winnikl.jpg (2306 Byte)Winfried Nachtwei, MdB
Bündnis 90/Die Grünen

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Wer den Frieden will, bereite den Frieden vor.

Beiträge zur Stärkung der zivilen Säulen internationaler Friedensmissionen

Dokumentation der Fachtagung Bündnis 90/Die Grünen vom 12.10.2001 in Berlin

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  1. Lessons Learned?
    Internationale Beiträge zur Verbesserung der zivilen Missionsfähigkeiten

    Diskussion

    s Helmut Lippelt, MdB:

    Ich habe eine Frage an Herrn Matthiessen. Wenn schon das Verhältnis zwischen Herrn Heusken und Ihnen so kompliziert zu definieren war, möchte ich doch wissen: Wie koordinieren eigentlich Solana und Patten an der Spitze? Dieses vor allem deshalb, weil wenn ich das richtig verstehe, die zeitweise ja zusammen reisten, in letzter Zeit Solana mehr der Chefdiplomat ist. Und ich verstehe nun: Gelder hat die andere Seite, obwohl Solana doch offensichtlich als Hoher Kommissar der Regierungsseite und des Ministerrates genauso an Gelder herankommen könnte. Mir bleibt das so als Doppelstruktur immer ein bisschen undurchsichtig. Und ich habe eine Frage an Oberst Gerlach. Da wollte ich nämlich einfach fragen: Herr Oberst, ich komme gelegentlich mal ins Kosovo, und ich habe es so verstanden, dass zu Anfang die Bundeswehr in der Tat alles tat - und dann mit dem Aufbau der anderen Dienste sich auch gern zurückzog. Nur, wir haben eine Entwicklung seit Mazedonien. Und da habe ich oft den Eindruck, als wenn die KLM nicht so richtig von der Polizei, die ja auch sehr mühsam erst aufgebaut wurde, in Schach gehalten werden kann. Und auf der anderen Seite sich die Bundeswehr aber auch ein bisschen auf die Kernaufgaben im Kosovo zurückzieht, d.h. bei Aufwachsen von Mafia-Strukturen dieses vielleicht nicht ganz gerechtfertigt ist. Auf der anderen Seite weiß ich natürlich, dass die Bundeswehr viel damit zu tun hat, die Serben zu beschützen.

    s Alexander Skiba:

    Meine Frage wurde eigentlich schon vorweggenommen. Die ging auch in Richtung Zusammenarbeit der Ratsstrukturen und Kommissionsstrukturen in Fragen der Konfliktprävention. Und, um dann vielleicht noch mal ein bisschen visionärer zu werden: Wie das ganze sich entwickeln könnte in Zukunft? Wird das darauf hinauslaufen, dass es eine militärische Organisationsstruktur gibt für einen EU-Conflict-Prevention-Service, wie das mal vorgeschlagen wurde? Und wie sieht das genau mit der NGO-Zusammenarbeit aus?

     

    Michael Matthiessen:

    Nun, ich bin mir dessen bewusst, dass in der EU vieles sehr kompliziert ist. Aber dennoch denke ich, dass wir gerade aus dem Zusammenwirken der verschiedenen Akteure und der uns zur Verfügung stehender Instrumente einen Nutzen gewinnen können.

    Nun zur Frage bezüglich Herrn Solana und Herrn Patten: Die Einsetzung eines Hohen Beauftragten war ein Ergebnis des Amsterdamer Vertrages. Die EU wollte auf diesem Wege eine Verbesserung auf dem Gebiet der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik erreichen. Die Idee war, dass der Hohe Beauftragte die Präsidentschaft und den Europäischen Rat unterstützen und zu mehr Kontinuität im Hinblick auf Außen- und Sicherheitspolitik verhelfen sollte – sie generell erkennbarer machen sollte. Denn eines der Probleme der EU ist: Wie gewährleistet man eine klar erkennbare, kontinuierliche Außen- und Sicherheitspolitik, wenn die Präsidentschaft alle sechs Monate wechselt? Wir alle kennen die berühmte Frage, die Dr. Kissinger in den siebziger Jahren stellte: "Welche Nummer muss ich wählen, wenn ich mit Europa sprechen will?" Dieses Problem hat sich vielleicht nicht gerade verbessert, aber in vielen Ländern (und nicht zuletzt in den USA) kennt man nun Javier Solana - und man weiß auch, wie man ihn erreichen kann.

