE, auf dem Balkan von besonderer Bedeutung, ist die Rehabilitation nach einem Konflikt, die Wiederherstellung oder überhaupt erst die Schaffung eines demokratischen Rechtsstaats und einer Zivilgesellschaft.

    Zur Zeit hat die OSZE 21 Einsätze, die nicht alle die Bezeichnung "Mission" tragen, z.B. gibt es in Albanien eine "Präsenz" der OSZE, die von einem deutschen Diplomaten geleitet wird; in Zentralasien haben wir zum Teil Zentren, im Kaukasus Büros. Die Zahl der internationalen Mitarbeiter beläuft sich derzeit auf etwa 1.300 internationale und, was für mich im Schulungsbereich sehr wichtig ist, auf über 3.000 lokale Mitarbeiter(-innen), vom Kraftfahrer, Boten, der Sekretärin und dem /der Übersetzer(-in) bis hin zu professionellen Mitarbeiter(-inne)n, Juristen, Journalisten usw. Gerade auf diese Mitarbeiter(-innen) müssen wir bei Schulungen in den Missionen ein besonderes Augenmerk richten, weil sie für die Nachhaltigkeit der OSZE-Missionen sehr wichtig sind. Sie werden bleiben - wenn die OSZE-Missionen hoffentlich (das ist ja das Ziel) eines Tages beendet werden. Bisher wurde allerdings noch keine Mission für beendet erklärt.

     

    Missionsgebiete:

    Die größten Missionen der OSZE sind auf dem Balkan. Davon ist die OSZE-Mission im Kosovo (OMIK) im Rahmen der UN Mission im Kosovo (UNMIK) am bekanntesten und größten mit rund 600 internationalen und 1300 lokalen Missionsmitgliedern. Dann folgen Bosnien, Kroatien, Jugoslawien (seit Anfang dieses Jahres), Albanien und natürlich in Skopje - übrigens eine der ersten Missionen überhaupt, die von der OSZE schon 1993 eingerichtet wurde. Skopje ist zur Zeit dabei, Bosnien den Rang als zweitgrößte Mission abzulaufen, da die Mission aufgrund von mehreren Beschlüssen des Ständigen Rats auf über 200 internationale Missionsmitglieder erweitert werden wird. Dann haben wir Missionen im Baltikum und Büros in einigen osteuropäischen Staaten wie der Ukraine, Weißrussland und Moldau; zudem die Missionen und Büros im Kaukasus. Die größte davon ist in Georgien. In allen fünf zentralasiatischen Staaten hat die OSZE-Zentren, bzw. in Tadschikistan eine Mission. Die mit dem andauernden Konflikt in Afghanistan verbundene Bedrohung für die regionale Sicherheit ist insofern keineswegs neu für die OSZE. Drei der OSZE-Teilnehmerstaaten in Zentralasien haben zum Teil sehr lange Grenzen mit Afghanistan und sind seit langem unmittelbar von dem andauernden Krieg dort und seinen Folgen betroffen.

     

    Training:

    Meine Zuständigkeit als Koordinatorin für Schulungen in der OSZE ist die Aus- und Weiterbildung der OSZE-Mitarbeiter(innen) in den OSZE Institutionen und in den Missionen. Die OSZE hat vor allem nach den Erfahrungen mit der sog. "Kosovo Verification Mission" erkannt, dass die Missionsmitglieder für ihren Einsatz gut vorbereitet sein müssen. Jeder Einsatz ist zunächst für 6 Monate geplant, der dann jeweils wieder um sechs Monate bis zu maximal fünf Jahren verlängert werden kann. Die Durchschnittsverweildauer in den Missionen beträgt derzeit 18 Monate. Wegen der kurzen Entsendezeit ist es um so wichtiger, dass die neuen Missionsmitglieder vom ersten Tag in der Mission "funktions"- und arbeitsfähig sind . Alle OSZE-Missionen haben neben ihren unterschiedlichen Mandaten die Aufgabe, die Zivilgesellschaft zu fördern, zur Demokratisierung, der Entwicklung eines Rechtsstaats beizutragen, die Menschenrechte und die Medienfreiheit zu entwickeln. Dafür werden Experten von den Teilnehmerstaaten in die OSZE-Missionen entsandt (sekundiert). Die OSZE hatte von Anfang an dieses Sekundierungssystem. Leider senden noch immer viele Staaten ihre Mitarbeiter (-innen) in die Missionen, ohne sie ausreichend auf die Arbeit im Feld vorzubereiten. Natürlich gibt es immer mehr Mitarbeiter (-innen), die bereits über Felderfahrung verfügen, sei es mit den VN oder mit einer anderen OSZE-Mission. Aber auch sie schätzen es, in weiteren Schulungen besser für den nächsten Einsatz vorbereitet zu werden. Für Missionsanfänger ist es besonders wichtig, gründlich auf die Arbeit in einer Mission vorbereitet zu werden. Das ist bis heute leider nur bei einer Minderheit der Fall. Deutschland stellt hier eine sehr rühmliche Ausnahme dar. Es gibt auch einige andere Länder, die inzwischen Vorbereitungskurse für zukünftige Missionsmitglieder eingerichtet haben oder dabei sind sie einzurichten; Finnland möchte ich hier erwähnen, das in diesem Herbst den ersten zweiwöchigen Vorbereitungskurs durchführt. Die skandinavischen Staaten hatten von je her auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle eingenommen insofern, dass sie bereits Reserven mit erfahrenen Missionsmitareiter(-inne)n aufgebaut haben. Großbritannien hat dieses Jahr begonnen, Vorbereitungskurse anzubieten.