    Das Amt des Hohen Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik ist ein relativ neues Amt. Und es ist nicht gerade einfach dieses Amt zu bekleiden, denn der Amsterdamer Vertrag beschreibt das Aufgabengebiet des Hohen Beauftragten nicht sehr präzise. Und neben Herrn Solana sind da noch eine Reihe weiterer, die auch auf diesem Gebiet ein Wort mitreden wollen: z.B. Chris Patten oder Kommissionspräsident Romano Prodi, der in die Außenpolitik eingreift, indem er beispielsweise Telefongespräche mit Herrn Gaddafi u.a. führt. Hinzu kommen zahlreiche Akteure allein innerhalb der Kommission. Nicht zu vergessen: die Präsidentschaft. Zur Zeit sind es Premierminister Verhofstad und Außenminister Michel, die sich als sehr aktive Akteure auf diesen Feldern auszeichnen. Unsere Aufgabe ist es nun, all diese Akteure in ihrem Zusammenspiel zu koordinieren. Und, so wie ich es sehe, gelingt uns das auch ganz gut. Javier Solana und Chris Patten sind sehr besonnene Politiker, die es verstehen, sich sowohl untereinander als auch mit Louis Michel abzusprechen und zu ergänzen. Das fällt natürlich zur Zeit nicht besonders schwer – alle drei befinden sich in Brüssel und manchmal reisen sie deshalb auch zusammen, als Troika gewissermaßen. Aber ich möchte Ihnen auch nicht verschweigen, dass es natürlich auch hier und da Reibungspunkte innerhalb der Strukturen und Bürokratien gibt. Da gibt es schon Auseinandersetzungen zwischen den langjährigen Kollegen der EU-Institutionen und den Mitarbeitern des Hohen Beauftragten.

    Trotzdem denke ich, dass es gut ist, dass es die Funktionen von Javier Solana und Chris Patten gibt – und dass sie auf fünf Jahre mandatiert sind. Sie gewährleisten außen- und sicherheitspolitisches Profil und Kontinuität. Das bringt auch Vorteile für die kleinen Mitgliedstaaten wie Dänemark, Belgien, Portugal oder Luxemburg mit sich; es verstärkt ihr außenpolitisches Gewicht. Und ich glaube, dass sich die großen Mitgliedstaaten in stärkerem Maße eigenständig engagieren würden, wenn sie nicht vollstes Vertrauen in die derzeitigen Strukturen der EU hätten.

    Soviel zu Ihrer Frage. Nur um es noch einmal zu erwähnen: Ich denke, dass es auf diesem Gebiet noch genug Aufgaben für uns gibt. Aber Sie haben natürlich recht: Javier Solana mag der bedeutendste Diplomat sein - aber Chris Patten, Paul Nielsson und Günther Verheugen haben das Geld. Sie sind also auf enge Kooperation angewiesen. Und sie kooperieren auf vielfältige Weise miteinander. Und ich denke, dass es gerade in Zeiten internationaler Krisen, wie wir sie zur Zeit durchleben, nur von Vorteil sein kann, wenn die Verantwortlichen und ihre Mitarbeiter ihre Unternehmungen untereinander absprechen und koordinieren.

    Ich will nun noch etwas sagen zur Frage nach der Zusammenarbeit mit den NGOs. Wir haben regen Kontakt mit den NGOs. Um ein Beispiel zu geben: Erst gestern hatten wir eine anderthalbstündige Telefonkonferenz zwischen der UNHCR in Genf und unserem EU Situation-Centre. An dieser Konferenz waren außerdem die Kollegen der Europäischen Kommission beteiligt. Ich denke, wir sind wirklich um Kooperation und Bündelung von Aufgaben bemüht, auch wenn dies alles auf Außenstehende etwas kompliziert wirken muss.

     

    Oberst Ernst Gerlach:

    Es ist natürlich richtig, dass die meisten dieser zusätzlichen nichtmilitärischen Aufgaben zu Beginn einer Operation anfallen. Ebenso ist richtig, dass mit dem Aufwuchs und dem Herstellen der Einsatzbereitschaft ziviler Organisationen (von Regierungsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen) ein großer Teil dieser Aufgaben uns wieder abgenommen wird. Das hängt natürlich ursächlich mit unserem Auftrag zusammen, der ja nicht zuletzt in diesem hohen Hause hier formuliert wird. Wie weit die Erweiterung oder die nichtmilitärische Tätigkeit von Soldaten gehen kann, will ich nur an ein paar Beispielen verdeutlichen: Es war Michael Jackson, immerhin ein britischer General, der mit der Republik Jugoslawien einen Vertrag ausgehandelt hat. Der hieß dann zwar letztendlich "Military Technical Arrangement", regelte aber den Abzug der serbischen Streitkräfte aus dem Kosovo. Heute werden diese Verhandlungen mit Serbien sicherlich nicht mehr auf der militärischen Ebene durch die NATO geführt, aber am Anfang war eben niemand anderes da. Was die Bekämpfung der UCK oder KLM (oder wie auch immer diese Organisationen gerade heißen mögen) angeht, berührt das ja genau die Frage: Ist das ein äußerer Gegner? Oder ist das eine innere Gefährdung - und somit wie organisierte Kriminalität und durch die Polizei zu bekämpfen? Und natürlich haben wir inzwischen auf dem Balkan und auch im Kosovo eine beträchtliche Polizeipräsenz, die uns eine Menge dieser Arbeit abnimmt. Und was Mazedonien angeht, ist die aktive Bekämpfung dieser Terroristen nicht Teil des Auftrages der Task-Force- Fox. So dass wir uns da jetzt einfach zurückhalten.

    s Frage von Dr. Peter Lock:

    Ich habe eine Frage zu einer Vokabel, die der Fraktionsvorsitzende stolz gebraucht hat. Und wir sind ja im Moment in einer Phase, in der wir weitreichende neue Vokabeln lernen, deren gesellschaftspolitische Implikationen wir nicht sofort begreifen. Es fängt damit an, dass wir in den letzten acht Wochen das Wort "Schläfer" gelernt haben, was katastrophale gesellschaftspolitische Implikationen hat. Umso interessierter habe ich jetzt zugehört, dass wohl jetzt die Formel aufgestellt worden ist, dass Friedenspolitik gleich Ordnungspolitik ist. Und aus meinem Volkswirtschaftstudium weiß ich, dass Ordnungspolitik auf der Ebene Neoliberalismus oder Nicht-Neoliberalismus liegt. Und ist diese Formulierung tatsächlich so gemeint, dass wir Krisenprävention jetzt auch als etwas begreifen, was auch Veränderungen in unserer eigenen Gesellschaft betrifft? Oder ist das so eine Vokabel die meint, dass Ordnungspolitik was mit Polizei zu tun hat? Daran wäre ich sehr interessiert. Wenn es die erweiterte Version wäre, dann würde ich das in der Tat für einen sehr großen Fortschritt halten. Das hat dann wieder was mit Mafia und Schatten-Globalisierung zu tun, dass wir uns nämlich mit der Ordnungspolitik, die wir die letzen 20 Jahre weltweit wirtschaftspolitisch organisiert haben, auseinandersetzen müssen und fragen: Inwieweit gibt es da ursächliche Zusammenhänge mit dem Chaos und der Schattenökonomie, die letztlich dann die Sicherheitsrisiken auf dieser Welt produziert und die funktionalen Voraussetzungen für solche Gewaltakte abbildet?

    s Frage von Dr. Wilhelm Höynck:

    Ich würde gerne eine Frage stellen, die noch mal den Komplexitätstopos beleuchtet und bitte gleich im vorhinein, das nicht als Kritik zu empfinden. Ich denke, wir sind alle beeindruckt von dem Aufbau der Fähigkeiten im Rahmen der gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik. Aber ich habe doch Zweifel, Herr Matthiessen, ob Ihre Aussage: "Die EU steht nicht in Konkurrenz zur UN und der OSZE" wirklich den Tatsachen entspricht. Ich kann mich aus meiner eigenen Zeit gut erinnern, dass wir, als wir die Bosnien-Mission aufbauten, auch versuchten, EU-Monitoren mit einzubeziehen. Es war ungeheuer schwierig hier ein gemeinsames Verständnis zu finden. Es wäre für uns in der OSZE mit Sicherheit leichter gewesen, allein auf dem Grund zu operieren. Aber die Kommission und die Europäische Union insistierte, dass neben der OSZE auch noch die Monitoren operieren sollten. Wenn ich die Situation richtig verstehe, haben wir eine ähnliche Lage im Augenblick Mazedonien. Mag sein, dass ich mich täusche, dass es keine Konkurrenz zwischen der EU, den UN und der OSZE gibt. Ich würde hoffen, dass es so wäre. Aber ich denke, das ist eine der ganz großen Herausforderungen bei diesem Aufbau. Die EU tritt hier auf einem sehr komplizierten und komplexen Feld als ein weiterer, neuer, starker, reicher und politisch einflussreicher Akteur auf. In Konkurrenz zu existierenden Organisationen. Und: Es ist ja nicht nur, dass sie "nicht mit den UN und der OSZE in Konkurrenz" stehen, die EU konkurriert ja auch mit den Mitgliedstaaten. Ich versetze mich in die Lage von DPKO in New York, der Polizeibeamte/eine Polizei-Unit anfordert. Die VN wenden sich an die Nationalstaaten und sie wenden sich, denke ich, klugerweise auch an die EU. Sie haben auf ihren Listen in Zukunft doch genau die gleichen Leute, die wir auch auf unserer Liste haben. Also: Wer ist denn nun? Wer zahlt denn eigentlich? Wer reagiert denn eigentlich? Die Staaten haben natürlich den Wunsch zu sagen: Mein Polizeibeamter hat natürlich die Leitung – und wo kommt ihr da in Brüssel? Also, ich will noch mal sagen: Ich sage das nicht als Kritik, sondern als eine Beleuchtung der außerordentlichen, zusätzlichen Komplexität, die geschaffen wird bei einem sehr starken Spieler wie der Europäischen Union. Und ich denke, diese vorhersehbaren und schon existierenden Reibungsverluste möglichst gering zu halten (sie werden sie nicht ausschalten können) wird eine ganz große Aufgabe sein. Und Entschuldigung, dass ich noch eine kurze Frage anhänge. Wenn ich das richtig verstehe, und das ist ja bei den Monitoren auch schon der Fall: Sie wollen ja nicht nur die UN oder die OSZE unterstützen, Sie wollen ja eigene Operationen führen. Also, ich denke die Komplexität gewinnt an Intensität.

     

    Michael Matthiessen:

    Herr Botschafter, das ist ein wichtiger Punkt, den Sie da ansprechen. Ich meinte, dass es letztlich das Ziel sein müsse nicht zu konkurrieren. Aber ich verstehe ihre Anmerkungen sehr wohl, sie sprechen da ein ganz schwieriges Thema an. Aber ich möchte sagen, und ich glaube, dass das auch aus dem hervorgeht, was die Diskussionsrunde bisher sagte: Es passiert derzeit dermaßen viel auf dem Feld der Konfliktprävention und des Krisenmanagements, dass letztlich für jeden von uns noch genug Arbeit übrig bleibt. Allein wir müssen uns darauf verständigen: Wer macht was? Und wer ist für welche Aufgabe am besten geeignet?

    Es ist nun einmal Fakt, dass die UN so eine große Anzahl von Mitgliedstaaten hat, die OSZE 55 und die EU 15 (vielleicht 20 oder 25 in den nächsten Jahren). Ich denke, das ist wichtig zu betonen, wenn wir über die UN reden. Was wir versuchen, hat eine Menge mit dem zu tun, was der Brahimi-Report gefordert hat.