    Ein Thema, das wir für die Vorbereitung aber auch in den Schulungen in den Missionen für besonders wichtig erachten, ist der Managementbereich, hier besonders das spezielle Management in einer Mission. Viele Mitarbeiter sind Experten, haben aber noch nie einem (vor allem aber nicht einem multinationalen) Team vorgestanden und wissen nicht, wie sie mit den damit verbundenen Managementproblemen umgehen sollen.

    Einen weiteren wichtigen, von den allgemeinen Managementfragen gesonderten Bereich, bilden die Techniken des Konfliktmanagements: Konfliktanalyse, Verhandlungs- und Vermittlungstechniken (Mediation). Im Kosovo haben wir eine Trainerin, von der Bradford-University, die dort "Conflict-Management-Training" für lokale wie internationale Mitarbeiter durchführt. Sie hat inzwischen schon mehr als 800 internationale und lokale Mitarbeiter (-innen) der OSZE-Mission im Kosovo geschult. Diesen Bereich wollen wir ausbauen. Deshalb hat das OSZE-Sekretariat den Posten eines Konflikttrainers für das kommende Jahr beantragt.

     

    Kooperation bei der Ausbildung:

    Wir arbeiten eng mit den Institutionen und Missionen der OSZE in unseren Schulungsprogrammen zusammen und versuchen auch den Austausch der Missionen untereinander im Ausbildungs- und Schulungsbereich zu fördern. Denn das eine ist, was wir in der Mission an Schulungen durchführen, wovon insbesondere die lokalen Missionsmitglieder profitieren und das andere, was wir von den OSZE-Teilnehmerstaaten die Missionsmitglieder entsenden, erwarten, was diese zur Vorbereitung der zukünftigen Missionsmitarbeiter(-innen) leisten können. Zu den Bereichen, in denen wir in den Missionen Schulungen anbieten, gehören auch sehr praktische Fähigkeiten, wie z.B. das Fahren von Wagen mit Allradantrieb, Sicherheitsschulungen, die Benutzung eines Funkgeräts, die Arbeit als und mit einem Dolmetscher usw.

    Die Schulung von Missionsmitgliedern sollte unserer Auffassung nach in drei Stufen stattfinden, beginnend mit der Vorbereitung im Teilnehmerstaat. Es macht mir Hoffnung, dass immer mehr Staaten, wie auch Deutschland, ihre Vorbereitungskurse für Teilnehmer aus den kleinen OSZE-Staaten, die sich keine eigenen Ausbildungskurse leisten können, öffnen. Im OSZE-Sekretariat in Wien sind wir dann für ein Einführungsprogramm von zwei, demnächst drei Tagen verantwortlich sowie für die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter(innen) in Wien und aus den kleineren Missionen. Dann finden schließlich in den Missionen selber missionsspezifische Einführungs- und Trainingsprogramme statt, die sich an dem Bedarf vor Ort orientieren.

    Damit gewährleistet ist, dass die Missionsvorbereitung in den Teilnehmerstaaten den Mindestanforderungen genügt und um den Teilnehmerstaaten eine Hilfestellung für die Einrichtung von Vorbereitungskursen zu gewähren, hat die Trainingssektion des OSZE-Sekretariats in Wien Trainingsstandards entwickelt, die als Broschüre vorliegen. Wer daran interessiert ist, sollte auf die Webseite der OSZE gehen: www.osce.org/training/ .Die Trainingstandards sind eine Kombination von Modulen mit denen theoretische und praxisbezogene Kenntnisse vermittelt werden sollen. Die Schulungssektion des OSZE-Sekretariats wünscht, dass eines Tages in den Teilnehmerstaaten der OSZE, z.B. auch durch die Einrichtung regionaler Trainingszentren wie das Österreichische Studienzentrum für Friedens- und Konfliktforschung in Stadtschlaining, ausreichend Kapazität vorhanden sein wird, um allen Missionsmitarbeiter(inne)n vor Beginn ihres Missionseinsatzes eine vorbereitende Schulung zu vermitteln.