    Und, wie Sie und auch ich bereits erwähnten: In der zivilen Krisenmanagement-Politik, die die EU entwickelt, wird es drei Optionen geben: UN-geführte, OSZE-geführte oder EU-geführte Missionen. Bleiben wir beim Beispiel UN: Wenn sich, nach unserem selbstgesetzten Zieldatum 2003, eine Krise entwickelt, kann ich mir vorstellen, dass Kofi Annan die EU anrufen wird und sagen wird: Wir brauchen schnell Polizeikräfte. Dann wird die EU, wenn wir bis dahin auf den Bereichen Finanzierung und Planung gut koordiniert haben, schnell Polizeikräfte entsenden können. Ich stimme Ihnen zu, dass diese selben Polizeikräfte in verschiedenen Ländern und Organisationen auf verschiedenen Listen stehen werden. Aber wie ich bereits in meinem Vortrag erwähnte: Durch die Ziele, die sich die EU jetzt gesetzt hat, hoffen wir, in Zukunft mehr Polizeikräfte, Rechtsexperten etc. zur Verfügung zu haben, die bereits ein Trainingsprogramm durchlaufen haben und schnell in internationalen Missionen einsetzbar sind.

     

    Dr. Winrich Kühne:

    Herr Höynck hat da eine Pandora-Box aufgemacht. Ich sage nur soviel: Ich teile seine Sorge. Ich kenne den Situation-Room in New-York, ich kenne den in Brüssel. Und dann frage ich mich: Wer ist die Weltorganisation? Wenn ich nur die Kapazitäten sehe. Ich glaube, dass Herr Höynck recht hat. Ich glaube, dass das in Brüssel nicht eigens lösbar ist. Sondern dass das eine Frage der hohen Politik betrifft, nämlich genau: globale Ordnungspolitik und Global-Governance. Es betrifft europäische Sicherheitsarchitektur. Was ist das Verhältnis zwischen OSZE, EU und UNO? Das Ausmaß an Overlap ist, wenn das mal operativ wird, unakzeptabel. Das muss man ganz realistisch sehen. Ich weiß nicht, ob unsere hohe Politik in der Lage sein wird, das zu ordnen. Wir haben das auch in unserem Institut lange unter dem Stichwort "Interlocking-Institutions" behandelt, und Sie wissen, das Stichwort heute ist häufig "Interblocking-Institutions".

    Stichwort Krisenprävention/Ordnungspolitik. Ich teile das, was Herr Dr. Lock zu dem Thema gesagt hat. Ich verstehe die Äußerung so, dass hier ein Bewusstseinsschub stattfindet in der Politik und in der Breite der Bevölkerung, der sicherlich auch auf der Expertenebene nicht so ganz neu ist. Ich war immer etwas unglücklich mit dieser Überkonjunktur, die Konfliktprävention als Begriff hatte, weil im Grunde betrifft das das Kräuseln der Oberfläche des Wassers. Konflikte sind Ausdruck von etwas. Und Konfliktprävention ohne sinnvolle Struktur- und Ordnungspolitik gibt es nicht. Afghanistan zeigt (und im Grunde hat der 11.09. nur das Fass aufgemacht) wie viel da zu tun ist. Ich habe es bereits am Anfang genannt: arm/reich, Dialog mit dem Islam, Palästina, vergessene Konflikte usw.

     

    Gudrun Steinacker:

    Ich will nur noch mal ganz kurz etwas zu dem Stichwort Schulung, Ausbildung, Vorbildung sagen und nicht auf das potentielle, tatsächliche Konkurrenzverhältnis von internationalen Organisationen eingehen. Wir haben mit der EU in diesem Bereich einen guten Kontakt etabliert. Auch mit den Vereinten Nationen. Die Zusammenarbeit in diesem Bereich, die komplementäre Zusammenarbeit, ist mir sehr wichtig nach wie vor; solange noch nicht einmal alle EU-Mitgliedsstaaten ihre zivilen Mitarbeiter vorbereiten auf Missionen, gibt es immer noch sehr viel zu tun.

     

    Oberst Ernst Gerlach:

    Lassen Sie mich zum Schluss noch mal eins herausstellen: Ich spreche bewusst von Friedensmissionen und nicht von zivilen oder militärischen Friedensmissionen, weil ich der Auffassung bin, dass militärische Mittel und zivile Anstrengungen nur gemeinsam den Erfolg von Friedensmissionen gewährleisten. Der Umfang, das Gewicht in diesen Friedensmissionen ist sicherlich verschieden und je nach Lage anders. Aber grundsätzlich werden wir nur Erfolg haben, wenn wir alle: Soldaten, Politiker, Hilfsorganisationen und wer auch immer, zusammenwirken für das gemeinsame Ziel.